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21.04.1989 - 

Integrierte Lösung verzichtet auf C-Routinen:

Der Einsatz von SQL erhöht die Portierbarkeit

Portablität und Anpassungsfähigkeit sind grundlegende Anforderungen an DV-Arbeitsweisen. Performance-Klippen lassen sich durch Überprüfung der Software auf Optimierungsmöglichkeiten im Rahmen von 4GLs und DBMS umschiffen. Wie Unix sich in der Praxis bewährt, beobachtete Dieter Bülow.*

Der Einsatz von Unix verspricht dem Anwender, von Hardwareherstellern unabhängig zu werden - zumindest, was die Möglichkeit zum Wechsel im Hinblick auf die Übertragbarkeit der Software betrifft. Damit kann zugleich Software in höheren Auflagen verbreitet werden. Das verringert nicht nur die Kosten, sondern setzt außerdem Potentiale für eine größere Vielfalt frei, wie man sie aus dem gleichen Grund in der Welt der Kleinst-DV unter MS-DOS bereits zu Genüge kennt.

Das Programmieren mit den Mitteln der Datenbanksysteme erlaubt außerdem - und das ist ein entscheidender Faktor - , auf der Grundlage von Standards maßgeschneiderte Individualsoftware zu vergleichsweise geringen Kosten und in kurzen Fristen anzubieten.

Kaufmännische DV und CIM auf derselben Basis

Diese Gesichtspunkte werden bei einer Anwendung deutlich, die von dem Textilunternehmen Andreas Weber Moden in Saarbrücken initiiert wurde und der Branche heute als Softwareprodukt zur Verfügung steht. Ein weiterer, aktueller Aspekt kommt hinzu: Auch für den Aufbau eines Computer Integrated Manufacturing sehen die Praktiker dort das Gespann Unix und Datenbank als Grundlage an.

Derzeit ist ein Production Planning System mit folgenden Komponenten integriert: Zunächst gibt es eine Fertigungssteuerung, das heißt im wesentlichen Arbeitsvorbereitung, also Planung, wann welche Aufträge auszuführen sind und welche Modelle in Produktion gehen sowie die Erstellung von Fertigungsaufträgen. Ein weiterer, bereits implementierter Teil ist die Fertigungsfortschrittskontrolle. Eine umfassende Betriebsdatenerfassung bis hin zur Maschinensteuerung ist in der Entwicklung. Das Ganze steht vor dem Hintergrund einer kaufmännischen DV-Integration aller Vorgänge von der Auftragserfassung bis zur Rechnung.

Das Unternehmen entwickelte seine Software auf einem Fortune-System. Man begann die Produktion mit NCR-Systemen und ist jetzt aus Kapazitätsgründen zu Motorola-Rechnern übergegangen. Die bemerkenswerte Tatsache, daß der Lieferant von Unix-fähigen Mikroprozessoren inzwischen selbst komplette Rechnerfamilien vermarktet, ist in Anwenderkreisen bis jetzt noch recht wenig bekannt.

Bei keinem dieser Hardwarewechsel gab es Probleme mit der Portabilität. Nun könnte man argumentieren,

es handele sich ja auch immer um Motorola-Prozessoren, wenngleich verschiedener Leistungsklassen. Dieser Einwand ist jedoch nicht sehr treffend, weil ohnehin die Mehrzahl aller Unix-Rechner in der Welt mit 68000-Prozessoren arbeitet, und andererseits jedes darauf aufbauende System seiner eigenen Unix-Portierung bedarf. Zudem hat Weber Moden bei Softwarekunden seine Branchenpakete auch auf Rechner übertragen, die nicht auf Motorola-Prozessoren fußen, zum Beispiel auf Systeme von Unisys. Die Software läuft sogar ohne Anpassung unter Xenix. Weber Moden arbeitet mit Informix. Programmiert wird grundsätzlich in einer 4GL (Fourth Generation Language) beziehungsweise mit SQL (Structured Query Language) als Abfragesprache. Man verzichtet konsequent auf sogenannte systemnahe Programme, also zum Beispiel auf CRoutinen.

Was die Antwortzeiten betrifft, so sind neue Maßstäbe entsprechend den neuen Möglichkeiten der Datenbank anzulegen. Bei Routinearbeiten wie der Datenerfassung sind Sekunden viel Zeit. Für eine Tiefeninformation, die ungewohnte Pfade verfolgt, kann, bei entsprechender Relevanz der Fragestellung, ein Mehrfaches einer Minute ohne weiteres akzeptabel sein. Bei Erfassungsarbeiten sollen die Antwortzeiten unter einer Sekunde liegen.

Standardtransaktionen sind zum Beispiel Aufrufe von Aufträgen nach verschiedenen Ausgangskriterien - entweder nach Kunden- oder nach Auftragsnummer oder nach Kundennamen. Hier sollten - von den erwähnten Tiefeninformationen, die oft auf umfangreiche Statistiken hinauslaufen, abgesehen - die Antwortzeiten gewöhnlich bis zu einer Sekunde, auf weniger benutzten Pfaden nicht mehr als 2 bis 2,5 Sekunden betragen.

