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IDC-Studie: OS2 kämpft gegen Anwender

Der Erfolg von Windows bringt Microsoft in eine Zwickmühle

26.10.1990

KRONBERG (CW) - Das Marktforschungs-Institut IDC Deutschland GmbH in Kronberg schätzt, daß Windows 3.0 das als DOS-Nachfolger apostrophierte OS/2 in den Schwitzkasten nehmen wird. Karge Zeiten - O-Ton IDC - prognostizieren die Analysten deshalb zumindest für die nahe Zukunft dem von IBM favorisierten Betriebsystem.

In einer Studie begründet das Institut seine Prognose damit, daß erstmalig Innovationsgeist und Nützlichkeit Ó la Macintosh auch in der DOS-Welt Einzug gehalten hätten. Deshalb erwartet das Institut von Windows 3.0 große Auswirkungen auf den Markt. Gründe hierfür sehen die Forscher in der Anlage des Produktes: Es handle sich bei der DOS-Oberfläche nicht um ein einfaches Upgrade, sondern vielmehr um eine nahezu vollständige Neuimplementation. Deshalb glauben die Kronberger auch, daß Windows 3.0 die Arbeitsweise an PCs radikal verändern werde.

Die Marktforscher betonen, man solle bei der Beurteilung von Windows 3.0 seine Aufmerksamkeit nicht so sehr auf das Produkt selbst, sondern auf bereits am 22. Mai 1990 gemeinsam mit der grafischen DOS-Erweiterung ausgelieferte Anwendungen und die seitdem reihenweise folgenden neuen Applikationen richten. Nicht nur hätte die bislang präsentierte Software am Markt ausgezeichnete Beurteilungen erlebt. Vielmehr vergehe mittlerweile kaum mehr ein Tag, an dem nicht neue Windows-Anwendungen angekündigt würden. Die Marktakzeptanz von OS/2 ist dagegen bis heute gerade wegen des Mangels an Anwendungen praktisch nicht gegeben.

Die Marktforscher vermerken deshalb auch, daß der Zuspruch von Anwendungsentwicklern gegenüber Windows 3.0 dem von OS/2 mit dessen Benutzerschnittstelle Presentation Manager "diametral entgegenlaufe". Darüber hinaus verhallte ein Ratschlag von Microsoft an die Entwickler ungehört: Das Gates-Unternehmen hatte sich gewünscht, daß alle Anwendungsprogramme, bei denen größere Veränderungen geplant seien, auch im Hinblick auf künftige Entwicklungen für OS/2 zu modifizieren seien. Nach Meinung der IDC-Analysten scheinen aber viele Softwarehersteller OS/2 für überfrachtet zu halten. Sie würden sich lieber auf die durch Windows 3.0 eröffneten neuen Chancen konzentrieren.

In der Studie gehen die Marktforscher auch auf den Rechtsstreit zwischen Microsoft und Apple ein: Sie glauben, daß der DOS-Oberfläche nicht wirklich die Gefahr droht, vom Markt genommen werden zu müssen, sollte William H. Gates III im Lizenzstreit als quasi Apple-Cloner unterliegen. Für Apple sei im Falle des Obsiegens vor Gericht nicht nur finanziell mehr zu gewinnen, wenn man als Lizenzgeber fungiere, vielmehr könnten die Macintosh-Entwickler auf diesem Umweg auch einen größeren Einfluß auf die gesamte DV-Landschaft nehmen.

IDC folgert aus den genannten Gründen recht drastisch: "Mit den Chancen für OS/2 steht es also nicht zum Besten". Auch IBMs Vorstoß mit der noch nicht präsentierten abgespeckten OS/2-Version - "OS/2 Lite" - werde daran kaum etwas ändern. Vielmehr hat man im Taunus sogar herausgefunden. daß 21 Prozent der potentiellen Windows-Käufer sich eigens für die DOS-Erweiterung einen neuen PC anschaffen wollen.

Der rasanten Marktdurchdringung von Windows 3.0 helfe zudem, daß Apple sich momentan in einer der periodisch wiederkehrenden Tiefphasen befände. Für die Kalifornier sei kleine neue Nische - wie ehedem DTP - in Sicht, und die Anstrengungen auf dem Multimedia-Sektor würden bislang auch nicht von Erfolgen gekrönt.

Den Marktchancen von Windows komme auch entgegen, daß die OS/2-Akzeptanz nach wie vor relativ niedrig sei, und die 32-Bit-Version 2.0 des Multitasking-Betriebssystems wieder einmal auf das kommende Jahr verschoben wurde.

Vor allem aber sei die 35 millionenfache DOS-Gemeinde für neue Softwarewerkzeuge reif. Ironischerweise haben anscheinend gerade die OS/2-Vertriebsleute mit ihrer Werbung für grafische Benutzerschnittstellen in Unternehmen dafür gesorgt, die Bereitschaft zur Ausrüstung mit der Windows-Oberfläche zu erhöhen - OS/2 sät und Windows erntet. Ganz wesentlich sei aber daß "Endbenutzer die Leistung ihrer PCs in einer Art und Weise verbessern können, die vormals undenkbar war", so die IDC.

Aus der Kombination all dieser Faktoren folgern die Insider, daß bei der Einführung von Windows 3.0 eine für dieses Produkt extrem günstige Marktsituation gegeben ist.

Auch die Konkurrenz im eigenen Haus würde - zumindest kurzfristig - an dessen in "hellsten Farben funkelnder Zukunft" nichts ändern. Geringer Preis, sofortige Aufrüstung auf der Basis von DOS, die Vorteile der Fensteroberfläche und die Bereitschaft beispielsweise der bekannten Software-Entwickler wie Lotus, Wordperfect und Ashton-Tate, mit Windows-Implementationen teilweise noch vor OS/2-Versionen auf den Markt zu kommen, sprächen eindeutig für die DOS-Erweiterung. Deshalb erwartet man bei der IDC, daß die Zahl der Windows-3.0-Verkäufe in den nächsten 18 bis 30 Monaten extrem ansteigt.