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12.02.1982

Der DV-Leiter von morgen: Seiltänzer und Perfektionist?

Branchenauguren wollen wissen: Der DV-Leiter von heute ist der Übermensch von morgen. Aus der Datenverarbeitung wird Informationsverarbeitung - aus dem DV-Handwerksmeister ein Informationsmanager. Der "perfekte" neue DV-Leiter ist flexibel und hat den Willen und die Fähigkeit, ständig dazuzulernen, um nicht von neuen Technologien überrollt zu werden. Gefragt ist der Service-Manager, der die DV-Abteilung zu einem "fabrikmäßigen" Dienstleistungsbetrieb entwickelt. Daneben muß er sich souverän im Spannungsfeld zwischen Unternehmensleitung und Fachabteilung bewegen, um hier die Vermittlerrolle übernehmen zu können. Für all diese Aufgaben sind eine ausgeglichene Persönlichkeit, Einfühlungsvermögen, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit sowie Kreativität notwendig. ih

Dr. Helmut Hofstetter,

SCS Scientific Control Systems GmbH, München

Die alten Bit-Füchse sind nicht mehr gefragt - der perfekte DV-Handwerksmeister kann einpacken. Gesucht ist der Service-Manager, der die DV zur Informationslogistik und zum ingenieur- und produktionsprozeßmäßigen Dienstleistungsbetrieb entwickelt. Gefragt ist der geschickte Informationsminister, der im Spannungsfeld zwischen Unternehmensleitung und Fachabteilung die Organisation und Kommunikation gestaltet.

Die Ergebnisse einer Untersuchung (siehe Grafik) zeigen den DV-Manager vor allem

(...) Berater der Fachabteilung und Motor der Rationalisierung". Berater sein heißt: ein offenes Ohr zu haben, die nicht selten obskuren Bedürfnisse der Anwender transparent zu machen, vom hohen Stuhl des Experten herabzusteigen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Dazu ist eine flexible und ausgeglichene Persönlichkeitsstruktur notwendig, zu der Einfühlungsvermögen, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit, Sicherheit, Kreativität gehören.

Ist damit DV-spezifisches Know-how überflüssig geworden - kann jeder Allround-

Manager DV-Leiter werden? Ja und nein. Das Vermögen selbst in Betriebssystemen wühlen zu können, die elegantesten Codes zu spinnen und Hard- und Software selbst zu packen, tritt zurück gegenüber einem sicheren Orientierungsvermögen. Der DV-Leiter muß sich in der für das Unternehmen relevanten Hard- und Softwarelandschaft sicher bewegen können, das heißt, er muß die Licht- und Schattenseiten der wichtigsten Anwendungspakete, Anlagen, Betriebssysteme und DB/DCs kennen.

Eine Qualifikation, die meines Erachtens zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Erfahrung und das Vermögen, in Meta-Ebenen zu denken. Dies ist nicht nur wichtig bei der Übersetzung der Benutzeranforderungen und beim Einsatz moderner Tools und Verfahren, sondern in allen Prozessen, in denen menschliche Interaktion eine Rolle spielt, wie Teamsitzungen, Konferenzen, Interviews, Mitarbeitergespräche.

Gewaltige semantische Sprünge sind nämlich zu verarbeiten, und zwar nicht nur zwischen Anwendersprache und Code, sondern auch zwischen Inhalts- und Beziehungsebene in der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Der DV-Leiter als Berater und Partner ist die notwendige Folge markanter nicht reversibler Trends: zunehmende Dezentralisierung der DV, Bürokommunikation (Textverarbeitung) Integration von Ablauf-/Aufbauorganisation und DV, Emanzipation der Fachabteilung als Anwender. Den Scherbenhaufen der Groß-DV werden nur wenige Hierarchien unbeschadet überstehen (diese kleine "Aristokratie" der 30XX wird wohl auch in alter "Share-Club"-Manier hofiert). Will der große Rest vor den zornigen Anwendern und den

Klinkenputzern ohne Gesichtsverlust überstehen, bleibt ihm nur die Rolle als klientenzentrierter Berater und Informationsminister.

Jürgen Karl Ochs

Leiter der Datenverarbeitung, REFA - Verband für Arbeitsstudien und

Betriebsorganisation e. V., Darmstadt

Durch den Einsatz von Computern hat sich in den letzten Jahrzehnten ein entscheidender Wandel bei der Informationsaufnahme und -verarbeitung vollzogen. Durch die rasche technologische Entwicklung der Datenverarbeitung dringt diese immer stärker in alle Unternehmensbereiche vor. Entsprechend dieser Entwicklung läßt sich auch ein Wandel im Berufsbild des DV-Leiters feststellen.

Die wesentlichen Aufgabengebiete des DV-Leiters von heute sind:

Führungstätigkeit

Er muß die ihm unterstellten, zum größten Teil hochspezialisierten Mitarbeiter motivieren und führet können. Dies reicht von der Einstellung der Mitarbeiter über die Auswahl der den Mitarbeitern zur Verfügung zu stellenden Arbeitshilfen bis hin zur Planung einer den Arbeitsgebieten angepaßten Weiterbildung.

Problemlösungen

Unter diesem Stichwort verbirgt sich eine solche Vielzahl von Aktivitäten, daß hier nur einige erwähnt werden sollen.

