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04.10.1985 - 

Der Entwicklungsaufwand für die PCM-lndustrie steigt stark an:

Der Bildschirm allein genügt nicht

Das Marktsegment der IBM im Bereich Großcomputer ist allen Statistiken zufolge das größte. Kein Wunder also, daß sich eine Reihe Anbieter kompatibler Bildschirmgeräte um die Kunden bemühen. Doch bereits bei dem Begriff "kompatibel" gehen die Auffassungen gelegentlich auseinander.

Wirklich und hunderprozentig kompatibel ist ein Bildschirmterminal oder anderes Peripheriegerät nur dann, wenn es ohne jegliche Softwaremodifikation an die IBM-Steuereinheit anschließbar ist. Zwar werden voll IBM-kompatible DÜ-Steuereinheiten angeboten, doch diese sind keinesfalls Voraussetzung zum Anschluß der Fremdperipherie an IBM-Systeme.

Der IBM-Markt der Kommunikationssysteme lebte in der -Vergangenheit von der Eingabe der Daten in Großcomputer und davon, Anfragen von Sachbearbeitern an einen Datenbestand entsprechend einer vorgegebenen Strukturierung zu beantworten. Insofern entsprachen auch die IBM-Terminals, abgesehen von einigen applikationsbedingten Spezialisierungen im Bereich der Tastaturen, hochgradig gewissen Standards. Sie bildeten das Einheitsfenster zum Computer. Dieser Trend hat sich zwischenzeitlich deutlich geändert: durch die Vielfalt der Anwendungen auf Großsystemen, aber auch aufgrund der hohen Dezentralisierung der Intelligenz durch vorgeschaltete Systeme.

Die Kunden von IBM forderten als logische Folge mehr und mehr anwendergerechte Bildschirmterminals, die aus ergonomischer Sicht einwandfrei waren, den Vorgaben der Berufsgenossenschaften entsprechen und so die optimale Gestaltung der Arbeitsplätze gestatten. Hinzu kam, daß die EDV durch die Verbreitung von Mikrocomputern in die Fachbereiche Eintritt fand. Daraus resultierte ein Wettbewerb zwischen den klassischen, fest angeschlossenen Bildschirmterminals und offline installierten Arbeitsplatzrechnern, gänzlich entgegen der bislang gehegten zentralen Lösung. Diese Abwicklung wurde besonders von Großrechenzentren kritisiert, da die Kontrolle der verteilten Intelligenz ohne Anschluß an den Hostrechner eine Reihe Gefahren birgt.

Man sprach von Wucherungen und Wildwuchs, die sich nicht an die hergebrachten Regeln und hausinternen Normen einer gewachsenen Datenverarbeitung halten. So wurden doppelte Führung von Dateien, unterschiedliche Codes oder Verschlüsselungen und parallele Aktivitäten ins Feld geführt.

Entstanden sind, besonders in Großunternehmen, im Laufe dieser Diskussionen Philosophie und Forderung, auch Mikros wieder in die DV-Hierarchie einzugliedern, sie an die Hostrechner zu binden, sei es über Koax-Leitungen oder andere Kommunikationsformen. In der Folgezeit tat sich für Anbieter mit unterschiedlicher Hard- und Software, die in der Lage waren, mit dem Koax-Protokoll zu arbeiten, ein Markt auf, mit dem PC - beispielsweise durch die Irma-Karte - Daten kontrolliert vom Hostrechner abzurufen und wieder dorthin abzugeben.

Parallel dazu entwickelten sich unter dem Schlagwort "Büroautomation" spezielle Anwendungs- und Tätigkeitsformen der Textverarbeitung, der Elektronischen Post. Verlangt wurden hier Bildschirmterminals, die diesen neuen Anforderungen genügen. Hinzu kamen weitere Spezialitäten, wie etwa das Lesen von Barcodes oder von Ausweiskarten. Daraus läßt sich ableiten, daß der Markt nicht mehr mit einem Standard-Terminal zufrieden ist; vielmehr wird es eine Reihe zusätzlicher, anwendungsspezifischer Funktionen aufweisen müssen.

