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26.09.1986

Der Aufstieg des computerintegrierten Managements

Der Computer wird zu einem persönlichen Arbeitsgerät für Fachleute, Manager und Vorstände werden. Dieser Wandel im Verständnis des Mikro-Einsatzes hat aber nicht die Einführung einer neuen Informationstechnik zur Folge, sondern zielt bei den Unternehmen in Richtung auf einen ständigen marktgesteuerten Innovationsprozeß. In einer Folge von Beiträgen befaßt sich der Autor mit den Konsequenzen aus dieser Tatsache.

Wer morgens gegen 6 Uhr in Boston am Charles River entlangttrabt, findet sich wieder als Teil einer Jogging-Meute, weit über die Hälfte davon Frauen, deren Lauftempo den begleitenden Beobachter aus Europa nicht selten chancenlos ließ. Ob Spleen, Hobby oder Anzeichen gesellschaftlichen Wandels mag offen bleiben. Der unübersehbar dramatische Wandel dagegen infolge der Informationstechnologie war - ebenfalls am Charles River - Gegenstand der "CISR Summer Session 1986" des Center for Information Systems Research an der Sloan School of Management des ehrwürdigen M.I.T. (Massachusetts Institute of Technology).

Thema der CISR-Sommertagung 1986: "Beherrschung der Informationstechnologie - Neue Verantwortlichkeiten in verändertem Umfeld". Versammelt hatten sich etwa 250 Hohe Priester der heraufziehenden Informationsgesellschaft (Presidents, Vicepresidents for Management Systems, Consultants und High-Tech-Anbieter) - eine Teilnehmerliste mit beeindruckender Spannweite an Managementfunktionen und -ebenen, davon immerhin zehn Prozent Frauen, ein unterdurchschnittlicher Anteil, wie ein Tagungsteilnehmer bemerkte. Sie alle folgten der Einladung einer der bemerkenswertesten von 15 amerikanischen Forschungseinrichtungen, die sich mit den Auswirkungen der Informationstechnologie auf Wirtschaft und Gesellschaft befassen.

Amerikaner weitgehend unter sich

Umso erstaunlicher dabei war, daß die Amerikaner hierbei weitgehend unter sich blieben; die Europäer ignorierten, was die CISR-Denkschmiede aus kombiniertem Wissen führender Hersteller, Anwender und Forscher der Informationstechnologie anzubieten hatte. Zufall, Symptom oder erhabene Trägheit eines Kontinents, der nicht gerade begeistert ist vom "Managing Information Technology"?

Das CISR wurde 1974 an der Sloan School of Management gegründet, um den Einfluß computergestützter Informationssysteme auf den Managementprozeß zu untersuchen und darzustellen. Dabei sollte die Praxisbezogenheit derartiger Forschung durch eine enge Einbindung von Managern des öffentlichen und privaten Sektors sichergestellt werden. Daher ist Forschung am CISR pragmatisch, problemorientiert und anwendungsbezogen. Eine ausgewählte Gruppe von Sponsor-Organisationen unterstützt das Center bei Festlegung und Durchführung der bedeutsamen Forschungsfelder. Zu den Sponsor-Organisationen gehören bedeutende Namen wie: AT&T, Bank of America, IBM, DEC, Eastman, RCA, Kodak, Du Pont, Exxon, Honeywell, General Motors, US Internal Revenue Service, Xerox, Procter & Gamble, Texas Instruments.

Transmissionsriemen für Umsetzung

Das Center for Information Systems Research ist eine jener pragmatischen Institutionen, die als Transmissionsriemen bei der Umsetzung informationstechnologischer Konzepte in die Wirtschaftspraxis wirken. Wichtigstes Vehikel für die Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse sind die CISR Arbeitspapiere. Gegenwärtig umfaßt diese CISR-Reihe etwa 150 solcher Arbeitspapiere, von denen viele in führenden wissenschaftlichen und Management-Magazinen erschienen sind. Das Center ist Clearingstelle für Ideen bereits zum Zeitpunkt der Geburt neuer systemtechnischer Konzepte.

