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06.11.1981

Der Berufs- und Tätigkeitsbereich der Datenverarbeitung ist nur weich abzugrenzen:Arbeitsplatzeffekt per Saldo ungünstig

Es sind hauptsächlich drei Fragenkomplexe, die im Zusammenhang des Themas "Informationstechnik und Arbeitsmarkt" zu behandeln sind (1): Welche globalen quantitativen Beschäftigungswirkungen gehen von der Informationstechnik aus? Stichwort: Job-Killer. Welche Probleme ergeben sich aus einer zunehmenden Anwendung der neuen Informationstechnologie für die Struktur- oder die Qualifikationsprofile der Beschäftigten? Stichwort: Strukturwandel. Wie verändert die Informationstechnik die Qualität der Arbeit und des Arbeitslebens? Stichwort: Humanisierung der Arbeit.

Bevor auf diese Problemkreise im einzelnen eingegangen werden kann, sind einige allgemeine Überlegungen und Bemerkungen über die Wandlung, besser den Umbruch, in der Informationstechnologie notwendig. Eine differenzierende Betrachtung dessen, was Informationstechnik umfaßt, würde an dieser Stelle nur Verengungen der Perspektive mit sich bringen. Daher wird Informationstechnik als Oberbegriff verwendet und zwar für (2):

- Datenverarbeitungstechnik,

- Textverarbeitungstechnik,

- Telekommunikationstechnik und

- elektronische Automatisierungstechniken im Produktionsbereich.

Schlüsseltechnik

Wir nehmen unsere Überlegungen mit folgender Eingangsthese auf: Die Informationstechnik - in diesem umfassenden Sinne - ist nun auf dem Wege, zu einer gesamtwirtschaftlichen "Schlüsseltechnik", mithin zu einer Technik mit einer vergleichsweise sehr hohen Breiten- und Kettenwirkung zu werden, und zwar sowohl auf der Herstellerseite als auch auf der Anwenderseite.

Dabei sind offensichtlich zwei Teilfragen interessant:

1. Welche Eigenschaften machen die moderne Informationstechnik zu einer "Schlüsseltechnik", das heißt, inwiefern hebt sich diese Technik von anderen Techniken in ihrer Bedeutung ab?

2. Welche Bereiche werden von der neuen Technik erfaßt?

Wenden wir uns zunächst der ersten Frage zu, also der Frage, was der Informationstechnik eine Schlüsselfunktion (3) zuweist, so zeigt sich zunächst, daß es ein breites Spektrum anderer neuer, moderner technischer Entwicklungslinien gibt, die ebenfalls zu Produkt- und Prozeßinnovationen führen, die aber gleichwohl nicht als Schlüsseltechnik bezeichnet werden können.

Beispielhaft seien genannt: Werkstofftechnik, Biotechnik, Chemietechnik, Kfz-Technik, Bautechnik Energietechnik, Meerestechnik und Umweltschutztechnik. Die besondere Rolle der Informationstechnik wird dann deutlich, wenn man versucht, sie von diesen anderen - gleichfalls ähnlich neuen - Techniken abzugrenzen.

So läßt sich nämlich die moderne Kfz-Technik, also der Arbeitsablauf in einem Automobilwerk, ziemlich mühelos ohne die Bautechnik und die Biotechnik und sogar noch einigermaßen problemlos ohne die Chemietechnik deuten und erklären, aber keinesfalls ohne die Informationstechnik. Und ähnliches gilt für viele andere eben genannte Einzeltechnologien.

Die Informationstechnik liegt insofern quer zu allen diesen Entwicklungen; keine dieser Techniken kommt ohne die Informationstechnik aus oder ist ohne sie vorstellbar. Ferner fällt es zunehmend schwer, berufliche Tätigkeiten, in denen die Informationstechnik eine Rolle spielt, klar abzugrenzen. Der Berufs- und Tätigkeitsbereich der Datenverarbeitung ist nämlich nur "weich" abzugrenzen. Datenverarbeitung ist "Querschnittswissen" und damit heute Bestandteil einer Vielzahl traditioneller Fachberufe.

Man kann zwar so etwas wie DV-Kernberufe und DV-ferne Randberufe identifizieren, aber zwischen diesen Polen sind die Übergänge stufenlos und fließend.

