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09.01.2004

Der Aufschwung ist da - und was jetzt?

Eigentlich ist es eine journalistische Unart, sich selbst zu zitieren. Doch die Parallelität der Entwicklungen beziehungsweise Prognosen drängt sich geradezu auf. "Die tatsächliche und durchgreifende Wende zum Besseren wurde auf 2004 vertagt", hieß es vor Jahresfrist an dieser Stelle. Der drohende Irak-Krieg, die anhaltend schwache Konjunktur sowie die mangelnde Reformbereitschaft der Politiker hatten im Dezember 2002 den Eindruck verfestigt, dass es 2003 für die IT-Branche erneut sehr schwierig werden würde und ein Aufschwung frühestens 2004 zu erwarten sei. Dem wäre im Prinzip aus heutiger Sicht nichts hinzuzufügen - mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: Es ist nun Tatsache und nicht mehr nur (begründete) Hoffnung, dass 2004 ein viel besseres Jahr wird.

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) e.V. hat es kurz vor Weihnachten offiziell bestätigt: Die Stimmung in der deutschen ITK-Branche hat sich wesentlich aufgehellt. Der Optimismus der hiesigen Firmenlenker basiert indes nicht mehr nur auf herbeigeredeten Aufschwungparolen. Nein: Die Auftragsbücher sind wieder voll wie seit drei Jahren nicht mehr! Bitkom-Präsident Willi Berchtold brachte es auf den Punkt: "Wir reden nicht mehr nur über Erwartungen, sondern über reales Geschäft." Erfreulich ist zudem, dass sich die Erholung der deutschen ITK-Branche über nahezu alle Segmente erstrecken dürfte: Internet- und TK-Dienste sowieso, Hardware (vor allem Server und Notebooks), Software (wenn auch nur geringfügig); selbst die krisengeschüttelten TK-Ausrüster können sich 2004 wieder auf steigende Einnahmen freuen - wenngleich diese Anbieter natürlich aufgrund des dramatischen Markteinbruchs von einem deutlich gesunkenen Umsatzniveau aus operieren werden.

Eine kleine Ausnahme bleibt das Geschäft mit IT-Services, wo - vom Outsourcing einmal abgesehen - auch in diesem Jahr die Bäume für die einschlägigen Spezialisten nicht in den Himmel wachsen dürften.

Trotzdem: Die Tatsache, dass sich das jüngste Bitkom-"Branchenbarometer" auch nahtlos in die weltweiten Marktdaten und -prognosen einreiht, zeugt von einem stabilen Trend. Die geradezu euphorische Stimmung in der Halbleiterindustrie, die Rückkehr zum Wachstum im PC-Markt, ein stabiles Server-Geschäft mit leichter Aufwärtstendenz, insgesamt gute Aussichten für den ERP-Sektor: Es ließen sich noch weitere Belege für die Nachhaltigkeit des Aufschwungs anführen, der in diesem Jahr voll zum Tragen kommen dürfte. Die - glaubt man allen relevanten Umfragen - wieder moderat steigenden IT-Budgets der Anwenderunternehmen tun dazu ihr Übriges.

Kein Platz für Goldgräber

Doch der Glaube daran, dass 2004 und in den darauf folgenden Jahren wieder die alten Goldgräberzeiten zurückkehren, wäre ein fataler Trugschluss. Für ihre Verhältnisse geradezu heimlich, still und leise hat sich die ITK-Industrie inzwischen auch mental von den in der Vergangenheit gewohnten hohen Wachstumsraten verabschiedet - und das ist auch gut so. Ob die Branche damit schon, wie viele Zeitgenossen behaupten, auf dem Weg ist, ein "ganz normaler" Wirtschaftszweig zu werden, ist eine andere Frage. Aller Voraussicht nach wird man sich aber zumindest hierzulande noch von ganz anderen Gewohnheiten verabschieden müssen. Etwa der Annahme, dass Wachstum automatisch auch mehr Arbeitsplätze bedeutet.

Der Offshore-Trend wird es in den kommenden Jahren noch dramatischer als bisher schon unter Beweis stellen: Siemens, IBM, SAP & Co. halten deutsche Informatiker und Softwareentwickler, was deren "Kostenstruktur" angeht, international kaum mehr für wettbewerbsfähig! Gleiches gilt aber auch für die deutsche Softwareindustrie selbst, sieht man einmal von SAP und Software AG ab. Die dramatische Unterfinanzierung des hiesigen Softwaremittelstandes ist und bleibt jedenfalls ein brisantes Thema. Man muss deshalb auch kein Nationalist sein, um zu fragen, ob es für den IT-Standort Deutschland wirklich vorteilhaft ist, wenn - wie es zuletzt vor allem in der mittelständischen ERP-Szene der Fall war - internationale Investoren für eine ganz spezielle Art von Marktbereinigung sorgen.

Gerhard HolzwartUnternehmen & Märkte