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07.01.2000 - 

Thema der Woche

Der elektronische Handel bestimmt die IT-Route 2000

Selten zeichneten sich die künftigen Anforderungen an die Informationstechnik deutlicher ab als zu Beginn des Jahres 2000. Unternehmen müssen ihre Anwendungen und Prozesse auf den elektronischen Handel ausrichten. Doch auf welche Technologien und Standards können sie bauen? CW-Redakteuer wagen einen Blick in die Zukunft.

Zwang zur Integration

von Stefan Überhorst, Ressort Software

Unisono klang das Klagelied der Softwarebranche im vergangenen Jahr: Der von Anwenderunternehmen aufgrund des Jahr-2000-Problems verordnete Investitionsstop führte zu einem rückläufigen Lizenzgeschäft, das oft nur durch gestiegene Serviceumsätze ausgeglichen werden konnte. In diesem Jahr soll dafür um so mehr geklotzt werden, lautet die optimistische Prognose der Hersteller. Den Experten zufolge arbeiten immerhin noch 40 bis 50 Prozent der Anwender mit Einzellösungen anstatt mit integrierten ERP-Applikationen - die Einführung von R/3 und anderen Paketen wird uns demnach weiterhin beschäftigen.

Zeit für eine Konsolidierungsphase etwa zum ERP-Feintuning nach Projektabschluß wird es in diesem Jahr allerdings nicht geben. Angesichts der zunehmend globalen Konkurrenzsituation ist die schnelle Einführung einer wettbewerbssichernden Trendtechnik gefragt. Zur Auswahl stehen die bereits 1999 vorgestellten und inzwischen mehr oder weniger ausgereiften Applikationen für Customer-Relationship- und Supply-Chain-Management sowie für Business Intelligence (Data Warehousing etc.). Auch die auf Workflow-Produkte und Dokumenten- beziehungsweise Knowledge-Management im weiteren Sinn spezialisierte Branche erhofft sich von diesem Jahr den großen Durchbruch. Die nächsten zwölf Monate werden also zeigen, auf welche zusätzliche IT-Unterstützung Anwender strategisch setzen.

Das vielfältige, meist im unmittelbaren ERP-Umfeld angesiedelten Applikationsspektrum birgt allerdings große Herausforderungen an die Anwender. Das mit der Einführung von Standardsoftware erledigt geglaubte Thema "Integration" erreicht kaum kalkulierbare Dimensionen - 30 bis 40 Prozent des IT-Budgets werden ohnehin schon für dieses Problem ausgegeben. Wen wundert es, dass die Hersteller auch hier mit einem Schlagwort schnell zur Stelle sind: "Enterprise Application Integration" heißt die Disziplin, die zum Teil auf altbekannten Middleware-Konzepten beruht, in jüngster Zeit aber ihre Ausprägung in Form von wartbaren "Adaptern" für gängige Standardprodukte findet. Wer jedoch Geschäftslogik zwischen den Systemen austauschen will, kommt auch hier nicht um aufwendige Projekte herum.

Wird das Dilemma zwischen Best-of-Breed-Ansatz und integriertem Gesamtpaket in diesem Jahr behoben? Einen wirklichen Lichtblick bietet die Extensible Markup Language (XML) als neutrales und im Vergleich zum Electronic Data Interchange (EDI) flexibleres und einfacher zu handhabendes Daten-Austauschformat. Branchengrößen wie SAP und Microsoft haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Hintergrund dieses bereitwilligen Aufspringens der Branche auf einen gemeinsamen Zug ist in erster Linie der E-Commerce. Vor allem im Hinblick auf virtuelle Marktplätze setzt er die Kommunikation unterschiedlicher IT-Systeme voraus. Doch auch hier bleibt abzuwarten, wie schnell sich die eher konservativen Wirtschaftszweige Deutschlands auf den elektronischen Handel einlassen.

Zu den Ereignissen des Jahres 2000 zählt sicher Windows 2000 und dessen Akzeptanz als Business-Betriebssystem. Unsicher dürften sich die Redmonder vor allem in der Beurteilung sein, wie viel Gefahr ihnen von der Linux-Gemeinde droht. Setzt der Open-Source-Markt seinen im vergangenen Jahr begonnenen Aufschwung fort, dürfte sich bei Microsoft einiger Ärger breit machen. Ähnliches gilt für das plattformunabhängige Lager um Java, aus dem sich die Gates-Company inzwischen weitgehend zurückgezogen hat.