Produktivitätsschübe

Da es mithin kaum möglich ist, die Informationstechnik von anderen Technikbereichen oder Tätigkeiten abzugrenzen, ist die Informationstechnik gewissermaßen tätigkeits- und produktunspezifisch und deshalb universal. Diese Eigenschaften lassen es als gerechtfertigt erscheinen, von der modernen Informationstechnik als Schlüsseltechnik zu sprechen (3a).

In historischer Perspektive (4) steht die Informationstechnik in einer Reihe mit anderen "historischen" Schlüsseltechniken, wie beispielsweise mit mechanischer Spinnmaschine und Webstuhl, Dampfmaschine oder Verbrennungsmotor, um nur

einige wenige jener technischen Entwicklungen zu nennen, die jede für sich zu ihrer Zeit große Produktionsfortschritte, ja Produktivitätsschübe bewirkt haben.

Und es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, daß mit der Informationstechnologie ebenfalls ähnlich große, wenn nicht größere Produktivitätsfortschritte verbunden sein werden. Die zweite Teilfrage, die durch die Eingangsthese aufgeworfen wird, betrifft die Breiten- und Kettenwirkung der Informationstechnik. Es wurde gesagt, daß von der neuen Technik sowohl Hersteller als auch Anwender betroffen werden.

Kleinrechner-Vormarsch

Auf der Herstellerseite hat sich der Einsatz der Mikroelektronik und der Mikroprozessoren dahin ausgewirkt, daß in den letzten Jahren arbeitsplatzorientierte Informationstechniken entstehen konnten.

Während das ursprünglich "klassische" Produkt der Computerhersteller der Großrechner war, der in Rechenzentren von

- Konzernen,

- Großverwaltungen,

- Universitäten,

- Kommunalen Gebietsrechenzentren oder

- Datenverarbeitungspoolen (so etwa von Allgemeinen Ortskrankenkassen)

eingesetzt wurde, sind in den letze Jahren leistungsfähige Kleinrechner im Vormarsch, die die Lösung von zahlreichen Aufgaben aufgrund einer erheblich gestiegenen Diversifizierung des Hardware-Angebotes dezentral in den einzelnen Fachabteilungen und Referaten selbst ermöglichen (5).

Auf der Anwenderseite führt diese Angebotsdiversifikation dazu, daß die Zahl der kleinen Unternehmen, der einzelnen Behörden und öffentlichen Institutionen, die sich moderner Informationstechniken bedienen können und bedienen, sehr stark angestiegen ist.

Heute sind bereits drei von DV-Anwendern kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten. Eine von der Auffächerung des apparativen Angebots her mögliche Ausdehnung der DV-Anwendung auf alle Unternehmensgrößen hat damit in sehr weiten reichen bereits stattgefunden oder steht unmittelbar bevor.

In öffentlichen Bereichen ist die Computerisierung von Massenvorgängen so gut wie abgeschlossen. Die Informationstechnik hat sich nun aber nicht nur in der Dimension "Unternehmensgröße" ausgebreitet, in weit stärkerem Maße betrifft die Ausbreitung beziehungsweise Anwendung die von der Unternehmensgröße unabhängigen Funktionsbereiche. Die "traditionellen" Einsatzgebiete der Informationstechnik im Bereich der Wirtschaft liegen im kaufmännischen Bürobereich wie auch bei der Verwaltung, also in der Buchhaltung und im Rechnungswesen.

Bei zwar nach wie vor unverändert hohen Investitionen in diesem Bereich - etwa zwei Drittel aller DV-lnvestitionen betrafen in den letzten Jahren die Verwaltung - hat sich aber in den letzten ein bis zwei Jahren ein neuer Schwerpunkt im Produktionsbereich gebildet. Eine Reihe technischer Entwicklungen, die komplexe Automatisierungsvorgänge ermöglichen, sind anwendungsreif geworden (6). Beispielhaft seien die Sensortechnik, die Lasertechnik und die Werkzeugtechnik genannt.

Es wäre deshalb einseitig und nicht problemadäquat, davon auszugehen, daß

es in erster Linie die Bereiche Büro und Verwaltung sind, die gegenwärtig und in der Zukunft von der Informationstechnik betroffen werden. Nach unserer Einschätzung sind bereits jetzt deutliche Anzeichen für eine qualitativ neue Phase in der Automatisierung im Fertigungsbereich zu erkennen.