Für den IBM-Kunden mit Sonderwünschen an seine Bildschirmterminals tauchen nun gewisse Probleme auf, denn der Marktführer hat seit der Vorstellung seiner Geräte 3180/ 3179 für den Koax- und der 3180 Modell 2 für den Twinax-Markt eine einzige, klar übersichtliche Standard-Terminalfamilie anzubieten. Diese Standardisierung geht sogar bis hin zu den einheitlichen Tastaturen. Damit muß sich ein IBM-Kunde, dessen Anwendung den fest umrissenen Rahmen der Terminals überschreitet, zwangsläufig bei den Anbietern kompatibler Bildschirmgeräte umsehen.

Wir alle wissen: Eine Grafik sagt mehr als tausend Zahlen. Deshalb verwundert es nicht, daß grafische Darstellungen stark auf dem Vormarsch sind. Aber auch auf diesem Gebiet bietet der Marktführer wiederum nur einen Standard-Bildschirm mit der Standard-Software GDDM, so daß sich genügend Raum für Anbieter kompatiblen Equipments bietet, um besondere Kundenwünsche zu bedienen.

Wer nun allerdings meint, daß IBM durch die weitgehende Standardisierung ihres Angebots stark an Marktanteilen verlieren würde, hat weit gefehlt. Denn immerhin siebzig bis achtzig Prozent des Kundenkreises kann mit diesen Einheitsprodukten zufriedengestellt werden. Den "Nischenfindern" bleibt folglich nur rund ein Viertel des Marktes, um ihre Sonderprodukte abzusetzen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es für PCM-Anbieter ein Muß, auch künftig IBM-identische Standardprodukte im Programm zu haben, die hier oder dort gewisse Verbesserungen aufweisen, etwa im Design oder der Ergonomie. Und in der Regel zu günstigeren Preisen. Überdies bieten die Bildschirmterminals der "Kompatiblen" die Möglichkeit, zusätzliche Geräte wie den Barcode-Lesestift oder den Magnetkartenleser an die Sichtgeräte anzuschließen. Diese Tatsache hebt manches Gerät qualitativ über das des Marktführers.

Darüber, in welcher Form IBM demnächst die Koax-Welt mit Mikros oder Knotenrechnern in Netzwerken verbindet, sind gegenwärtig viele Hypothesen im Markt. Besonders "verdächtig" ist augenblicklich, daß IBM ihr System /36, das derzeit als mittleres Datensystem im Twinax-Bereich angesiedelt ist, künftig als Knotenrechner oder Display-Writer-Station verwendet. Damit dürfte dieses System, das bereits in größeren Stückzahlen installiert ist und seinen Reifeprozeß gut bestanden hat, als dezentrale Station für die Büroautomation seinen Einsatz finden. Folglich ergibt sich für die PCM-Anbieter eine neue, weitere Chance, sich an diese Maschinen mit ihren Produkten anzukoppeln. Allerdings hat es IBM verstanden, ihre Systeme durch gewisse Softwarepakete zu vereinheitlichen und damit vor "Fremdem" zu schützen. Es liegt demnach im Interesse der Vermarkter steckerkompatibler Geräte und Systeme, sich durch nachempfundene Schnittstellen, die softwareseitig durch IBM als berechtigt erkannt werden, in dieses Marktsegment einzuschleifen.

Zunehmender Einsatz von Mikrocodes

Das Nachempfinden der IBM-Gepflogenheiten wird für die PCM-Industrie immer schwieriger und kostspieliger, denn hier bewegen sie sich nicht mehr nur im reinen Hardwarebereich, sondern zunehmend müssen Mikrocodes eingesetzt werden, um sich überhaupt mit IBM verständigen zu können. Sie müssen sich intensiv bei jeder Systemänderung erneut mit der IBM-Software befassen, um die Interface-Kompatibilität über interne Codes klar wiederzuerlangen.