Das Web wird komplizierter

von Wolfgang Terhörst, Ressort Internet

Das Internet wird mobil im Jahr 2000 - auf jeden Fall aber flexibler. Mobile Commerce (M-Commerce) hat sich schon zum Jahreswechsel als Trendbegriff etabliert. Immer mehr Nutzer wollen sich immer weniger von Rechnern den Zugangsort zum World Wide Web diktieren lassen. Alternative Geräte, seien es Handys, Bildschirmtelefone, Handhelds oder der gute alte Fernseher, stehen bei der jungen Online-Gemeinde hoch im Kurs und werden in den nächsten Jahren einen Boom erleben.

Flexibler Zugang bedeutet im Umkehrschluss flexible Inhalte, weil die Zielgeräte unterschiedliche Darstellungsformen verlangen. Infolgedessen wird das Wireless Application Protocol (WAP) an Bedeutung gewinnen. Internet-Angebote werden durch die Vielfalt der Zugangsgeräte zwangsläufig komplexer, so dass spezialisierte Lösungen gefragt sind, ob nun für das Content-Management, die Erfolgskontrolle für Websites und Online-Werbung, Personalisierung, Billing oder Nutzer-Tracking. Full-Service-Anbieter wie Integra, USWeb oder Sinner und Schrader werden im Jahr 2000 ebensoviel zu tun bekommen wie Systemintegratoren. Während erstere den Online-Nachzüglern auf den mit Volldampf rollenden E-Commerce-Zug helfen, versuchen letztere die oft vernachlässigte Integration mit den vorhandenen Backend-Systemen zu realisieren.

Ein Schlagwort der letzten zwei Jahre wird auch im neuen Jahr nicht verschwinden: Portale. Allerdings werden hier neben den klassischen Zugangspforten mehr und mehr spezialisierte Angebote entstehen - für bestimmte Dienste (WAP beispielsweise), für einzelne Firmen (Informations- beziehungsweise Partnerportale) oder für ganze Branchen (Marktplätze). Diese Portale sind im Gegensatz zu den klassischen meist vertikal ausgerichtet. Hier wird die Extensible Markup Language (XML) mit einzelnen Branchen-Subsets eine für den geschäftlichen Datenaustausch mindestens ähnlich bedeutende Rolle übernehmen wie zuvor der EDI-Standard.

Das zweite bedeutende Dreibuchstabenkürzel des nächsten Jahres neben XML lautet zweifellos ASP (Application-Service-Provider). Eine ganze Reihe neuer Player, allen voran möglicherweise die Telcos, werden sich dem Vermieten von Software via Internet verschreiben, während sich klassische Outsourcer ebenfalls den ASP-Stempel aufdrücken. Es ist zu befürchten, dass in diesem Umfeld die Situation eher unübersichtlicher als klarer wird.

Klarheit erhoffen sich die E-Commerce-Betreiber im kommenden Jahr auch auf politischer Seite - vor allem was die grenzüberschreitenden Regelungen für den Online-Handel und dessen Besteuerung betrifft. Auf EU-Ebene sind etliche Richtlinien auf dem Wege, und auch weltweit wird es im kommenden Jahr zu einer größeren Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen kommen. Am wenigsten wohl in der Frage der Besteuerung von Internet-Verkäufen - hier sind die Fronten zwischen Europa und den USA noch zu verhärtet.

Zeit zur Revision im Netzvon Peter Gruber, Ressort Communications

Jetzt ist es endlich da, das besonders von den IT-Verantwortlichen im Vorfeld so gefürchtete Jahr 2000. Die Datumsumstellung ist Schnee von gestern, der Kopf wieder frei für neue Aufgaben. Stellt sich also die Frage, was das neue Millennium in Sachen Telekommunikation und Vernetzung bereithält.