Um eine Vorstellung von der Größenordnung zu geben: Die Datenbank enthält rund 7000 Kunden, über 10 000 Artikel, rund 1500 Modelle und rund 1000 Zutaten (Material). Das führte in der Anwendungshistorie zu Konsequenzen in der Hardwareausstattung: Nachdem man über die Leistungsgrenzen der NCR-Maschinen bereits hinausgewachsen war, stieß man auch bei der Motorola-Maschine mit dem 68020Prozessor an die Grenzen akzeptabler Antwortzeiten.

Der interessante Aspekt: Der Wechsel zu einem Modell auf Basis 68030 bedeutete lediglich den Austausch einer Platine. Ebenso hatte man vor Jahresende einen Prozessor 68030 mit 33 statt 25 MHz im Test: Karte raus - Karte rein. Noch nicht klar ist, ob auch 68040 und/oder die neue RISC-Prozessorfamilie 88000 nach derselben Methode aufgerüstet werden können. Das bequeme Upgrading ist ein Beispiel für den Nutzen der Standardisierung: Die Rechner beruhen auf dem VMEbus, und da geht das eben so.

Das Unternehmen setzt derzeit zwei untereinander durch Ethernet verbundene Systeme Motorola 8650 (Prozessor 68030) ein, von denen jedes 20 Bildschirmarbeitsplätze bedient.

Als einen Weg, das System zu" tunen" ohne zu problematischen Methoden wie der Programmierung in einer Sprache der dritten Generation zurückzugreifen (" PerformanceFreaks sollten sowieso bei Assembler bleiben", flachste jüngst ein Datenbank-Guru vor seinem Seminarpublikum), prüft Weber Moden derzeit Turbo-Informix, das die Performance um Faktor 2 bis 3 verbessern soll. Handicap: Die Dateistrukturen müßten weitgehend geändert werden, denn in der Umgehung der Unix-Vorgaben liegt ein wesentlicher Teil des optimierenden "Turbo-Effekts".

Die" Beantwortung neuer Fragestellungen", also das, was in der Vor-Datenbank-Ära neue Programme bedeutet hätte, stellt sich in der Praxis in folgenden Kategorien dar:

1. Informationspfade, die bei der Software-Erstellung bereits als Möglichkeit vorgesehen worden sind. Derartige Informationen, die zum Beispiel zu neuen, umfangreichen und betriebswirtschaftlich aussagekräftigen Statistiken führen können, greift ein autorisierter Benutzer selbst vom System ab. Dazu ist keine "Beherrschung" von SQL notwendig - Kommandos, die man gelegentlich braucht, sind trivial wie zum Beispiel größer/kleiner/gleich. Antwortzeiten: 1 Sekunde bis 5 Minuten.

2. Aufgabenstellungen, die ein tieferes SQL-Verständnis notwendig machen, werden an die DV-Abteilung delegiert. Es ist nicht die Frage, ob der Enduser das auch selbst machen könnte, sondern ob er die Zeit dafür aufwenden sollte (natürlich nicht!).

3. Weiter abweichende Aufgabenstellungen, die genaue Kenntnis der Tabellenstrukturen, Änderungen des Source-Codes beziehungsweise neue 4GL-Programmierung erfordern. Auch hier wird, eine Zeitersparnis gegenüber herkömmlicher Programmierung von mindestens 40 Prozent erreicht. Faustregel aus der Praxis: 10 Zeilen 4GL ungefähr gleich 100 Zeilen Cobol.

Effizienz beruht auf sorgfältiger Erfassung

Bei aller Euphorie, die ihre Berechtigung aus der glänzenden Effizienz der Anwendung bezieht, sieht Mit-Geschäftsführer Klaus Weber auch problematische Seiten:"Damit am einen Ende die Informationen schneller und reichlicher fließen, muß am anderen Ende mehr gearbeitet werden. Vorgänge, für die früher vielleicht ein Notizzettel genügte, müssen jetzt vorschriftsmäßig erfaßt werden."

Stellen, die sich früher beispielsweise in eine(n) Kundenkontakter(in) am Telefon, eine(n) abwickelnde(n) Sachbearbeiter(in) und eine(n) Datenerfasser(in) aufteilten, sind jetzt in einer Person vereinigt. Das bedeutet unter Umständen das "Aus" an einem solchen Arbeitsplatz für jemanden, dessen Möglichkeiten einseitig sind. Zudem werden an der Front, dem Auftragseingang und der Erfassung, zwar mehr Arbeitskräfte benötigt, im Mittelfeld der Bearbeitung, bei der routinemäßigen Aufbereitung aber radikal weniger. Weber: "Auch hier gibt es Umgruppierungsprobleme, denen nicht jeder gewachsen ist".

Das Projekt, das im Herbst 1985 gestartet wurde und seit April 1987 zu hundert Prozent in Produktion ist, wurde vom Bundesforschungsministerium gefördert. Befragt, ob ihm immer ganz wohl dabei sei, der Konkurrenz die eigenen Organisationsmittel (wenn auch nicht umsonst) zur Verfügung zu stellen, antwortet Klaus Weber gelassen: "Wir nähen auch alle auf den gleichen Maschinen. Den Erfolg eines Unternehmens machen die Leute, die solche Werkzeuge benutzen."