Von besonderer Wichtigkeit ist es, sich der Janusköpfigkeit der Informationstechnik bewußt zu sein: Auf der einen Seite, der Anwenderseite ist sie nämlich Produktionsmittel beziehungsweise Produktionsfaktor und verändert in einem produktivitätserhöhenden Sinn den Leistungserstellungsprozeß.

Auf der anderen Seite, der Herstellerseite, ist die Informationstechnik selbst Produkt, welches als Investitionsgut oder Konsumgut angeboten und nachgefragt wird. Bei der Analyse von Auswirkungen der Informationstechnik gilt es, immer diese beiden Gesichter zu berücksichtigen.

Wird fortgesetzt

Anmerkungen:

1) Vgl. dazu die Strukturierung bei J. Henize: Zur Abschätzung der Beschäftigungswirkung von Informationstechnologien - insbesondere im Bereich des Bankwesens, Vortrag, gehalten auf einem Symposium "Beschäftigungsstrukturwandel und Arbeitsmarktmodelle im Blick auf die informationstechnische Dynamik" des Heinrich-Hertz-lnstituts für Nachrichtentechnik, vom 1. - 3. Dezember 1980 in Berlin.

2) Vgl. Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung der Fraunhofer Gesellschaft und Institut für Angewandte Systemanalyse der Gesellschaft für Berufsforschung. Der Einfluß neuer Techniken auf die Arbeitsplätze. Eine Analyse ausgewählter Studien unter spezieller Berücksichtigung der neuen Informationstechniken, Karlsruhe - l977. Die hier einzeln genannten Techniken rücken freilich immer näher zusammen. Ein Beispiel für den Trend zu integrierten Kommunikationssystemen ist das Teletex-System der Post. Es verbindet die Bereiche Textverarbeitung und Telekommunikation. Vgl. dazu Marwedel, H./Niesing, H., Einfluß der technologischen Weiterentwicklung auf die Arbeitsorganisation der öffentlichen Verwaltung, in: VD 5 (1980).

3) Vgl. dazu W. Dostal, Datenverarbeitung und Beschäftigung, Teil 1: Empirische Befunde, in: MittAB 13 (1980), S. 40, insbesondere Anm. 2. Dort werden u. a. für Schlüsseltechnologien (richtiger Schlüsseltechniken, B.R., R.C.) folgende Eigenschaften postuliert: (1) hohe Breiten- und Kettenwirkung, (2) erhebliche technische und wirtschaftlich-gesellschaftliche Folgewirkungen.

3) Wegen dieser Universalität der DV - und dies ist nicht unwichtig - ist nun aber jede oder nahezu jede Konfrontation mit irgendeiner der eben genannten neuen beziehungsweise modernen Techniken zugleich immer auch eine Konfrontation mit der Informationstechnik, speziell der Datenverarbeitung. Und in Verbindung mit der starken Verbreitung der DV, das heißt, mit ihrer Diffusion in alle Unternehmen und öffentlichen Bereichen ist dies zugleich eine weitgehend allgemeine Konfrontation, die nicht nur auf EDV-Fachleute in den großen Rechenzentren beschränkt ist. Aus diesem Grunde verbindet sich Technikfeindlichkeit schlechthin - wenn sie beobachtet werden kann - regelmäßig mit dem Computer.

4) Siehe zu einer historischen Betrachtung die kurze, aber sehr interessante Schrift von H. Pohl, Technischer Fortschritt und Beschäftigung aus historischer Sicht, Volkswirtschaftliche Korrespondenz der Adolf-Weber-Stiftung, 19 (1980), Nr. 10.

5) Ein kurzer Überblick über die dominanten technischen Entwicklungslinien findet sich in: Technischer Fortschritt - Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Gutachten der Projektgemeinschaft Ifo-lnstitut für Wirtschaftsforschung, ISI-Fraunhofer-lnstitut für Systemtechnik und Innovationsforschung, Infratest Wirtschaftsforschung, 1980, S. 12 - 18 (Im folgenden zitiert als "Projektgemeinschaft").

6)Während 1974 bundesweit etwa 130 und 1977 etwa 500 Industrieroboter eingesetzt waren beläuft sich die aktuelle Zahl auf über 1500. Vgl. zu weiteren Angaben über die Entwicklung von Industrierobotern Kasiske, R./Manske, F /Wobbe-Ohlenburg, W., Die Roboterisierung der Produktion und ihre Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen und Beschäftigung, in: WSI-Mitteilungen (1981), H. 2.