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17.10.1997 - 

Systems '97Messe-Rundgang: Java-Entwicklungs-Tools

Der große Integrator wird zum Lösungsansatz der Wahl

Seit die Version 1.1 des Java Developer Kits über eine Schnittstelle zu fast allen Datenbanken (JDBC) verfügt, gilt die Programmiersprache als die Lösung der Wahl, um proprietäre Applikationen und Datenbanken im Inter- und Intranet zugänglich zu machen. Dadurch ist Java zum bevorzugten Werkzeug geworden, um bereits implementierte Geschäftslogik und vorhandene Geschäftsdaten auf heterogenen Plattformen unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche zugänglich zu machen. Eine Reihe von neuen APIs, die größtenteils in das JDK integriert werden, soll Java-Programme zudem auf elektronischen Geräten aller Art lauffähig machen - so die Vorstellung von Sun, der Firma, die Java erfunden hat und mit großem Nachdruck weiterentwickelt.

Auch auf der Systems widmet Sun dem neuen Lieblingskind ein großes Areal (Halle 14, Stand C12/D08), auf dem unter dem Motto "The Road To Java" die entsprechenden eigenen Produkte und Einsatzmöglichkeiten gezeigt werden. Das Programm "Java Studio" ermöglicht ohne Programmierkenntnisse das Design von Web-Seiten mit Javabeans. Zu sehen sein wird außerdem die Entwicklungsumgebung "Java Workshop", die soeben in der Version 2.0 erschienen ist. Ein Update hat auch das "Beans Developer Kit" erfahren.

Java ist nicht einfach nur eine objektorientierte Programmiersprache, sondern soll auch in der Verbindung mit Netzwerkcomputern (NCs) die Kosten für den DV-Einsatz in Firmen nach unten drücken. Gerade diese Einsatzmöglichkeiten für Java will Sun mit seinen acht Ausstellungspartnern demonstrieren, zu denen unter anderem Oracle und IBM zählen.

IBM (Halle 5 Stand A 06/B09) investiert mehr Geld und Personal in die Entwicklung von Java-Produkten als alle anderen Firmen, Sun eingeschlossen. Rund 2000 Software-Entwickler von Big Blue sitzen an Java-Projekten. Aus der Tochter Taligent wurde eine Java-Developer-Firma, von deren Arbeiten vieles in die Java Founda- tion Classes eingegangen ist.

Von diesen Aktivitäten sind in München die neue Java-Entwicklungsumgebungen zu sehen: das "San Francisco Project", "DB2 Java enabled", die virtuellen Maschinen in OS/2 Warp 4 und OS/400 sowie das NC-Konzept "Workspace on demand". "Visual Age for Java", der neue Sprößling in der Visual-Age-IDE-Reihe, bietet wie die vergleichbaren Produkte von Borland und Symantec JDK-1.1-Unterstützung einschließlich dem neuen Komponentenmodell JavaBeans und der Datenbankschnittstelle JDBC.

Hinter dem San Francisco Project (SFP) verbirgt sich eine Java-basierte Infrastruktur, die wiederverwendbare Komponenten zur Verfügung stellt, beispielsweise Adreßbücher, Kalender sowie zentrale Geschäftsprozesse zur Buchhaltung, Dienste wie Installation, Konfiguration, Netzwerk und Betriebssystem Schnittstellen. Weitere Geschäftsabläufe wie Lager und Auftrags-Management sind angekündigt. Das SFP soll auch bei der Reorganisation der deutschen Finanzamtsoftware Verwendung finden.

Das Datenbank-Zugpferd von IBM, "DB2", ist in einer Version zu sehen, die Java-Applets in der Datenbank lauffähig macht. Für die Plattformen OS/2 Warp 4 und AS/400 sind bereits virtuelle Maschinen für Java verfügbar, um die Attraktivität dieser Server-Plattformen zu steigern.

Die IBM-Tochter Lotus stellt eine Reihe von Java-Applets (Codename "Kona") vor, mit denen auf dem schlanken Client eines Netzcomputers Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail etc. zur Verfügung stehen. Die Applets haben eine einheitliche Benutzeroberfläche und können über einen sogenannten Info-Bus Daten austauschen.