Seine fachliche Autorität gerade auch bei den anwendenden Unternehmen und Organisationen leitet das CISR vor allem auch davon ab, daß Problemstellungen, Denkansätze und Unternehmensdaten in einer Art Clubatmosphäre von den Sponsoren in die Analyse eingebracht werden. So hat das Center neben 13 anderen Management-Fakultäten von der IBM eine Zuwendung von zwei Millionen Dollar für das Forschungsprojekt "Management in den 90er Jahren" erhalten, das den Einfluß der Informationstechnologie auf den Managementprozeß und die Organisationsstrukturen untersuchen soll.

Durchlässigkeit der Machteliten

Der Forschungsstab des CISR besteht aus etwa 25 Wissenschaftlern, die zu etwa der Hälfte der Sloan-Fakultät angehören. Jeder der Sloan-Professoren des Centers verfügt über ein Budget von etwa 200 000 Dollar für eigene Projekte. Die Sponsoren tragen mit knapp einer Million Dollar zum ClSR-Budget bei. Das CISR leitet seine Fachkompetenz von einer ausgeprägten Consulting-Tätigkeit ab, die integrierter Bestandteil der Forschungsarbeit ist. Auch dies ist Ausdruck der bemerkenswerten wechselseitigen Durchlässigkeit der Machteliten in Wirtschaft, Staat und Wissenschaft in den Vereinigten Staaten. Wäre es wohl in unserem Lande vorstellbar, daß der wissenschaftliche Direktor des CISR, John F. Rockart, ehemals Vertriebsbeauftragter der IBM war?

Wenn Professoren in Amerika bis zur Hälfte ihres Einkommens aus Consultant-Tätigkeit verdienen, kann der Steg vom Elfenbeinturm des Wissenschaftsbetriebes zum Anwender nicht so schmal sein wie hierzulande - mit facettenreicher Tradition. Das CISR vermarktet sein Beratungs-Know-how zu einem Beraterhonorar von etwa 2000 bis 7000 Dollar pro Tag und die Unternehmen zahlen diese Preise. Insgesamt bearbeitet das CISR gleichzeitig etwa 20 laufende Projekte. Obwohl die Consultant-Aktivität des CISR bundesweit angelegt ist, konzentriert sie sich doch auf die Neu-England-Staaten - wegen Engpässen in der Berater-Kapazität.

Summer Session - Forum für Denkanstöße

CISR führt jährlich im Juni seine "Summer Session" mit einwöchiger Dauer durch, die allen Mitgliedern der Geschäftswelt offensteht. Ziel der Summer Session ist es, ein Forum für Denkanstöße anzubieten, die Praktiker und Wissenschaftler zu allen wichtigen Aspekten des Managements der Informationssystem-(I/S) Funktion austauschen können. Auf diesen Sommertagungen gibt das CISR einen Überblick über den gegenwärtigen Stand seiner Forschungsergebnisse. Zielgruppe für die Summer Session sind die Manager des öffentlichen und privaten Sektors für die Leitung der Informationssystem-Funktion. 1985 war Thema der CISR Summer Session "Gegenwärtige Aufgaben beim Management der Informationssysteme".

Computer schafft neue Verantwortlichkeiten

Zweifellos hat sich die Rolle des Computers in Organisationen dramatisch verändert, seit das CISR vor zehn Jahren erstmals seine Summer Session abhielt. Seit dieser Zeit wurde die Informationstechnologie nicht mehr nur eingesetzt zur Unterstützung der Papierverarbeitung im Unternehmen, sondern verstärkt als Hilfsinstrument im Managementprozeß und in zunehmendem Maße für die Unternehmensstrategie. Der zentrale Wandel im I/S-Bereich ist dadurch eingetreten, daß der Computer zu einem persönlichen Arbeitsgerät für Fachleute, Manager und Vorstände geworden ist - oder werden wird. Die Explosion im Einsatz des End User Computing (EUC) hat einen bedeutsamen Einfluß auf die Art, in der Organisationen ihre Informationssysteme beherrschen. Daher ändert sich die Beziehung zwischen den Fachabteilungen und dem Informations-Management. Das Linienmanagement wächst in eine neue Rolle für Auswahl, Begründung, Konzipierung und Implementierung von Systemen, die die Arbeit seiner Fachabteilungen unterstützen sollen.

