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03.04.1980

Der DV-Alltag wird immer streßiger:

"Die Welt der DV", schwärmt Max G. Hertwig, DV-Chef bei Miele & Cie. in Gütersloh, "birgt heute wie vor fünfzehn Jahren für einen Neuling noch immer etwas Unbegreifliches und zugleich Faszinierendes." Doch was hat sich im DV-Alltag verändert? Alte DV-Hasen bedauern, daß der Job "gravierend hektischer" geworden ist. Vor zehn Jahren sei es in der Datenverarbeitung noch wesentlich gemütlicher gewesen. DV-Leiter Volker Odaniel (Brose GmbH, Coburg) resümiert: "Die heilige DV-Kuh wurde inzwischen geschlachtet, die Filets wandern nach und nach in die Fachabteilungen." Trotzdem sei der Wert der DV im Unternehmen eher gestiegen und die Stellung der DV-Leiter gefestigter denn je. Während noch vor wenigen Jahren die Macht der EDV-Könige auf dem Unwissen ihrer Umgebung basierte, meint Max Hertwig, liege die Verantwortung bei den Fachbereichen. ha

Max G. Hertwig

DV-Leiter, Miele & Cie. GmbH & Co., Gütersloh

(IBM 370 -148, DOS/VS)

Seit meinem Einstieg in die DV vor fünfzehn Jahren haben alle Bereiche der DV wie Datenerfassung, Programmierung oder Operating Wandlungen erfahren.

In der Datenerfassung etwa wurden die Locher und Prüfer von Datensammel-systemen oder Diskettenerfassungsplätzen abgelöst. Die Datenerfassung fand den Weg aus den großen Lochersälen zurück an den Ort des Datenursprungs, die Fachabteilung. Geblieben ist (nur inzwischen wesentlich angenehmer) die Tätigkeit des reinen Erfassens. Der Beleg, bis vor kurzem noch einzige Verbindung der Fachabteilung zum anonymen Computer, wurde durch den Bildschirm am Arbeitsplatz ersetzt. Damit gilt auch das Alibi "Computer" für die Fehler der Sachbearbeiter nicht mehr. Die Verantwortung ist in die Fachabteilung zurückgekehrt.

Bei den Programmierern zeigte sich damals noch der wahre Meister in der Kernspeicherbeschränkung. Dabei wurde in der jeweiligen Maschinensprache nahezu um jedes Bit gefeilscht. (Gepriesen sei die Erfindung der höheren Programmiersprache und der Programmgeneratoren!) Der Verbrauch von Radiergummi und Bleistiften reduzierte sich dann in dem Maße, wie die Effizienz des einzelnen "Programmkünstlers" sich verbesserte. Wie viele Insellösungen wurden in der ersten Euphorie geboren, die ihr zähes Leben nur langsam in komplexen Systemen, sprich Datenbanken aushauchen.

Dem freischaffenden Programmierer von Damals weisen strukturierte Programmierung, Programmgeneratoren und Datenbankkonzept heute den rechten Weg. Sein kreatives Denken ist jedoch nach wie vor das Maß für die optimale Lösung von Problemen. Nur schade, daß diese Kreativität heute zu fast siebzig Prozent vergewaltigt wird, um bestehende Programme zu pflegen oder zu ändern.

Nicht weniger stürmisch verlief die Entwicklung bei den zunächst ehrfürchtig bestaunten "Maschinenbändigern". Zuerst galt es, Hunderttausende von Lochkarten mittels Schalltafeln zu koppeln, zu übersetzen und zu notieren, bevor per Knopfdruck der eigentliche lauf starten konnte. Mit Einsatz der externen Speicher verlagerte sich die manuelle Tätigkeit auf die Platten- und Bandperipherie. Durch die Datenfernverarbeitung, einer steigenden Anzahl ständig residenter Dateibestände auf Massenspeicher und den Einsatz sehr schneller Drucksysteme, nimmt die Bedienung der Peripherie jedoch weiter ab.

Neben der reinen Systembedienung muß der Operator heute mehr denn je die Anwendungsgebiete und ihre Beziehungen zueinander kennen. Die Mitarbeiter des RZ, dazu zählen auch die Arbeitsvorbereiter und die Datenverwalter, sehen sich künftig mit weiterer Dezentralisierung vor noch schwierigere und komplexere Aufgaben gestellt. Parallel zu den Änderungen und den damit verbundenen Möglichkeiten setzte die DV-Missionierung sämtlicher Bereiche des Unternehmens ein. Bei allem Eifer blieben Rückschläge nicht aus (Beispiel: Management-lnformation-Systems). Sie konnten aber nicht verhindern, daß die DV heute in allen Bereichen der Wirtschaft und Verwaltung eine Schlüsselstellung einnimmt. Basierte die Macht der EDV-Könige damals auf dem EDV-Unwissen ihrer Umgebung, so ist die Position des DV-Leiters heute gekennzeichnet von der Verantwortung für das betriebliche Geschehen. Diese Verantwortung und damit der Wert der DV für das Unternehmen, sind enorm gestiegen und gewinnen noch hinzu.

