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13.01.1995

Der Fokus wird 1995 auf dem Consumer-Markt liegen

CW: Welche technologischen und wirtschaftlichen Trends haben das vergangene Jahr gepraegt?

Cuthbertson: Viele Unternehmen haben 1994 genutzt, um ihre Geschaeftsprozesse neu zu strukturieren. Dabei setzen sie, anders als in der Vergangenheit, staerker auf die Informationstechnologie. Nehmen Sie zum Beispiel die Versicherungsbranche. Dort denkt man sehr konkret ueber den Einsatz massiv-paralleler Computer nach, um Entscheidungsprozesse zu unterstuetzen.

CW: Fuer wie wichtig erachten Sie die Anstrengungen in Sachen Information-Superhighway?

Cuthbertson: Das ist das zweite grosse Schlagwort des vergangenen Jahres. Die Leute finden es aufregend, wenn man ihnen die moegliche Struktur einer Informationsgesellschaft erklaert, die es allerdings fruehestens in zehn oder 15 Jahren geben wird. Aber fuer Unternehmen birgt diese Bewegung Gefahren, wenn sich ihre Maerkte dadurch nachhaltig veraendern und sie sich produkt- und serviceseitig nicht darauf vorbereitet haben.

CW: Gibt es europaeische IT-Unternehmen, die bereits von den Anstrengungen profitiert haben, eine Infrastruktur fuer den Data- Highway aufzubauen?

Cuthbertson: Eine ganze Reihe von Unternehmen denkt darueber nach, wie sie ihre Kernkompetenzen auf neue Art und Weise ausnutzen koennen. Davon profitieren nicht nur IT-Anbieter; diese bieten nur Teile der Loesung. Ich glaube nicht, dass DV-Hersteller die wichtigsten Starter in diesem Rennen sind, in dem es eigentlich um das Bereitstellen neuer Services geht.

CW: Gab es deshalb im vergangenen Jahr so viele Mergers und Uebernahmen von Telekommunikations- und IT-Anbietern?

Cuthbertson: Ja, 1994 haben sich die Fusionsaktivitaeten fortgesetzt. Sie zielen alle darauf ab, die Faehigkeiten zusammenzubringen, die auf den Gebieten Telekommunikation, Computer, Konsumelektronik und Medien gebraucht werden, um in dem zusammenwachsenden Markt bestehen zu koennen.

CW: Welche der groesseren Fusionen werden die Multimedia-Zukunft am staerksten beeinflussen?

Cuthbertson: Die Telefongesellschaften haben einen ueberproportional grossen Einfluss auf die Entwicklung. Deshalb duerfte der Merger von British Telecom und MCI sehr wichtig sein. Das gleiche gilt fuer den Deal zwischen Sprint, France Telecom und der Deutschen Telekom, sofern er genehmigt wird. Ich glaube, dass die Merger-Aktivitaeten im gleichen Ausmass weitergehen werden, und zwar auch unter Firmen aus unterschiedlichen Branchen.

CW: Muessen sich die europaeischen IT-Anbieter neu definieren, wenn sie ueberleben wollen?

Cuthbertson: Ja, absolut, sonst werden sie verschwinden.

CW: Was raten Sie ihnen? Sollen sie sich mit den Telefongesellschaften zusammentun?

Cuthbertson: Die meisten grossen Hersteller muessen zunaechst einmal herausfinden, was sie besser koennen als ihre Konkurrenten.

CW: SNI, Olivetti und Bull versprechen weiteren Verlustabbau und wollen 1995 zumindest operational ausgeglichene Ergebnisse vorweisen. Sehen Sie das als ermutigendes Zeichen?

Cuthbertson: Ihnen hat vor allem der konjunkturelle Aufschwung geholfen. Viele Grosskunden von IBM und Bull beispielsweise haben 1993 keine zusaetzliche Rechnerkapazitaet gekauft. Normalerweise erwirbt diese Klientel bis zu 100 Mainframe-MIPS und Hunderte GB an Plattenspeicher pro Jahr. Am Ende einer Rezession sind es zuerst die Legacy-Anwendungen, die mit zusaetzlicher Kapazitaet ausgeruestet werden, weil dort in der Regel noch die wichtigsten Geschaeftsfelder abgebildet sind. Die Nachfrage in diesem Bereich hilft den grossen Anbietern.

CW: Was wird sich 1995 auf den Gebieten Data-Highway, Re- Engineering und Allianzen tun?

Cuthbertson: Der Fokus wird 1995 auf dem Consumer-Markt liegen. In der Unternehmens-DV grosser und mittelstaendischer Firmen sowie in Behoerden schaetze ich die Wachstumsaussichten fuer die naechsten fuenf Jahre nicht so positiv ein. In Sachen Data-Highway duerften die ersten kommerziell erfolgreichen Pilotprojekte fuer Video on demand zeigen, dass man mit dem Information-Superhighway auch Geld verdienen kann.

Das Interview mit Glenn Cuthbertson, Vice-President und Research Director IT-Management der Gartner Group, fuehrte IDG-Korrespondent Marc Ferranti.