Im Bereich der Telekommunikation stehen jedenfalls einige Weichenstellungen an, die für den Anwender nicht ohne Wirkung bleiben dürften. Anhängig ist zum Beispiel die Entscheidung über ein stärker kostenorientiertes Modell für die Interconnection-Tarife. Die noch Ende 1999 vom Regulierer kurzerhand verordnete Senkung der Gebühren von durchschnittlich 2,7 auf 2,4 Pfennig ist nur provisorisch. Spätestens im Herbst sollten sich alle Beteiligten auf einen neuen Modus Vivendi verständigen. Die neuen Interconnection-Gebühren dürften für die Verbraucher zu moderaten Preissenkungen führen, denkbar ist auch, dass Bandbreite per se erschwinglicher wird. Unterstützung findet dieser Trend durch eine Vielzahl von Glasfasernetzen, die derzeit quer durch Europa gezogen werden. Die Folge: Bandbreite satt.

Spannung verspricht auch der Verkauf des Kabelnetzes der Telekom. Es wird nicht nur interessant sein, zu verfolgen, wer in den jeweiligen Regionen den Zuschlag bekommt, sondern auch, ob sich daraus neue Anwendungen generieren lassen. Als Hindernis für den Durchbruch der Kabelmodems könnte sich vorerst jedoch der fehlende Rückkanal des Fernsehkabelnetzes der Telekom erweisen.

Wesentlich konkreter und praxisnäher erscheinen hingegen zwei andere Übertragungsverfahren im Local Loop. Die Rede ist vom Richtfunk (Point-to-Multipoint) sowie Asynchronous Digital Subscriber Line (ADSL). Beide Technologien stellen attraktive, breitbandige Alternativen dar, die im Jahr 2000 den Kinderschuhen entwachsen sollten. Sie werden im Ortsnetz für eine Belebung des Wettbewerbs sorgen und so einen billigeren Internet-Zugang ermöglichen.

Noch keine unmittelbare Auswirkung für den Anwender hat Universal Mobile Telecommunications System (UMTS). Dennoch wirft der Mobilfunkstandard der Zukunft in diesem Jahr seinen Schatten voraus. Im Frühjahr werden nämlich die UMTS-Lizenzen für Deutschland versteigert. Experten rechnen mit einer großen Nachfrage, gilt UMTS doch als Lizenz zum Gelddrucken. Finanzminister Eichel wird sich freuen. Unternehmen sollten die Technologie in ihren langfristigen TK-Planungen schon berücksichtigten. Für konkrete Maßnahmen ist es aber noch zu früh. Relevanter sind dagegen im Augenblick schon das Wireless Application Protocol (WAP) zur Übertragung und Darstellung von Internet-Inhalten auf Handys sowie die GSM-Weiterentwicklungen General Packet Radio Service (GPRS) und Enhanced Data Rates for GSM Evolution (EDGE), die einen Datentransfer von 115 Kbit/s beziehungsweise 384 Kbit/s erlauben und in diesem Jahr angeboten werden sollen. Ihr Handicap: Wie UMTS erfordern sie den Austausch von Endgeräten.

Langsam, aber sicher können sich Unternehmen in diesem Jahr auch schon mal mit der Integration ihrer Sprach- und Datennetze auf Basis des Internet Protocol (IP) vertraut machen. Erste Produkte sind mittlerweile verfügbar. Für Installationen in großem Stil ist die Zeit jedoch noch nicht reif. Allerdings spricht nichts dagegen, das Jahr 2000 für erste Pilotanwendungen zu nutzen.

Endgültig keine Zukunftsmusik mehr sollte ab März das NetzBetriebssystem Windows 2000 samt seinem Verzeichnisdienst Active Directory sein. Die Einführung dürfte aus Sicht der Netzwerker mit Sicherheit eines der Highlights des Jahres darstellen, tritt doch Microsoft damit nicht nur gegen den Platzhirsch Novell mit seinen Novell Directory Services an, sondern auch gegen das eigene bisherige Domain-Modell von Windows NT. Dem Marktführer Novell wiederum droht nicht nur durch Bill Gates, sondern auch durch die Meta- Directories Gefahr. Diese Überverzeichnisse könnten insbesondere durch den Trend zum E-Commerce und E-Business einen ungeahnten Boom erleben, weil sie am besten in der Lage sind, die komplexen und weitreichenden Geschäftsprozesse abzubilden.

Der Trend zum Online-Business drückt auch dem System-Management seinen Stempel auf. Die Reichweite der angebotenen Lösungen kann nicht mehr an den Unternehmensgrenzen enden. Viel mehr müssen die Tools künftig auch die IT-Infrastruktur externer Handelspartner abbilden, sofern sie Teil der für den elektronischen Handel definierten Prozesskette sind. Erste Lösungen in Form von Agenten, die als Java-Applets auf externen Rechnern residieren, gibt es bereits.

