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Enttäuschendes Ergebnis einer IAO-Studie über die Fabrik der Zukunft

Der Fabrik der Zukunft fehlt es noch an qualifiziertem Personal

20.07.1990

GENF (CW) - Auf die voll-automatisierte Fabrik der Zukunft wird man noch eine Zeitlang warten müssen. In einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) der UNO wird festgestellt, daß sowohl der amerikanische Ansatz von der "unbemannten Fabrik" als auch die japanische Vorgehensweise, die sich auf den "menschlichen Faktor" stützt, keinen Durchbruch erzielt haben, weil es an hochqualifiziertem Personal fehlt.

Der weltweite Umsatz beim Verkauf von CIM-Anlagen stieg von 1983 bis 1990 von 15 auf 85 Milliarden Dollar, mit einer jährlichen Zunahme von 20 bis 25 Prozent. Der Aufschwung dürfte nach den Vorhersagen der IAO im gleichen Tempo weitergehen.

Pilotprojekte und die Forschung für eine Umsetzung des CIM-Konzepts in die Praxis konzentrieren sich auf Japan und die Vereinigten Staaten sowie auf einige westeuropäische Länder. Wie in der IAO-Studie erklärt wird, sind die Vorgehensweisen jedoch unterschiedlich: Sie hängen von der spezifischen sozialen und wirtschaftlichen Situation, der Tradition in den Arbeitsbeziehungen und Ausbildungssystemen sowie vom verfügbaren Kapital ab.

In den USA soll die "unbemannte Fabrik" das Ziel vieler Betriebe sein, so die IAO-Experten. Die als "Moonshot" bezeichnete Strategie ziele darauf ab, menschliche Fertigkeiten entbehrlich werden zu lassen.

Die Befürworter dieser Vorgehensweise sehen Techniker und Arbeitnehmer in der Werkhalle allgemein als lästig und unzuverlässig. Sie ziehen vielseitig verwendbare Industrieroboter und Maschinensysteme vor, die über Netzwerke und Computer miteinander in Verbindung stehen. "Man hofft, mit dieser Methode die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt und die eingebüßte Überlegenheit zurückzugewinnen", heißt es in der Studie.

Die "Moonshot-Strategie" ist nach IAO-Berechnungen äußerst kostspielig und fragwürdig, da sie oft nicht die erwarteten Ergebnisse bringt. Überdies könne sie sich wegen eines wesentlichen Mangels als Sackgasse erweisen: "Es zeigt sich mit zunehmender Deutlichkeit, daß ein einwandfreier und ununterbrochener Betrieb flexibler Automationssysteme, wie er bei CIM im Mittelpunkt steht, nur von hochqualifizierten und motivierten Arbeitnehmern gewährleistet werden kann, die in der Lage sind, mit den verhältnismäßig häufigen Pannen derart komplizierter und technisch hochentwickelter Geräte sowie mit Softwareproblemen fertigzuwerden."

Weniger, aber höher qualifizierte Mitarbeiter

Die japanische Strategie beruht laut IAO-Analyse auf anderen Überlegungen. Sie konzentriere sich auf den "menschlichen Faktor", gestützt auf hochqualifizierte und vielseitige Arbeitskräfte. Sie sei gekennzeichnet durch stufenweise Verbesserungen in Produktionsprozeß und -qualität. Diese Methode werde durch ein kooperatives Arbeitsbeziehungssystem erleichtert. Einen ähnlichen Weg verfolgten einige europäische Fertigungsunternehmen, die verhältnismäßig kleine oder spezialisierte Märkte versorgen.

Die computerintegrierte Fertigung erfordert aus Sicht der IAO weniger, aber höher qualifizierte und besser bezahlte Arbeitskräfte. "CIM wird nur so gut sein wie die dafür verantwortlichen Fachleute", heißt es in der Studie. Allerdings weist die Untersuchung darauf hin "daß in allen Industrieländern ein akuter Mangel an technischen Fach- und Führungskräften herrscht, die fähig und qualifiziert sind, die Anwendung von CIM mit dem nötigen Geschick zu leiten".

Den Feststellungen in der Studie zufolge glänzen neue Formen der Arbeitsorganisation die auf eine Humanisierung der Arbeit abzielen, durch Abwesenheit. Die Betriebsleitung neige mit ihren oft begrenzten Kenntnissen von modernen Fertigungssystemen dazu, sich an den Status quo zu klammern, und es widerstrebe ihr, die Kontrolle an die Werkshalle abzugeben. Häufig ziehe sie für die Störungssuche und Instandhaltung technisch hochentwickelter Systeme Serviceunternehmen heran, das Betriebspersonal der Anlagen werde dabei übergangen. "Die Vernachlässigung des menschlichen Faktors, das Fehlen einer systematischen Ausbildung und Personalplanung und die Beibehaltung eingefahrener und veralteter Organisationsformen sind für die Anwendung von CIM verhängnisvoll", schlußfolgerten die Genfer.

Der Erfolg für CIM erfordere Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Unternehmensleitungen und Arbeitskräften: "Die Einführung selbst wohlgeplanter CIM-Systeme wird mit Sicherheit Spannungen verursachen, sie bietet aber auch neue Gelegenheiten, den sozialen Dialog zu verstärken und Schranken abzubauen". +

Keine klaren Vorstellungen

Trotz hochfliegender Hoffnungen und vielversprechender aber vereinzelter Fortschritte gilt die vollautomatisierte "Fabrik der Zukunft mit einer computerintegrierten Fertigung (CIM) weiterhin als Phantasiekonzept und ist weit von der Produktions-Realität entfernt.

Vom umfangreichen CIM-Sortiment wird mit Zurückhaltung Gebrauch gemacht. Und das, obwohl die Technologie als ein perfektes Werkzeug in den Händen hochqualifizierter Fachkräfte geschätzt wird, die damit das vorhandene Know-how und die bisherige Produktivität sowie Qualität verbessern und die Lieferfristen verkürzen konnten.

Mangelnde Qualifikationen sind eine Erklärung dafür, daß die Einführung dieser Spitzentechnologie scheitert. Ein weiterer Hauptgrund liegt jedoch darin, daß die Unternehmensleitungen oft nur eine unklare Vorstellung vom künftigen Bedarf an Personal und Know-how haben. Dies muß sich ändern, da sonst die Ausbildungsinstitute die Aufgabe, Mitarbeiter zu qualifizieren unmöglich bewältigen können.