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26.01.2001 - 

Interview

"Der CIO hat im Vorstand keine Zukunft"

CW:Welche Konsequenzen hat für Sie das Headhunter-Urteil, laut dem es Personalberatern künftig gerichtlich verboten ist, direkt am Arbeitsplatz anzurufen, um Kandidaten abzuwerben?

Juchmes: Keine. Die Personalberater, die bei dem Stuttgarter Softwarehaus, das den Prozess angestrebt hat, gewildert hatten, waren unprofessionell. Es geht nicht an, dass man in einem Unternehmen aus der gleichen Abteilung mehrere Personen anspricht. Der Kontakt muss punktgenau sein, und dafür muss im Vorfeld ausgiebig recherchiert werden. Das heißt, die Personen, die diesen Job betreiben, müssen gut geschult werden.

CW:Sie machen also weiter wie bisher?

Juchmes: Richtig, es hat sich noch niemand über unsere Arbeitsweise beschwert, und mir ist klar, dass unser Job immer auch etwas Aufregendes hat. Im Übrigen könnten wir auch aus dem Ausland tätig sein, denn das Urteil gilt nur für Deutschland.

CW:Wie haben sich die Anforderungen an IT-Führungskräfte verändert?

Juchmes: Im Prinzip wenig. Die Persönlichkeit des eventuellen neuen Mitarbeiters ist nach wie vor am wichtigsten. Bei den formalen Qualifikationen ist Englisch ein absolutes Muss - nicht nur auf dem Papier. Es sitzen englische und amerikanische Manager in deutschen Chefetagen, und da kann nicht mehr improvisiert werden. Hiesige Firmen sind bereit, englische Manager einzustellen, ohne dass diese ein Wort deutsch zu sprechen brauchen. Auch die ständige Erreichbarkeit - vor allem für Führungskräfte - wird selbstverständlich. Der Chef muss für seine Kollegen aus der US-Niederlassung immer zu greifen sein, und wenn ein Banker aus Tokio am Wochenende eine Auskunft braucht, muss der Finanzchef Gewehr bei Fuss stehen.

CW:Hängt die Krise der New Economy auch mit der mangelhaften Qualifikation des Managements zusammen?

Juchmes: Auf jeden Fall. Man hat den Eindruck, dass bei diesen jungen Internet-Startups zu viel improvisiert und zu chaotisch gearbeitet wird. Die Chefs sind nicht in der Lage, Prozesse zu managen und Mitarbeiter zu führen, weil sie es nicht gelernt haben. Und wenn ein Profi geholt wurde, dann ein Finanzchef mit fundierten Bankkenntnissen, um viel Geld mit dem Börsengang zu machen. In diesem Zusammenhang kritisiere ich auch die Venture-Capital-Firmen. Auch hier habe ich nicht immer die Kompetentesten angetroffen in puncto Führungsverantwortung. Also kann ich auch nicht erwarten, dass sie die richtige Personalwahl bei den Startup-Unternehmen treffen, denen sie dann zweistellige Millionensummen nachwerfen.

CW:Betrachten Sie die Online-Jobbörsen als Konkurrenz?

Juchmes: Keineswegs. Die Unternehmen wollen noch immer jeden Kandidaten persönlich sehen. Das Wichtigste ist doch die Frage der "Chemie" - ob Arbeitgeber und Bewerber zusammenpassen. Es ist eher so, dass die Personalabteilungen angesichts des großen Personalmangels völlig überlastet sind und es am liebsten haben, wenn man ihnen zwei, drei Kandidaten auf dem Tablett präsentiert. Das ganze Geschäftsmodell dieser Jobbörsen steht auf wackligen Beinen. Zwei der größten Online-Rekrutierer in den USA sind schon jetzt gefährdet, nicht zu überleben.

CW:Sie jagen ja auch CIOs. Wie sehen Sie deren Zukunft?

Juchmes: Um es klar auf den Punkt zu bringen: Sie haben im Vorstand nichts zu suchen. Informationstechnik gehört wie auch das Personalwesen nicht in die Chefetage.

CW:Warum?

Juchmes: Hier werden Ressourcen verwaltet. In die Chefetage gehören aber die Bereiche, die Geld verdienen und zum Kerngeschäft eines Unternehmens zählen wie Vertrieb, Marketing, Produktion sowie Forschung und Entwicklung. Deshalb bin ich auch - um ein aktuelles Beispiel aufzugreifen - skeptisch, ob der CIO-Posten bei der Deutschen Bank, nachdem Hermann-Josef Lamberti weggelobt wurde, neu besetzt wird.

CW: Aber in den USA funktioniert es doch.

Juchmes: Der amerikanische CIO denkt mehr ganzheitlich und betriebswirtschaftlich, der deutsche IT-Chef ist noch zu technikverliebt. Während sich der Amerikaner in der Früh als erstes die Börsenkurse seines Unternehmens anschaut, steckt der Deutsche schon mitten in einem IT-Detailproblem.