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11.06.2004 - 

Microsoft forciert die Entwicklung eigener Suchtechniken

Der Druck auf Google wird größer

MÜNCHEN (CW) - Wenige Monate vor dem geplanten Börsengang gerät Google zunehmend unter Druck. Konkurrenten wie Microsoft entwickeln eigene Suchtechniken, und eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Google außer einer starken Marke nicht allzu viel zu bieten hat. Die Verantwortlichen des Suchmaschinenanbieters versuchen derweil, neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Das Google-Management arbeitet zurzeit mit Hochdruck daran, weitere Einnahmequellen zu finden. So entwickeln die Kalifornier beispielsweise unter dem Codenamen "Puffin" ein Tool, mit dessen Hilfe Anwender die Festplatte des heimischen Rechners effizienter nach Dateien und Texten durchsuchen können. Das Suchwerkzeug soll bereits in Kürze als Freeware angeboten werden.

Der neue Suchservice zielt in erster Linie gegen Microsoft. So hatte der weltgrößte Softwareanbieter zuletzt ähnliche Funktionen für sein nächstes Betriebssystem-Release "Longhorn" angekündigt, das Branchenkenner jedoch erst für 2007 erwarten. Außerdem wollen die Microsoft-Verantwortlichen die Entwicklung einer eigenen Internet-Suchmaschine forcieren. Letztendlich ziele die Strategie darauf ab, sowohl die Netzsuche als auch die Recherche auf dem PC mit einem integrierten Tool zu bedienen, erläutert Yusuf Mehdi, Chef der Microsoft-Sparte MSN.

Doch auch Microsoft muss sich beeilen, um Konkurrenten wie Google aufzuhalten, warnt Joe Wilcox, Analyst von Jupiter Research. Das scheinen mittlerweile auch die Verantwortlichen in der Redmonder Firmenzentrale erkannt zu haben. Waren die Suchfunktionen zunächst als Bestandteil von Longhorn geplant, möchte Microsoft nun bereits in den nächsten Monaten eine erste Version seiner neuen Suchtechnik präsentieren. Die komplette Search Engine soll Mehdi zufolge binnen eines Jahres herauskommen.

Experten gehen davon aus, dass Microsoft versuchen wird, seine Suchtechnik in künftige Betriebssysteme zu integrieren. Damit könnte Google das gleiche Schicksal wie Netscape drohen. Der Anbieter der Browser "Navigator" und "Communicator" verlor an Bedeutung, nachdem Microsoft mit dem "Internet Explorer" einen eigenen Browser in sein Windows-Betriebssystem eingebaut hatte. Allerdings ist es keineswegs ausgemacht, dass es Microsoft gelingt, Google mit der gleichen Strategie aus dem Markt zu drängen. Kartellbehörden wie die Europäische Kommission haben bereits angekündigt, Microsofts Produktstrategie in Sachen Longhorn genau unter die Lupe zu nehmen.

Auf Hilfe von außen wollen sich die Google-Verantwortlichen allerdings nicht verlassen und suchen auch abseits der ausgetretenen Suchmaschinenpfade nach neuen Geschäftsmöglichkeiten. So beabsichtigt Google beispielsweise, mit "Gmail" einen eigenen Mail-Service aufzubauen. Das kostenlose Angebot, das sich momentan noch in der Testphase befindet, soll registrierten Nutzern ein Online-Postfach mit einer Kapazität von 1 GB offerieren. Kommt es zu diesem Angebot, setzt Google Konkurrenten wie MSN oder Yahoo mächtig unter Zugzwang: Die konnten ihren Nutzern bislang nur einige MB Speicherplatz gewähren. Mittlerweile planen jedoch auch die Wettbewerber, ihr Storage-Angebot für ihre Kunden deutlich auszuweiten, um möglichen Abwanderungen vorzubeugen.

Um das Speicherangebot zu refinanzieren und darüber hinaus Einnahmequellen zu erschließen, beabsichtigt Google, die Mail-Inhalte zu scannen und mit entsprechend angepassten Werbebotschaften anzureichern. Dieses Vorhaben hat jedoch für Proteststürme von Datenschützern gesorgt. Mittlerweile sind erste gesetzliche Regelungen in Arbeit, die Google vorschreiben sollen, wie mit den Daten umgegangen werden darf. So hat beispielsweise die demokratische Senatorin Liz Figueroa aus Kalifornien einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach die Mails nur automatisiert durchsucht und mit Werbung versehen werden dürfen. Außerdem sei es nicht gestattet, personenbezogene Daten zu speichern. Nach Aussagen des Google-Managements, das in die Verhandlungen um die Gesetzesvorlage eingebunden war, sei damit zwar ein grundsätzlicher Konsens erzielt worden. Allerdings gebe es noch einige Detailfragen zu klären.

