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15.02.1980

Der EDV-Mann sollte den Mikrocomputer nicht unterschätzen

Mit Dr. Rochus Grzimek, Mini-RZ und Computer-Shop GmbH, Kelkheim, sprach Helga Biesel

Die Seminare großer unabhängiger Seminaranbieter zum Thema Mikrocomputer für kommerzielle Anwendungen sind ausgebucht. Die Teilnehmer kommen aus der Großindustrie. Wie erklären Sie sich das?

Die Anwender aus der Großindustrie denken beim Einsatz von Mikrocomputern für kommerzielle Anwendungen vor allen Dingen an Distributed Processing. Im Bereich der früheren MDT ist es noch nicht allgemein bekannt, daß die meisten sogenannten MDT-Anbieter heute Geräte offerieren, die auf Mikroprozessor-Basis arbeiten, also eigentlich auch Mikrocomputer sind; nur sagt man das nicht offen.

Zum Beispiel?

Die neue Serie von Kienzle basiert auf Mikroprozessoren .

Ist Mikro Computing nicht in gewisser Weise eine Herausforderung für die RZ-Leiter - im Sinne von "David gegen Goliath"?

Die Formen des Personal beziehungsweise Mikro Computing, wie wir de zur Zeit in Amerika sehen, werden wohl aufgrund der ganz anders gearteten europäischen Mentalität nicht in der Weise zu uns herüberschwappen. Ich sehe im Mikro Computing vielmehr eine Chance, das Problem des vielzitierten Ausbildungsdefizits zu lösen, in dem man durch interaktives Programmieren gleichzeitig lernt und sich an seinen eigenen Fehlern fortbildet. Ich selbst habe zum Beispiel anhand sehr dürftiger und fehlerhafter amerikanischer Literatur innerhalb von drei Tagen am Bildschirm in Basic programmieren gelernt.

Wo sehen Sie die Hauptabnehmer für Mikrocomputer in Zukunft?

Die dürften im Bereich der früheren MDT zu machen sein, wobei dies weiter ausgedehnt wird, wegen seiner niedrigen Preisschwelle. Ergänzend wäre dazu noch zu sagen, potentielle Mikrokämpfer werden solche Anwender sein, die bisher weder ein Textverarbeitungssystem noch einen Computer als Rechner auslasten konnten; Anwender also, für die aber eine Kombination beider Anwendungen wirtschaftlich ist, und das kann gerade ein solches Mikrocomputersystem sein.

Können Sie diese Zielgruppe spezifizieren ?

Ich sehe da vor allen Dingen den Bereich der freien Berufe, zum Beispiel Ärzte und Rechtsanwälte.

Und in der Industrie, welche Möglichkeiten sehen Sie da?

Einsatz in Verkaufsbüros und vor allem in der Lagerhaltung, das durfte das wesentliche sein - aber auch für Vertretersteuerung und dezentrale Buchhaltung etc.

Also reelle Chancen - auch da, wo bereits große Rechenzentren existieren?

Ja, als Zuliefergeräte für den Hostrechner. Da meinetwegen, wo die IBM 8100 noch zu groß ist.

Können Mikrocomputer am Arbeitsplatz die Schwellenangst vor der EDV nehmen?

Ich würde sagen, ja. Und zwar einfach dadurch, daß man mit dem Gerät umgeht.

Daß man damit spielen kann?

Ja. Bisher war das so: Wenn einer am Terminal etwas falsch gemacht hat, bestand immer die Gefahr, daß er die ganze EDV runterzog, wenn man nicht entsprechend sicher programmiert hatte. Und das hat man oft erst gemerkt, wenn die Dinge liefen. Wenn aber einer an einem solchen Offline-Gerät arbeitet, das sich eigentlich wie ein großer Computer verhält, wenn er da was verkehrt macht . . .

. . . merkt es keiner!

Es merkt keiner, und es geht nicht so viel kaputt.

Vertreter der klassischen zentralen EDV befürchten einen Wildwuchs durch

Computing in ihrem gewohnten Herrschaftsbereich. Welche positiven Seiten können Sie dem Mikro Computing dennoch abgewinnen?

Das ist das breite EDV-Verständnis, das dadurch geschaffen wird. Wildwuchs entsteht, wenn sich die Vertreter der klassischen EDV zu spät mit dem neuen Medium Mikrocomputer zu beschäftigen beginnen.

Sie haben bereits vor zwei Jahren festgestellt, das Gerede über fehlende Standard-Anwendungs-Software entbehre jeder Grundlage. Wo findet der Anwender heute seine Software, wie informiert er sich?

