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19.01.1990 - 

Restriktive Ausgabenpolitik und mehr Kontrollverhalten

Der deutsche Software-Markt bereitet sich auf Europa vor

Der rasch wachsende und sehr dynamische Softwaremarkt ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Für die künftige Entwicklung des Weltmarktes werden derartige Faktoren eine große Rolle spielen; speziell die Informationstechnik muß als Wettbewerbswaffe fordert werden.

Nicht nur Kosten, sondern auch Wertschöpfung, Informationsvorsprung etc. auf den Absatzmärkten sind Antriebskräfte für Investitionen in Informationstechniken. Sowohl die sich wandelnden Anforderungen und neuen Einsatzbereiche bei den inländischen Anwendern als auch der europäische Binnenmarkt und der Weltmarkt stellen eine große Herausforderung für die heute noch überwiegend regional operierenden Softwareanbieter dar und zwar nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt, daß durch ein verbessertes Preis-/Leistungsverhältnis des Hardwareangebotes neue Anwendergruppen und Anwendungsgebiete erschlossen werden.

Die Zahl der Unternehmen, die ein eigenes DV-System einsetzen, ist in den letzten Jahren rapide gewachsen. Dabei hat die Zahl der Endbenutzer von Arbeitsplatzsystemen im gleichen Zeitraum ebenfalls rapide zugenommen. Mit der Auslagerung von DV-Aufgaben in Fachabteilungen werden in arbeitsteiligen Organisationen die Integration der verschiedenen Anwendungsgebiete, aber auch Datenschutz und Datensicherheit immer wichtigere Themen.

Entwicklungs-Tools als Wirtschaftsfaktor

Auf der Anwender- wie auch Anbieterseite wird die Wirtschaftlichkeit der Softwareproduktion wesentlich durch Tools mitbestimmt, deren Einsatz immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Diese in der Tendenz positive Entwicklung bringt aber nicht nur Vorteile. Sie kann sehr schnell von dem angestrebten Ziel ins Chaos umschlagen, wenn ein Konzept, das sich an den Unternehmenszielen ausrichtet, fehlt. Zu den Kernfragen und Problemen eines solchen Konzeptes gehören unter anderem:

- Welchen existierenden und absehbaren Forderungen des Unternehmens und der Fachbereiche muß die Informationsverarbeitung Rechnung tragen?

- Wie muß ein effizientes Informationsmanagement hinsichtlich Strukturdimensionierung, Ablaufplanung und Steuerung gestaltet sein

- Was ist auf Dauer unter Wirtschaftlichkeits- und Effizienzgesichtspunkten selbst zu entwickeln und zu betreiben, beziehungsweise als Dienstleistung gegebenenfalls extern zu beschaffen?

- Welchen Beitrag kann die Informationsverarbeitung sowohl strategisch als auch operativ im Rahmen der Geschäftsziele zur Sicherung und Verbesserung des Unternehmenserfolges leisten?

- Welche internen und externen Kommunikationsschnittstellen sind zu berücksichtigen beziehungsweise abzudecken?

- Welche Anforderungen hinsichtlich Bürokommunikation sind zu erfüllen?

- Leitlinien und Strategie der Informationsverarbeitung orientieren sich an der geschäftlichen Zielsetzung und den Prioritäten des Unternehmens und nicht der Fachabteilung.

- Organisation und Dimensionierung der Informationsverarbeitung: benötigte DV-technische Ressourcen, Rahmenplan der Projekte mit Zielsetzung, Inhalt, Umfang, Prioritäten, Wirtschaftlichkeit, Voraussetzungen und Konsequenzen.

- Organisation und Management zur Umsetzung des Informationsverarbeitungskonzeptes.

Viele kleine Unternehmen bestimmen hier den Markt

Wie gliedern sich nun die Softwareunternehmen im Bundesgebiet? Aus der Potentialsdatei des ISIS-Report liegt die Zahl der Softwareunternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten in der Größenordnung zwischen 850 und 900. Es gibt zirka 1500 weitere kleine Softwareschmieden mit weniger als zehn Mitarbeitern, wobei eine genauere Angabe wegen der Vielzahl von Einzelberatern nur sehr schwer zu machen ist.

Nach einer GMD-Studie aus dem Jahre 1989 mit Beteiligung von BDU, VDMA und ZVEI sind zur Zeit zirka 10 000 Softwareentwickler als freie Mitarbeiter in Softwareunternehmen beziehungsweise in Projekten tätig. Mit 32,2 Milliarden Mark im Jahr 1988 haben die Softwareinvestitionen der DV-Anwender ein Volumen erreicht, das die Anforderungen für Hardware übertrifft: 20,2 Milliarden Mark - also mehr als 60 Prozent der Gesamtaufwendungen - wurden 1988 für die interne Erstellung von Software und softwarebezogenen Dienstleistungen aufgewendet. Nur zwölf Milliarden Mark flossen als externe Aufwendungen an Softwareanbieter. Diese Ausgaben entstanden vor allem bei der Beschaffung von Anwendungssoftware und nur zu einem geringen Teil durch Entgelte für softwarebezogene Dienstleistungen. Innerhalb der Anwendungssoftware dominiert die Individualsoftware gegenüber der Standardsoftware.