Nach Einschätzung von Experten dürfte es für Google jedoch nicht leicht werden, sich in den neuen Geschäftsfeldern einzunisten. Vor allem die Frage, wie das Unternehmen mit den neuen Diensten Geld verdienen will, bleibt vorerst unbeantwortet. Dass die Nutzer bei der lokalen Suche nach Informationen oder im privaten Postkorb Werbung akzeptieren werden, ist keineswegs sicher.

Bislang tragen die Geschäfte neben der Internet-Suche nur einen Bruchteil zum Unternehmensumsatz bei. So versuchen die Google-Verantwortlichen beispielsweise die Einnahmen mit Enterprise Search Appliances durch neue Geräte anzukurbeln. Die mit Google-Technik ausgestatteten Server indizieren unternehmensintern Dokumente und arbeiten Suchanfragen ab. Das neue System "GB 1001" soll mit schnelleren Prozessoren ausgestattet etwa fünfmal leistungsfähiger sein als sein seit rund zwei Jahren verfügbarer Vorgänger. Im vergangenen Jahr verdiente Google mit seiner Sparte Enterprise Search 48 Millionen Dollar. Das entspricht rund fünf Prozent des Gesamtumsatzes.

Unter diesen Umständen wird sich an der Abhängigkeit Googles vom Stammgeschäft vorerst kaum etwas ändern. Doch auch hier könnte der Branchenprimus, der bislang immer auf seine ausgefeilte Suchtechnik pochte, langfristig Probleme bekommen. Laut den Ergebnissen einer Studie des Marktforschungsunternehmens Vividence unterscheidet sich die Qualität der Suchergebnisse bei Google kaum von der der Wettbewerber. Im Rahmen ihrer Untersuchung analysierten die Marktforscher die Erfahrungen und das Verhalten von rund 2000 Online-Nutzern im Umgang mit Suchmaschinen. Neben Google nahm Vividence die Angebote von Yahoo, Ask Jeeves, Microsofts Online-Dienst MSN und Terra Lycos unter die Lupe.

"Die Suchmaschinen liefern alle nahezu die gleichen Ergebnisse", lautet das Fazit von Peter Watkins, Chief Executive Officer (CEO) von Vividence. Im Praxistest wurde den Anwendern beispielsweise als Aufgabe gestellt, die häufigste Todesursache von Menschen im Alter zwischen 29 und 34 Jahren herauszufinden. Dabei gelang es 55 Prozent der Google-Nutzer, innerhalb einer vorgegebenen Zeit das richtige Ergebnis zu finden. Die Konkurrenten lagen jedoch mit 52 bis 54 Prozent richtiger Antworten nur knapp dahinter. Weitere Testfragen brachten ähnliche Resultate.

Nur die Marke zählt

Die Ergebnisse belegten, dass sich Googles bislang immer hoch gelobte Technik kaum von der des Wettbewerbs abhebt, interpretiert Safa Rashtchy, Analyst von Piper Jaffray & Co die Studie. Der im kalifornischen Mountain View ansässige Suchmaschinenbetreiber profitiere vor allem von seinem etablierten Markennamen. So bewerteten etwa 90 Prozent der befragten Nutzer ihre Erfahrung im Umgang mit Google als gut. Der Zweitplatzierte Yahoo liegt mit 68 Prozent grundsätzlich positiv gestimmten Nutzern deutlich dahinter. Am schlechtesten schnitt MSN ab, das hier lediglich 41 Prozent erzielte.

Ein weiterer Pluspunkt des Google-Angebots ist nach Einschätzung der Marktforscher der übersichtliche und benutzerfreundliche Web-Auftritt. Allerdings animiert das spartanische Design die Online-Anwender nicht dazu, auf die Werbeangebote zu klicken. In dieser Kategorie landet Google auf dem letzten Platz der fünf Vergleichskandidaten. Laut den Vividence-Analysten steuern Nutzer von Ask Jeeves mehr als doppelt so häufig die Werbeeinblendungen an als Google-Anwender.

