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09.08.2002 - 

Analysten sehen noch kein Ende der Durststrecke

Der Aufschwung ist auf 2003 vertagt

MÜNCHEN (CW) - Das zweite Quartal 2002 brachte den Unternehmen im Markt für Informations- und Kommunikationstechnik (IuK-Techniken) überwiegend schwache Geschäftszahlen. Damit war gerechnet worden, nicht aber mit den vielen schlechten Prognosen für die zweite Jahreshälfte. Doch es gibt auch einige Lichtblicke.

An Prophezeiungen zur Entwicklung des Marktes für Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) herrscht derzeit kein Mangel, an widersprüchlichen Aussagen ebenfalls nicht, wenngleich die Optimisten in der Minderheit bleiben. So weissagten die Marktforscher von IDC Ende Juli, der weltweite IT-Markt werde 2002 immerhin noch um 3,7 Prozent auf ein Volumen von 981 Milliarden Dollar wachsen.

Zwar sei das Hardwaregeschäft um vier Prozent rückläufig, solide Umsätze im Software- und Servicemarkt würden diesen Einbruch aber kompensieren. Die Talsohle ist erreicht, lautet die frohe Botschaft der Marktforscher. Die IT-Ausgaben sollen im nächsten Jahr weltweit wieder um neun Prozent steigen, erstmals werde die Eine-Billion-Dollar-Barriere für den Gesamtmarkt fallen.

Pessimisten haben Oberwasser

IDC bildet mit seiner Zuversicht jedoch eine Ausnahme, zurzeit haben die Spielverderber Oberwasser - etwa die Analysten der Bankhäuser Merck Finck & Co. und WGZ-Bank. Beide Institute gehen nicht von einer Erholung des IT-Marktes in diesem Jahr aus, allenfalls in Konsumentenmärkten seien leichte Impulse durch das Weihnachtsgeschäft denkbar. Merck Finck & Co. hält auch 2003 eine Investitionszurückhaltung für wahrscheinlich, zumal Terror, Kriege und Bilanzskandale die weltweiten Märkte weiter verunsicherten. Etwas optimistischer sind die IT-Beobachter der WGZ-Bank, die Anfang nächsten Jahres erste Anzeichen eines Aufschwungs erwarten.

Die genauere Betrachtung der Budgetplanungen von Anwendern gibt den Skeptikern recht. Die amerikanische "CIO" etwa, Schwesterpublikation der COMPUTERWOCHE, sieht in diesem Jahr keine Erhöhung der IT-Ausgaben. Knapp die Hälfte (42 Prozent) von 282 IT-Verantwortlichen äußerte sich in der Juli-Umfrage des Magazins skeptisch. Dabei waren ähnliche Umfragen von Anfang dieses Jahres deutlich positiver ausgefallen. Die IT-Manager gehen derzeit davon aus, dass die Budgets in den kommenden zwölf Monaten um 5,5 Prozent wachsen werden. Im Juni rechneten die Befragten noch mit einem Anstieg der Investitionen um 5,9 Prozent.

Der Wachstumsindex von CIO, der als "Tech Future Growth Index" bezeichnet wird und die IT-Aktivitäten der kommenden zwölf Monate abbildet, setzte seine Talfahrt fort. Er fiel von 2,4 im letzten Monat auf 2,2 im Juli - im Mai dieses Jahres hatte er immerhin auf 2,9 gestanden. Auch einige Investment-Banken haben sich die IT-Budgetplanungen der Anwender genauer angesehen.

Rund 100 IT-Manager der weltweit größten 1000 Unternehmen standen Goldman Sachs Rede und Antwort. Mehr als die Hälfte wird das ursprünglich kalkulierte Budget nicht voll ausschöpfen, viele wollen die Ausgaben in den nächsten Monaten weiter senken. Immerhin 34 Prozent rechnen nicht damit, vor 2004 zu "normalen Investitionsmustern" zurückzukehren. Dieselbe Frage war in diesem Jahr schon zweimal gestellt worden, zunächst hatten 17, dann 26 Prozent angekündigt, bis 2004 den Gürtel enger zu schnallen.

CIOs kürzen Budgets

Die Zahlen passen zu denen von Morgan Stanley. Dort heißt es, 37 Prozent von 225 Chief Information Officers (CIOs) aus Top-1000-Unternehmen strichen - zum Teil auf Anweisung des Senior-Managements - an ihren IT-Budgets herum. Weitere 39 Prozent hätten ihre Investitionspläne für dieses Jahr zwar noch nicht revidiert, beobachteten aber die Marktentwicklung dahingehend.

Die Planungszahlen der Anwender zeigen: In diesem Jahr geht im weltweiten IT-Geschäft vermutlich nicht mehr viel. Folge der andauernden Krise ist eine Marktbereinigung, die längst eingesetzt hat: Nahezu alle Marktforscher sind sich darin einig, dass sich der Konsolidierungsprozess zugunsten der finanziell stabilsten Lieferanten vollzieht. Laut Morgan Stanley haben schon 60 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen die Zahl der Softwarelieferanten zusammengestrichen. Nutznießer seien Marktführer wie IBM, Microsoft, Oracle, Peoplesoft und SAP.

Doch ob sie nun Marktanteile gewinnen oder nicht - auch in diesen Häusern ist die Stimmung mies. Das Wettbewerbsumfeld sei "brutal", der Preiskampf "selbstmörderisch", lamentierte beispielsweise Peoplesofts Chief Executive Officer (CEO) Craig Conway. SAP-Chef Hasso Plattner gab anlässlich der Ankündigung mäßiger Quartalszahlen zu Protokoll: "Es gibt keine Mega-Deals mehr", Deutschlands Softwareschmiede Nummer eins werde darauf mit veränderten Vertriebsstrukturen reagieren.

