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06.03.1998 - 

Allensbach warnt vor Pannen und Pleiten

Der Euro kommt, doch der Mittelstand spielt Vogel Strauß

Obwohl die Bundesregierung eine Übergangszeit für die Währungsreform einrichtet, und die meisten Behörden bei der Euro-Einführung ohnehin hinterherhinken werden, kann die Wirtschaft nicht mit einem sanften Hinübergleiten rechnen. Die Großunternehmen, die sich von der Einheitswährung eine Vereinfachung und Belebung ihres Handels erhoffen, werden ihre Zulieferer und Handelspartner entsprechend unter Druck setzen, führt Demoskop Rüdiger Schulz aus. Um so erstaunlicher scheint es, daß die Unternehmen zwar mehrheitlich davon ausgehen, daß die Europäische Währungsunion pünktlich 1999 kommt, sich jedoch gut zwei Drittel (74 Prozent) der Mittelstandsfirmen nicht konkret mit der Umstellung befaßt haben. 37 Prozent haben "erste Überlegungen" angestellt, für 32 Prozent ist es selbst dafür "noch zu früh".

Selbst auf kleine Firmen, die keinen Außenhandel betreiben, und deren DV-Anlagen von überschaubarer Größe sind, kommen Änderungen zu. So muß die Umrechnung zwischen der Mark und dem Euro mit sechsstelliger Genauigkeit erfolgen. Das gilt auch für Bilanzen und Abschlüsse, die zumindest für ein Jahr in zwei Währungen aufgestellt werden müssen. Preislisten, Angebote und Barkassen haben mindestens Euro und Mark zu verwalten. Die Umstellung betrifft alle Wertbestands- und Flußgrößen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das Finanz- und Rechnungswesen, sondern auch auf Kalkulationen, das Controlling, den Vertrieb, die Logistik und das Berichtswesen.

Auch der Zahlungsverkehr muß in Euro und Mark funktionieren. Umrechnungen von einer Landeswährung in eine andere haben über den Euro zu erfolgen. Vor der Umrechnung darf der Euro-Betrag nicht weniger als drei Dezimalstellen gerundet werden. Nicht alle bisherigen Rundungsverfahren sind dafür zugelassen. Zudem müssen die Rundungsunterschiede etwa für das Finanzamt dargestellt werden.

Anbieter von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware wie die KHK Software GmbH & Co. KG werben mit Software-Updates und Wartungsverträgen, die die Anwender bei der schrittweisen Abschaffung der Mark begleiten sollen. So rechnen etwa 72 Prozent der Befragten damit, daß sie in den nächsten Jahren wegen des Euros und der Datumsumstellung Änderungen in ihrer DV vornehmen müssen, neun Prozent haben keine Ahnung und 19 Prozent glauben, daß keine Änderungen notwendig sind.

Doch neben dem Softwarekauf müssen wenigstens ebenfalls Kosten für die Umstellung, die Datenkonvertierung und das Aufrüsten der Hardware eingeplant werden. Laut Christoph Michel, Vorsitzender der KHK-Geschäftsführung, sollte ein Unternehmen, das etwa zehn Arbeitsplätze mit neuer Software ausstatten will, etwa 150 000 bis 400 000 Mark einkalkulieren. Laut Allensbach meinen 57 Prozent der Befragten, daß ihre Probleme mit einem Software-Upgrade zu lösen sind. Lediglich jedes fünfte Unternehmen rechnet mit Hardware-Umstellungen.

Doch kaum jemand hat sich offenbar ernsthafte Gedanken über die Kosten für die Euro-Umstellung gemacht. 69 Prozent der Firmen "haben keine Ahnung, was das kosten wird". Der Anteil bei den Firmen, die weniger als eine Million Mark pro Jahr umsetzen, liegt sogar bei 76 Prozent. Lediglich zehn Prozent aller Unternehmen planen einen eigenen Etat dafür ein.

"Overnewsed but underinformed" sind die meisten Unternehmen. So haben 54 Prozent den Eindruck, daß um die europäische Währung "zuviel Wind" gemacht wird, und trotzdem fühlen sich 53 Prozent nicht ausreichend informiert.

Die Befragten

Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte etwa Mitte Januar dieses Jahres 509 Entscheidungsträger mittlerer und kleinerer Unternehmen zur Euro-Einführung und zur Datumsumstellung zum Jahr 2000. Zielgruppe der Telefonumfrage waren Unternehmen, die horizontale und branchenneutrale kaufmännische Software einsetzen können und die einen Mindestumsatz von 250 000 Mark pro Jahr erzielen.

Auskunft gaben in den meisten Fällen Geschäftsführer oder Vorstandsmitglieder (48 Prozent), Unternehmer und Inhaber (32 Prozent) sowie in größeren Firmen auch Leiter des kaufmännischen Bereichs (neun Prozent) und andere Abteilungsleiter. Die Frager eruierten, welche Änderungen und Probleme die Unternehmen erwarten - insbesondere in der DV.

Euro-Fahrplan

Zwischen dem 1. Januar 1999 und dem 1. Juli 2002 liegt die Einführung der Euro-Währung. Mit Beginn des kommenden Jahres wird die Währung als Buchgeld eingeführt. Danach kann jedermann bei seiner Bank ein Eurokonto einrichten. Deshalb wird auch bald nach der Einführung des Buchgelds mit ersten Überweisungen in Euro zu rechnen sein. Einige Kassen verfügen bereits über entsprechende Formulare. Mit dem Start der Währungsunion 1999 werden die Umrechnungskurse unwiderruflich festgelegt und die Europäische Zentralbank führt ihre Geldpolitik in Euro aus. Börsengängige staatliche Anleihen werden in Euro emmittiert.

Spätestens am 1. Januar 2002 ist der Euro das gesetzliche Zahlungsmittel in allen Teilnehmerländern. Die Banknoten und Münzen werden ausgeteilt und die nationalen Zahlungsmittel eingezogen. Die Mark verschwindet von allen Preisschildern.

Spätestens am 1. Juli 2002 gilt der Euro als einziges gesetzliches Zahlungsmittel, das heißt Zahlungen können nur noch in Euro erfolgen.