Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.06.1989

der Fragestellung keineswegs künstlich konstruiert. Es wurden bei zahlreichen Gesprächen mit betrieblichen Planern farbige Schilderungen für derartige Konflikte vorgetragen: "Die Heterogenität ist ein großes Problem bei der Schaffung von Infrastruktur.

der Fragestellung keineswegs künstlich konstruiert. Es wurden bei zahlreichen Gesprächen mit betrieblichen Planern farbige Schilderungen für derartige Konflikte vorgetragen:

"Die Heterogenität ist ein großes Problem bei der Schaffung von Infrastruktur. Und wenn die Fachabteilungen eigene organisatorische und DV-technische Kompetenzen aufbauen, wird es noch schwieriger. Ein großes Projekt ist dann kaum allen schmackhaft zu machen. Das ist wie bei einem Kindergeburtstag, wo sich alle auf einen Kuchen einigen müssen. Da will dann die eine einen Bienenstich, der andere eine Obsttorte mit Sahne. Und dann ist es für alle, auch für die, die den Kuchen backen müssen, sehr unbefriedigend, wenn man sich zum Schluß auf trockenes Gebäck einigen muß." (Leiter des Zentralen Benutzerservices in einer Konzernzentrale)

"Wir erhalten oft Anforderungen aus den Fachbereichen, die in ihrer Konsequenz zu einer Vergewaltigung des Systems führen würden. Wir können hier ja keine DV-Ausdrucke mit sieben farbigen Durchschlägen anbieten. Und mit den verwöhnten PC-Nutzern haben wir besondere Probleme. Die glauben, wir könnten die vielen Funktionalitäten, die die PC-Software mittlerweile bietet, ohne große Probleme auf den Großrechner übertragen. Da müssen wir aber dann oft passen.

Es stimmt schon: Die Restriktionen auf der Systemebene setzen sich immer weiter nach unten fort. Dabei wird das Defizit immer weiter in die nächst tiefere Stufe abgedrängt, und ganz am Ende sitzt immer ein armes Schwein." (Projektleiter für Bürokommunikation in der zentralen Org./DV eines Mittelbetriebs)

Und einer seiner Benutzer, Leiter einer Fachabteilung, dazu: Wenn ich früher ein System wollte, dann bin ich eben solange rumgelaufen, bis ich eins hatte, das alles konnte, was ich damit machen wollte. Jetzt heißt es immer, dies und das geht nicht auf dem Großrechner. Aber wir machen es trotzdem, der Hersteller wird das schon irgenwann schaffen. Warum soll ich aber auf einen Turbo-Porsche warten? Für meinen Weg zum Tante-Emma-Laden langen die Rollschuhe. Wir werden hier angekettet statt vernetzt."

In Betrieben mit eher zentralistischen Rahmenkonzepten für Infrastruktursysteme wird häufig versucht, die Entwicklung möglichst weitgehend unter Ausschluß der Fachabteilungen (sowie der Endbenutzer und Betriebsräte), also allein im "Expertenkartell" von Zentraler Org./DV und Herstellerspezialisten voranzutreiben. Das hört sich dann so an:

"Es gibt da ein Artikulationsproblem der Anwender: Sie wissen oft nicht mehr, wie sich ein Projekt im Zusammenspiel zwischen Org./DV und dem Hersteller weiterentwickelt. Wenn man realistisch ist, muß man aber sagen, daß die Meinungen der Anwender zwar interessant, aber nicht entscheidend sind. (VB eines Herstellers)

Die Notwendigkeit, bei der Schaffung von Infrastrukturen über die Integration der entwickelten Anwendungen vorzugehen, wird von den Herstellern nur zögerlich akzeptiert. Trotz ihrer Integrationspropaganda bleiben sie mit ihren technischen Angeboten noch weit hinter eleganten und anwendergerechten Lösungen zurück.

Gegenwärtig, so betriebliche Planer, tendiert eine Vernetzung um jeden Preis zum Verlust von bereits entwickelter Funktionalität an dedizierten Systemen, also zur suboptimalen Lösung. Man sei gezwungen, auf integrierten Systemen nun wieder Software-Produkte zu benutzen, die "um mindestens drei Entwicklungsstufen hinter den bereits entwickelten Standard zurückfallen".

"Die Infrastruktur führt bei den heute angebotenen Systemen nicht dazu, daß die Freiheitsgrade des Anwenders erhöht werden, ganz im Gegenteil. Da werden auf dem Großrechner Anwendungen entwickelt, die da überhaupt nichts verloren haben, und die wir auf kleineren Systemen schon viel kompletter, eleganter und komfortabler gelöst hatten. Und mit denen tut sich der Benutzer dann sehr viel schwerer. (Org./DV-Planer einer Fachabteilung in einem Großbetrieb)

Dazu ein Hersteller-VB: "Natürlich sind Spezialanwendungen immer komfortabler, aber die Netzwerkanforderungen sind doch ganz andere. Die spezielle Leistung nimmt ab, wenn solche Systeme im DV-Berreich vernetzt werden. Die fehlende Benutzerfreundlichkeit ist ein Zeitproblem. Das schaffen wir auch noch.

Großanwender stellen mehr Forderungen auf

Aber es ist was Wahres dran: Die DV-Imperialisten wundern sich immer, daß alles so langsam geht. Die Masse der Anwender ist eben noch lange nicht so anspruchslos, daß die alles frißt, schon gar nicht, wenn sie von komfortablen Systemen bereits verwöhnt ist."