Schlüsselrolle des I/S-Managements

Wie das Thema der CISR Summer Session 1986 deutlich macht ("neue Verantwortlichkeiten in verändertem Umfeld"), ist die I/S-Funktion inzwischen in eine dreifache Schlüsselposition hineingewachsen: Sie muß nicht nur die technologische Infrastruktur des Unternehmens entwickeln, sondern wachsende Ansprüche einer steigenden Zahl von kenntnisreicheren Endbenutzern erfüllen. Zweitens muß das I/S-Management die Linienmanager in ihrer neuen Rolle als Technologie-Manager unterstützen und einüben, als Motoren innovativer Prozesse. Drittens wächst das I/S-Management in die Rolle des Moderators und Promoters bei der Entwicklung von Unternehmensstrategien durch planmäßigen Einsatz der Informationstechnologie als wettbewerbsbestimmendes, strategisches Erfolgspotential.

Das Stichwort lautet: Computer-Integration (CIM-Konzept), das heißt Verbesserung der horizontalen Kommunikation unterschiedlicher Unternehmensbereiche mit dem Ziel verkürzter Durchlaufzeiten und flexibler Anpassung an individuelle Kundenbedürfnisse (trotz Ausnutzung der Kostenvorteile der Massenproduktion). Auf der CISR Summer Session '86 wurde deutlich, daß der dramatische Wandel nicht in der Einführung irgendeiner Informationstechnologie besteht, sondern in deren Einsatz zur Umgestaltung der Unternehmenstätigkeit in Richtung auf einen ständigen, marktgesteuerten Innovationsprozeß. Die computerintegrierte Unternehmensführung wirft ihre langen Schatten voraus.

Starker Praxisbezug der CISR-Forschung

Der starke Praxisbezug veranlaßt das CISR zu seinen mehrtägigen Endicott-House-Seminaren für Management-Zirkel der Sponsor-Organisationen. Dabei werden einzelne Konzepte in Form von Fallstudien diskutiert mit dem Ziel, daraus allgemeine Handlungsanleitungen und auch Untersuchungsgebiete abzuleiten. So hielten 1984 die CISR-Professoren Michael E. Treacy und Scott Morton am Endicott House des M.I.T. das Seminar "Informationstechnologie und Unternehmensstrategie" mit den Schwerpunkten: Identifikation strategischer Erfolgspotentiale, Zusammenhang zwischen Geschäftsplanung und I/S-Planung und Inter-Organisations-Systeme (Vertikalverbund der Logistik-Kette). 1985 wurde auf einem Endicott-House-Seminar der "Wert des Personalcomputer-Investments" untersucht.

Eine dritte Seminarreihe steht als Intensivtraining nicht nur den Sponsoren, sondern Managern aus anderen Organisationen offen. So wurde 1984 der Zusammenhang zwischen dem Konzept der "kritischen Erfolgs-Faktoren (CSF)" und den zugrundeliegenden strategischen Annahmen ("SAST": Strategic Assumption Surfacing and Testing) untersucht. 1985 befaßten sich andere Intensivtrainings mit der "Gruppen-Kommunikation durch Computer" und den Führungshilfen ("ESS": Executive Support System"). Mit dem Kürzel ESS ist der Trend umschrieben, den CISR zunehmend in Organisationen feststellt: Der Firmenchef geht online.