Die Firma Borland (Halle 11, Stand B06/C12), die immer noch einen sehr guten Ruf als Hersteller professioneller Entwicklungsumgebungen hat, verspätete sich mit ihrem "J-Builder" zwar erheblich, hat inzwischen aber sehr gute Noten bekommen. Das Tool wird in drei Größen - Standard, Professional und Client-Server - ausgeliefert und unterstützt JDK 1.1 mit Java-Beans und JDBC. Teil des J-Builder für Client-Server ist auch das Data-Gateway for Java, eine reine Java-Databank-Connectivity-Middleware, die Clients den Zugriff auf Datenbanken von Oracle, Sybase, Microsoft, IBM und Informix ermöglicht.

Digital Equipment (Halle 7, Stand C08/D03) verfügt über eine der neuesten JDK-Portierungen für 64-Bit-Systeme: Die virtuelle Maschine mit Just-in-Time-Compiler für Digital Unix V.4.0A entspricht der JDK-Version 1.1.3. Der neue Object-Broker V2.6. implementiert den Standard Corba 2 und seinem Internet- Inter-ORB-Protocol mit Java-Unterstützung

Silicon Graphics (Halle 7, Stand A22/B14) hat mit "Cosmo-Code 2.2" eine grafische Entwicklungsumgebung, die ebenfalls JDK-1.1-Unterstützung besitzt, für das hauseigene Irix-System zu bieten. Außerdem verfügt das Produkt über einen nativen Compiler, mit dem sich fast die Geschwindigkeit von C/C++-Code erreichen läßt - aber nicht mehr "everywhere" . In Cosmo-Code 2.2 enthalten ist die Portierung der JDK-1.1-konformen virtuellen Maschine nach Irix.

"Rohr frei!" Visual Torpedos

Die österreichische Firma Takefive (Halle 3, Stand 06) zeigt "Sniff+" in der neuen Version 2.4. Dies ist eine integrierte grafische Entwicklungsumgebung für Unix und Win32, die Parser-Module für Java (JDK 1.1.2), C, C++ und Fortran enthält. Sie verspricht ferner eine einheitliche Projektentwicklung auch auf verschiedenen Plattformen und über verschiedene Programmiersprachen hinweg. Sniff+ ist besonders für die Integration von Java-Komponenten in größere heterogene Programmierprojekte konzipiert und bietet neben mehreren Code-Browsern einen Java-Object-Debugger.

Netscape (Halle 2, Stand B 07) hat mit einer schnellen Implementierung von Java in seinen WWW-Browser viel zum anfänglichen Erfolg der jungen Sprache beigetragen. Umso enttäuschter sind viele Anwender, weil die Unterstützung von JDK 1.1 so lange auf sich warten läßt. Immerhin unterstützt der "Communicator" in Version 4.03 das JDK 1.1 gleich in einem Umfang wie kaum ein anderer WWW-Browser.

Die Internet Foundation Classes, ein Set von Java-Klassen, das Netscape entwickelt hat, wird in den Java Foundation Classes aufgehen, die Sun, IBM und Net- scape gemeinsam entwickelt haben. Auf der Systems ist "Visual Java Script" zu sehen, ein Drag-and-drop-Werkzeug zur Entwicklung von Web-Seiten mit HTML, Javascript und Javabeans.

Bekanntlich hat Microsoft (Halle 6, Stand B09) ein Java-Problem, das es durch eine Strategiemischung aus Umarmung und Vernichtung zu lösen versucht. Immerhin steht "Visual J++" in einer Version an, die unter anderem das JDK 1.1 soweit unterstützen soll, wie der Office-Milliardär diesen Standard anzuerkennen bereit ist. Dieselbe Einschränkung gilt auch für die neue virtuelle Java-Maschine im Internet-Explorer 4.0, die nur ein Subset der Programmierschnittstellen von JDK 1.1 unterstützt.

Net Dynamics (Halle 14, Stand C12/D08) fällt mit einem Produkt auf, einer grafischen Entwicklungsumgebung samt Java-Applikations-Server, die einfach den Firmennamen trägt. Damit ist es möglich, Web-basierte Geschäftsanwendungen zu erstellen, die mit Datenbanken wie Oracle, Informix und Sybase zusammenarbeiten.

Die Owis Software GmbH (Halle 3, Stand A01), eine kleine Softwareschmiede aus Ilmenau, portiert gerade das hauseigene CASE-Tool "OWT", eine Objekttechnologie-Werkbank, die in Zukunft auch für Java gedacht ist. Das Produkt unterstützt in der vorliegenden Version 2 für C++ das Modellieren mit dem De-facto-Standard Unified Modeling Language. Vorgestellt wird auf der Messe der Klassengenerator für Java; ein Scanner soll folgen.