Das Wachstum verlangt noch Software-Export

In den letzten Jahren ist der Softwaremarkt deutlich rascher gewachsen als der Hardwaremarkt. Dies verdeutlichen Zahlen aus den Jahren 1984 bis 1988. Im Jahre 1984 belief sich der DV-Hardware-Umsatz auf 15,5 Milliarden, die Ausgaben für Software im gleichen Jahr betrugen sechs Milliarden Mark und 1988 betrug der DV-Hardware-Umsatz 21,6 Milliarden, der Softwaremarkt zwölf Milliarden Mark. Deutlicher wird dies, wenn man die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in diesem Zeitraum gegenüberstellt, wobei der DV-Hardwaremarkt um 8,7 Prozent, der Softwaremarkt um 18,9 Prozent gewachsen ist.

Die kommenden Jahre werden geprägt sein von einem weiteren raschen Wachstum der Zahl von DV-Anwendern im unteren Bereich und zunehmender Durchdringung der Unternehmen mit DV-Anwendungen im mittleren und oberen Bereich. In den nächsten Jahren wird aber auch ein Wandel in der Softwareproduktion einsetzen. Der wachsende Einsatz von Softwareproduktionsmitteln (Methoden und Werkzeugen) bei Anwendern und Softwareunternehmen wird zu mehr Effizienz führen. Geringere Kosten für die externe Softwarebeschaffung und der wachsende Einsatz von Standardsoftware werden das Preis-/Leistungsverhältnis auch bei Software verbessern.

Während man in den vergangenen zehn Jahren den deutschen Softwaremarkt als weitgehend nationalen und geschlossenen Markt betrachten konnte, hat die heutige marktbeherrschende Rolle der amerikanischen Softwareproduzenten in den letzten drei bis vier Jahren deutlich gemacht, daß auch Software ein international vermarktbares Produkt ist. Unter mehr Wettbewerbsdruck werden dabei nicht nur die nationalen Anbieter, sondern auch die internen Softwareentwicklungs-Abteilungen der Anwender geraten, da die jetzigen 20,2 Milliarden Mark an internem Aufwand ein interessantes Marktpotential für Softwareanbieter sind.

Die Studie geht davon aus, daß es im europäischen Wettbewerb knappe Ressourcen an qualifiziertem Personal für die Informationstechnik geben wird. Im Jahre 1989 gab es in der Bundesrepublik zirka 620 000 DV-Anwender; 1992 werden es voraussichtlich zirka eine Million sein, wobei interessant ist, daß der Anteil der Klein-Anwender an den Umsätzen bereits heute bei zwanzig Prozent liegt und dieser Anteil

wird weiter wachsen. Die PC-Anwender sind in der Regel die freien Beruf, sowie kleine und mittlere Handwerks- und Handelsbetriebe sowie Schulen im Lehrbetrieb.

Die mittleren Anwender, das heißt in der Regel Anwender von Minicomputern, sind überwiegend mittlere Betriebe des verarbeitenden Gewerbes mit 20 bis zu 200 Beschäftigten, sowie Handelsbetriebe mit zehn bis zu fünfzig Beschäftigten. Der Anteil mittlerer Anwender an den Umsätzen im Softwaremarkt beträgt heute etwa dreißig Prozent. Die mittleren Anwender werden in den nächsten Jahren einer großen Herausforderung gegenüberstehen.

Der traditionelle Minicomputermarkt mit seiner Vielfalt an herstellerindividuellen Betriebssystemen - und damit systemabhängiger Standard- und Individualanwendungssoftware - wird von herstellerunabhängigen Betriebssystemen, in erster Linie Unix, abgelöst. Vertikale Systemlinien von Mikros bis zu Großsystemen werden den zukünftigen Hardwaremarkt bestimmen. Das Minicomputer-Segment wird seine bisherige Eigenständigkeit verlieren. Zwei Drittel dieser mittleren Anwender haben keine interne Softwareentwicklungskapazität, sondern hängen in der Entwicklung von der Verfügbarkeit geeigneter Software im Markt ab.

Die größeren Anwender stellen eine sehr heterogene Gruppe dar, da sie sowohl am unteren Ende mittlerer Industriebetriebe mit fünfzig bis fünfhundert Beschäftigten zu finden sind, aber auch am oberen Ende. Es sind dann die Zentralen großer internationaler Konzerne. Entsprechend breit ist auch das Spektrum des DV-Einsatzes. Diese Anwender haben bis vor wenigen Jahren noch das Bild des Softwaremarktes auf der Entwicklungsseite geprägt. Sie sind nach wie vor die wichtigsten Kunden der Softwareanbieter, obwohl ihr Marktanteil heute nur noch bei fünfzig Prozent liegt. Da sie fast überwiegend ihre Anwendungen intern entwickeln und der ungesättigte Bedarf an neuen Anwendungsfeldern groß ist, stellen sie allerdings ein weit größeres Marktpotential dar als es ihrem gegenwärtigen Beitrag zum Softwaremarkt entspricht. Hier wird vor allem für die Realisierung von neuen Anwendungsfeldern wie Produktion, Logistik oder Büroautomation neben der Software auch ein großer Bedarf an Hardware entstehen, insbesondere an Arbeitsplatz- und Kommunikationsrechnern.

