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Text-Sprache-Systeme sind das Sprachrohr des Computers:


24.05.1985 - 

Der Blutdruck kommt durch das Telefon

MÜNCHEN - Im Gegensatz zur Spracherkennung ist die Sprachausgabe ein längst gelöstes Problem. Hier geht es nur noch um die Qualität. Erst eine geringe Anzahl von Systemen beherrscht die fast natürliche Aussprache. DECtalk von Digital Equipment, dessen Anwendungsmöglichkeiten Projektmanager Walt Tetschner im folgenden beschreibt, gehört zu diesen Geräten.

Die DEC-Entwicklung basiert auf linguistischen Erkenntnissen, die Dr. Dennis H. Klatt vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), Boston, gewann. Der strukturelle Aufbau von DECtalk ähnelt einem seriellen Drucker. Das System wandelt ASCII-Text in akustische Klänge, die der menschlichen Sprache sehr nahekommen, um. Weiter verfügt das "Text-in-Sprache"-Gerät über Schnittstellen zu einem Telefon und einem Tonbandgerät.

Einige Fähigkeiten der sprechenden Box:

- Mehrere Stimmen (neun Stimmen plus eine, die der Anwender selbst definieren kann);

- Einstellbare Sprechgeschwindigkeit (120 bis 350 Worte pro Minute);

- Anwender-Wörterbuch (150 Wörter durchschnittlicher Länge kann der Anwender selbst definieren. Dies bildet eine Ergänzung zu dem Grundlexikon, das oft verwendete Worte und Abkürzungen beinhaltet, die keiner grammatikalischen Regel unterliegen);

- Eingabe von Phonemen (ermöglicht eine genaue Aussprache und besondere Spracheffekte);

- Zahlenverarbeitung (genaue Aussprache von Zahlenketten, Brüchen und Beträgen).

DECtalk entspricht funktionell einem ANSI-RS232C-Terminal und läßt sich so in eine Reihe von Systemarchitekturen integrieren.

Der Hauptanwendungsbereich der Text-Sprache-Technik ist mit Sicherheit der Zugriff auf Informationen mittels eines normalen Telefons. Das Telefon ist die populärste Art "Terminal", die es gibt. Neben derartigen Anwendungsbereichen kann diese Technik auch bei anderen Aufgaben eingesetzt werden:

- Außendienstversand, und -nachfrage;

- Verkauf;

- Vertrieb;

- Einzelhandel;

- Audiotex;

- Akustische Informationen;

- Ausbildung und Erziehung;

- Büro;

- Banken und Finanzen;

- Medizin;

- Unterstützung von Behinderten.

Außendienstversand und -nachfrage: Mitarbeiter im Außendienst werden normalerweise von einem zentralen Kundendienstzentrum zum Kunden geschickt. Zunächst gibt dabei die Zentrale die Anfrage eines Kunden in ein Computersystem ein. Der Mitarbeiter ruft dann an, um Informationen über den nächsten Kunden zu erhalten. Das Sprachausgabesystem gibt Informationen über den Kunden und das beschriebene Problem vom Computer direkt an den Mitarbeiter weiter.

Häufig müssen Mitarbeiter beim Kundendienst nach Informationen oder Dienstleistungen fragen, die für ihre Arbeit unentbehrlich sind (Verfügbarkeit von Ersatzteilen oder Kreditwürdigkeit etc.). Andererseits benötigt die Zentrale für die Rechnungsstellung einen Bericht über die Kundendiensttätigkeit sowie die Bestätigung, daß die Arbeit auch geleistet wurde. Mit einem "Text-in-Sprache"-Gerät läßt sich die Reparaturzeit, -art und die Menge der verbrauchten Ersatzteile automatisch ermitteln.

