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30.01.1998 - 

IT-Management

Der CIO - ein Muß für die deutschen Top 500

Von Beate Kneuse*

Schwieriger denn je scheint die Position der IT-Abteilungen in den Unternehmen zu sein. Waren die DV-Experten früher die geheimen Machthaber und "Macher" in den Unternehmen, geraten die internen IT-Shops jetzt zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Zum einen klagen Vorstände und Geschäftsleitungen mehr denn je über die hohen Anschaffungskosten für IuK-Equipment sowie den teuren Betrieb. Zum anderen kommt in vielen Fällen die Einschätzung hinzu, daß die IT nicht nennenswert zum Erreichen der strategischen Unternehmensziele beiträgt. Verstärkt wird die Unzufriedenheit der Unternehmenslenker dann meistens noch durch das Gefühl, den IT-Spezialisten ausgeliefert zu sein. Gleichzeitig reichen die bestehenden IT-Ressourcen für die internen Anwenderwünsche nicht aus, was zu langen Wartezeiten oder nichterfüllten Anforderungen führt. Dies wiederum schürt in den Fachabteilungen Unmut und Autonomiegelüste, was eigenmächtige Anschaffungen und dadurch den bekannten Systemwildwuchs sowie steigende Kosten verursacht. Immer häufiger setzt sich daher in den Führungsetagen der Konzerne die Ansicht durch: Die IT ist zu teuer, und niemand ist mit ihr zufrieden.

Dabei haben Vorstände und Geschäftsführer von den IT-Strukturen und -Ausgaben ihres Unternehmens vielfach keine Ahnung. "Nicht einmal zehn Prozent der Vorstände wissen, wie hoch die Investitionen in puncto IT in ihrem Unternehmen sind", konstatierte Bernhard Dorn, langjähriger Topmanager bei IBM und heute Unternehmensberater, auf der "Handelsblatt"-Konferenz "Strategisches Informationsmanagement" im Dezember 1997 in Köln. Noch schlimmer wiegt offensichtlich, daß vielen Bossen auch jegliches Interesse fehlt, sich mit diesem ungeliebten Thema auseinanderzusetzen. Nicht umsonst plauderte ein anderer Teilnehmer anonym aus dem Nähkästchen: "In Vorstandssitzungen wird das Thema IT immer ganz an den Schluß der Agenda gestellt. Wenn wir von der IT-Mannschaft dann endlich 30 Minuten vor Konferenzende an die Reihe kommen, entschuldigt sich der Chef und verläßt das Zimmer."

Ob nun in den Chefetagen der Unternehmen Frust über die eigene Know-how-Lücke oder schlichtweg Desinteresse vorherrscht - die anhaltende Sprachlosigkeit zwischen Geschäftsleitung und IT-Management ist weder den Organisationsprozessen der Unternehmen noch ihrer Wettbewerbsfähigkeit dienlich. "Wenn Märkte und Unternehmen sich verändern, dann muß die IT ganz vorne mit dabei sein", betonte Dorn.

Ideenaustausch zwischen beiden Seiten erforderlich

Dies aber erfordere nicht nur weitreichende informationsstrategische Weichenstellungen, deren Investitionsvolumen nicht mehr allein durch die Experten in den IT-Ressorts bestimmt werden können, sondern auch die Einbeziehung entsprechender Innovationen in die Organisation und Strategie der Unternehmen. Mit anderen Worten: Es muß ein ständiger und systematischer Ideen- und Erfahrungsaustausch zwischen Geschäftspolitik und IT-Strategie stattfinden. Nur so lasse sich ein Informationsvorsprung erzielen, der letztlich zum Wettbewerbsvorsprung führe.

Diese Form des Zusammenspiels wird aber von Geschäftsleitung und IT-Abteilungen in deutschen Unternehmen so gut wie nicht praktiziert - die plakative Formel von der IT als "strategischer Waffe im Wettbewerb" ist somit bis dato weitgehend eine Worthülse geblieben. Und was noch schlimmer ist: Es mangelt deshalb auch an unternehmensweiten Strategien für den "Produktionsfaktor" Information. Den Schwarzen Peter für dieses Defizit wollte Dorn aber nicht allein Vorständen und Geschäftsführern zuschieben. "Datenverarbeitung", betonte er, "sollte nicht die Fachaufgabe des Vorstandsvorsitzenden sein!"

Doch auch viele IT-Manager hüllen sich in Schweigen und verstärken damit das "Geheimnisumwitterte" ihres Schaffens.

Auch die Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre von Unternehmensberatern und vielen IT-Managern erhobene Forderung, der jeweils für die DV Verantwortliche müsse Sitz und Stimme im Vorstand erhalten, hat sich nicht durchgesetzt. "In Deutschland gibt es bei nur einem Prozent aller Unternehmen das Vorstandsressort IT", erklärte Dorn. Wenn überhaupt, seien solche Positionen nur bei Banken und Versicherungen geschaffen worden. Und auch dort sei der IT-Experte letztlich ein "Exot" geblieben, weil er mit einer Materie zu tun hat, mit der sich die restlichen Vorstandskollegen "weder befassen wollen noch können".

