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Berufsausbildung der Unternehmenswirklichkeit anpassen:

Der DV-Kaufmann wird künftig attraktiv

19.09.1986

Als das Berufsbild des DV-Kaufmanns in den 60er Jahren entstand, waren im Ausbildungsgang Sachbearbeitertätigkeiten und DV durch ein Nebeneinander gekennzeichnet. Derzeit läßt sich dieses Verhältnis als Durchdringung beschreiben, formuliert Jeß-Dietrich Kaminski. Der Dozent am Institut für Betriebsorganisation und Informations-Technik (InBIT) in Paderborn merkt an: Nicht nur das Terminal auf dem Schreibtisch markiert dabei den Wandel - sondern vor allem der zunehmend qualifizierte und selbstbewußte Umgang der Kaufleute mit der EDV.

Das Berufsbild des Datenverarbeitungskaufmanns ist in einer Zeit - 1969 - entstanden, als die EDV-Abteilung noch additiv angegliedert an die überkommene Organisationsstruktur der Unternehmen war. Zwar wurden Teilbereiche der Sachbearbeitertätigkeiten automatisiert. Betroffen waren jedoch vor allem Tätigkeiten, die im Stapelbetrieb vollständig von der EDV übernommen werden konnten. So waren Abrechnungsprogramme für Lohn und Gehalt, Finanzbuchhaltung, Fakturierung etc. die dominanten Anwendungen. Lochkarte und Lochstreifen können als Symbol dieses Zeitraums gelten, besonders fortschrittliche Erfassungsverfahren bedienten sich bereits des Magnetbandes oder der Magnetbandkassette.

Die Schnittstelle zwischen Fachabteilungen und DV-Abteilung war im Datenfluß genau definierbar: erfassungsfähiges Datenmaterial verließ die Fachabteilungen, Listen als Output des EDV-Prozesses kamen zurück. Das Wissen der Abteilungen übereinander war gering. Die EDV-Prozesse waren für die kaufmännischen Mitarbeiter terra incognita, ihre Einstellungen schwankten zwischen Ehrfurcht und Mißtrauen gegenüber der noch sehr teuren und deshalb meist im Schichtbetrieb genutzten Hardware, ganz entsprechend ihren beruflichen Sozialisationserfahrungen.

Auf der anderen Seite war die Anwendung der neuen Technik nicht nur durch die technisch - im Vergleich zu heute - geringeren Möglichkeiten beschränkt, sondern ebenso durch fehlendes Verständnis kaufmännischer Zusammenhänge auf der Seite des EDV-Personals. Der Bedarf an Programmierern wurde oft durch fachfremdes Personal, zum Beispiel umgeschulte Handwerker oder Bergarbeiter, gedeckt. An dieser Schnittstelle wurde das gleichsam abteilungsübergreifende Berufsbild des DV-Kaufmanns angesiedelt als" sachverständiger Mittler zwischen der DV-Abteilung und der Fachabteilung", so in der Charakterisierung des Berufsbilds Datenverarbeitungskaufmann.

Im wesentlichen sollten drei Funktionen integriert werden: Operator Programmierer und die Vermittlerfunktion als Datenverarbeitungssachbearbeiter", zuständig für unter anderem "die termingerechte und ordnungsgemäße Anlieferung der Eingabedaten" und die Übermittlung der Ergebnisse an die Fachabteilung.

Orientiert an den Mindestanforderungen dieser drei Funktionen sollte die Ausbildung vorbereiten auf eine spätere Berufstätigkeit in der DV-Abteilung ohne einer Fachabteilung; sie sollte auch Zugang gewähren. .in zahlreiche Tätigkeiten außerhalb der DV-Abteilungen". Inhaltlich spiegelt die Gliederung der Ausbildungsschwerpunkte im Berufsbildungsplan das oben beschriebene Verhältnis zwischen Fach- und DV-Abteilungen. Der betriebswirtschaftliche Teil könnte einem anderen kaufmännischen Ausbildungsberuf beispielsweise dem Industriekaufmann, entnommen sein. DV-Bezogene Kenntnisse und Fertigkeiten stehen (relativ) isoliert daneben Als Verbindungsglied dient lediglich der Bereich, in dem kaufmännische Tätigkeiten organisatorisch auf die EDV verlagert wurden. Dies Verhältnis hat Folgen, die sich in den Prüfungsanforderungen bis heute konkretisieren.

Von einem Gleichgewicht beider genüber der noch sehr teuren und deshalb meist im Schichtbetrieb genutzten Hardware, ganz entsprechend ihren beruflichen Sozialisationserfahrungen.

