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Rahmenbedingungen für E-Business/Euro-Geld für Projekte mit "europäischem Mehrwert"


12.01.2001 - 

Der Griff in die Staatskasse kann sich auszahlen

Die Europäische Kommission möchte die Alte Welt weltweit führend im E-Business machen. Deshalb erleichtert sie mittelständischen Software- und Systemhäusern den Zugang zu Fördermitteln für Forschung und Entwicklung. Johannes Fritsche* hat einen Blick in die staatlichen Fleischtöpfe geworfen.

Schon seit 1986 sind Tools für das Customer-Relationship-Management (CRM) ein Schwerpunkt des Karlsruher Anbieters CAS AG. Bereits frühzeitig war dem Vorstandsvorsitzenden Martin Hubschneider klar: "E-Business und Europäisierung der Märkte gehen Hand in Hand." Um die Erfahrungen auf dem europäischen Markt auszubauen, beteiligte er sich mit seinem Unternehmen an einem von der Europäischen Kommission bezuschussten Projekt aus dem Förderbereich Craft (Cooperative Research Project). Unter dem Projekttitel IISME (Internet and Intranet based Sales and Marketing Support System for Small and Medium Enterprises) wurde gemeinsam mit anderen Firmen und Forschungsinstituten eine Software entwickelt, die es mittelständischen Unternehmen erlaubt, ihre E-Shops im Internet softwaretechnisch leichter zu handhaben.

Die CAS AG übernahm dabei die Rolle des Systementwicklers. Mit den Ergebnissen ist Unternehmer Hubschneider zufrieden, weil durch das Projekt die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen besser in der Software abgebildet wurden: "Durch die enge Einbindung von Forschung und Anwendern entspricht das Endprodukt den Marktanforderungen bereits in der ersten Version." Einen weiteren Vorteil sieht er darin, dass er im Projektverlauf Kooperationen mit Unternehmen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten eingehen konnte.

Das badische Softwarehaus gehört zur wachsenden Zahl mittelständischer Unternehmen, die bei ihrer Forschung und Produktentwicklung auf einen "europäischen Mehrwert" sowie größere Marktreichweite achten und für diese geschäftsstrategische Orientierung von der Brüsseler Kommission mit Zuschüssen belohnt werden. Aktuellen Statistiken der EU zufolge bewarben sich zwischen April 1999 und April 2000 insgesamt 3238 mittelständische Unternehmen um Sondierungsprämien im Vorfeld der eigentlichen Antragstellung, mehr als 2350 Firmen wollten an einem Craft-Projekt teilnehmen. Nach Einschätzung der Kommission dürfte rund die Hälfte dieser Anträge bewilligt werden.

In der Regel stammen die Mittel aus dem "Fünften Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung". Bereits 1998 wurde das Förderprogramm von der Europäischen Kommission mit einem Gesamtbudget von 14,96 Milliarden Euro verabschiedet. Da alleine 3,6 Milliarden Euro auf den Teilbereich "Benutzerfreundliche Informationsgesellschaft" entfallen, ist neben Craft vor allem das von der Generaldirektion Informationsgesellschaft betreute Information-Society-Technologien-Programm (IST) das wichtigste Förderprogramm für System- und Softwarehäuser. Insbesondere die 547 Millionen Euro der "Leitaktion 2: Neue Arbeitsmethoden und elektronischer Geschäftsverkehr" verdienen hier Beachtung.

"Willkommen sind innovative Projekte mit einem europäischen Mehrwert", ermuntert Bror Salmelin, Abteilungsleiter Electronic Commerce der Generaldirektion Informationsgesellschaft, die Unternehmen zur Teilnahme. Wer die anspruchsvollen Hürden der Antragstellung überwunden hat, könne zur Zeit mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit mit der Genehmigung seines Förderantrags rechnen. Gemeint sind E-Business- Vorhaben, bei denen Unternehmen Kooperationen auf europäischer Ebene eingehen. Gefördert werden Projekte zur Anwenderproblematik, zur Technologie- und zur Produktentwicklung.

An bereits bewilligten Vorhaben wird die Richtung klar, zum Beispiel am Projekt der Zusammenarbeit von Firmen im Fischereimarkt mit Hilfe einer B-to-B-Lösung: Über das Internet können die Fischer schon vom Schiff aus ihre Waren anbieten. Neu dabei ist auch, dass der Fänger gleichzeitig zum Händler wird. Ein weiteres erfolgreiches Beispiel ist das Trans-2000-Projekt: Viele kleine Transportunternehmen, die zusammenarbeiten, stellen sich im Internet für die Kunden wie ein einziges großes Unternehmen dar. Eingebunden wurden dafür auch ein Zahlungssystem und firmeninterne SAP-Einkaufslösungen.

