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11.10.1991

"Der Erfolg von Digital ist in unserem Interesse"

Mit Steven J. Hamerslag, Präsident und CEO des kalifornischen DEC-Storage-Anbieters Micro Technology Inc. (MTI, Anaheim), sprach CW-Redakteur Heinrich Seeger.

Digital Equipment überzieht seit einiger Zeit die Drittanbieter von kompatiblen Speicherprodukten mit Klagen wegen Patentverletzungen. Im Mittelpunkt stehen die Technologien SDI und STI zur Verknüpfung von Platten und Bandspeichern. Die meisten Third-parties haben schon gekuscht und dem Welt-Hardwarezweiten versprochen, in einem "Phase-out-Programm " das Geschäft mit den einschlägigen Produkten bis Ende 1992 aufzugeben. Noch nicht in die Knie gegangen ist neben der Emulex Corp. Iediglich MTI; das Unternehmen schlug jüngst sogar mit einer Antitrust-Klage zurück. (siehe CW Nr. 34 vom 23. August 1991, Seite 6, und Nr. 35 vom 30. August 1991, Seite 7).

CW: Wie beurteilen Sie Ihre Aussichten im, Patentstreit mit Digital Equipment?

Hamerslag: Wir sind, glaube ich, in einer sehr aussichtsreichen Position, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Der Vorwurf, wir hätten DECs geistiges Eigentum gestohlen, amüsiert mich. Man muß sich vor Augen führen, daß wir die fraglichen Technologien herausgebracht haben, bevor Digital uns verklagt hat. Wir konnten vorher nichts von einem Anspruch auf sogenanntes geistiges Eigentum wissen.

CW: Basieren ihre SDI/STI-Produkte auf ihrer eigenen Technologie oder auf der von Digital?

Hamerslag: Auf unserer eigenen Technologie, die kompatibel zur Basistechnik von Digital ist. Daß unsere Produkte DEC kompatibel sind, heißt nicht, daß sie auf die gleiche Weise entwickelt wurden. Wir haben nur herausgefunden, was funktioniert und was nicht.

CW: Auf welche Weise genau ist MTI an die technischen Informationen und Spezifikationen herangekommen, die für die Entwicklung und Herstellung der SDI/STI-Produkte erforderlich waren?

Hamerslag: Man schließt verschiedene Test-Peripheriegeräte an ein DEC-System an und schaut dann, was sich bei einem bestimmten Kommando tut. Nach einigen Wiederholungen kommt man dahinter, was die Kommandos bewirken und entwickelt eine Spezifikation. Diese Spezifikation. Diese Spezifikation wird an eine andere Gruppe von Entwicklern weitergegeben. Kopiert wird dabei nichts. Ganz klar: Wir verletzen keine geistigen Eigentumsrechte dem wir herausfinden, was ein Produkt leistet und leisten muß, es dann aber auf eine völlig andere Weise implementieren.

CW: Was ist überhaupt geistiges Eigentum? Diese Frage wird doch vermutlich auch das Gericht beschäftigen. Bezieht sich der Begriff auf die Entwicklungsarbeiten an einem Produkt oder bereits auf die Idee für ein solches? Wenn letzteres der Fall wäre, hätten Sie doch mit Ihren Metoo-Produkten auf jeden Fall geistiges Eigentum verletzt.

Hamerslag: Die Leute müssen verstehen, aus welchen Beweggründen DEC versucht, die Eigentumsrechte für eine proprietäre Schnittstelle abzusichern. Schaffen sie damit etwa irgendeinen Mehrwert? Die Kunden kaufen einfach ein Speicherprodukt - das ist der Wert. Verbindungstechniken wie SDI und STI sind nur Mittel zum Zweck. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Digital kauft das Bandlaufwerk TA81 von Control Data Corp. und ersetzt die Standard-Schnittstelle durch die proprietäre STI-Schnittstelle - warum?

CW: Vielleicht ist die STI-Schnittstelle schneller?

Hamerslag: Ist sie nicht. Meiner Ansicht nach sind es einzig und allein die höheren Margen, die DEC, veranlassen, so zu handeln.

