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10.01.1975

Der Goldrausch ist vorüber

Die Wachstumskurven in der EDV flachen ab. Der Hexenkunst-Nimbus der Computerei vergeht, indem alles mehr und mehr Routine wird. Der Goldgräber-Rausch ist vorbei.

Der Beweis:

Hardware-Hersteller klagen über schlechte Zeiten. Kurzarbeit, ja Pleiten werden häufig. Fusionen bei Kleinen, vielfach getarnte Notverkäufe mehren sich. Die Gerüchtebörse über die Zukunft der Großen floriert. Selbst IBM klagt über schlechte Geschäftsergebnisse.

Auch bei den Beratungsunternehmen und Software-Firmen gibt es Sorgen. Die "Body-Shopper" haben es besonders schwer, denn Aufträge für Wald- und Wiesenprogrammierung werden in dem Ausmaß seltener, wie das Standard-Know-how für einfache EDV-Lösungen mehr und mehr auch beim Anwender vorhanden ist. Was noch gefragt wird, ist Beratungs-Know-how für komplexe TP- oder DB-DC-Lösungen, aber neue, große Projekte werden bei der derzeitigen Wirtschaftslage nur zögernd begonnen. Nur die wenigsten Firmen können auf Standard-Software setzen, weil die hohen Entwicklungskosten aus Gewinnen im Beratergeschäft vorfinanziert werden müssen.

Die Situation beim Anwender

Beim Anwender sind ebenfalls Zeichen des Wandels erkennbar. Man kann es schon nicht mehr hören, aber in den Firmen wächst tatsächlich das Unbehagen über die teure EDV. Markante Zitate von Managern, die der EDV-Abteilung den Rotstift zeigten, machten die Runde. Wieso auch sollten die in der industriellen Fertigung selbstverständlich gewordenen Management-Techniken zur Planung und Kontrolle der Investitionen in Maschinen und zur Oberwachung ihres Einsatzes nicht auch im EDV-Bereich angewandt werden. Überdimensionierte Anlagen? Mehrschicht-Einsatz? Kostenverrechnung? Mixed-Hardware? Leasing? Gebrauchtcomputer? Umstellung der Datenerfassung? Einsatz von Standard-Software? Herstellerwechsel? Zentralisierung oder Dezentralisierung? Datenverarbeitung außer Haus? Verkauf von Blockzeiten? Papierkosten senken! Solange nur Exoten mit Harakiri-Mentalität solche Lösungen wählten, konnte sich der EDV-Chef auf seinem Sessel zurücklehnen. Konnte man alle Einwände mit Fach-Chinesisch zerreden. Wird es aber auch künftig genügen, daß der EDV-Chef ein guter Techniker aber nur ein schlechter Kaufmann ist?

Viel jünger schon volljährig

Indem Pionierzeiten und Goldgräber-Mentalität ein Ende nehmen, dürfte auch die Bindung an den Hersteller objektiviert werden, geradeso wie nun zur Jahreswende dem Zeitgeist entsprechend das Alter für die Mündigkeit herabgesetzt wurde.

Zum Erkennen von Alternativ-Lösungen gehört unabhängige, kritische Information. Dafür genügt es nicht, die verschiedenen Hersteller-Nachrichten, -Reports und -Aktuells zu lesen und auf die VBs zu hören. Dazu gehört vor allem auch der Erfahrungsaustausch unter den Anwendern. Und eine mündige Branche braucht eine schlagkräftige Interessenvertretung.

Andere Wachstumsbranchen

Bestes Indiz für die Normalisierung des Rummels rund um die EDV ist die Entwicklung der Gehälter. Vorbei die Zeiten, da die Bäume in den Himmel wuchsen. Letztlich noch einmal von Senkrechtstartern mit Supergehältern gehört? Beim Anwender schon gar nicht, und auch nicht in der Industrie. Dort werden die Hundert-Prozent-Soll-Vorgaben auch immer seltener erreicht.

Neue Technologien werden die Rolle der "Zukunftsbranche EDV" übernehmen - etwa Laser-Optics. In der EDV gibt es den Dorado-Goldrausch nur noch in Randbereichen - etwa auf den Sektoren Point-of-Sales-Terminals oder Closed-Loop-Prozeßsteuerung. Für den Rest gilt wie bei dieser Konjunkturlage überall auch: rationalisieren, optimieren, Kosten sparen.