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17.05.1985 - 

Symposium über Rechnereinsatz im Flugzeugbau:

Der Computer soll den Windkanal ersetzen

GÖTTINGEN (vwd) - Über die Frage, ob sich ein Flugzeug mit dem Computer konstruieren läßt, und über Probleme bei der Entwicklung wirtschaftlicher Tragflächenprofile diskutierte eine Expertengruppe eine Woche lang in Göttingen auf Einladung der "Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt" (DFVLR).

Der Leiter der Tagung und Direktor des Instituts für experimentielle Strömungsmechanik, Professor Hans Hornung (Göttingen), und der Vorstandsvorsitzende der DFVLR, Professor Hermann L. Jordan (Köln), erklärte zum Auftakt, daß die Flugzeugkonstrukteure ,.liebend gerne" vor allem die Windkanalmessungen, die bisher aus Sicherheitsgründen beibehalten werden müßten, stark einschränken würden. "Doch keiner, der heute Flugzeuge entwirft", sagte Hornung, "würde sich trauen, dies ohne Windkanal zu tun."

Trotzdem hofften die Konstrukteure, daß in den nächsten 20 bis 30 Jahren - "wenn die Computer größer werden" - Flugzeuge bis zur Flugreife berechnet werden könnten. "Noch wissen wir aber nicht", sagte er, "wenn wir gerade gerechnet haben, ob unsere Rechnung auch wirklich stimmt." Um Flugzeuge so umweltfreundlich-leise wie möglich und gleichzeitig wirtschaftlich-schnell und besonders bei Militärflugzeugen kurvenstabil zu bauen, müssen sie einen geringen Reibungswiderstand und Tragflächen haben, die die tragenden Luftströmungen selbst in kritischen Situationen nicht abreißen lassen. Alle flugzeugbauenden Nationen bemühten sich gegenwärtig darum. Flugzeugflügel zu entwikkeln, bei denen sich auf der Oberfläche so wenig wie möglich unerwünschte Turbulenzen oder Luftwirbel bilden. Wissenschaftlich würden bereits auch Grenzbereiche ausgetestet, um über die Flugzeuge der nächsten Generation entscheiden zu können.

Jordan glaubt, daß die Flugzeuge künftig stärker aus anderen nichtmetallischen Werkstoffen, etwa aus kohlenfaserverstärkten Kunststoffen gebaut werden. Bisher würden zwar erst in unkritischen Bereichen der Flugzeuge Kunststoffe verwendet. Er halte es jedoch nicht für ausgeschlossen, daß in späteren Jahrzehnten auch ganze Passagierflugzeuge aus Kunststoff produziert werden. Segelflugzeuge aus Kunststoff gebe es bereits. Schwierig sei bei der Verwendung von Kunststoffen, daß ihre Haltbarkeit nicht künstlich simuliert werden könne und daher mehrjährige Testzeiten erforderlich seien.

Jordan sagte in diesem Zusammenhang, er glaube ganz sicher an eine Renaissance des Propellerflugzeuges. Das neue Propellerflugzeug werde jedoch vor allem für den Schwertransport eingesetzt werden, mehrflügelige Propeller haben und im hohen Unterschallbereich Siegen. Er kündigte an, daß die DFVLR im kommenden Jahr einen "fliegenden Rechner", ein mit Computern ausgestattetes Flugzeug, in Betrieb nehmen werde, mit dem selbst kritische Flugphasen automatisch gesteuert und berechnet oder künstlich simuliert werden können.