Diese Entwicklungen binden erhebliche Finanzmittel, so daß nur gesunde Unternehmen überhaupt in der Lage sind, diese Kosten aufzubringen, um in diesen Markt hineinzugehen. Parallel dazu ergeben sich für mittelständische Systemhäuser Möglichkeiten, sehr gezielte Ausschnitte der IBM- Kompatibilität zu entwickeln, sich darauf zu spezialisieren und sie mit Hilfe größerer Vermarkter, verbunden mit Hardware von PCM-Anbietern bei IBM-Anwendern, unterzubringen. Dafür gibt es eine Reihe Beispiele, wo Kleinunternehmen die richtige Marktnische entdeckt haben.

Eines der Beispiele ist die I-DATA aus Dänemark. Erst 1982 gegründet, entwickelte sie Koax- und Twinax-lnterfaces zum Anschluß von ASCII-Geräten an IBM-Systeme Der Umsatz dieses dänischen Mittelständlers wuchs von Null auf heute (umgerechnet) 60 Millionen Mark; er bedient inzwischen nicht nur Europa sondern auch die USA und andere Kontinente. Damit wird deutlich, daß es durchaus noch Lücken in der IBM-Welt gibt, die entsprechende Umsätze und Gewinne verheißen und selbst einem Newcomer gewisse Chancen bieten.

Allerdings, mit IBM-kompatiblen Bildschirmterminals allein ergeben sich für den Wettbewerb zunehmend Probleme. Probleme dergestalt, daß IBM mit ihren Steuereinheiten der Reihen 3274,3276 und 3705/25 bedeutende Fortschritte machte. Hier werden inzwischen echte Knotenrechner, teils mit eigenen Magnetplattenkapazitäten, angeboten. Daraus resultiert, daß es heute ein Anbieter, der für seine Bildschirme eine eigene Steuereinheit benötigt, immer schwerer hat, seine Produkte zu plazieren.

Anders bei PCM-Unternehmen, die wirklich hundertprozentig "steckerkompatibel" sind: Nur sie sind uneingeschränkt in der Lage, ihre Geräte gegen IBM-Equipment 1:1 auszutauschen und dem Kunden so beispielsweise Kostensenkungen zu ermöglichen. Mit "Wenn und Aber" begeistert man heute keinen erfahrenen Anwender; man muß ihm im Gegenteil klar belegen, daß sich die kompatiblen Bildschirme in jeder Weise mit den IBM- oder bauidentischen eigenen Steuereinheiten uneingeschränkt unterhalten können.

Auch auf diesem Gebiet werden die Kosten, IBM-Controller nachzuvollziehen, in Zukunft mit Sicherheit nicht geringer, so daß kaum andere Vermarkter in der Lage sein dürften, die Entwicklung innerhalb von maximal einem Jahr nachzuvollziehen Ebenfalls muß die Software-Kompatibilität zu IBM-Großsystemen gewahrt bleiben. Hier sehen manche Anwender eine gewisse Gefahr, sich an einen systemkompatiblen Hersteller zu binden, da keine Gewähr dafür besteht, daß diese Kompatibilität zu neuen Betriebssystemen erhalten bleibt. Daß es hier zu einer Marktbereinigung kommen könnte, ist nicht auszuschließen.

Für den mündigen IBM-Anwender unserer Tage bieten sich eine Reihe Gelegenheiten, nicht nur seine DV-Kosten zu senken, sondern sich mit der sogenannten "kompatiblen Fremdperipherie" zusätzliche Funktionen einzukaufen, die sein Systemhersteller nicht anbietet.

Gerold G. Ehmes leitet den Bereich "Marketing Kommunikationssysteme" bei Memorex in Frankfurt.