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20.09.1978

"Der EDV-Bereich ist eine Fachmesse in der Fachmesse"

Mit Hans Wilke, Mitglied der Geschäftsleitung der Kölner Messe und Ausstellungsgesellschaft mbH, sprachen Dieter Eckbauer und Elmar Elmauer

- Die Kölner Messe bezeichnet die Orgatechnik als den bedeutendsten Order- und Informationsmarkt der Büro- und Informatikbranche. Dem halten wir aus der Grußansprache des Oberbürgermeisters von Hannover, Herbert Schmalstieg, das Zitat entgegen, die Büro- und Informationsbranche sei eine der tragenden Säulen der Hannovermesse. Wer ist denn nun größer: CeBIT oder Orgatechnik?

Sie werden Verständnis dafür haben, daß wir uns zu einer solchen Frage im Sinne einer Wertung ganz sicherlich nicht äußern können. Wir meinen aber, daß die Orgatechnik, die zweite internationale Büro-Messe, inzwischen auf über 800 Aussteller auf einer Bruttofläche von über 90 000 qm angewachsen, sehr wohl als eine bedeutende Veranstaltung bezeichnet werden kann. Die Auslandsbeteiligung, mit den inzwischen 180 Firmen, ist gegenüber der letzten Veranstaltung immerhin 100 Prozent angewachsen.

- Herr Wilke, nun meint Ihre niedersächsische Konkurrenz, daß weder die Bruttofläche noch die Ausstellerzahlen vergleichbar wären. Überdies werde Hannover ja in diesem Jahr kräftig ausgebaut. Die Bruttofläche erhöhte sich in drei Hallen auf 102 000 qm. Wesentlich erscheint aber: Während Hannover aufgrund seiner Bedeutung Hersteller hat, hätte die Orgatechnik überwiegend Händler als Aussteller. Wie stehen Sie dazu?

Ich darf noch einmal auf meine Antwort zu Ihrer ersten Frage bezüglich der Wertung und Vergleichbarkeit hinweisen. Ich darf feststellen, daß wir von der zweiten internationalen Büromesse 1978 sprechen, und nicht von der darauffolgenden im Jahr 1980, die mit Sicherheit - und davon gehen wir aus - größer sein wird, als die von 78. Und zu Ihrer Frage, ob in Köln überwiegend Händler repräsentieren ich Ihnen sagen, daß die Ausstellungsbedingungen ganz klar ausweisen, daß zur Orgatechnik ausschließlich Hersteller und Importeure zugelassen sind.

- Obgleich nach den Worten Ihres Geschäftsführers Ebert das Konzept der Orgatechnik gegen niemand gerichtet ist, soll es aber immerhin zu einer Rationalisierung des Messeangebots führen: Kann der Anwender, der die Orgatechnik besucht, auf Hannover verzichten oder umgekehrt?

Diese Frage muß jeder Anwesende selbst beantworten, nachdem er sich über das Angebot beider Messen informiert hat. Es steht außer Frage, daß mit der wachsenden Bedeutung einer Fachmesse, die noch dazu wie zum Beispiel die Orgatechnik das gesamte Bedarfsbündel "Büro" abdeckt, kleinere Veranstaltungen überflüssig werden können - im Interesse der Zeit- und Kostenersparnis für Aussteller und Besucher.

- Was, Herr Wilke, hat der Anwender denn überhaupt davon, eine Messe mit EDV-Angebot zu besuchen? Computer werden ja nicht im Spazierengehen gekauft und intensive Beratung ist während einer Messe doch wohl auch nicht möglich..

Da gebe ich Ihnen absolut recht. Aber es geht um die Information. Der EDV-Anwender kann sich in Köln über alle zur Zeit auf dem Markt befindlichen Systeme informieren, sich beraten lassen und Überlegungen für Investitionen anstellen. Ohne den Messebesuch würde dies sehr viel zeit- und kostenaufwendiger sein. Immerhin zeigen von den derzeit 820 Firmen, die sich zur 2. internationalen Büromesse angemeldet haben, 180 Aussteller EDV-Geräte und Zubehör, Datenübertragungseinrichtungen, Software. Damit ist der EDV-Bereich der Orgatechnik fast eine Fachmesse in der Fachmesse. Neben dieser Hardware-Information - um im Messesprachgebrauch zu bleiben - gibt es jedoch auch, und das halte ich für besonders wichtig, ein sehr interessantes Softwareangebot. Ich meine das Rahmenprogramm. So steht zum Beispiel die diesjährige Datenschutzfachtagung der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherung unter dem Motto Datensicherheit in der Datenverarbeitung. Hier dürfte für jeden Anwender eine Fülle von Informationen und Anregungen geboten werden.

