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11.11.1977

Der-Bildschirm-Markt wird immer bunter

MÜNCHEN - Bei Bildschirm-Terminals gibt es derzeit ein wahres Massenangebot, neue Displays schießen wie Pilze aus dem Boden. Für den "online-willigen" Benutzer wird der Markt immer unübersichtlicher, die Entscheidung für das "richtige" Datenendgerät zunehmend schwieriger. Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil hat das dennoch: Die Preise sind ins Rutschen gekommen. Lagen die Kaufpreise für Terminals mit Display vor zwei Jahren noch deutlich über der 10 000-Mark-Grenze, so kosten heute "Einfachst-Ausführungen der Computer-Fernseher" weniger als 5000 Mark - und es ist damit zu rechnen, daß sie noch erheblich billiger werden. Der OEM-Preis kann in den nächsten Jahren bis auf 1000 Mark sinken. Diese Prognose wagten jedenfalls Brancheninsider auf der Münchener Systems 77. Die Systems 77 zeigte auch, wohin der Zug bei Bildschirmen geht: Mit dem Aufkommen der Mikroprogrammierung werden immer mehr Funktionen wie beispielsweise Zeichengenerierung in Hardware realisiert - deutlich erkennbar der Trend, mehr Intelligenz "vor Ort" zu konzentrieren, um den Zentralrechner zu entlasten und notfalls offline arbeiten zu können. Deutlich erkennbar (leider) auch, daß die Hardware-Technologie den Software-Anforderungen - wie eigentlich auf allen Gebieten der Datenverarbeitung -davongelaufen ist.

Bestenfalls läuft das eigene Terminal

Zugegeben: Hersteller, die Stecker-Kompatibilität (in der Regel zu IBM-Produkten) auf ihre Fahne geschrieben haben, geben sich keine Blöße. Datensichtgeräte der PCM's (Plug-Compatible-Manufacturer) lassen sich denn auch ohne besondere Hardware-Vorrichtungen an bestehende Installationen anschließen. Über V24- und Prozedur-Nachahmung geht das jedoch selten hinaus. Im Normalfall wird Software erzeugt, die bestenfalls die eigene Terminal-Hardware zum Laufen bringt. Es handelt sich also um Software, die - per Mikroprogramm

Die Kathodenstrahlröhre bestimmt weiterhin die Technik

eingegeben (siehe oben) - eigentlich schon Hardware-Charakter hat. So ist es verständlich, daß mündige Anwender das ganze Gerede von "Portabilität" satt haben und endlich Beweise sehen wollen. Doch hier ist eine pragmatische Einstellung angebracht:

Kenner rechnen in absehbarer Zeit nicht damit, daß in Sachen "Software-Norm", auch in bezug auf die Verfügbarkeit von herstellerunabhängigen Anwendungssystemen entscheidende Fortschritte erzielt werden können. Anders bei der Bildschirm-Hardware: Es sieht so aus, als ob die meistverbreiteten Kathodenstrahl-Bildschirme nach dem Prinzip des handelsüblichen Fernsehapparates auch in den nächsten Jahren die Technik bestimmen werden. Und das sei - so jedenfalls die Stimmen von Anwendern - durchaus wünschenswert, reichten sie doch für die Mehrzahl der Einsatzfälle aus. Damit stellt sich die grundsätzliche Frage nach den Vorteilen der Bildschirm-Anwendung (nicht, daß hier Vorwürfen aus der Bildschirm-Pionierzeit nachgegangen werden soll, "das sei modischer Schnickschnack, der den Aufwand nicht rechtfertige"):

Bildschirm grundsätzlich in Frage stellen

Der Einwand muß dennoch erlaubt sein, es gehe auch ohne "Fenster zum Computer", dann nämlich, wenn es auf sofortige Auskunftsbereitschaft nicht ankommt. Bevor man sich also darüber in die Haare kriegt, ob die 1920-Zeichen-Darstellung auf dem Bildschirm ausreicht, sollte gefragt werden, welche Informationen wo wann gebraucht werden - und von wem? Konkret: Soll jeder Sachbearbeiter sein Terminal erhalten? Soll es nur eine Datensichtstation sein oder ein Bildschirm-Terminal mit Drucker? Das hat ganz handfeste Auswirkungen auf die Kosten der Erstausstattung. Oder: Wird Komfort benötigt, beispielsweise "Bildschirm-Blättern", "Löschen oder Überschreiben? Desweiteren: Wie können Bildschirme und Drucker miteinander kombiniert werden? Schließlich: Ist das neue Verfahren kostengünstig?

Dabei ist doch nicht einmal berücksichtigt, daß bei der Bildschirmauswahl nicht nur der Preis und der Nutzen im Vordergrund stehen sollten, sondern auch die Arbeitsfreundlichkeit.

Wer so fragt, wird schnell erkennen, daß - in bezug auf Bildschirmgeräte vor Ort, am Arbeitsplatz des Sachbearbeiters - nur eine zweigleisige Philosophie weiterhilft. Denn vielfach können Datenfernverarbeitungsaufgaben mit intelligenten Bildschirm-Terminals, auch wenn sie mit Hardcopy-Einrichtungen ausgestattet sind, nicht bewältigt werden. Beispiel: Regionale Verkaufsorganisationen großer Werke, die DV-mäßig autonom arbeiten und den ständigen Online-Zugriff auf die Datenbanken des Zentralcomputers deshalb nicht benötigen. In einem solchen Fall wären Remote-Batch-Terminals mit den dazugehörigen Druckern adäquate Hilfsmitte, Arbeiten zu übernehmen, die dezentral anfallen. Wobei die Betonung auf "wären" liegt. Denn die Problematik einer objektiven Terminalauswahl besteht nun einmal darin, daß die Anforderungen an die Hardware nicht eindeutig fixiert werden können - Einschränkungen auf der Angebotsseite gibt es hingegen nicht.