Es gibt eine Reihe von Veröffentlichungen, von Periodikas über Mikrocomputer, und auch die EDV-Fachzeitschriften bringen immer wieder Hinweise über Standard-Programmpakete. Aber im wesentlichen muß sich der Anwender im Markt herumhören.

Stellen die großen Hersteller von Mikrocomputern beziehungsweise -prozessoren kommerzielle Standard-Software zur Verfügung?

Soweit es den amerikanischen Markt betrifft, ja. Nur ist die amerikanische kommerzielle Standard-Software bei uns nicht einzusetzen.

Warum glauben Sie, daß die großen Anbieter von Mikrocomputern in Deutschland, die doch in gewisser Weise marktbeherrschend sein könnten, dieses nicht tun?

Generell kann man sagen, daß die Hersteller von Mikroprozessoren bisher keine kommerzielle Standard-Software angeboten haben. Das liegt daran daß sie sich in erster Linie als Bauteilelieferanten für andere Computerhersteller verstanden und diesen anderen Computerherstellern die Entwicklung kommerzieller Standard-Software überließen.

Können Sie da einen Fall nenen?

Ein typisches Beispiel dafür war - nach meinem Eindruck - das Verhalten des Hauses Siemens. Siemens bietet seit drei oder vier Jahren Mikroprozessoren an, meist Lizenzprodukte von Intel, die nachgebaut werden. Interessanterweise werden die Mikrocomputersysteme von Siemens nicht vom Computervertrieb des Hauses angeboten, sondern vom Bereich Bauelemente.

Wie ist das zu erklären - historisch?

Die Mikrocomputersysteme von Siemens waren lange Zeit in ihrer Auslegung so konfiguriert - zu kleine Diskettenkapazität, zu langsame Drucker -, daß es uninteressant war, sie für kommerzielle Zwecke einzusetzen. Dies scheint sich geändert zu haben, nachdem Siemens Teile der norwegischen Tandberg-G übernommen hat, die über ein sehr leistungsfähiges Mikrocomputersystem verfügt. Ein ähnliches Verhalten ist auch bei anderen Computerherstellern zu beobachten, verständlich, wenn man bedenkt, daß die sehr viel preiswerteren Mikrocomputersysteme das gleiche leisten wie Computeranlagen, die oft das zwei- bis fünffache kosten und im Bereich der Basis-DV oder der unteren Groß-EDV angeboten werden.

Zusatzfrage: Gilt das auch für den Bereich der komplexeren kommerziellen Anwendungen?

Ich würde sagen, ja.

Welche kommerziellen Bereiche werden zur Zeit am besten mit Mikrocomputer-Software abgedeckt?

Eigentlich können alle kommerziellen Bereiche abgedeckt werden, da für Mikrocomputer heute Compiler in fast allen höheren Programmiersprachen verfügbar sind. Das heißt, bereits entwickelte Programme können nahezu eins zu eins übernommen werden. So gibt es zum Beispiel Compiler für ANS-Cobol, für Fortran IV, Basic und neuerdings sogar für Pascal.

Wo kann der Anwender erwarten, einigermaßen neutral beraten zu werden?

Generell gesagt besteht hier noch eine echte Marktlücke. Ich würde Besuche von Seminaren angesehener Institute empfehlen und außerdem ein regelmäßiges Studium amerikanischer Fachzeitschriften. Gerade diese enthalten eine Fülle von Hinweisen in bezug auf Computertechnik wie auch Programmierung.

Zum Marktzuwachs in den nächsten Jahren: Ich habe hier eine Quelle "Leue-Management - Consultants", die für 1978 für den amerikanischen Markt einen Installationswert von 500 Millionen Dollar angibt; und Leue prognostiziert für 1982 2430 Millionen. Das ist ein Wachstum von 500 Prozent in fünf Jahren.

Das halte ich durchaus für möglich; auf den deutschen Markt bezogen, glaube ich jedoch nicht, daß die Faustregel, "ein Zehntel ist der deutsche Markt", in diesem Fall gilt. Es wird weniger sein, weil bei uns die Leute irgendwie ängstlicher sind.

Ist das nur die andere Mentalität?

Nein, auch diese ganze englischsprachige Literatur. . . Das hemmt das deutsche Wachstum; ein erheblicher Teil der Zielgruppe ist nicht mehr gewillt, englische Literatur zu lesen. Das ist das ganze Problem an dem Markt. Vom Preis her kann man es sich eben nicht erlauben, viel Geld in eine deutsche Dokumentation hineinzustecken. Das lohnt sich scheinbar nicht bei dieser sehr schnellen Entwicklung.