In den Fachabteilungen kann auf Grund der schnellen Entwicklung das DV-Fachwissen nicht im gewünschten Umfang vorhanden sein, und damit auch das Urteilsvermögen über die Möglichkeiten sinnvoller DV-Anwendungen. Die Innovationsängste der Fachabteilungen gegenüber der DV hervorgerufen durch fehlendes oder mangelndes Wissen, muß überwunden werden. Die Beurteilung der von den Fachabteilungen gewünschten EDV-Anwendungen unter Abwägung der wirtschaftlich zu rechtfertigenden Alternativen erfolgt letztlich durch den DV-Leiter in Abstimmung mit der Fachabteilung.

Auswahl geeigneter Softwarepakete für ein anstehendes Problem der Fachabteilung. Anpassung der vorhandenen Software an neue Betriebssystemleistungen.

Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß sich der DV-Leiter als Anbieter und Vollzieher von Dienstleistungen verstehen muß, der Fragen der Fachabteilung beantwortet, sie berät, ihr Vorschläge für Problemlösungen unterbreitet und in Zusammenarbeit mit der Fachabteilung Problemlösungen erarbeitet und realisiert.

Fortbildung und Information

Die ständige Evolution auf dem Gebiet der DV verlangt vom DV-Leiter den ständigen Willen und die Fähigkeit zum Lernen. In keinem anderen Unternehmensbereich spielt die kontinuierliche Aus- und Fortbildung eine so große Rolle wie im DV-Sektor, da das Wissen über Hard- und Software auf Grund der schnellen Entwicklung im Zeitraum von drei bis fünf Jahren veraltet. Neben der ständig notwendigen Fortbildung gehört zur Ausbildung des DV-Leiters auch der Erwerb fundierter betriebswirtschaftlicher Kenntnisse in Verbindung mit dem spezifischen Wissen über das Unternehmen, seine Fachabteilungen und sein Umfeld.

Bedingt durch die Vielzahl der Aufgaben zeichnet sich der erfolgreiche DV-Leiter durch folgende Merkmale aus:

- Fachkompetenz, erworben durch ständige Weiterbildung

- Flexibilität, sie besteht zwangsläufig durch die bereits genannte Bereitschaft zum ständigen Lernen, aber auch durch den Willen und die Fähigkeit, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein.

-- Fähigkeit zur Motivation und Kooperation. Der DV-Leiter muß Fachabteilungen zu einem positiven Verhalten gegenüber der EDV-Abteilung und ihren Aufgaben und Möglichkeiten motivieren. Der DV ablehnend oder demotiviert gegenüberstehende Abteilungen müssen aktiviert werden.

Daneben können natürlich Stichwörter wie Dynamik, Durchsetzungsvermögen und Initiative genannt werden. Sie kennzeichnen jeden guten Abteilungsleiter und sollten beim DV-Leiter nicht fehlen.

Karlheinz Hebestreit

Mitglied des EDV-Leitungskreises der zentralen Bertelsmann Datenverarbeitung, Gütersloh

Der DV-Leiter muß heute in erster Linie Dienstleister sein, das heißt eine sehr stark unternehmerische Orientierung in seinen Tätigkeiten erkennen lassen. Die Amerikaner sagen zwar, daß die DV-Abteilung in ihrem Unternehmen bis zu drei Prozent ihres Umsatzes kostet. Sie geben aber 35 Prozent für latent EDV-trächtige Aufgaben im Bereich insgesamt aus. Dazu zählt insbesondere die Informationsverarbeitung. Hier breitet sich das Tätigkeitsfeld des DV-Managers von morgen aus. In dieser neuen Rolle muß er jedoch vorsichtig agieren. Er darf sich nicht als Chef-Denker sehen oder als Vormund der Fachabteilungen.

Das fachliche Know-how in Sachen Hard- und Software bleibt trotz der Neuorientierung unerläßlich. Der DV-Leiter muß verstärkt die Grenzen des technisch Machbaren aufzeigen können. Damit befindet er sich auf einer Gratwanderung: Einerseits darf er nicht Pionier sein oder Pilotanwender, andererseits sollte er aber auch nicht das Rad ein zweites Mal erfinden. Entscheidend ist, daß der DV-Manager genau wissen muß, welche Maschinen auch seines Herstellers sich als Flop erwiesen haben und warum dieses System zum Reinfall wurde.

Neben dem technischen Know-how des heutigen DV-Chefs ist es erforderlich, die Fähigkeit zu besitzen, in betriebswirtschaftlichen Kategorien zu denken und zu handeln. Sicherlich wird in großen Unternehmen derzeit verstärkt darüber diskutiert, inwieweit ein DV-Leiter als Manager eingesetzt werden kann. Hier taucht für viele die Frage auf, wo die Grenze gezogen werden kann und ob seine tägliche betriebswirtschaftliche Praxis ausreicht. Das sollte im Betrieb individuell entschieden werden.

Eine unerläßliche Qualifikation des DV-Leiters ist es, Mitarbeiter überzeugen und motivieren zu können. Die allgemeine Arbeitsmarktlage zwingt ihn zunehmend, Mitarbeiter zu halten und zu fördern. Wir gehen schon jetzt dazu über, nicht mehr von Datenverarbeitung, sondern von Informationsverarbeitung zu sprechen. Wir genieren uns heute nicht mehr anzuerkennen, daß hierzu auch Telefon, Telex und Textverarbeitung gehören. Der DV-Leiter von heute ist auf dem Weg zum Informationsmanager von morgen.