- Und wie lösen Sie das?

Der Kongreß für Textverarbeitung findet jetzt schon zum vierten Male in Köln statt. Mit jeweils steigendem Erfolg. Es ist nicht nur der Kongreß für Textverarbeitung, es ist das Symposium für die Kreditwirtschaft, es geht hier um einen Erfahrungsaustausch Sicherheit, die zweite Datenschutzfachtagung DAFTA, ein Symposium für die Versicherungswirtschaft, die AWV-Fachveranstaltung, wie beispielsweise Kostensenkung durch Einsatz von Mikrofilm oder Architektur und Rendite, also gute Bürohausarchitektur. Dies alles sind Maßnahmen, die dem Besucher ein Mehr an Information bieten.

- Können Sie als Hausherr denn dem Aussteller garantieren, daß die Besucher, von einem derartigen Mammutprogramm gestreßt, überhaupt noch auf die Stände gehen?

Das ist absolut sichergestellt. Diese Maßnahmen erfolgen ja zuletzt auch im Interesse der Aussteller. Durch ein attraktives Angebot an informativen Rahmenveranstaltungen werden auch dem Aussteller neue Besuchergruppen zugeführt. Außerdem wurden die Veranstaltungen so terminiert, daß genügend Zeit zum Messebesuch übrigbleibt, Nehmen Sie nur den Kongreß für Textverarbeitung, der bereits am Vortag der Orgatechnik beginnt, so daß die Kongreßteilnehmer Gelegenheit haben, anschließend in Ruhe die Messe zu besuchen.

- Lassen Sie uns noch einmal Ihr Wort aufgreifen, Fachmesse in der Fachmesse: Was an CeBIT so geschätzt wird, ist, daß dort ein Fachmarkt in 28 andere Fachmärkte eingebettet ist. Und was darüber hinaus an Hannover so geschätzt wird: Praktisch jeder Vierte, nämlich 120 000 von 500 000 Besuchern, fährt nur wegen CeBIT zur Hannovermesse. Wie verhält sich dies bei der Orgatechnik? Wer kommt nach Köln, allein um den DV-Teil zu sehen?

1976 waren es bereits 37,2 Prozent der Anwender und 22,2 Prozent der Wiederverkäufer. 1978 wird dieser Anteil - nicht zuletzt aufgrund des erweiterten Angebots - noch höher sein. Nach Auswertung unserer Besucherbefragung wird es mir ein besonderes Anliegen sein, Ihnen diese Zahl zu übermitteln.

- Sie berufen sich auf 180 EDV-Aussteller. An anderer Stelle hat die Kölner Messe erklärt, alle wichtigen DV-Erzeuger seien gewonnen. Mußte um diese Branche geworben werden oder sind die Computer-Menschen von alleine gekommen, vielleicht, weil die Orgatechnik so weltumspannend bedeutend ist?

Nichts geht ohne Werbung. Das wissen sie auch, meine Herren. Natürlich haben wir Gespräche mit DV-Erzeugern geführt. Offensichtlich waren unsere Argumente überzeugend, sonst wären diese Firmen nicht auf der Messe vertreten.

- Es gibt drei wichtige Messen für den Datenverarbeiter in der BRD. CeBIT alljährlich, Orgatechnik mit Systems alternierend alle zwei Jahre im Herbst. Sind die Messekonzepte so klar und unterschiedlich profiliert, daß der Anwender und der Aussteller wissen, das ist meine Messe, diese aber ist meine Messe nicht?

Natürlich gibt es Unterschiede im Konzept, in der Angebotstiefe, in der Besucherstruktur. Das wird jeder Aussteller sehr schnell herausfinden und sich dann für "seine Messe" entscheiden. Daß das Kölner Konzept akzeptiert wird, zeigen die Zuwachsraten von 76 zu 78 um die 40 Prozent und wir gehen aufgrund der angemeldeten Gruppenreisen, der verkauften Eintrittskarten, die im Vorverkauf abgegeben worden sind, ganz klar davon aus, daß die Zahl der Besucher von 76, die um die 40 000 lag, erheblich überschritten wird. Dies ist für mich ein eindeutiges Indiz dafür, daß die Konzeption der Orgatechnik richtig ist, daß sie vom Besucher auch angenommen wird.

