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31.08.1990 - 

IBM empfiehlt Einführungsplan sowie vorherige Bestandsaufnahme

Der Aufwand für AD/Cycle darf nicht unterschätzt werden

Die Verwirklichung des AD/Cycle-Konzepts wird viele DV-Manager auf absehbare Zeit in Atem halten. Der IBM-Mitarbeiter Stephan Lettau* erläutert die Details des IBM-eigenen Anwendungsentwicklungs-Modells, dessen potentiellen Nutzwert sowie die dafür notwendigen Voraussetzungen.

*Stephan Lettau ist Mitarbeiter im Produkt-Marketing-Bereich der IBM GmbH, Stuttgart.

Der Prozeß einer geordneten Anwendungsentwicklung - von der Anforderung und Planung über die Produktion bis zur Wartung - ist die Voraussetzung dafür, daß die Zielsetzungen der System Application Architecture (SAA) erfüllt werden. Bevor indes Integration und Automation der Anwendungsentwicklung ihren Zweck erfüllen können, sind zunächst einige Probleme zu lösen:

- Der Anwendungsrückstand wächst, weil der bruchstückhafte Anwendungszyklus zu langsam ist.

- Die begrenzten Mittel werden zu einem großen Teil auf die Wartung von alternden Anwendungen verwendet.

- Die existierenden Anwendung sind aufgrund ihrer Verschiedenartigkeit schwer zu warten und zu erweitern; außerdem erfordern sie Spezialwissen.

Der SAA-Baustein AD/Cycle schafft ein Rahmenwerk, das Systemsoftware und Hilfsprogramme mit aufgabenspezifischen Anwendungsentwicklungs-Werkzeugen integriert. Zur Verfügung gestellt wird ein Repository, das die Anwendungsentwicklungs-Informationen speichert. Das Ergebnis ist ein zentraler Kontrollpunkt für den gesamten Entwicklungsprozeß.

Eines der durch AD/Cycle verfolgten Ziele ist es, den Kunden die Basis für eine integrierte Anwendungsentwicklungs-Umgebung zu verschaffen. In dieser Umgebung sollen IBM-Tools mit von den Software-Anbietern und Kunden selbst entwickelte Werkzeuge harmonisch zusammenarbeiten.

Der Marktbereich Anwendungsentwicklung ist durch ein fast unübersehbares Werkzeugangebot gekennzeichnet.

Diese Tools unterstützen häufig sehr unterschiedliche Anwendungsentwicklungsmethoden und weisen zum Teil einschneidende Einsatzbeschränkungen auf. Ein entscheidender Nachteil ist vor allem die fehlende Integration in den Gesamtprozeß.

Im Hinblick auf eine Unterstützung aller Phasen der Anwendungsentwicklung hat die IBM den Markt für Werkzeuge untersucht, die sich technisch auf einem hohen Stand befinden, eine gute Akzeptanz aufweisen, den Prinzipien einer offenen Architektur genügen und in der Lage sind, die Ziele einer Anwendungsentwicklung im Rahmen der SAA zu erfüllen. In der Folge ging IBM eine Zusammenarbeit mit den Software-Anbietern Bachman Information Systems, Knowledgeware, Index Technology und Synon ein.

Zu dem AD/Cycle-Konzept gehört auch ein Modell für die Anwendungsentwicklung, das acht Aufgabenbereiche definiert: Projektbegleitung, Unternehmensmodell Analyse und Design, Programmiersprachen, Generatoren, wissensbasierte Systeme, Test und Wartung sowie eine Anwendungsentwicklungs-Plattform. Für jeden dieser Aufgabenbereiche stehen Werkzeuge zur Verfügung.

Die sogenannte Anwendungsentwicklungs-Plattform ist die Basis, von der aus die Werkzeuge unterstützt werden. Diese Plattform deckt fünf verschiedenene Funktionen ab. Zum einen bietet sie eine einheitliche Benutzerschnittstelle, welche der SAA-Benutzerunterstützung entspricht. Daneben stellt sie bei der Anwendungsentwicklung den Rahmen für eine Verbundverarbeitung zwischen programmierbarer Workstation und Host-Computer zur Verfügung.

Außerdem offeriert die Anwendungsentwicklungs-Plattform einen Satz von Werkzeugdiensten, die Bibliotheksfunktionen und Standardoperationen unterstützen, sowie ein Informationsmodell, das eine einheitliche Sicht der Anwendungsentwicklungs-Informationen durch die Werkzeuge ermöglicht. Darüber hinaus wird eine gemeinsame Datenbasis (das Repository) präsentiert, die den einzigen Kontrollpunkt für die Definition und den gemeinsamen Zugang zu den Anwendungsentwicklungs-Informationen schafft.