Verkauf: Mit der Text-in-Sprache-Technik haben Vertreter und Verkäufer im Außendienst direkten Zugriff auf Computerdaten. So kann ein Verkäufer zu jeder Zeit Mitteilungen vom Computer abrufen, die beispielsweise eine Sekretärin dort gespeichert hat. Dies befreit auch die Sekretärin von der Mühe, derartige Mitteilungen vom Terminal ablesen zu müssen.

Nicht selten benötigt ein Verkäufer im Außendienst Daten über einen bestimmten Kundenauftrag. Jetzt kann er den Computer anrufen, eine bestimmte Kunden- oder Auftragsnummer eingeben und so alle gewünschten Informationen über diesen Auftrag erhalten.

Vertrieb: Für einen reibungslos funktionierenden Vertrieb müssen Informationen über den Lagerbestand, Auftragseingang oder Rechnungsstatus ständig verfügbar sein. Mit Text-in-Sprache lassen sich Aufträge über das Telefon abwickeln: So kann der Käufer den Computer per Telefon anwählen, nach Daten über ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung fragen, daraufhin den Geschäftsvorgang über die Telefontastatur beginnen und Informationen zur Rechnungserstellung eingeben.

Einzelhandel: Der Verkauf über Kataloge gehört zu den interessantesten Anwendungsgebieten der neuen Text-Sprache-Technik. Der Kunde kann die im Katalog aufgeführten Produkte anwählen und sich detailliert beschreiben lassen. Die Rechnung bezahlt er per Kreditkarte. Die jeweiligen täglichen Einnahmen übergeben die Filialen per Telefon und Text-in-Sprache-Gerät an die Zentrale einer Einzelhandelskette beispielsweise.

Audiotex: Videotex-Systeme sind aufgrund der Terminalbestückung oft zu teuer. Mit Text-in-Sprache lassen sich alle wesentlichen Funktionen von Audiotex wie Wetterberichte, Flugpläne oder Telefonnummern per Telefon einsetzen.

Akustische Informationen: Mit Text-in-Sprache können Texte korrigiert werden, ohne einen Bildschirm betrachten zu müssen. In einem Computerraum beispielsweise informiert das System Techniker und Programmierer durch verständliche Ansagen und Warnmeldungen über Fehler des Rechners.

Ausbildung und Erziehung: Beim Erlernen von Englisch als Zweitsprache setzen derzeit mehrere Schulen und Universitäten in den USA Text-Sprache-Systeme ein. Die Erfahrungen damit lassen die Möglichkeit zu, daß Lernmethoden auf dieser Basis zukünftig verstärkt genutzt werden.

Büro: Über Telefon und ein Text-Sprache-Gerät haben Mitarbeiter jederzeit Zugriff auf Informationen, die im zentralen Computer des Büros gespeichert sind, wie persönliche Post, Terminkalender oder Personalsituation etc.

Banken und Finanzen: Bei Banken können Anfragen über den Kontostand sowie die Kontobewegungen per Telefon erfolgen. Versicherungsagenten erhalten von ihrer Zentral jederzeit Auskunft über einzelne Kunden. Im Bereich des Maklerwesens lassen sich mit Hilfe des Telefons Preisinformationen über bestimmte Objekte oder Aktienkurse erlangen.

Medizin: Der medizinische Alltag eröffnet weite Aufgabenfelder für die Text-Sprache-Technik. So können sich Ärzte beispielsweise Testergebnisse aus Laboratorien jederzeit vorlesen lassen oder Daten, die von Patienten dort gespeichert sind (Blutdruck, bestimmte Medikamente und ihre Dosen, Nebenwirkungen), abrufen.

Unterstützung von Behinderten: Für Menschen, die aus den verschiedensten Gründen nicht lesen können, ist Information in gesprochener Form lebenswichtig. Mit der Text-Sprache-Technik können Behindert ihre Tätigkeit am Arbeitsplatz jetzt produktiver und wirkungsvoller gestalten. Mit Hilfe von Mikrocomputern und spezieller Software eröffnet sich jetzt die Möglichkeit Vortrage zu halten, selbst sprachbehinderten Menschen.