Ein Beispiel für die Integration von Java in bereits bestehende Systeme ist SAP und das R/3-System (Halle 1 sowie in Halle 21 auf Stand B07/D07). Auf der Systems wird die Betaversion einer grafischen Benutzeroberfläche in Java gezeigt, das eine Emulation der nativen SAP-GUI auf allen Rechnern mit einer virtuellen Maschine möglich macht. Auf diese Weise könnten alle Java-tauglichen Rechner, insbesondere NCs, auf R/3 zugreifen. Eine eigene Java-API erlaubt es, personalisierte Arbeitsplätze mit der SAP-GUI zu erstellen.

Ähnlich versucht Oracle (Halle 11, Stand B06/C12), die eigene Datenbank und Server-Architektur dadurch schmackhafter zu machen, daß ein Client-Programm in Java die Integration in bisher fremde Netzwerke ermöglicht - solange der Client über eine virtuelle Maschine verfügt. Mit der "Developer/2000 Web Cartridge" soll ein transaktionssicherer Zugriff von jedem Java-Client auf Oracle-Datenbanken möglich sein.

Die Münchner Firma Networks Unlimited (Halle A 06/B09) ist auf Directory-Services, Telefonie und Internet-/Intranet-Lösungen spezialisiert. Anläßlich der Messe demonstriert sie vor der Haustür, wie AS/400-Anwendungen mittels Java-Applets, die neben dem GUI auch einen Teil der Logik übernehmen, Internet-fähig werden.

Star Office 4.0 vom einzigen deutschen Mitspieler im Office-Markt, Stardivision (Halle 7, Stand A 10/B12), gibt es seit einigen Monaten als Java-Anwendung. Anders als Corels Büropaket, das aus einer einzigen großen Java-Applikation bestand und an diesem Konzept scheiterte, gehören zu "Star Office für Java" ein Server-Modul, das einen großen Teil der Funktionalität übernimmt, und ein 300 KB großer Java-Client. Dieser bietet vor allem die Schnittstelle zum Benutzer. Als Server-Plattformen stehen im jetzigen Stadium Windows NT und Unix zur Verfügung; für eine Reihe von Betriebssystemen gibt es auch Clients in nativem Code.

Vielleicht hat der Besucher einer Messe wie der Systems bald das Glück, sich eine lange Anfahrt und das Menschengewimmel ersparen zu können - dann nämlich, wenn solche Messen sich nur noch im Cyberspace abspielen. Einen Vorgeschmack darauf bietet die Firma Janet (Halle 14, Stand E 17), die den eigenen Messestand in einer virtuellen Welt mit einer Java-programmierten Steuerung zugänglich machen will. Mittels eines Multiuser-Servers des Mitausstellers Blaxxun läßt sich dann der Messestand über das weltweite Web besuchen - natürlich auch von den Besuchern, die sich noch ganz leibhaftig bei Janet einfinden.

Vermisst

Wer die Java-Welt kennt, wird einige Hersteller auf der Systems vermissen. Symantec beispielsweise - gerade kam die Version 2.0 von "Visual Café" auf den Markt - glänzt durch Abwesenheit. Auch Sybase hätte mit "PowerJ" eine mächtige IDE für Java vorzuzeigen, ist aber nicht mit einem eigenen Stand, sondern nur bei Partnern vertreten.

So verwundert es kaum, daß kleinere Firmen wie Asymetrix mit "Supercede" (ebenfalls eine Win-32-IDE für Java) und Rogue Wave mit "J-Factory" (ein Java-GUI-Builder) den Weg nach Bayern nicht fanden. Firmen sparen zuerst bei kleineren DV-Ausstellungen. Vielleicht macht das Internet mit seinen Download-Möglichkeiten tatsächlich eine Messe auf Dauer überflüssig.

SIGS-Konferenz über Java

Teil der Systems, aber nur mit erheblich höherem Eintrittsgeld zugänglich, ist die "SIGS Java Konferenz", die am 30. und 31. Oktober stattfindet. Zwei Tage Java-Vorlesungen sind für 1600, ein Tag für 900 Mark mitzunehmen. Dafür lernt man den Java-Mitentwickler Arthur van Hoff kennen, der den Push-Dienst Marimba mitgegründet hat, oder den Buchautor und Java-Consultant Cay Horstman ("Core Java"). Die englischsprachige Konferenz gliedert sich in drei parallele Kursreihen mit insgesamt 24 Sessions: "Java Primer" für Anfänger, "Java Gurus" für fortgeschrittene Entwickler mit sechsmonatiger Java-Erfahrung sowie "Management Strategies" für IT-Manager.*Fotis Jannidis ist freier Journalist in München.