Würde es sich denn nicht im Hinblick auf Schwellenangst und Motivation zur EDV letztlich doch lohnen - vielleicht gerade für die bereits "installierten" EDV-Fachleute -, diesen Bereich zu fordern wenigstens, um die ominöse EDV-Angst abzubauen?

Ja, ich glaube, das wird auch kommen. Aber das dauert eben: Der Durchbruch ist noch nicht da. Aber dann wird es sehr schnell gehen.

Konfiguration der Mikrocomputer des MINI-RZ

1. System

Imsai 8080 Mikrocomputer

Zentraleinheit mit 64K Hauptspeicher; Intel 8080 Mikroprozessor als CPU; intelligenten Steuerungen für Schnelldrucker und bis zu 11 Diskettenlaufwerken; 2 seriellen Interfaces bis zu 9600 Baud (V.24).

2 Calcomp Disketten-Laufwerke a 243 K, single density.

2 Calcomp Disketten-Laufwerke a 600 K, wahlweise single oder double density.

1 Teletype Modell 40 Kettendrucker (18 000 Zeilen/h, Umlaute, auswechselbare Druckkette).

1 Diablo 1620 Typenraddrucker mit Tastatur, wahlweise Endlosformulare oder Einzelblattzuführung.

1 Elbit Bildschirm mit Tastatur, 1920 Zeichen, Groß-/Kleinbuchstaben, Umlaute).

1 CDC Magnetplattenlaufwerk, 96 Megabyte Kapazität (64 MB fest, 32 MB variabel) bestellt

2. System

Imsai VDP 80 Video Data Prozessor

Zentraleinheit mit integrierter Peripherie, 56 K Hauptspeicher; Intel 8085 Mikroprozessor; 2 PerSci-Diskettenlaufwerke a 600 K, wahlweise single oder double density; Bildschirm, 1920 Zeichen, Groß-/Kleinbuchstaben, graphische Funktionen, Tastatur; serielle Schnittstelle (bis 9600 Baud); Video-Schnittstelle zum Anschluß eines handelsüblichen großen Fernsehers.

1 Teletype Modell 40 Kettendrucker (Ausstattung wie beim System 1)

Beide Anlagen sind untereinander voll kompatibel. Betriebssystem: IMDOS 2.05 (basierend auf CP/M von Digital Research) Programmiersprachen: Extended Basic, Commercial Basis, MBasis, ANS-Cobol, Fortran IV, Assembler (8080), demnächst Pascal.

Dr. Rochus Grzimek, 49

war in vier seiner acht IBM-Jahre Großkunden-VB und gehörte unter 400 Kollegen zu den zehn erfolgreichsten Vertriebsbeauftragten. Als Dozent an der Frankfurter IBM-Schule führte er etwa 6000 Anwender in die dritte Computergeneration ein. Grzimek war als Prokurist bei Recognition Equipment und von 1971 bis 1975 Geschäftsführer der GTE Information Systems (zuvor EDP Resources) in Bad Homburg. Seine Mannschaft entwickelte einen großen Teil der Programme für die Olympiade 1972.

Nach einem Jahr als Geschäftsführer der Kienzle Terminal-Vertriebsgesellschaft beschloß Grzimek, in die vierte Computergeneration, die der Mikrocomputer, einzusteigen und gründete sein eigens Unternehmen.

Rochus Grzimek wird am 20. und 21. März ein Seminar zum Thema "Mikrocomputer für kommerzielle Anwendungen" im Control Data Institut. Frankfurt abhalten.

Konservativeren

Da werden tolle Dialoggeräte erfunden. Und jemand kommt auf die Idee, damit seine Programme einzugeben und zu korrigieren. Später benutzt jemand die Maschinerie auch zum Bearbeiten anderen Texte. Ärgerlicherweise zuerst in Amerika. Und dort nennen sie das, was sie da tun, "editing". Die Technik kommt über den Ozean. Und nun können wir auch unsere Texte editieren.

Wieso eigentlich "itieren"? Was tut ein Konservator; er konserviert. Eine Publikation wird - publikatiert. . . Und ein Editor - also wenn Sie mich fragen, der ediert! Peter Gorny

Vgl. Der große Duden, Bd. 1: Rechtschreibung. Mannheim 1973, S. 236.