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Der ebXML-Standard gewinnt an Fahrt

06.04.2005
Von Hans Viehmann
Als Technik für elektronische Transaktionen über das Internet muss sich ebXML sowohl gegen das weitverbreitete Verfahren Electronic Data Interchange (EDI) als auch gegen die Web-Services-Standards durchsetzen.

B ei Business-to-Business-Anwendungen geht es darum, betriebswirtschaftliche Prozesse wie Bestellwesen oder Abrechnungen über das Internet abzuwickeln. Dies setzt einen sicheren Informationsaustausch voraus, der gleichzeitig die Nichtanfechtbarkeit von Transaktionen, rechtlich bindende digitale Verträge und Kollaborationen, aber auch Vertraulichkeit und Authentizität gewährleistet. Electronic Data Interchange war das erste wohldefinierte elektronische Transaktionsnetz, das es Unternehmen ermöglichte, Nachrichten in verschiedenen Datenformaten auszutauschen. Kostengünstiger, universeller und umfassender soll ebXML (electronic business XML) die B-to-B-Kommunikation über das Internet ermöglichen. Der von UN/Cefact (United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business) zusammen mit Oasis definierte Standard bietet im Rahmen seiner Spezifikationen Verfahren, Arbeitsblätter und Richtlinien zur Erzeugung von Modellen, die interoperable Geschäftsdokumente für die Zusammenarbeit von Geschäftspartnern definieren.

Das XML-Framework ist harter Konkurrenz ausgesetzt: Trotz der Nachteile von EDI - nämlich kostspielige proprietäre Software und Integrationsprobleme mit Altsystemen - setzen heute laut einer Studie von Digital Foundry immer noch 71 Prozent der weltweiten Unternehmen quer durch alle Branchen auf diese Technik. Und XML wird EDI in absehbarer Zeit nicht ganz verdrängen können. Weiterer Wettbewerb, der jedoch gleichzeitig auch eine Ergänzung darstellt, erwächst ebXML durch die fortschreitende Reife der Web-Service-Standards.

Die fünf Komponenten der ebXML-Spezifikation - nämlich Business Process Schema, Profile und Vereinbarungen für Geschäftspartner, Registries und Repositories, Core Components sowie Messaging - lassen sich unabhängig voneinander nutzen, und es wird wohl kaum Implementierungen des gesamten Stacks geben. Gartner prophezeit, dass im Jahr 2008 weniger als zwei Prozent der Web-Service-Implementierungen den gesamten ebXML-Stapel umfassen werden.

Die Komponente mit den besten Zukunftschancen ist "eb Messaging" (ebMS). Diese Spezifikation definiert das Messaging-Protokoll, das einen sicheren und zuverlässigen Austausch von Nachrichten zwischen zwei Partnern ermöglicht. Es nutzt Soap (Simple Object Access Protocol) und erweitert dieses, indem es genau definiert, wie Adressen und Messages in einer Soap-Nachricht zu spezifizieren sind. Zusätzlich liefert ebMS Sicherheits-, Zuverlässigkeits- sowie Verwaltungsfunktionalität, die der Web-Services-Standard noch nicht enthält. Beispielsweise prüft die Komponente bei einem Nachrichtenaustausch die Partnerprofile, um sicherzustellen, dass die Geschäftsvereinbarungen eingehalten werden. Schließlich unterstützt ebMS eine Vielzahl von Transportmechanismen einschließlich HTTP, SMTP und anderen. Zwar versprechen auch künftige Web-Services-Standards, die derzeitigen Defizite auszugleichen, doch ebMS ist heute schon mit ausgeklügelter Funktionalität vorhanden, und eine wachsende Zahl B-to-B-Anbieter setzen die XML-Komponente in ihren Integrationswerkzeugen ein. Laut Gartner werden im Jahr 2006 bis zu 75 Prozent der Middleware-Hersteller ebMS unterstützen.