Diesem Bewußtsein muß sich der DV-Leiter heute durch permanente Schulung und Fortbildung stellen. Unwissenheit verursacht Unsicherheit, und diese beeinträchtigt die Benutzerzufriedenheit und die Wirtschaftlichkeit.

Die Welt der DV wirkt wie vor fünfzehn Jahren für einen Neuling immer noch etwas unbegreiflich, aber auch zugleich faszinierend. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Volker Odaniel

DV-Leiter, Metallwerke Brose GmbH, Coburg

(IBM /3-15d, OS)

Rückblickend auf meine inzwischen zehnjährige DV-Erfahrung, stelle ich fest, daß die Datenverarbeitung für Außenstehende nicht mehr mit dem Nimbus des Unerklärlichen versehen ist. Die heilige Kuh wurde kontinuierlich in den wohl meisten Unternehmen geschlachtet. Trotzdem ist der Wert der DV im Betrieb eher gestiegen und die Stellung gefestigter denn je.

Durch den bereichsübergreifenden Einsatz der Datenverarbeitung können wir keine Insellösungen mehr produzieren, sondern müssen bereits bei der Produktentwicklung alle Fachabteilungen einbeziehen.

Da seitens der Hersteller die Lieferung von Hilfsmitteln besser geworden ist, können sich die Fachbereiche inzwischen schneller und besser in die DV-Problematik einarbeiten. Das war noch vor einigen Jahren ausschließlich der DV-Abteilung vorbehalten.

Die Arbeit in der Datenverarbeitung war vor zehn Jahren hoch wesentlich gemütlicher. Inzwischen ist der Job für jeden hektischer geworden.

Während früher die Tätigkeit eines Programmierers oder Systemanalytikers noch vorrangig auf die eigene Abteilung und das eng umrissene Fachgebiet konzentriert war, müssen DV-Leute heute in die Bereiche hineingehen und vor Ort entwickeln. Durch diese Entwicklung können sich die Datenverarbeiter nicht mehr in der Weise abkapseln, wie noch vor einigen Jahren. Sie sind Gesprächspartner für den ganzen Betrieb geworden.

In den Mittelbetrieben wurde die Aera des Spezialistentums beendet, womit die Teamarbeit mehr in den Vordergrund rückte. Jeder DV-Mitarbeiter muß beute auch die Arbeit des anderen machen können.

Hans Arleth

Leiter des Rechenzentrums,

Maizena Gesellschaft mbH, Heilbronn

(Itel AS 5, OS/VS)

Meine Tätigkeit in der Datenverarbeitung begann 1958. Damals arbeitete ich als Tabellierer an einer Hollerith-Maschine.

Inzwischen wurde vor allem die Sonderstellung der DV-Leute im Unternehmen weitgehend abgebaut. Wir gelten heute, was Stellung und Vordienst anbelangt, als ganz normale Mitarbeiter.

Die Hardware ist schneller, größer und relativ gesehen, um vieles preiswerter geworden. Durch neue Diagnosemethoden ist auch die Fehlersuche und -behebung im einem akzeptablen Zeitraum möglich.

Vielfach wurde auch bereits das Konzept "Computer am Arbeitsplatz" verwirklicht, womit zwar eine Erleichterung und eine zeitnahe Verarbeitung erreicht, andererseits aber die Abhängigkeit des Anwenders vom Computer verstärkt wurde. Daraus resultiert, daß die DV heute verstärkt etwas gegen ungeplante Ausfälle tun muß. Wesentliche Arbeiten im Rechenzentrum verlagerten sich somit auf andere Bereiche.

Die Komplexität der Anwendungs- und Betriebssysteme hat gegenüber früheren Jahren sehr zugenommen. Dadurch sind auch die Anforderungen an die Qualität von Programmierern oder Operatoren gestiegen.

Durch die Vielfalt der Anwendungen in nahezu allen Fachbereichen eines Unternehmens ist der Personenkreis, der Zugriff zum Computer hat, immens gewachsen und die Datenverarbeitung somit unübersichtlicher geworden.

Unverändert gegenüber den DV-Pionierzeiten ist die Ungeduld des "Kunden" geblieben. Bei zeitlichen Verzögerungen des DV-Outputs wird nach wie vor resigniert. Hinzu kommt, daß die Fachbereiche ihre Bedürfnisse noch immer nicht artikulieren können.