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Die Münchner C-Messe ringt weiter um Anerkennung


19.10.1990 - 

Der CIM-Anspruch der Systec ist noch mehr Schein als Sein

MÜNCHEN - Die Systec, Fachmesse für Computerintegration im Fertigungsbereich, kämpft auch beim dritten Anlauf um einen festen Platz im Terminkalender der Entscheidungsträger, Die CIM-Messe sitzt mit ihrem Konzept zwischen den Stühlen: Die Zielgruppe wird nicht erreicht, das Thema Integration ist noch Zukunftsmusik.

Messen finden offenbar nicht mehr die Akzeptanz der Anwender. Werner Meier, EDV-Leiter der Aerzener Maschinenfabrik, nennt den Grund: "Die Informationen sind insgesamt zu unpräzise. Wir müssen gezielt ein Problem aufgehen." Besonders der "Rummelplatz" CeBIT mit 500 000 Besuchern schreckt das Fachpublikum ab. "Im Detail kriegt man da nichts mit. Ich bin kein Messe-Freund, schon gar kein CeBIT-Freund", bestätigt auch Wolfgang Trefzger, EDV/Org.-Leiter der Lörracher Maschinenfabrik Hans Kaltenbach.

Gegen die Messemüdigkeit will die Münchner Messegesellschaft mit der auf Fachthemen bezogenen Systec angehen. Rund 40 000 Besucher werden dieses Jahr erwartet, 8000 mehr als 1988. "Wir wollen nicht das ganze Laufpublikum, sondern Fachspezialisten", erklärt Projektleiter Ernst Kick.

Die Systec wendet sich an Experten, an ausgewählte Leute aus der Produktion und der Fertigung. Keine Banker im weißen Kragen, keine Ärzte, keine Behördenangestellten, nicht einmal die Rechenzentrums-Fürsten klassischer Prägung seien gefragt, beschreibt Eberhard Färber, Geschäftsführer der Münchner Ixos Software, die Zielgruppen-Vorstellungen der Veranstalter.

Die Produktionsleiter werden von der Messegesellschaft gezielt beworben, an den DV-Profis geht das Marketing offensichtlich vorbei. Die Veranstalter haben nach Ansicht von Marktbeobachtern in diesem Punkt die falsche Richtung eingeschlagen. "Das ganze Thema ist sehr rechnerorientiert. Darum sind die Produktionsleute gut beraten, nicht allzuviel Alleingänge zu reiten", meint Hermann Müller, Produktionsleiter bei der Zahnradfabrik Passau. Die eigentlichen Ansprechpartner der Aussteller seien die DV-Fachleute. "Die Entscheidung liegt immer bei der DV und nicht bei den Produktionsleuten", bekräftigt Manfred Wendel, Fertigungsleiter im Stuttgarter Fahrzeugbau-Unternehmen Haller. Müller kann dies bestätigen: "Ich fahre nicht hin. Ich habe Ankündigungen und Programme erhalten und diese an unsere Bereiche Organisation und DV-Logistik weitergeleitet."

Doch bei den DV-Profis läßt das Interesse an der Systec noch zu wünschen übrig. Teilweise liegt es daran, daß in Anwenderkreisen zu wenig Informationen über die Messe vorhanden sind. "Wenn CeBIT oder Systems ist, wird man in der Regel mit Informationen überrollt", meint der DV-Leiter eines schwäbischen Maschinenbaubetriebs, "wir wissen einfach zu wenig über die Messe."

Systems oder Systec - für viele DV-Profis ist das kein Unterschied. Bemerkt Alfons Blüml, DV-Leiter der Hatz Motorenfabrik in Ruhstorf/Rott: "Ich war nur auf der Systems. Da ist es ja ähnlich." Die Messeleitung sieht das natürlich anders. Dazu Projektleiter Kick: "Für die Trennung Systec/Systems müssen wir werblich nichts tun."

Doch die Computerintegration in der Fertigung steckt noch in den Kinderschuhen. "Totale Integration ist in den nächsten hundert Jahren nicht möglich. Die Systec sitzt im luftleeren Raum", frotzelt Albert Feldmeier, Leiter für Maschinenplanung bei der Münchner Fahrzeug- und Maschinenfabrik Meiller F. X. In den Produktionsbetrieben wird zwar der Computer für CAD-, PPS-, BDE-Anwendungen eingesetzt, doch immer noch für Insellösungen. "Wir haben Materialwirtschaft, Fertigungssteuerung, Stücklistenorganisation etc., aber nicht CIM im richtigen Sinn", erläutert DV-Spezialist Blüml.

Oftmals, so hört man, bringe die Integration auch keinen Nutzen - beispielsweise bei der Stuttgarter Fahrzeugbau-Firma. Das Unternehmen ist auf Zulieferer angewiesen, dadurch treten Terminverschiebungen auf. Außer BDE, so der Produktionsleiter, ließe sich keine vernünftige CIM-Applikation realisieren.

Die Integration in der Fertigung ist deshalb in vielen Unternehmen noch kein Thema. Ernst Lutz, Leiter Branchen-Marketing der PCS Computersysteme, kann sich dieses Eindrucks jedenfalls nicht erwehren. Der Münchner Systec-Aussteller: "Es ist durchaus vorstellbar, eine Spezialmesse für die Integration in der Produktion zu veranstalten. Ob aber das Messekonzept durchhaltbar, das heißt eindeutig abgrenzbar ist, wage ich zu bezweifeln."

Für DV-Leute bleibt die Systec weiterhin ein Exote. Die Spezialisten aus dem Fertigungsbereich werden ebenfalls nicht erreicht. Dazu Feldmeier: "Ich habe den Eindruck gewonnen, wir Produktionsleute werden auf der Systec weniger angesprochen als die sogenannten DV-Freaks. Die Leute, die auf den Ständen sind, können mit den Vorstellungen und Wünschen der Produktions-Leute nichts anfangen."

Den Praktikern kommt die Metav, die vom 9. bis 13. Oktober 1990 in Düsseldorf stattfand, mehr entgegen. Auch hier stellen Computerfirmen wie IBM und Siemens aus. Eine Messesprecherin erklärt den Unterschied zur Systec: "Bei der Systec sind Computerhersteller vertreten, die ihre Produkte mehr oder weniger gefächert zeigen, keine Werkzeugmaschinen, die mit Computern in Betrieb sind. Bei uns kommt die Anbindung zur Werkzeugmaschinen-Branche dazu." Die Metav findet alle zwei Jahre statt und konnte beim letzen Mal 82 000 Fachbesucher verzeichnen. Auch sie hat als Zielgruppe die Produktionsleiter im Auge. "Ich war von der Metav begeistert", so der Münchner Feldmeier, "die Computerleute auf der Systec sprechen eine andere Sprache. Das ist der Grund, warum ich wenig davon halte."