Auf der anderen Seite war die Anwendung der neuen Technik nicht nur durch die technisch - im Vergleich zu heute - geringeren Möglichkeiten beschränkt, sondern ebenso durch fehlendes Verständnis kaufmännischer Zusammenhänge auf der Seite des EDV-Personals. Der Bedarf an Programmierern wurde oft durch fachfremdes Personal, zum Beispiel -umgeschulte Handwerker oder Bergarbeiter, gedeckt. An dieser Schnittstelle wurde das gleichsam abteilungsübergreifende Berufstbild des DV-Kaufmanns angesiedelt als "sachverständiger Mittler zwischen der DV-Abteilung und der Fachabteilung", so in der Charakterisierung des Berufsbilds Datenverarbeitungskaufmann.

Eine Berufstätigkeit in einer kaufmännischen Fachabteilung blieb individuell bedingte Ausnahme. Neben einer inhaltlichen Ausrichtung der Ausbildung auf Systemanalyse/ Organisationsprogrammierer bilden einige Betriebe DV-Kaufleute mit dem Schwerpunkt auf Systemprogrammierung oder Vertrieb aus. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Ausbildung, die sich inhaltlich vom Berufsbild so weit entfernt hat, daß der Abschluß als DV-Kaufmann weitgehend nur noch formaler Art ist.

Das Arbeitsgebiet des Organisationsprogrammierers, in dem die überkommene Trennung zwischen Organisator und Programmierer tendentiell überwunden wird, ist der dominierende Einsatzort für den DV-Kaufmann. Hieraus ergeben sich Anforderungen an den DV-Kaufmann: Notwendig sind organisatorische und DV-bezogene Fertigkeiten. Er muß in der Lage sein, in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Fachabteilungen ein bestehendes Problem zu analysieren und gegebenenfalls eine EDV-Lösung zu realisieren. Wissen und Fertigkeiten, bezogen auf alle Phasen der Systementwicklung, werden notwendig.

Gemisch aus BWL und Software-Know-how

Charakteristisch für die entwickelten Softwareprodukte ist, daß es überwiegend Dialoganwendungen sind, die zumeist Datenbanken oder VSAM-Datenbestände als Datenbasis benutzen und zunehmend mit Hilfe von Programmierwerkzeugen entwickelt werden. Wissen/Fertigkeiten auf den Gebieten TP-Monitore, Datenbanken und Softwareentwicklungs-Tools sind deshalb von den Wirtschaftsbetrieben vorrangig nachgefragte Qualifikationen. Verständlicherweise sind die Anforderungen auf die jeweils in den Betrieben vorhandenen und eingesetzten Systeme hin konkretisiert.

Neben diesem Spezialwissen wird als Background allgemein eine betriebswirtschaftliche Qualifikation gefordert, wobei durchaus fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen gemeint ist. Daneben ergibt eine auch nur oberflächliche Analyse von Stellenangeboten - etwa in der COMPUTERWOCHE -, daß spezielle Kenntnisse häufig eingesetzter Standard-Software-Pakete das Nachfragespektrum abrunden. Vereinzelt kommen Anforderungen für den PC-Bereich hinzu.

Zunehmend selbstbewußter Umgang mit der DV

Auch wenn DV-Kaufleute kaum als Sachbearbeiter in Fachabteilungen eingesetzt werden, muß darauf hingewiesen werden, daß sich das kaufmännische Berufsfeld in den letzten Jahren entscheidend verändert hat. Als das Berufsbild des DV-Kaufmanns entstand, waren kaufmännische Sachbearbeitertätigkeiten und EDV durch ein Nebeneinander gekennzeichnet. Heute laßt sich das Verhältnis als Überlagerung/Durchdringung beschreiben, deren sichtbarer Ausdruck das Terminal am Sachbearbeiterplatz ist.

Zunehmend qualifizierter und selbstbewußter Umgang mit der EDV-Technik und der durch sie ermöglichten Verbreiterung der Datenbasis für Entscheidungsprozesse bei gleichzeitiger Entwertung klassischer Qualifikationsinhalte - wie Büroorganisation - kennzeichnen die aktuelle Situation. Die Prüfungssituation laßt sich (zumindest für die Kammern in Nordrhein-Westfalen) von ihrer inhaltlichen Seite her wie folgt beschreiben:

Im Bereich der Praktischen Prüfung (vorrangig Programmentwurf/ Programmierung) wird vorrangig Logik aus dem Bereich der Stapelverarbeitung geprüft, Prüfungssprache für die Codierung ist Cobol. In Fragen aus der Praxis der Datenverarbeitung sowie im Fachbericht haben nicht nur Basiswissen über DV-Anlagen, sondern auch Aufgaben aus den Bereichen Organisation/ Systemanalyse sowie Datenbanken und neuerdings auch PC Eingang gefunden. Im betriebskundlichen Bereich wird überwiegend klassisches kaufmännisches Wissen abgefragt. Buchungssätze, Störungen des Kaufvertrages, der Wechsel seien hierfür als Beispiele genannt. Grafisch läßt sich das Spannungsfeld Berufsbild - IHK-Prüfung - Anforderungen der Praxis wie in der Abbildung darstellen.