- Wem verdanken Sie den Zuwachs? Architektur und Möbeln oder der Informatikbranche?

Da wir alle Branchen und Bereiche gleichermaßen pflegen, bleibt der Erfolg nirgendwo aus. Es sind nicht nur alle bedeutender Hersteller von Büromöbeln hier, es fehlt auch kein bedeutender Hersteller der Maschinenindustrie oder des Bereiches Organisationsmittel. Hier ist also kein Übergewicht festzustellen.

- Wenn man sich das Messeangebot anschaut, dann kommt man doch zu der Meinung, daß Sie mehr den Klein- und Mittelbetrieb, exakter, den Entscheidungsträger aus kleineren Betrieben im Auge haben. Ist das richtig?

Nein, ganz selbstverständlich erwarten wir auch Anwender aus Großbetrieben. Nehmen Sie doch nur einmal unser Rahmenprogramm, nehmen Sie den Kongreß für Textverarbeitung, nehmen Sie DAFTA und nehmen Sie auch die Veranstaltungen des AWV. Diese Veranstaltungen wenden sich doch ganz eindeutig an die Anwender aus den großen Betrieben.

- Woher wissen Sie das?

Im Rahmen unserer Besucherwerbung decken wir ein breites Spektrum ab. Wir führen zu jeder Veranstaltung, unseres Programms sowohl Ausstellerbefragungen als auch Besucherbefragungen durch und haben ganz klare Daten über die Struktur der Besucher, auch nach der Firmengröße.

- Und was sagen diese Zahlen?

Die Besucherbefragung zur Orgatechnik 1976 ergab, daß aus Betrieben, die zwischen 100 und 500 Beschäftigte haben, immerhin 9,6 Prozent der Wiederverkäufer und 21,9 Prozent der Verwender kamen. Die Besucher, die aus Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten stammten, waren mit 20,3 Prozent auf der Orgatechnik vertreten. Sie sehen also, daß hier nicht klein- und Mittelbetriebe mit Besuchern vertreten sind, sondern auch Großbetriebe.

- Nur sagt das noch nichts darüber, aus welchen geographischen Raum diese Besucher kamen: Und noch gilt ja die Behauptung, es handele sich um eine regionale Messe, die über den rein westdeutschen Raum nicht hinauskomme.

Wenn Sie uns dies in den sechziger Jahren vorgehalten hätten, dann hätte ich dies eindeutig bejahen müssen - und auch können. Aber heute trifft dies(...) die Orgatechnik die in der Tat zu (...) internationalen Büromesse geworden ist, nicht mehr zu.

- Ich möchte jetzt noch einmal auf das Rahmenprogramm zurückkommen: Textverarbeitung, Datenschutz-Fachtagung, diverse Symposien, bis hin zur Bürohausarchitektur. Das ist, wenn ich es einmal salopp ausdrücken darf, Pichelsteiner Eintopf. Sie werden damit Vielen wenig bieten, aber Wenigen vieles!

Im Hinblick auf die Heterogenität der Besucher muß das Fachprogramm allumfassend sein. Die Orgatechnik ist eine so - meinen. wir und so meinen auch unsere Partner - besonders anwendungsorientierte Veranstaltung. Es ist nicht damit getan, dem Besucher nur die Produktinformation zu liefern, sondern es müssen Informationen zur Verfügung gestellt, die über die Produktinformation hinausgehen und ihm ein zusätzliches Know-how für seinen spezifischen Interessen- und Wirkungskreis vermitteln.

Hans Wilke

seit 18 Jahren bei der Kölner Messe und Ausstellungsgesellschaft mbH, kommandiert als Mitglied der Geschäftsleitung den Marketingbereich und betreut fünf Veranstaltungen, darunter die Orgatechnik. Die Karriere des Vierzigjährigen, der im Haus als graue Eminenz gilt, ist unter seinem Geschäftsführer Diplomkaufmann Dieter Ebert vorgezeichnet: Ebert rückt am 1. Februar des kommenden Jahres zum Hauptgeschäftsführer auf, Wilke und sein Kollege Dipl.-Vwt. Wolfgang K. Lange rutschen als Geschäftsführer nach. Die Ressortverteilung bleibt wie bisher.