Eine weitere Komponente, das Business Process Specific Schema (BPSS), spezifiziert B-to-B-Interaktionen auf der Grundlage von UML (Unified Modeling Language). BPSS umfasst zusätzlich zur Schemadefinition Elemente wie etwa Partnerprofile für die Festlegung des Austausches zwischen Geschäftspartnern und auch einen Katalog mit Geschäftsprozessen und Informationsmodellen. Doch die Chancen von BPSS, sich als Standard im B-to-B-Umfeld durchzusetzen, stehen nicht gut, denn mit BPEL (Business Process Execution Language for Web Services) ist eine übermächtige Konkurrenz aus dem Web-Service-Umfeld entstanden. Zwar ist diese Technik dem BPSS sehr ähnlich, doch stehen mit IBM, Microsoft, Oracle, aber auch Bea große Hersteller dahinter. SAP oder IDS Scheer haben BPEL bereits in ihre Produkte integriert.

Gerade im B-to-B-Umfeld ist es wichtig, die Geschäftspartnerprofile sowie Regeln und Verantwortlichkeiten in der Kommunikation festzulegen. Die Spezifikation über Collaboration Protocol Profiles (CPP) und Collaboration Protocol Agreement (CPA) liefert Mechanismen, um diese Informationen zum Austausch von elektronischen Nachrichten und Vereinbarungen zwischen Partnern zu dokumentieren. Eine Untersuchung von Gartner zeigt, dass heute noch viele Unternehmen eher die vorhandene Management-Technik für die meist geringe Anzahl der wichtigen Partner nutzen und für alle weiteren Dienstleister in Anspruch nehmen.

In Zusammenhang mit letzterer Komponente steht die Spezifikation für ebXML-Registraturen und -Repositories, deren Draft-Version 3.0 im Februar veröffentlicht wurde. Die Registraturen speichern die CPPs, CPAs und auch Geschäftsprozesse. Die Spezifikation definiert das Informationsmodell für die Registratur, das heißt, welche Informationen dort in welcher Form gespeichert werden; dazu kommen Registraturdienste sowie die Austauschprotokolle, die Nachrichtendefinitionen und das XML-Schema.

Auch den ebXML-Registries werden Web-Services und UDDI (Universal Description, Discovery and Integration) das Leben schwer machen. Einflussreiche Anbieter wie IBM, Microsoft, Intel, Oracle, Bea und andere setzen nämlich auf die Konkurrenztechnik. Allerdings räumt Gartner den XML-Registries dann Erfolgschanchen ein, wenn sich die Automobil-, Finanz- oder Reisebranche dafür entscheiden.

Kaum Interesse an Core Compontents

Schließlich umfasst das Framework so genannte Core Components. Sie stellen einen der wenigen Versuche dar, branchenübergreifend semantische Grundbausteine für Geschäftspartner zu standardisieren. Bis heute gibt es jedoch kaum Implementierungen, die Core Components nutzen. Die meisten Unternehmen haben einen einfacheren Ansatz gewählt, indem sie mit ihren Partnern eigene semantische Leitfäden erstellt haben und verwenden. Bessere Aussichten hat die Oasis Universal Business Language (UBL) auf der Grundlage der ebXML Core Components. Beispielsweise hat die Regierung von Dänemark sich für die UBL "Invoice" entschieden, und auch verschiedene Standardisierungsgruppen interessieren sich dafür.

In Zukunft werden Web-Service-Standards viele andere aus dem Markt verdrängen, doch auch mit zunehmendem Reifegrad bieten sie nicht alle Komponenten wie beispielsweise CPAs und CPPs, die für B-to-B notwendig sind. Unternehmen mit einem Bedarf an umfassendem Highend-Messaging sollten deshalb ebXML-Implementierungen in Betracht ziehen.

Hersteller picken Rosinen aus ebXML

Die unterschiedliche Akzeptanz der verschiedenen Komponenten im Markt schlägt sich auch in der Produktstrategie der Hersteller nieder. So enthält das Modul "Integration B-to-B" des Oracle Application Server 10g den BPEL Process Manager für die Definition von Prozessen und unterstützt ebMS für das Messaging. In der nächsten Version soll dann auch der reine ebXML-Standard für die CPPs/CPAs einbezogen werden und nachfolgend auch die Spezifikation für Registraturen und Repositories in einem späteren Release. Zudem können Anwender mit Hilfe einer bidirektionalen Übersetzungsoption EDI- und XML-Kommunikation parallel einsetzen. (ws)