CW: Haben Ihre Kunden und Ihre Verkäufer Probleme mit DEC seit die Klagen laufen?

Hamerslag: Nein, Digital bemüht sich weiterhin aktiv um Wartungsaufträge für MTI-Produkte. Die Beziehung ist auf dieser Seite stark und intakt. Auch wir haben kein Interesse an einem Streit. Keine Frage ist außerdem, daß DEC um so stärker ist, je intensiver das Unternehmen mit Third-Party-Anbietern zusammenarbeitet: Die Produktivität der Installationen erhöht sich dadurch.

CW: Ist Digital eine Open-Systems-Company?

Hamerslag: Jemand, der beredter ist als ich, hat gesagt: "Digital ist eine Open-Systems-Company, solange man alles dort kauft".

"Ich halte es für sehr widersprüchlich, wenn Digital beansprucht, der Champion der offenen Systeme zu sein."

Ich glaube, das trifft es ganz genau. DEC bietet Möglichkeiten, Peripherie anzuschließen, aber diese Möglichkeiten sind nie optimal. Ein gutes Beispiel dafür ist DECs Antwort auf die Frage, warum sie Drittanbietern nicht erlauben, steckerkompatible Peripherie für ihre Systeme anzubieten. Sie behaupten dann, genau das zu tun. Die Kunden, heißt es, könnten ja Lizenzen für den Turbochannel kaufen oder ihre Produkte an den Unibus beziehungsweise den Q-Bus anschließen. Natürlich weiß jeder, der sich mit den

Systemen ein wenig auskennt, daß das keine wirtschaftliche Alternative ist Das kommt mir vor, als würde man jemandem anbieten, von USA nach Europa mit dem Boot zu reisen. Ich halte es für sehr widersprüchlich, wenn Digital beansprucht, der Champion der offenen Systeme zu sein, und andererseits Anbieter verfolgt, die wirklich die DEC-Welt verbessern.

"DECs Zukunft liegt bei DSSI, CI und anderen netzfähigen Speichertopologien. Die Patentklage wird vielleicht länger leben als SDI und STI."

CW: Sie erwirtschaften weltweit rund 60 Prozent ihres Umsatzes mit STI/SDI-Produkten; in Deutschland sind es sogar etwa 90 Prozent. Was bleibt Ihnen, wenn Sie vor Gericht unterliegen ?

Hamerslag: Wir sind im Begriff, ein kalifornisches Unternehmen mit dem Namen SF2 zu kaufen. Es hat in den vergangenen vier Jahren die RAID-Technologie, ähnlich wie das "Iceberg-Projekt" von Storage Technology, zur Marktreife gebracht. Das SF2-Produkt ist das erste kommerzielle RAID-Produkt das direkt an Cl-Netze (Computer Interconnect, die Netztechnik in VAX-Clustern, Red.) von DEC angeschlossen werden kann; darüber hinaus integriert es nach unserer Überzeugung genügend eigenes geistiges Eigentum, um keine CI-Patente von Digital zu verletzen.

CW: Aber auch dieses Produkt ist nur für die DEC-Welt ...

Hamerslag: Gegenwärtig, in der ersten Version, ist es noch ausschließlich zur DEC-Architektur kompatibel.

CW: Zurück zu den möglichen Konsequenzen der Patentklagen ...

Hamerslag: Sollten wir nicht im SDT/STl Geschäft bleiben können: In den nächsten zwölf bis :24 Monaten wird sich auch DEC, deutlich von SDT/STI abwenden; das gleiche gilt für uns. DECs Zukunft liegt bei DSSI, CI und anderen netzfähigen Speichertopologien. Die Patentklage wird vielleicht länger leben als SDI und STI.

CW: Halten Sie denn Schritt mit Digitals neuen topologischen Entwicklungen ?

Hamerslag: Absolut. Wir haben zur zeit ein DSSI-Produkt und übernehmen, wie gesagt, ein CI-Produkt.