Dennoch: "IT muß endlich zum Vorstandsthema werden", appellierte Dorn an die Chefetagen und liefert das Rezept, wie sich dieses Ansinnen gewissermaßen institutionalisieren ließe, gleich mit. Es gelte, einen Unternehmensbeauftragten für Information einzurichten - und dies in der Person beziehungsweise Stellenbeschreibung des CIO zu verankern. Dieser vertrete weder die Interessen des IT-Bereichs noch der Organisationsabteilung und/oder Endbenutzer, vielmehr wahre er einzig und allein die Belange der Geschäftsleitung. Der CIO, so Dorn, "fungiert als Anwalt des gesamten Vorstands in Sachen IT und ist gleichzeitig der Moderator zwischen Anwendern und IT-Abteilung".

Aufgabe dieses, wenn man so will, Notars in Sachen IT ist es, aus den Geschäftszielen die IT-Strategie für das Unternehmen abzuleiten, wobei deren Umsetzung weiterhin im Hoheitsbereich des eigentlichen IT-Managements bleibt. Darüber hinaus müsse Dorn zufolge der CIO gemeinsam mit dem Management der Fachabteilung die nötige "Grundversorgung" an Information ermitteln und dann auch die Verantwortung für Investitionen und Betriebskosten übernehmen.

Daß mit der Einführung eines CIO eine zusätzliche Instanz in den Unternehmen geschaffen wird, was zumindest gegen den seit Jahren vehement betriebenen Abbau von Hierarchien spricht, ließ Dorn als Gegenargument nicht gelten. Die Vorteile seien zu offensichtlich. Denn durch den CIO würden nicht nur die "Verständigungsschwierigkeiten" zwischen Vorstand und IT-Department aus der Welt geschafft sowie für eine entsprechende Transparenz gesorgt; die Einführung einer solchen Position könne auch dazu führen, die Zahl der externen Berater zu reduzieren. "Wenn der CIO den Anwendern in den Fachabteilungen mit Rat und Tat zur Seite steht und sie darin unterstützt, Produktivitätspotentiale in ihren Geschäftsprozessen selbst zu erkennen, kann man auf ein Heer von Re-Engineering-Spezialisten verzichten", schrieb der Ex-IBM-Manager der Beraterszene ins Stammbuch.

Um seinen anspruchvollen "Aktionsradius" erfüllen zu können, müsse der CIO jedoch umfangreiches Know-how mitbringen. Dies reiche von spezifischen IT-Kenntnissen über das Verständnis von Geschäftsprozessen samt Ablauforganisationen bis hin zum Grundlagenwissen in Sachen Financial Engineering. Welcher Mitarbeiter letztlich diese Anforderungen erfüllt, dürfte laut Dorn von Unternehmen zu Unternehmen verschieden sein. Keinesfalls sollte aber der Posten des CIO "als logischer Karriereschritt für den IT-Chef betrachtet werden". Mit anderen Worten: In vielen Fällen dürfte es auf eine externe Lösung dieser "Personalie" hinauslaufen.

In den USA ist der CIO, wie jedermann in der Branche weiß, bereits eine gängige Position. In Deutschland hingegen setzt sich diese verantwortungsvolle Management-Aufgabe nur langsam durch. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es diese Funktion nach Auskunft von Dorn in maximal 30 deutschen Unternehmen. Noch immer existieren Vorbehalte und Widerstände, allen voran die Angst vor Machtverlust. Dorn weiß, warum: "Wer über IT entscheidet, der verfügt über einen großen Einfluß. Schließlich verändert man mit entsprechenden Ablaufstrukturen auch das ganze Unternehmen. Deshalb setzen sich sowohl die IT-Manager als auch der Vorstand, in dessen Ressort die IT-Abteilung angesiedelt ist, gegen die Etablierung eines CIO zur Wehr."

Aufklärung tut deshalb not. Denn nach Dorns Ansicht sollte für die 500 deutschen Topunternehmen der neue IT-Stratege und -Vordenker längst eine Selbstverständlichkeit sein. Gleichwohl möchte der Consultant, der bei seinem früheren Brötchengeber selbst eine entsprechende Position geschaffen hat, den Rückstand der Deutschen in dieser Frage auch nicht überbewerten: "In den USA nimmt man Neues zwar viel leichter auf, doch den Amerikanern fehlt dann meistens das nötige Durchhaltevermögen." Seine Prognose hört sich denn auch entsprechend optimistisch an: "Bis zum Jahr 2000 werden mehr als die Hälfte der deutschen Top-5000-Unternehmen den CIO eingeführt haben.

*Beate Kneuse ist freie Fachjournalistin in München.