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27.04.1990

"Der Einfluß der Aktienkurse auf die Kunden wird überschätzt"

Mit dem Vorsitzenden der European Oracle User Group (EOUG), Rainer Hochkoeppler, sprach CW-Redakteurin Karin Quack.

CW: Wie reagieren die europäischen Oracle-Kunden auf den Sturz der Oracle-Aktien?

Hochkoeppler: Sofern sie nicht Oracle-Aktien halten, werden die Kunden von dieser Angelegenheit kaum tangiert. Wir sehen diese Sache auch in keiner Weise als besorgniserregend an. Für uns sind die Leistungsfähigkeit und Qualität des Produktes, mit dem wir arbeiten, wichtig - weniger der momentane Aktienkurs der Firma, die dieses Produkt entwickelt. Die Vorgänge an der Börse in den USA sind vermutlich darauf zurückzuführen, daß man von Oracle sehr hohe Wachstumsraten gewohnt ist. Wir haben uns daran gewöhnt, ein Wachstum von 100 Prozent als normal anzusehen; aber es gibt wohl kein Unternehmen auf der Welt, das so etwas langfristig durchhalten kann. Es kann durchaus sein, daß eine Abflachung bei den finanziellen Ergebnissen von Oracle festzustellen ist. Die Börse in den USA ist sehr empfindlich, und vielleicht hat sie etwas überreagiert. Aber es ist ja keineswegs so, daß Oracle sich nahe der Profitabilitätsgrenze befände oder gar rote Zahlen schriebe. Vielmehr haben wir es immer noch mit einer finanziell sehr soliden Firma zu tun.

CW: Wer ein Produkt auswählt, entscheidet sich damit allerdings auch für einen Anbieter. Welchen Einfluß haben dessen Bilanzen und letztlich auch die Aktienkurse auf die Investitionsentscheidungen der Kunden?

Hochkoeppler: Ich denke, dieser Einfluß wird überschätzt. Oracle war bis vor wenigen Jahren ein Geheimtip. Sehr bald setzte jedoch der sogenannte Schneeballeffekt ein, hervorgerufen durch eine Art Nachahmungstrieb, den es im Informationstechnik-Geschäft gibt. Es ist sehr, sehr erstaunlich, wie konventionell die ganze Sache mit der Zeit wird. IBM, DEC oder auch ein Softwarehersteller verdanken ihren Erfolg der Tatsache, daß ein Anwenderunternehmen einfach dasselbe tut wie ein anderes in ähnlicher Situation. Dieser Schneeballeffekt wurde sicher nicht dadurch ausgelöst, daß die Oracle-Aktien gestiegen wären - zumal das Unternehmen noch gar nicht lange an der Börse gehandelt wird. Vielmehr gibt es bei der Einführung eines innovativen Produktes zunächst einmal ein paar mutige Pioniere, die es in ihre Firma hineinholen, und darauf folgt dann der Imitationseffekt.

CW: Die Analysten Merrill Lynch, Pierce, Fenner und Smith sprechen bei ihrer Einschätzung des Unternehmens Oracle von Software-Bugs und mangelhafter Kundenunterstützung. Inwiefern entsprechen diese Vorwürfe den Tatsachen?

Hochkoeppler: Es ist eine altbekannte Tatsache, daß nun einmal jede Software Fehler enthält. Man sagt, daß in jeder MVS-Version 1000 Bugs stecken und bei jeder neuen Version zwar der Großteil dieser Fehler beseitigt wird, dafür aber 1000 neue hinzukommen.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, Software so auszutesten, daß sie fehlerfrei ist. Unserer Erfahrung nach bietet Oracle eine recht gute Qualität an. Ich spreche jetzt von der bei uns in Produktion befindlichen Version 5 des Datenbanksystems.

CW: Wie sieht das mit der Version 6 aus?

Hochkoeppler: Davon gibt es noch keine Produktionsversion. Wie Sie wissen, hat die Version 6 eine Verzögerung bei der Auslieferung erfahren. Wahrscheinlich wurden im Betatest Probleme eruiert, die beseitigt werden sollen, bevor man diese Version kommerziell freigibt.

CW: Und was kennen Sie über den Oracle-Service sagen?

Hochkoeppler: Aufgrund seines schnellen Wachstums hat Oracle sicher Probleme, genügend qualifizierte Leute in seinen Stab aufzunehmen, auszubilden und den Kunden zur Verfügung zu stellen.

Es ist nicht möglich, einen Oracle-Spezialisten in ein paar Monaten aus dem Boden zu stampfen - auch wenn er noch so hohe Auszeichnungen von seiten der Hochschule aufzuweisen hat.

Wir haben jedoch festgestellt, daß Probleme, die lokal nicht zu lösen sind, sehr rasch an die Europa-Zentrale in London oder auch in die USA weitergegeben werden.