Mächtige Anwender müßten die Hersteller zwingen - dies schlagen viele betriebliche Planer vor -, ihre Produkte auf dem jeweils höchstmöglichen, von einigen Herstellern bereits erreichten technischen Level zu standardisieren, bevor man der Realisierung einer bedarfsgerechten Vernetzung nähertreten könne. Eine Reihe von Großanwendern beginnt sich bereits überbetrieblich zu organisieren, um entsprechende Anforderungen an die Hersteller zu formulieren.

"Wir wissen doch, daß alles geht! Hersteller, die behaupten, irgendwas geht nicht, kommen uns nicht mehr ins Haus. Denen sagen wir: Das geht alles, haben wir selber schon gemacht. Und jetzt ist unser Hunger geweckt, wir werden uns nicht mehr mit erbärmlichen Standards abspeisen lassen. Unser Maßstab für Standards sind akzeptierte Spitzenprodukte. Wir wollen auf dem höchsten Niveau standardisieren und nicht auf dem niedrigsten, was üblich ist.

Bei uns haben Funktionalität und Effizienz des Arbeitsplatzes Priorität, die lokale Intelligenz hat Vorrang. Man muß dezentral anfangen und die Vernetzung nachziehen. Wir entwickeln hier bedarfsorientiert und nicht mit dem großen Hobel von oben herunter". (Organisator einer Fachabteilung)

Vor allem in Großbetrieben sehen sich die Hersteller sehr häufig der Kritik ausgesetzt: Man beklagt die mangelhafte Kooperation der Hersteller untereinander, die schwerfällige Reaktion der Hersteller auf Benutzeranforderungen, die inkompetente und unglaubwürdige Beratung, die zu starke Abhängigkeit von einem Hersteller und den Mangel an anwendergerechten Lösungsangeboten. (Frage 4)

Wir greifen aus dieser Beschwerdeliste nur ein Problem heraus: die mangelhafte Kooperation der Hersteller untereinander. Insbesondere in Großbetrieben wird diese Kooperation der Hersteller zur Lösung der vielfältigen Schnittstellenprobleme immer wieder gefordert. Ein einheitliches, flächendeckendes Bürosystem ist in der vielfältigen Hardware-Landschaft eines Großbetriebes ohne die Kooperation der Hersteller schwer zu realisieren. Diese Tendenz verstärkt sich noch in der Unterstichprobe Großindustrie: Hier halten beispielsweise über zwei Drittel der befragten Org./DV-Leiter die mangelhafte Kooperation der Hersteller bei der Lösung ihrer Schnittstellenprobleme für ein großes Problem.

Die Hersteller scheinen dieser Forderung großer Anwenderbetriebe aber Widerstand entgegenzusetzen:

"Angesichts des mimosenhaften Verhaltens der Herstellervertreter haben wir als Anwenderunternehmen das Problem, die zur Kommunikation zu bringen. In eine Gruppe dürfen wir sie auf gar keinen Fall bringen, am besten man arrangiert die Termine so, daß sich die verschiedenen Herstellervertreter nicht mal auf dem Gang sehen. Nur bei explizit technischen Fragestellungen ist eine Kommunikation möglich". (Leiter Organisation und Datenverarbeitung eines Großbetriebs)

Ein Herstellervertreter dazu: "Hinsichtlich übergeordneter Standards ist eine Zusammenarbeit mit anderen Herstellern in weltweiten Arbeitskreisen nötig, aber nicht individuell bei einem Kunden. Das geht uns beim Kunden nichts an. Die müssen ihre Probleme mit ihrem Hardware-Zoo selber lösen".

Ziel der gemeinsamen Anstrengungen von Anwendern und Herstellern müßte die Entwicklung einer bedarfsgerechten Infrastruktur sein.

Fachabteilungen müssen fündig werden

Solange die Hersteller in den Betrieben in dem Maße wie bisher einerseits die Entwicklung von Infrastruktursystemen forcieren und andererseits, und davon unabhängig, die Anwendungssysteme vorantreiben, kann es nicht zu einer organischen, bedarfsgerechten Infrastruktur kommen. Letztere kann nur aus einem koordinierenden Aushandlungsprozeß zwischen den Fachabteilungen mit ihren entwickelten Anwendungssystemen erwachsen und darf sich nicht vorschnell auf die unterschiedlichen, bisher teilweise noch unzulänglichen Strategie- und Produktangebote der Hersteller von Infrastruktursystemen festlegen. Sonst wird eine suboptimale Infrastruktur entwickelt, die dem Bedarf der Fachabteilungen nicht entspricht, nicht angenommen wird, oder aber zur Entwicklung einer Vielzahl von intransparenten, unkontrollierbaren Anwendungen führt.

Zur Entwicklung einer bedarfsgerechten Infrastruktur wäre eine verstärkte Zusammenarbeit der jeweils in einem Betrieb beteiligten Hersteller nötig. Dies geschieht bisher selten, da jeder Hersteller sein Marktsegment verteidigt und mittels Inkompatibilität gegen die Konkurrenz abschottet. Große Anwender gehen jedoch immer häufiger dazu über, die Zusammenarbeit der beteiligten Hersteller zur Entwicklung einer bedarfsgerechten und kompatiblen Infrastruktur zu erzwingen. Sollte den Herstellern nicht gelingen, den Weg zur bedarfsgerechten Infrastruktur über die entwickelten Anwendungen zu gehen, dann wird das Interesse am Thema "Bürokommunikation" weiterhin abnehmen.

Der Sprung von der vermeintlich sinkenden Eisscholle "Bürokommunikation" zum neuen Ufer CIM wird ebenfalls und aus den gleichen Gründen im kalten Wasser enden, wenn es nicht gelingt, beim Anwender einen Aushandlungsprozeß zur Integration konkreter Anwendungen zu etablieren.