Wenig Neues tut sich hingegen im LAN. Dort hat sich Ethernet in all seinen Schattierungen eingenistet. Fast Ethernet ist mittlerweile die Norm, Gigabit Ethernet im Kommen, und mit 10-Gigabit-Ethernet zeichnet sich bereits eine weitere Steigerung ab. Ganz anders sieht es bei Token Ring aus, der nun definitiv out ist. Stark im Kommen sind dagegen funkbasierte Übertragungsverfahren wie zum Beispiel Hyperlan von Lucent. Der Grund dafür liegt in den wesentlich höheren Transferraten (11 Mbit/s) und einer zunehmenden Akzeptanz der Anwender für mobile Techniken.

Insgesamt steht im ominösen Jahr 2000 also eine Reihe von Neuerungen an. Allerdings sind sie nicht von solcher Tragweite, dass sie zum sofortigen Umkrempeln der Netze zwingen. Vielmehr bietet sich Administratoren vielleicht die Gelegenheit, in Ruhe und ohne Jahr-2000-Stress eine Revision ihrer Netzwerke vorzunehmen und schon heute die Weichen für 2001 zu stellen.

Die Cappucino-Worker kommenvon Hans Königes, Ressort Job & Karriere

Das neue Jahr hat erst gerade begonnen. Aber die ersten Begriffe, die die Arbeitswelt in der Informationsgesellschaft charakterisieren, sind bereits da. So spricht Christian Scholz, Professor an der Universität Saarbrücken, von Darwiportunismus, wenn er das neue Szenario im Berufsleben beschreibt. Die Generation Y, also die erste, die mit dem PC aufgewachsen ist und die es "voll mit der virtuellen Hightech-Welt zu tun bekommt", trifft auf Unternehmen, die "durch das Feuer des globalen Wettbewerbs und des Reengineerings" gehen.

Die Y-Generation ist laut einer Charakterisierung aus den USA "optimistisch, multikulturell, risikobereit, experimentierfreudig, erlebnishungrig, hochinformiert und will per Eigenerfahrung und nicht über traditionelle Wege lernen". Sie scheint aber vor allem eins zu sein: opportunistisch, denn, so der Professor: "Immer steht ganz klar der persönliche Vorteil im Mittelpunkt." Solche Mitarbeiter verfolgten nicht die Ziele ihres Arbeitgebers, sondern nur die eigenen.

Diese Beschäftigten treffen auf Unternehmen, die immer weniger bereit sind, ihren Mitarbeitern soziale Zugeständnisse zu machen. Getreu dem darwinistischen Motto vom "survival of the fittest" werden die Schwachen aussortiert, dem "Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt" oder in Frührente geschickt. Scholz'' harte Schlußfolgerung: Überleben wird nur der, der etwas hat, was er besser als andere kann und wofür ein Markt vorhanden ist. "Wer plötzlich ohne Kernkompetenz dasteht, wird aussortiert", so der Saarbrücker Wissenschaftler.

Eine Konsequenz der Entwicklung, wie wir sie bereits heute gelegentlich erleben, ist, dass der Mitarbeiter seinen Arbeitgeber dann verlässt, wenn es Letzterem am wenigsten passt - nämlich mitten im Projekt.

Die Bindungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden loser. Das bedeutet, dass es immer mehr Cappuccino- und Portfolio-Worker gibt. Max Zuberbühler, Professor an der Schweizer Fachhochschule Solothurn, meint mit Cappuccino-Beschäftigten solche, die einen festen Arbeitgeber haben, aber nebenbei auf weiteren "Baustellen" tätig sind und ihr Know-how auch anderen Betrieben zur Verfügung stellen. Damit vermindert sich die Abhängigkeit vom festen Arbeitsplatz. Als Portfolio-Beschäftigter bezeichnet der Professor Personen, die "in virtuellen Unternehmen zeitlich befristete Aufträge" übernehmen. Sie kennen keine feste Anstellung, sondern nur das Auftragsverhältnis, verhalten sich im Prinzip also wie die Freiberufler von heute.