In diesen Unternehmen ist deutlich ein geändertes Entscheidungsverhalten zu registrieren. Im Gegensatz zu früher ist die Aufmerksamkeit des Top Managements für Fragen der informationstechnischen Infrastruktur in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Vor allem auch Wirtschaftlichkeitsaspekte sowie verstärktes Kontrollverhalten führten zu einer restriktiveren Ausgabenpolitik.

Die Gesamtleistungen der Softwareunternehmen ist um so eindrucksvoller als sie überwiegend von sehr kleinen Unternehmen erbracht wurden. Nur sehr wenigen Unternehmen gelang es in die Größenklasse über fünfzig Beschäftigte zu wachsen. Nur gut zehn Prozent der Softwareunternehmen beschäftigen fünfzig und mehr Mitarbeiter.

Viele Insolvenzen und Neugründungen

Neben diesen dynamischen Unternehmen gibt es im Softwaremarkt nach wie vor eine große Zahl von Grenzunternehmen, so die Studie. Knapp ein Drittel der Softwareunternehmen weist einen Pro-Kopf-Umsatz von 100 000 Mark auf. Die Zahl der Marktaustritte ist daher hoch. Allerdings steht dem Zahl von dem auch eine fast gleich große Zahl von Neugründungen gegenüber, da die Markteintrittsbarrieren noch immer niedrig sind. Bemerkenswert ist, daß die Zahl der ausscheidenden Unternehmen erstmals höher ist, als die Zahl der neu eingetretenen Unternehmen. Dies weist darauf hin, daß ein Konzentrationsprozeß im deutschen Softwaremarkt eingesetzt hat.

Siebzig deutsche Softwareunternehmen beschäftigen mehr als hundert Mitarbeiter. Ihr Marktanteil beträgt knapp zwanzig Prozent. Im Vergleich zu den französischen und englischen Softwareunternehmen sind diese Unternehmen noch immer Zwerge und ihre internationale Marktbedeutung ist bisher noch recht gering. Bei dem sich anbahnenden Strukturwandel des Softwaremarktes finden Freelancer aufgrund der Politik der großen Anwender, freie Mitarbeiter in ihre Projektteams einzugliedern, noch einige Jahre ein limitiertes und langfristig gesehen ein unsicheres Auskommen.

Qualifizierte, mittlere Unternehmen zwischen zehn und fünfzig Beschäftigten sind auch in Zukunft gesuchte Kooperationspartner der Hardware-Hersteller beim Systembertrieb. Unter dem Schirm dieser Hersteller können sie sich, wenn sie bereit sind sich auf deren Marktsegment und eine vertriebsorientierte Tätigkeit einzustellen mit einem sicheren Einkommen rechnen, wenn sie ein gutes eigenes Branchenpaket haben, das über die Partnerorganisation des Hardwareherstellers breiter vertrieben wird.

In diesem unteren Bereich des Softwaremarktes, so die Studie, wird sich in den nächsten Jahren allerdings aufgrund der wachsenden Qualifikationsanforderungen, insbesondere solchen wie Erfahrung mit Softwarewerkzeugen, die Fluktuation eher noch verstärken. Der Konzentrationsprozeß wird zunächst im Bereich der heute großen deutschen. Softwareunternehmen ab fünfzig Beschäftigten einsetzen. Hier können die Unternehmen nur unabhängig bleiben und Chancen nutzen, wenn sie in eine im internationalen Wettbewerb vergleichbare Größenordnung und/oder in eine Spitzenstellung auf Spezialgebieten hineinwachsen.

An diesem beginnenden Konzentrationsprozeß ist auch bemerkenswert, daß sich wieder mehr Unternehmen im Softwaremarkt etablieren, deren ursprüngliche Geschäftstätigkeit außerhalb der Software (Hardware, Wirtschaftsprüfungs- oder Beratungsbereich) angesiedelt waren.

Aus produktionspolitischer Sicht ist Software für viele Anbieter zu einer komplementären Leistung geworden, die das Kernprogramm sinnvoll ausbaut oder abrundet.

Unter Ertragsaspekten hat Software heute überwiegend substitutiven Charakter. Ertragseinbußen bei anderen Produkten, insbesondere Hardware, sollen durch die höhere Gewinnmarge im Softwaremarkt aufgefangen werden.

Die Entwicklung zeigt eine immer höher werdende Komplexität, wobei es sicherlich sinnvoll ist, wenn Unternehmen aus Zeit- und Kostengründen und um Fehlentwicklungen zu vermeiden mehr und mehr auf die externen Berater zurückgreifen.