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18.03.1977 - 

EDV-Verfahren in der öffentlichen Verwaltung

"Der genaue Überblick fehlt"

Es gibt sie nicht mehr, die erledigen kann. Ob Bundesbehörde, Landesverwaltung oder Kommune: längst ist ein dichtes Netz von Rechenzentren für die Arbeit der öffentlichen Hand über Deutschland ausgebreitet. Und rasch wird es dichter geknüpft. Immer mehr Bereiche unseres Vorsorge- und Dienstleistungsstaates wären ohne den Computer überhaupt nicht mehr denkbar. Jeder merkt es auf Schritt und Tritt: an Steuerbescheiden, Wassergeldrechnungen und Wahlbenachrichtigungen. Erst jüngst hat es Bundeskanzler Schmidt ins Gedächtnis gerufen: durch seinen Appell an die Bürger, ihn bei seinem Feldzug gegen das "Unleserliche" auf Computeroutputs zu unterstützen (CW-Nr. 10 vom 4. 3. 77: "Gesetz gegen EDV-Chinesisch").

Die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung sind überaus vielfältig. Ganz wahllos seien nur einige genannt: Einwohnerwesen (von der Geburt bis zum Tod), Verwaltung der Finanzen (von der langjährigen Vorausplanung bis zur Verbuchung jedes Einzelpostens), technische Bereiche (Hochbau, Tiefbau, Katasterwesen). Durch die Vielfalt der Aufgaben ist der Automationsbedarf bedingt. Er ist ebenso groß und wird ständig größer. Die angewandten EDV-Verfahren mit ihren Programmen werden immer zahlreicher und - da zunächst die einfacheren Bereiche automatisiert worden sind - auch Immer komplexer.

Der steigende Bedarf an EDV-Verfahren - und zwar sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht -, der durch die günstige und relativ schnelle Entwicklung der Hardware (der Zentraleinheiten, der Plattenspeicher, der Fernverarbeitung, der COM-Verfilmung) bei sich verbesserndem Preis-/Leistungsverhältnis gefördert wird, führt zu hohem Aufwand an Organisations- und Programmierkosten. Da fast alle Programme, die in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden, direkt oder indirekt von gesetzlichen Vorschriften abhängig sind und diese Bestimmungen heute verhältnismäßig rasch geändert werden, ist auch die Programmpflege aus dieser Sicht ein beachtlicher Kostenfaktor.

Zunehmend Gemeinschaftsentwicklungen

Es ist unter solchen Voraussetzungen folgerichtig, daß sich in den letzten Jahren die Zusammenarbeit zwischen Rechenzentren der öffentlichen Hand sehr verstärkt hat. Komplexe EDV-Verfahren werden nur selten von einzelnen Datenzentralen allein entwickelt. Meist entstehen Gemeinschaftslösungen. Entweder wird eine neue zu automatisierende Aufgabe von Anfang an arbeitsteilig angegangen oder man bemüht sich, ein andernorts entwickeltes und bewährtes System zu erwerben.

Diese Zusammenarbeit bereitet allerdings bereits in einer sehr frühen Phase Schwierigkeiten. Dies liegt ganz einfach daran, daß potentielle Partner zunächst nicht bekannt sind. Zwar weiß man gelegentlich aus Fachzeitschriften, daß hier und da eine bestimmte Lösung für ein Problem gefunden wurde oder daran gearbeitet wird, aber solche Informationen sind meist auf den Zufall angewiesen.

Es fehlt ein Lexikon

Vielleicht ist hiermit schon klargeworden, woran es fehlt: Es gibt kein deutschsprachiges Handbuch, Verzeichnis, Lexikon oder wie man es nennen mag, das eine vollständige gleichmäßige und verläßliche Gesamtdarstellung aller EDV-Systeme mit ihren Möglichkeiten und Programmen enthält. Dieser Mangel ist erkannt, er wird bedauert, doch kaum etwas geschieht, um ihm abzuhelfen.

An kompetenten Stellen fehlt es nicht, die es sicher als ihre Aufgabe ansehen könnten, ein derartiges Werk herauszugeben. Da wäre an das zuständige Bundesministerium mit nachgeordneten Institutionen ebenso zu denken wie an die kommunalen Spitzenverbände und ihre Einrichtungen. Es ist offenkundig, daß ein echter Bedarf für ein solches Nachschlagewerk besteht. Man würde schon begrüßen, wenn sich eine geeignete Stelle bereit fände, die Möglichkeiten für die Herausgabe zu prüfen und darüber etwas verlauten zu lassen.

Heinrich Adolphs ist Oberamtsrat bei der Kreisverwaltung in Siegburg und für EDV-Revision bei der Gemeinsamen Kommunalen Datenverarbeitungszentrale des Rhein-Sieg-Kreises und des Oberbergischen Kreises zuständig.