In jüngster Zeit rücken verstärkt neue Shopping-Technologien, intelligente Einkaufsagenten, E-Procurement- und Supply-Chain-Management-Lösungen ins Blickfeld. Für die Formulierung einer Projektidee gibt Kommissionsbeamter Salmelin zu bedenken: "Die Unternehmen sollen den Projektvorschlag nicht für die Generaldirektion, sondern für sich selbst machen."

Mit einer Reihe von Maßnahmen will die EU-Kommission dem Mittelstand die Teilnahme an Craft und IST erleichtern. One-Stop-Shop-Beratungsstellen helfen antragswilligen Unternehmen bei der Themenfindung und beim Einstieg in das mühsame Antragsverfahren. Sondierungsprämien senken die finanzielle Hemmschwelle für die Erstellung des eigentlichen Projektantrages. Wenn zum Beispiel (mindestens) zwei Software- oder Systemhäuser aus (mindestens) zwei verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten ein Forschungsprojekt beantragen wollen, können gewisse Aufwendungen bereits im Vorfeld der eigentlichen Antragstellung bezuschusst werden. Darunter fallen die Projektplanung und die Ausarbeitung des Projektantrags, eine Machbarkeitsprüfung, die Marktanalyse sowie Innovationsprüfungen, Patentrecherchen und die Suche nach Projektpartnern. Die Höhe des Zuschusses liegt bei maximal 22500 Euro.

Eine große Erleichterung für mittelständische Unternehmen ist die flexiblere Verfahrensweise. Wer nicht selbst einschätzen kann, ob seine Projektidee unter das Craft- oder das IST-Programm fällt, kann seinen Vorschlag auch direkt an eine zentrale Anlaufstelle in Brüssel übermitteln. Dieser One-Stop-Shop der Kommission hilft dem Unternehmer bei der richtigen Zuordnung und bei der Wahrung der verlangten äußeren Form. "Formfehler müssen nicht mehr das Aus für eine gute Projektidee bedeuten", verspricht Klaus Kögler von der Generaldirektion Forschung.

Für noch wichtiger als Fördergelder hält die Brüsseler Kommission den Faktor Information. Unternehmen, die sich stärker im E-Business engagieren wollen, soll durch ein umfassendes Informationsangebot der Weg geebnet werden. Zu diesem Zweck hat die Kommission das Information Society Project Office (Ispo) eingerichtet. Mit seinem Web-Server informiert das Büro umfassend über Politik, Recht, Fördermittel, Technologie und Best-Practice-Beispiele zum E-Business. Anbieter und Anwender finden dort Hilfestellung für den Einstieg in den elektronischen Handel sowie die Entwicklung entsprechender Softwareprodukte und Serviceleistungen. Das Ganze funktioniert auch in der umgekehrten Richtung: Durch E-Mails und Foren erfährt die Kommission, was den Mittelstand bewegt. "Wir brauchen das direkte Feedback von den Unternehmen", meint Salmelin von der Generaldirektion Informationsgesellschaft.

Dass trotz aller Anstrengungen der Kommission der Weg von der Projektidee bis zum abgegebenen Antrag noch immer mühsam ist, zeigt das Beispiel der Berndt & Brungs Software GmbH im rheinischen Monheim. Dort wollte Geschäftsführer Jürgen Berndt den Versuch starten, seinem Unternehmen eine kleine Scheibe von den 3,6 Milliarden Euro des Programmschwerpunkts "Benutzerfreundliche Informationsgesellschaft" abzuschneiden. Projektziel war die Weiterentwicklung eines E-Commerce-tauglichen Warenwirtschaftssystems. Auch die von der EU-Kommission für das Projekt verlangte Kooperation mit Firmen in anderen Mitgliedsländern der Gemeinschaft reizte Berndt: "E-Commerce-Produkte sprengen die Ländergrenzen, da machen Partnerschaften Sinn."

Doch die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AIF) in Köln und dem Projektträger Neue Materialien und Chemische Technologien (NMT) des Forschungszentrums Jülich führte über eine Einstiegsberatung nicht hinaus. Mittelständler Berndt war enttäuscht: "Vom fertigen Antrag war ich meilenweit entfernt."

Dass die Beratungsstellen und der One-Stop-Shop in Brüssel mit ihrem kostenfreien Service nur eine Einstiegshilfe sein können, liegt auf der Hand. "Für einen präsentablen Projektantrag braucht es viel Know-how", weiß die EU-Expertin Silvana Koch-Mehrin, Mitinhaberin der Brüsseler Conseillé Europaberatung und Strategieplanung Ltd., aus ihrer Beratungspraxis für deutsche Mittelständler.