CW: Wie groß ist Ihr Marktanteil bei SDI und STI in Deutschland?

Hamerslag: Ich schätze, bei STI ungefähr 30 bis 40 Prozent, bei den Plattenlaufwerken (SDI, Red.) haben wir zirka fünf Prozent. Unsere größten Mitbewerber außer Digital selbst sind System Industries und Emulex. Ende 1992, nach dem Ablauf des Phase-out-Programms, werden nur noch Emulex und wir übrig sehr (System Industries bestreitet das, Anmerkung der Redaktion).

"Solange wir uns auf DECProdukte konzentrieren, liegt deren Erfolg natürlich in unserem Interesse."

Wir werden einen Jahresumsatz um die 110 Millionen Dollar in diesem Jahr erzielen, davon etwa 100 Millionen mit DEC-Peripherie; der Rest entfällt auf das Produkt Lance unserer 100-Prozent Tochter Lexcel. Diese DEC-Station- und Sparc-basierte Management-Software für heterogene Systeme ist quasi schlachterprobt; das Management für die über 2000 Netzknoten während der Operation "Desert Storm" wurde damit geleistet.

CW: Wird Ihr neues Connectivity-Produkt Ciqba zur Einbindung von Micro- VAXen sowie 3000er und 4000er VAXen in Cluster-Umgebungen in der Lage sein, eventuelle Umsatzverluste mit SDI/STI auszugleichen?

Hamerslag: Wir haben nicht vor, irgendetwas zu verlieren. Dennoch: Wir verfügen über eine Menge anderer Produkte, Ciqba ist nur das aktuellste Beispiel. Unsere Akquisition von SF2 - die im Oktober abgeschlossen sein soll - bringt uns in den Markt für fehlertolerante Speichersysteme; hinzu kommen Produkte wie DSSI. Der Anteil, der sich nicht auf SDI/ STI bezieht, wird nach unseren Erwartungen noch zunehmen.

CW: Ist es Ihrer Meinung nach eine ,gute Strategie für einen Third-Party-Anbieter, sich von einem einzigen Hersteller abhängig zu machen?

Hamerslag: Nein, und wir machen das auch nicht. Die Architektur unserer heute noch DEC-zentrierten Speichersysteme ermöglicht die Einbindung in eine offenere Umgebung - anfänglich NFS, später dann Netware und OSI.

CW: Es erscheint paradox: Sie legen ein umfassendes Bekenntnis zu offenen Systemen ab, aber unterstützen Digital als einen Anbieter proprietärer Systeme.

Hamerslag: Der Erfolg von Digital ist in unserem Interesse, solange wir uns auf DFEC-Produkte konzentrieren. Aber wir müssen uns in Richtung offener Systeme bewegen, weil die gesamte DV-Welt dorthin geht und unsere Kunden es von uns erwarten.

CW: Sie sind doch davon abhängig, daß DEC sich zuerst bewegt...

Hamerslag: Nein, unsere Produkte werden zunehmend unabhängig von Digital; irgendwann werden überhaupt keine DEC-Produkte mehr in unserer Umgebung vorhanden sein müssen. Unsere Speicher- Management für offene, heterogene Umgebungen zu liefern.

CW: Wie verläuft ihre Antitrust-Klage gegen Digital?

Hamerslag: Wir sind in einer exzellenten Position. DEC macht den Fehler, Dinge zu sagen und zu tun, die ein Unternehmen mit einem so bedeutenden Marktanteil vielleicht besser vermeiden sollte. Beispielsweise sagen sie: "Lieber Kunde, wenn du bei MTI kaufst, wird die nächste VMS-Version nicht mehr kompatibel sein zu deinem Equipment."

CW: Haben Sie verbürgte Hinweise, daß DEC so etwas wirklich gesagt hat?

Hamerslag: Ja, wir haben viele Beispiele für Situationen, in denen Digital versucht hat, durch überlegene Präsenz den Wettbewerb schlicht zu untergraben; das läuft darauf hinaus, die Wahlfreiheit der Kunden zu beschränken. Dagegen kämpfen wir.