Sicher scheint nur, dass sich der Arbeitsmarkt radikal ändern wird. Einer immer kleiner werdenden Stammbelegschaft werden Mitarbeiter in flexiblen Arbeitsverhältnissen gegenüberstehen. Aus fixen Unternehmensorganisationen werden ablauforientierte Projektstrukturen, und der einzelne Mitarbeiter muss danach trachten, seine Kernkompetenzen zu erhalten und auszubauen.

Das Ende der PC-Ära lässt auf sich warten

von Wolfgang Herrmann, Ressort Hardware

Als IBM-Chef Louis Gerstner im Februar 1999 einmal mehr das Ende der PC-Ära beschwor, erntete er vielerorts nur ein müdes Lächeln. In der "neuen Ökonomie", so der Chef des weltgrößten Computerunternehmens, würden die hergebrachten Rechner allmählich durch sogenannte Appliances ersetzt. Deren Zweck bestehe einzig darin, Anwendern den Zugang zum weltumspannenden Netz zu verschaffen. Auf Druck seiner eigenen PC-Sparte beschwichtigte der CEO zwar später: Er habe nicht gemeint, die PCs würden verschwinden. Sie stellten künftig aber nur eines von vielen Geräten dar.

Für diese These lassen sich schon jetzt Belege finden. Das Jahr 2000 könnte zum Testfeld für neue Geräteklassen werden - vom Internet-fähigen Handy bis hin zum Multimedia-tauglichen Handheld-Rechner. Selbst Microsoft, einer der größten Nutznießer des tradierten PC-Modells, kann sich dieser Entwicklung nicht verschließen. Im November 1999 kündigte Bill Gates den "Web Companion" an, im wesentlichen ein Internet-Terminal unter dem Betriebssystem Windows CE (jetzt: "Windows-powered").

Setzen sich die neuen Devices durch, bedeutet das auch einen Schub in Richtung eines Server-zentrischen IT-Modells mit entsprechend steigenden Anforderungen an die Maschinen im Backend. Die Server-Hersteller dürften davon profitieren.

Für ein Ende der PC-Ära gibt es jedoch noch kaum konkrete Hinweise. Die roten Zahlen von IBM oder Compaq im PC-Segment zeugen von härteren Wettbewerbsbedingungen, die zum großen Teil auf den Internet-gestützten Vertrieb von Konkurrenten wie Dell oder Gateway zurückzuführen sind, nicht aber auf eine sinkende Nachfrage.

Die großen Hersteller reagieren dennoch mit einer Produktoffensive auf das vermeintliche Ende des PC-Booms. Eines der scheinbar neuen Konzepte heißt Internet-PC. Compaq ("Ipaq"), Hewlett-Packard ("E-PC") oder Dell ("Web-PC") wollen solche Rechner im Markt etablieren. Ebenso wie die Protagonisten der Appliances führen die Marketiers die angeblich einfachere Bedienung als Verkaufsargument ins Feld. Mit dem Verzicht auf PC-typische Altlasten ("Legacy-free PC") gaukeln die Anbieter eine neue Geräteklasse vor. Auch Intel-Konkurrent AMD geht im Jahr 2000 mit seinem "Easy-Now"-PC auf Werbetour. Der Rechner kommt ohne Diskettenlaufwerke und serielle oder parallele Schnittstellen aus.

Die Initiativen für Rechner, die hinsichtlich der Funktionen sowie der Ein- und Ausgabemöglichkeiten unterschiedliches Benutzerverhalten berücksichtigen, sind überfällig. Auch die am Körper tragbaren Wearable PCs (siehe Seite 23) zeigen in diese Richtung. Trotz dieser Bemühungen steht zu befürchten, dass der wirklich einfach bedienbare PC auch im neuen Jahr ein nicht eingelöstes Versprechen bleibt.

Die Hersteller drehen statt dessen weiter an der Leistungsschraube: Im Jahr 2000 werfen AMD und Intel voraussichtlich erstmals x86-Prozessoren mit mehr als 1000 Megahertz Taktfrequenz auf den Markt. Intels IA-64-CPUs, ebenfalls für das neue Jahr angekündigt, werden zwar innerhalb der nächsten zwölf Monate kommerziell noch keine Rolle spielen. Sie versprechen aber zumindest mittelfristig einen weiteren Leistungsschub. Für die PC-Anbieter ist deshalb auch im neuen Millennium die richtige Kommunikationsstrategie unverzichtbar: Sie müssen erklären, was Anwender mit so viel Performance anfangen sollen.