Google-Nutzer meiden Werbung

Dies liege nicht zuletzt an der Platzierung der Werbung, meinen die Experten. Während Google die Sponsored Links nutzerfreundlich deutlich getrennt von den Suchergebnissen auf seiner Web-Seite präsentiert, platzieren Konkurrenten wie Ask Jeeves oder Lycos die Werbung prominent oberhalb der Suchergebnisse oder sogar zwischen den Treffern.

Langfristig könnte die magere Ausbeute an Werbeklicks jedoch zu einem Problem für Google werden. So ist der Suchmaschinenbetreiber mit einem Anteil von rund 95 Prozent des Umsatzes fast vollständig von Werbeeinnahmen abhängig. Das Suchmaschinengeschäft verspricht in den nächsten Jahren deutliche Steigerungsraten. Die Investment-Bank Piper Jaffray prognostiziert für das Jahr 2007 einen weltweiten Umsatz von 8,9 Milliarden Dollar in der Suchmaschinenbranche. Im vergangenen Jahr waren es 2,6 Milliarden Dollar.

Noch ist Googles Geschäft aufgrund des hohen Marktanteils jedoch nicht in Gefahr. Den Analysten von Comscore Networks Inc. zufolge wickelte Google im März dieses Jahres 36 Prozent aller im US-amerikanischen Teil des Internets angefallenen Suchanfragen ab. Auf Platz zwei folgte Yahoo mit einem Anteil von rund 30 Prozent. Abgeschlagen auf Rang drei: MSN mit 16 Prozent.

Zwar zeigten die Ergebnisse auf der einen Seite, wie erfolgreich der Betreiber seinen Markennamen in der Branche etablieren und sich die Loyalität der Nutzer sichern konnte, analysiert Vividence-Chef Watkins. Andererseits müsse man sich aber auch fragen, warum die Wettbewerber noch nicht den Google-Stil kopiert hätten, um damit Nutzer auf die eigenen Seiten zu locken und die Marktanteile auszubauen. Watkins vermutet, dass Googles Geschäftsmodell den Wettbewerbern alles andere als ein Vorbild ist. Trotzdem bewegt sich auch die Konkurrenz: So offeriert Yahoo abseits des Portals schon eine übersichtliche, nur mit den nötigsten Komponenten versehene Suchseite.

Wer letztendlich das Rennen macht, ist noch nicht abzusehen. Viele Branchenbeobachter rechnen jedoch damit, dass Microsoft aufgrund seiner dominierenden Marktposition die besseren Chancen hat. Die Google-Verantwortlichen sollten es nicht auf eine Auseinandersetzung mit Microsoft ankommen lassen, warnt Dave Kearns, Netzexperte und Berater aus dem Silicon Valley. Vielmehr sollten sie sich auf ihre Kernkompetenz, die Suche nach Informationen, konzentrieren. (ba)

Die Börse fiebert

Googles bevorstehender Börsengang erhitzt an den Finanzmärkten die Gemüter. Doch auch nachdem der Suchmaschinenanbieter Ende April sein Initial Public Offering (IPO) offiziell bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities Exchange Commission (SEC) beantragt hat, bleiben viele Fragen offen. Zwar herrscht mittlerweile Klarheit über die begleitenden Konsortialbanken, Zeitpunkt des Börsengangs sowie die Zahl und der Preis der Aktien sind jedoch noch offen. Auch an welcher Börse die Google-Anteile notiert werden sollen, der Hightech-Börse Nasdaq oder der klassischen New York Stock Exchange (NYSE) steht noch nicht fest. Bekannt ist dagegen, dass der Suchspezialist Papiere im Wert von rund 2,7 Milliarden Dollar über ein Auktionsverfahren im Markt platzieren möchte. Damit sollen möglichst viele Kleinaktionäre in den Genuss von Google-Aktien kommen. Experten spekulieren offen darüber, dass sich die Marktkapitalisierung bis auf 25 Milliarden Dollar summieren könnte. Das Unternehmen, das weltweit rund 1900 Mitarbeiter beschäftigt, schreibt laut den Börsenunterlagen seit 2001 schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 962 Millionen Dollar. Der Nettogewinn lag bei 106 Millionen Dollar.