In diesem Spannungsfeld ist gleichzeitig beschrieben, worin Zukunft und Chance des DV-Kaufmanns liegen. Das Berufsbild ist zum einen relativ offen formuliert, die Aufnahme neuer Wissensgebiete in den Rahmen der Prüfungen ist hierfür kennzeichnend. Allgemein gilt es als wünschenswert, wenn die oben genannten Anforderungen des Berufsfeldes noch breiteren Eingang fänden. Dies betrifft insbesondere die Bereiche TP-Monitore, Programmierwerkzeuge, Datenbanken und Systemanalyse. Dies sind Bereiche, in denen Ausbildung verantwortungsbewußt mit Blick auf den Arbeitsmarkt auch unabhängig von Prüfungsanforderungen erfolgen sollte - ein Schritt, den die Verantwortlichen am InBIT deshalb bereits vollzogen haben.

Die Praxis-Anforderung betriebswirtschaftlichen Hintergrundwissens zielt ganz wesentlich auf die Kommunikation zwischen DV- und Fachabteilungen. Kommunikationsfähigkeit bedeutet dabei auf der Seite des DV-Personals die Fähigkeit, die kaufmännisch ausgerichtete Sprache der Fachabteilungen zu verstehen und die angesprochenen Probleme nachzuvollziehen. Dies wird dadurch erleichtert, daß beim Personal der Fachabteilungen zunehmend Kenntnisse über EDV anzutreffen sind.

Unter diesem Aspekt erscheinen Stoffgebiete wie etwa die rechtlichen Aspekte von Störungen des Kaufvertrages verzichtbar - ohnehin würde hier ein Anwalt oder die Rechtsabteilung eingeschaltet werden. Ebenso genügten Grundlagen des Rechnungswesens, die detaillierte Kenntnis eines Kontenrahmens erscheint verzichtbar. Fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen ist und bleibt notwendig. Es macht nachgerade einen wesentlichen Teil der Qualifikation des DV-Kaufmannes aus.

Breites Wissen - nicht immer Tiefgang

Nachzudenken wäre nicht über die Breite des Wissens, sondern über die Tiefe des Einstiegs in die einzelnen Gebiete, wie auch über deren Gewichtung. Hier sei nur das bislang relativ vernachlässigte Gebiet der Kosten- und Leistungsrechnung genannt.

An dieser Stelle muß ausdrücklich betont werden, daß eine Erstausbildung im wesentlichen die Vermittlung von Grundlagenwissen zum Inhalt haben muß. Dies bedeutet, daß marktgerechte Ausbildung nicht die Ausbildung zum systembezogener Spezialisten meinen kann. Insofern erscheinen manche Forderungen die in Stellenangeboten enthalten, sind, überzogen. Es ist vielmehr eine möglichst breite Basis zu schaffen Qualifikationen sind in allen angesprochenen Anforderungsdimensionen zu vermitteln.

Gerade durch die Vermittlung kaufmännischer Inhalte bleibt de;" Beruf des Datenverarbeitungskaufmanns aktuell - die Anforderungen wären allerdings zu überdenken. Die Aufnahme neuer Wissensgebiete in die Ausbildung (wie auch, und dies wäre wünschenswert, in die Prüfung) schafft die Voraussetzung, dem DV-Kaufmann auch in der Zukunft gute berufliche Chancen einzuräumen.

DV-Kaufmann noch nicht gesucht

Daß es nicht leicht sein würde, eine Erstanstellung als Datenverarbeitungskaufmann zu finden, war mir von vornherein bekannt. Trotzdem ging ich mit Elan ans Werk. Ich besorgte mir verschiedene namhafte Zeitungen, schlug die einschlägigen Stellenangebote auf - und glaubte bald, einen Beruf unter falscher Bezeichnung erlernt zu haben. Nicht ein einziges Mal wurde ein DV-Kaufmann gesucht, sondern lediglich Organisations- oder Anwendungsprogrammierer mit kaufmännischen Kenntnissen. Zwar etwas vom Mut verlassen, rief ich trotzdem bei diversen Unternehmungen an.

Seltsamerweise waren die maßgeblichen Damen und Herren nur so lange freundlich und entgegenkommend, bis man sich nach der Art meiner Ausbildung erkundigte. Ich gab an, ich stehe vor dem Abschluß einer Ausbildung zum DV-Kaufmann, worauf als erstes die Frage kam, ob es sich denn etwa um einen jener Schnellehrgänge eines bekannten Institutes handle.

Hierauf setzte ich zur Erklärung an, meist in einen mehrminütigen Monolog, in dem ich zunächst schilderte, daß der DV-Kaufmann ein Beruf mit geregeltem Berufsbild und Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer sei. Zu meiner Überraschung schienen die meisten meiner Gesprächspartner nichts oder zu wenig von diesem Ausbildungsberuf zu wissen. Unverständlich ist dieses deshalb, weil es sich hier um einen Beruf handelt, der wie geschaffen für viele Tätigkeitsfelder in der mittleren Ebene der Datenverarbeitung

ist.