Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

28.07.2000 - 

Kolumne

Der Fluch, ein Global Player sein zu wollen

Peter Gruber, Leitender Redakteur CW

Ron Sommer mutet seinen Aktionären eine Menge zu. Erst präsentierte er mittelmäßige Ergebnisse, dann rutschte der Kurs der T-Aktie unter den Ausgabewert der dritten Tranche, und jetzt setzt der Telekom-Chef mit dem Kauf des amerikanischen Mobilfunkers Voicestream für 106 Milliarden Mark noch eins drauf. Die Quittung: Die Aktie stürzte unter 50 Euro ab und hat sich damit seit dem Höchststand im März um über 50 Prozent verschlechtert.

Was soll das Volk - dank Manfred Krug ist das Telekom-Papier ja eine Volksaktie - von einem Deal dieser Größenordnung halten, wenn sogar die Experten schlucken? Auf den ersten Blick nicht viel, auf den zweiten vielleicht doch! Man kann den geplanten Kauf mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Lachend, weil die Telekom im US-Mobilfunkmarkt Fuß fasst und dabei ein Unternehmen erwirbt, das ein großes Wachstumspotenzial birgt und über ein zu T-Mobil kompatibles Netz verfügt. Der internationalen Handy-Strategie der Bonner tut das gut, holen sie damit doch gegenüber Vodafone und France Télécom auf. Weinend jedoch, weil der US-Einsteig einen horrenden Preis kostet und der deutsche Carrier jenseits des Atlantiks in Sachen Festnetz, IP-Backbone und Internet weiterhin Lücken hat.

Will die Telekom aber ihrem Anspruch gerecht werden, sich zu einem globalen TK-Vollsortimenter vor allem für Großkunden aufzuschwingen, wird sie diese weißen Flecken in Nordamerika und auch anderswo beseitigen müssen. Angesichts der Preisspirale allein im Mobilfunk stellt sich indes die Frage: Wer soll das bezahlen? Die Kasse ist auch nach der dritten Tranche der T-Aktie und dem Börsengang von T-Online nicht unerschöpflich gefüllt. Außerdem schränkt die gegenwärtige Marktkapitalisierung der Telekom den Spielraum ein.

Die Strategen in Bonn müssen sich darüber klar werden, ob sie wirklich um jeden Preis auf allen Hochzeiten tanzen möchten. Vielleicht ist die Idee von Vodafone-Chef Chris Gent doch nicht so schlecht, sich nur auf den Mobilfunk zu konzentrieren. Der Kauf von Voicestream macht jedenfalls den Eindruck von Torschlusspanik und verdeutlicht den Teufelskreis, in dem Ron Sommer steckt. Die Aktionäre und Analysten fordern eine Expansionspolitik, nur kosten darf sie nichts. Es ist ein Fluch, ein Global Player sein zu wollen.