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30.06.1978

Der Computer und die Arbeitsplätze

30.06.1978

Ein weiterer Grund für das weltweite Anwachsen des EDV-Budgets dürfte darin liegen, daß viele Anwender - nicht zuletzt aufgrund der krisenhaften Konjunkturentwicklung der letzten Jahre - substantielle EDV-Investitionen quasi vor sich hergeschoben haben. Dieser Bedarfsüberhang durfte - auch angesichts der langen Lieferfristen von 12 bis 18 Monaten, die manche Anwender gleich zum "Vorausbestellen" anregen - der Branche in den nächsten Jahren dicke Auftragspolster bescheren.

Das weltweite Anwachsen der EDV-Budgets hat jedoch noch einen ganz anderen Grund, und ich glaube, hier sollte man endlich das Kind beim Namen nennen. Das Thema "Computer und Arbeitsplätze" ist nämlich in den letzten Jahren derart tabuisiert worden, daß eine Diskussion über diese Zusammenhänge, bestenfalls hinter vorgehaltener Hand stattgefunden hat. Dabei ist doch eines ganz klar: Je mehr heute ein Unternehme in die hauseigene EDV investiert, desto mehr vorher manuell durchgeführte Arbeitsabläufe werden durch den Computer automatisiert. (Die Tabelle verdeutlicht diesen Zusammenhang.)

Mit dem Einzug der Computer in den Büroetagen wird die weitere Entwicklung bereits vorgezeichnet. Jeder Automatisierungsprozeß zieht zwangsläufig weitere

EDV-Investitionen nach sich - daß dadurch das Heer der Angestellten Federn lassen muß, liegt auf der Hand. Hier ist noch anzumerken, daß die EDV-Investitionen weltweit um einiges schneller steigen als die Wachstumsraten der Unternehmen selbst.

Es muß einfach einmal gesagt werden: Die Vorstellung, daß Automatisierung nur neue Arbeitsplätze schafft, ist eine weitverbreitet Illusion. Alle Zweifler möchte ich in diesem Zusammenhang auf eine Einschätzung verweisen, die von so berufener Seite wie von Dr. Carl Hammer, "dem großen alten Mann" bei Univac, kommt. Im Rahmen eines Beitrags für die "Computerworld" hat Dr. Hammer schon vor einigen Jahren auf die personalpolitischen Konsequenzen der Automatisierung hingewiesen - dies vor allem für Bereiche mit einem hohen Anteil manuell durchgeführter Arbeitsabläufe. Seiner Ansicht nach dürfte die Chip-Technologie auch für die Arbeit der Programmierer nicht ohne Folgen bleiben.

Der Einzug der EDV in die verschiedensten Unternehmensbereiche ist inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden - damit einher geht eine Umorientierung in der

Budgetplanung: Verringerung der Personal- und Erhöhung der EDV-Investitionen. Das eigenartige dabei ist lediglich die Reaktion des Managements auf diesen Prozeß. An unrentable Investitionen und Überkapazitäten im Angestelltenbereich hatte man sich einigermaßen gewohnt - auch daran, daß aufgeblähte Büroetagen ziemlich viel Geld kosten. Ganz anders liegen die Dinge bei der EDV. Hier zeigt das Management bei "zweifelhaften" Investitionen - auch wenn die eventuellen Investitionen bei der EDV erstens viel leichter identifizierbar und zweitens wesentlich niedriger sind als unrentable Personalinvestitionen - ein so hohes Maß an Verunsicherung, daß man dies nur als totale Überreaktion bezeichnen kann.

In gewisser Weise ist das Verhältnis Management-EDV immer noch etwas gespannt. Die EDV-Manager haben in dieser Situation jedenfalls keinen leichten Stand - besonders dann, wenn es wieder einmal um die Aufstockung ihres Budgets geht. Hier bleibt nur zu hoffen, daß im gleichen Maße, wie die Automatisierung ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellt, auch die Unsicherheit des Managements abnimmt.

-Charles P. Lecht ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT).

Übersetzung: Reinhold Falkner