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22.06.1984

Der DV-Manager und die Image-Frage

Wenn es stimmt, daß klare Argumente überzeugen, dann ist es absurd, daß in der DV-Szene so wenig diskutiert wird. Einspruch? Man echauffiert sich doch über Mikrocomputer, lokale Netze, Bildschirmtext, Unix, MVS/XA und vieles andere mehr. Okay. Es ist aber auch nicht zu leugnen, daß die Macher, die DV-Spezialisten, kaum etwas für ihr eigenes Selbstverständnis tun. Wo bleibt denn die Aktion, den Job neu zu definieren - und darüber zu reden? Bescheidenheit ist hier völlig fehl am Platze.

Ganz langsam beginnt sich zwar die Einsicht durchzusetzen, die Bedeutung des Faktors Information sei bislang unterschätzt worden, doch ist die Frage nach der Rolle des DV-Managers völlig ungeklärt: "Die Zukunft des Informations-Managements wird in einem radikalen Wandel von bloßem Beiwerk zu autonomer Funktion im Unternehmen bestehen", sagen etwa die Experten von "Eurocim" (Seite 27: "Informations-Ressourcen fordern Management") und empfehlen: "Langfristige, nicht am Profit, sondern an der Qualität orientierte Strategien sind der Weg für DV-Manager, sich in dieser Entwicklung keine blutigen Nasen zu holen." Amen! (gehört selbstverständlich nicht mehr zum Zitat).

Die meisten haben derartige Aussprüche schon gehört. An der Schwelle zum Informationszeitalter, zum Informationsdesign und zur Informationskrise, so soll wohl die Message lauten, genieße der DV-Fachmann das zweifelhafte Vergnügen, sich entscheiden zu dürfen

- für den Aufstieg ins Topmanagement ("Information Ressources Manager") oder

- auf der Stelle treten, was in Wahrheit einen Rückschritt bedeutet, den Weg über das "konservative" DV-Management (Bit-Fummelei, TSO-Orgien etc.) zurück in die Idylle des Rechenzentrums, des reinen Produktionsbetriebs. Merke: RZ-Leiter haben weder ein mieses Image, noch ein besonders gutes - sie haben gar keines.

Solche Argumente überzeugen nicht. Sie sind zu einseitig. Schwamm drüber. Tatsache ist, daß die Position des DV/Org.-Chefs schon mehrmals erschüttert wurde, so zu Beginn der Online-Ära Mitte der siebziger Jahre, als es hieß: "Die Batchverarbeitung ist tot, es lebe der Bildschirm!" Dann kamen die Benutzer auf den Trichter, daß sie ja Gefangene der "dummen" Online-Organisation waren (Stichwort "Remote Job Entry", sprich: dezentrale Dateneingabe, zentrale Verarbeitung - alles schön hierarchisch). Die Forderung lautete auf einmal: Mehr Intelligenz an den Arbeitsplatz, Entlastung für die Zentrale.

Der Streit in der Wo-Frage (zentral oder dezentral?) hat die DV-Verantwortlichen nicht aus der Fassung gebracht. Ihr Problem lag und liegt darin, für sich Propaganda zu machen, sich besser zu "verkaufen" - beim Topmanagement, aber auch bei den Anwendern. Man vergißt, daß "Leistung" nicht nur auf Sachkenntnis beruht, sondern auch auf Kommunikation, auf Imagepflege. Dieser Punkt wird in der DV-Welt offensichtlich tabuisiert - das meinten wir in unserem Eingangsstatement.

Das Problem kann man nicht allein dadurch lösen, daß man an den guten Willen der Beteiligten appelliert. Jede Veränderung birgt Risiken. Aber solange es Risiken gibt, gibt es auch Chancen. Erfahrene DV-Manager werden sie im "Wettbewerb der Ideen" zu nutzen wissen. Umgekehrt kommen die Benutzer auf keinen grünen Zweig, wenn sie im DV-Spezialisten immer nur den Buhmann sehen.