Jeff Henley, Finanzchef von Oracle, rechnet in diesem Jahr nicht mehr mit einer Marktbelebung und kündigte für das laufende Quartal einen neuerlichen Einbruch bei den Lizenzverkäufen um 15 bis 25 Prozent an. Oracle werde nun versuchen, mehr Geschäft mit dem angeblich investitionsfreudigeren Mittelstand zu machen. Auch bei Computer Associates (CA) hält sich der Optimismus in Grenzen: "Kunden werden nicht investieren, bevor sich nicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern", fürchtet CA-Chef Sanjay Kumar, der weiterhin ein "schwieriges Marktumfeld" erwartet.

Keiner kauft PCs

Besser sieht es auch im Hardwaremarkt nicht aus, wo einzig Direktanbieter Dell solide Zahlen vorweisen kann. IBM, Intel und Sun - vermutlich am Ende ebenfalls Gewinner der Krise - mussten im zweiten Quartal schwere Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen und kommen um Massenentlassungen nicht mehr herum. Der PC-Markt ist vom ersten auf das zweite Quartal 2002 erneut um rund acht Prozent eingebrochen (Gartner Dataquest, IDC), und auch im Server- und Handheld-Segment gehen die Einnahmen laut IDC beziehungsweise Gartner zurück.

Während die betroffenen Unternehmen jedoch überwiegend sicher sein können, nach der Konjunkturkrise wieder fest im Sattel zu sitzen, fehlt diese Gewissheit vielen Anbietern aus der TK-Branche. Worldcom, KPN Qwest, Global Crossing, Carrier One - diese Netzbetreiber sind bereits bankrott. Zulieferer wie Lucent, Nortel, Alcatel und Ericsson stecken den jüngsten Ergebnissen zufolge nach wie vor in größten Schwierigkeiten, Hunderttausende von Mitarbeitern haben dort bereits ihren Arbeitsplatz verloren.

Es gibt auch positive Signale

Die Nachrichten sind schlecht, die Stimmung ist trüb - dabei werden die wenigen positiven Signale leicht übersehen. Doch es gibt sie. In der Halbleiterbranche, die als Vorbote für die Konjunktur im gesamten IuK-Markt gilt, ist der Aufwärtstrend trotz der jüngsten Rückschläge unübersehbar. Den siebten Monat in Folge kletterte im Juni 2002 die Book-to-Bill-Ratio (das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz) auf einen Wert von 1,28. Der Branchenverband Semi, der diese Zahl ermittelt, schließt daraus, dass sich die Industrie allmählich erholt. Für den PC-Markt ist das noch nicht absehbar: Intel meldete schwache Zahlen für das zweite Quartal, warnte vor einem ebenfalls mäßigen zweiten Halbjahr 2002 und kündigte die Entlassung von weiteren 4000 Mitarbeitern an - im Vorjahr hatten schon 7000 Beschäftigte gehen müssen. Während Intel den Umsatz etwa auf Vorjahresniveau halten konnte, musste Wettbewerber AMD sogar einen Umsatzeinbruch von 39 Prozent melden. Doch verzeichneten andere Hersteller, die etwa für Handys oder Consumer-Elektronik produzieren, eine deutlich aufsteigende Tendenz.

Aus der Softwarebranche gab es ebenfalls nicht nur Katastrophen zu berichten. Microsoft übertraf mit einem Umsatzanstieg um zehn Prozent auf 7,25 Milliarden Dollar alle Erwartungen und konnte auch beim Gewinn trotz hoher Wertberichtigungen für Fehlinvestitionen positiv überraschen.

Wachstumsmarkt Security

Zu überzeugen vermochten auch Sicherheitsspezialisten wie Symantec und Network Associates, die um 39 Prozent beziehungsweise 21 Prozent mehr einnahmen, oder die auf Business Intelligence spezialisierten Softwarehäuser Cognos, Hyperion und Business Objects. Im Markt für Web-Content- und Dokumenten-Management trennt sich derweil die Spreu vom Weizen. Während hierzulande Ceyoniq und SER Insolvenz anmeldeten und in den USA ehemalige Shooting-Stars wie Vignette und Interwoven schwer unter Druck geraten sind, glänzen Anbieter wie Documentum und Filenet, die jeweils kräftig zulegten.

Hoffnung gibt es mittelfristig auch für die derzeit darbenden Softwaresegmente: Von den 225 von Morgan Stanley befragten CIOs sagte die größte Gruppe (36), sie priorisiere in nächster Zeit Investitionen in ihre ERP-Umgebung. Die zweitmeisten Stimmen erhielt das Segment Customer-Relationship-Management (24 Nennungen), gefolgt von Supply-Chain-Management (18). (hv)

Branchenmonitor

Wie lange die Krise im IuK-Markt andauern wird, weiß niemand wirklich - auch wenn es wohl noch nie so viele Prognosen und Analysen gab. Damit Sie sich ein Bild machen können, bringt die COMPUTERWOCHE Anfang jedes Monats einen Newsletter heraus, in dem die wichtigsten Marktprognosen, Unternehmensergebnisse und Investitionsaussagen kurz und knapp zur schnellen Lektüre zusammengefasst sind.

Der BRANCHENMONITOR informiert über die Einzelmärkte Hardware, Software, IT-Services, Telekommunikation und Halbleiter. Außerdem enthält er Informationen über Zukunftsmärkte und Themen nach der Krise sowie die Situation am IT-Arbeitsmarkt. Nähere Informationen finden Sie unter www.computerwoche.de/branchenmonitor.