Die projektbegleitenden Werkzeuge ermöglichen es, den Anwendungsentwicklungs-Prozeß zu steuern. Außerdem helfen diese Tools dem Entwickler, sich zwischen den einzelnen Stufen des Prozesses zu bewegen.

Wichtig für die strategische Planung eines Unternehmens ist der Aufbau von Unternehmensmodellen, also von Daten- und Prozeßmodellen. Um sicherzugehen, daß das richtige System aufgebaut wird, sollte das Modell präzise beschrieben werden. Das hilft dem Unternehmen, genaue Anwendungsentwicklungs-Prioritäten zu setzen; außerdem erlaubt es ihm, schnell auf wechselnde Geschäftssituationen zu reagieren.

Der schwierigste Teil des sogenannten Life-Cycle ist die Umwandlung der Benutzerwünsche in ein Design, das diese Wünsche genau widerspiegelt. Für den Analytiker ist es dabei am wirkungsvollsten, einen Prototyp der Anwendung zu erstellen, mit dem der Benutzer auch wirklich arbeiten kann. Auf diese Weise können Benutzer und Analytiker wertvolle Ideen zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit gewinnen. Der Prototyp wird sich dann durch den Life-Cycle vorwärtsbewegen und weiterentwickeln.

Die Programmierer arbeiten auch innerhalb des AD/Cycle-Konzepts in der Regel mit bekannten Compilern wie Cobol II oder dem Anwendungsgenerator Cross System Produkt (CSP/AD). Nach und nach nutzen die Entwickler auch Werkzeuge, die auf wissensbasierten Systemen beruhen. Für IBM stellen die erwünschte Integration , in die gesamte Anwendungsentwicklungs-Struktur und die Notwendigkeit, unternehmensweite Daten zu teilen, den Anlaß dar, diese Werkzeuge in AD/Cycle einzufahren.

Auch Testfall-Analysen finden in AD/Cycle Unterstützung Hier werden Werkzeuge angeboten, mit denen die Genauigkeit und die Erfassung von Programmtests verbessert werden sollen.

Die Erfahrungen der Unternehmen, die bereits eine CASE-Technik eingeführt haben, zeigen, daß ein vernünftig gewählter Pilot-Zeitraum wichtig ist. Um alle Vorteile dieser neuen Technologie auszunutzen, bedarf es veränderter Arbeitsabläufe, und diese Veränderungen beeinflussen sicherlich die künftige Organisation der Informationssysteme.

Die Unternehmen brauchen Zeit, um Software-Engineering-Methoden und CASE-Werkzeuge einzuführen und zu lernen, wie man diese Tools erfolgreich einsetzt. Da AD/Cycle weitergehend ist als die derzeitigen CASE- Werkzeuge, muß eine entsprechende Lernkurve eingeplant werden.

Eine schwierige Aufgabe ist es, Arbeitsweisen zu verändern, wie sie von den Programmieren seit 20 oder mehr Jahren praktiziert wurden. Als unerläßlich muß eine strenge Verpflichtung des Managements gewertet werden, im Verbund mit einer Organisationsform diese Veränderung zu unterstützen.

Bestandsaufnahme der Anwendungsentwicklung

Konkrete Schritte können von den einzelnen Unternehmen nur dann sinnvoll eingeleitet werden, wenn die gegenwärtige Situation überprüft und ausgewertet ist. Um einen Plan für den Einsatz dieser neuen Technologie zu erstellen, empfiehlt es sich, folgende Schritte zu berücksichtigen:

Zuerst ist die Frage zu klären, wie die neuen Konzepte und Hilfsmittel eingesetzt werden sollen, um die gewünschten Qualitäts- und Produktivitätsgewinne zu erzielen. Im Anschluß muß eine Entwicklungsmethodik aufgebaut werden.

Drittens werden die Werkzeuge, die heute bereits im Einsatz sind, auf ihre weitere Verwendbarkeit hin untersucht. Benutzerfreundlichkeit, Produktivität und Integration sowie die Möglichkeit einer Einbeziehung in das AD/Cycle-Konzept sind zu betrachten. Das Ergebnis dieser Untersuchung dient als Basis für die Auswahl neuer Werkzeuge und als Anforderung an die Hersteller dieser Tools.

Weiter müssen die Mitarbeiter im Umgang mit den Produkten ausgebildet werden, die heute schon im AD/Cycle-Modell positioniert sind. Fünftens und letztens ist eine Bestandsaufnahme der Anwendungsentwicklung durchzufahren. Große Bedeutung kommt dabei dem Informationssystem-Modell des Unternehmens zu. Ist ein solches Modell nicht vorhanden, so sollte es ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Die neuen Funktionen von AD/Cycle können dabei helfen, dieses Modell zu entwickeln.