Von der Formulierung eines präsentablen Antrags in deutscher und möglichst auch in englischer Sprache bis zur Identifizierung potenzieller Projektpartner und der Vertragsgestaltung reichen die notwendigen Aktivitäten. Ein Aufwand, der nach Berechnungen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks durchschnittlich 30000 Euro pro Antrag betragen kann. Doch gerade hier kommt die EU-Kommission mit der Sondierungsprämie den Firmen entgegen: Die Mittel können auch für die Ausarbeitung des Projektantrags verwendet werden.

* Johannes Fritsche ist freier Journalist in Bonn (www.tradepress.de).

Checkliste1. Prüfen Sie, ob Ihr Projektvorhaben unter deutsche oder europäische Fördermittelprogramme fällt.

2. Berücksichtigen Sie bei der Auswahl und der Formulierung des Projektthemas, dass Sie mit dem Projektstart bis zur Bewilligung warten müssen, was sich bis zu einem Jahr hinziehen kann.

3. Informieren Sie sich über Projekte, die bereits bewilligt worden sind.

4. Setzen Sie sich das Ziel, unter den zehn Prozent der Besten zu sein. Die Qualität Ihres Antrags sollte oberstes Gebot sein. Weniger empfehlenswert ist es, seine Kräfte halbherzig auf mehrere Anträge zu verteilen.

5. Berücksichtigen Sie auch, dass Sie sich mit einem Förderprojekt in eine Richtung bewegen müssen, für die der Rahmen von außen vorgegeben ist, und dass Sie auf ein Stück Unabhängigkeit verzichten müssen.

6. Denken Sie bei allen Aktivitäten nicht nur an den möglichen finanziellen Zuschuss, sondern auch daran, dass alleine die Antragstellung und Projektpartnerkommunikation wertvolle Synergieeffekte für das Image Ihres Unternehmens als europäischen Player, das Benchmarking des Mitbewerbs und den Zugang zu neuen Märkten bringen.

7. Richten Sie für die Antragstellung und alles Weitere eine geeignete Projektgruppe ein.

8. Beschaffen Sie sich über die Euro-Info-Center (www.eic.de) und die One-Stop-Shops die Einstiegsinformationen.

9. Kontaktieren Sie auch die Technologieberater der Industrie- und Handelskammern oder gegebenenfalls Betriebsberater der Handwerkskammern.

10. Wenn Sie sich über das Vorhaben noch nicht sicher sind, stellen Sie zunächst den einfacheren Antrag auf eine Sondierungsprämie, um die Machbarkeit auszuloten. Schon mit drei Stunden Aufwand ließe sich ein solcher Antrag stellen, so Experten der Kommission.

11. Schalten Sie einen externen Fördermittelberater ein, wenn Sie in Ihrem Unternehmen nicht über das notwendige Know-how zur Stellung eines Antrags für Sondierungsprämien oder reguläre Projekte verfügen.

12. Machen Sie mit Hilfe der Beratungsstellen oder Ihres Fördermittelberaters passende europäische Projektpartner ausfindig und treffen Sie mit ihnen geeignete Projektvereinbarungen.

13. Beachten Sie bei der Formulierung des Projektantrags die offiziellen und informellen Regeln der EU-Kommission. Die Letzteren erfahren Sie von Ihrem Berater.

14. Geben Sie den Antrag nicht nur in deutscher Sprache ab, sondern wenn möglich auch in englischer Übersetzung.

15. Sorgen Sie im Erfolgsfall dafür, dass die speziellen Abrechnungsmodalitäten für die Fördermittel eingehalten werden.

One-Stop-Shop

Zentrale Anlaufstelle der EU-Kommission

Interessierte Unternehmen können sich auch direkt an die EU-Kommission in Brüssel wenden. Innerhalb von 24 Stunden will der One-Stop-Shop der Generaldirektion Forschung auf Anfragen von Unternehmen antworten:

Help-desk KMU

Referat für KMU und Innovation

Europäische Kommission, GD Forschung

Rue de la Loi, 200

B-1049 Brüssel

Telefon: 0032-2-2957175

Telefax: 0032-2-2957110

Internet: http://www.cordis.lu/sme/home.html

Weitere Links:

Fünftes Rahmenprogramm

http://www.cordis.lu/fp5

Information Society Technology Program (IST)

http://www.cordis.lu/ist

Craft

http://www.aif.de/craft.htm

Ispo

www.ispo.cec.be/ecommerce

AIF

http://www.aif.de

NMT

http://www.fz-juelich.de/nmt