Vier CISR-Arbeitsgebiete

Hat CISR das Ohr am Puls der Management-Entwicklung? Auf jeden Fall dominiert dieser Praxisbezug des CISR Forschungsprogramms und Summer Session '86, die auf vier Schulen aufbauen (siehe Abbildung Seite 28): (1) die Schlüssel-Technologien (wie den Datenbank-Computer), (2) die Management-Hilfen (support systems), (3) das Management der Informationssystem-Funktion (I/S) mit dem Rollenwandel zwischen I/S- und Linien-Management und (4) dem Einfluß der Informationstechnologien auf die Unternehmenskultur. Die Schlüssel-Technologien beeinflussen das I/S-Management vielschichtig, zum Beispiel durch den Einfluß des End User Computing (EUC). Gleichzeitig haben sie Auswirkungen über die assoziative und piktographische Benutzeroberfläche auf die Akzeptanz der Management-Hilfen (so zeigt eine Umfrage der International Data Corporation (IDC) unter Führungskräften, daß der Macintosh in der Beliebtheit überraschend vor anderen Personalcomputern rangiert). Das veränderte Rollenverständnis des Informationsmanagements mit Verlagerung auf die kritischen Erfolgsfaktoren beeinflußt seinerseits den Managementprozeß. Computerintegrierte Unternehmensführung verlagert sich hin zu Teamarbeit, Planung, Coaching, Partnerschaft. Sie verändert dadurch nachhaltig die Unternehmenskultur.

Checkliste für Organisationsentwicklung

Insofern ist das Arbeitsprogramm des CISR für den Praktiker zugleich Checkliste für die Standortbeurteilung der eigenen Organisationsentwicklung. Resümierend bleibt dem Europäer die faszinierende Beobachtung, wie selbstverständlich die Teilnehmer der CISR Summer Session mit den vielschichtigen Aspekten und Einflüssen der Informationstechnologie auf die Unternehmenskultur umgehen; zu 90 Prozent seien diese Gedanken und Konzepte, sagt CISR Direktor John F. Rockart, für den Teilnehmer "state of the art". Bleibt nur die beruhigende Erfahrung in den Workshops der Summer Session, daß auch die Amerikaner bei deren Umsetzung in die Praxis nur mit Wasser kochen. Unverkennbar auch die Harvard-Tradition, nach der so komplexe innovative Prozesse wie "Unternehmenskultur (corporate culture)" nur als Parameter in die Modell-Konzepte einflossen. Sie sollen jedoch im Rahmen des Forschungsprogramms "Management in den 90er Jahren" eingehend untersucht werden.

Über Schwerpunktthemen des "Management in den 90er Jahren - neue Verantwortlichkeiten in verändertem Umfeld" (siehe Schaubild), dem Motto der CISR Summer Session 1986, werden weitere Folgen zu diesem Bericht unterrichten. Die nächste Folge wird über den Rollenwandel beim Linien- und Informations-Management berichten.

(wird fortgesetzt)

Jens Christopher Ruhsert ist Geschäftsführer der Wilhelm Gienger GmbH, München, Fachgroßhändler für Sanitär und Heizung.

Definition eines Informations- und Kommunikations-Systems (IKS):

Unter IKS werden alle Trägersysteme im Unternehmen verstanden, die eine Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen/Automaten zulassen und/oder zur Aufnahme, Speicherung, Verarbeitung und Verteilung von Signalen, Daten, Bildern oder sonstigen Informationen für die Planung, Steuerung und Dokumentation betrieblicher Prozesse oder Zustände führen. Das IKS umfaßt deshalb beispielsweise alle Bestandteile eines CIM-Systems, unabhängig davon, ob es sich um die Unterstützung administrativer oder fertigungstechnischer Aufgaben handelt. Darüber hinaus beinhaltet das IKS alle manuelle Routinen beziehungsweise Aufgaben eines Unternehmens.

Immer noch mit Problemen behaftet ist die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von IKS. Im ersten Teil seines Beitrags (CW Nr. 38 vom 19. September) erläuterte Urlich Bush die Kriterien für eine integrierte Gesamtplanung und beschrieb den Kostenverlauf der Maintenance sowie die Verwundbarkeit von Organisationen durch die Automation. Teil 2 beschäftigt sich mit dem Kapitel Zentralisierung versus Dezentralisierung. In der dritten Folge wird die Wirtschaftlichkeit an einem Modell simuliert.