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09.11.2001 - 

Nur die Kosten drücken reicht nicht

Der Halbleitermarkt kommt nicht zur Ruhe

MÜNCHEN (CW) - Die Negativmeldungen aus den Chipkonzernen reißen nicht ab. Die Verantwortlichen sprechen von der größten Krise, die die Branche je erlebt hat. Wer gehofft hatte, diese aussitzen zu können, muss sich nun eines Besseren belehren lassen.

Die Flaute erstreckt sich über den gesamten Globus. Trauriger Spitzenreiter der vergangenen Monate war zwar der US-Markt, aber auch die Regionen Europa, Asien/Pazifik und Japan leiden unter rückläufigen Absätzen. Außerdem wird das schwache wirtschaftliche Umfeld von einem Preiskampf begleitet, der die Margen noch zusätzlich drückte. Auf das traditionell starke Weihnachtsgeschäft hofft derzeit keiner mehr. Die Marktforscher von Gartner gehen im besten Fall von einer Erholung ab dem ersten Quartal 2002 aus.

Statt jedoch weiterhin mit vagen Prognosen zu hantieren und lediglich an der Kostenschraube zu drehen, erkennen immer mehr Firmen die Notwendigkeit, konkrete Strategien für den Weg aus der Krise zu suchen. Weltmarktführer Intel beispielsweise besinnt sich zurück auf das klassische Prozessorgeschäft. Vorhaben wie die Produktion digitaler Kameras oder die Entwicklung von Streaming-Media-Software, die noch vor einem Jahr attraktiv erschienen, werden nun wieder zu Grabe getragen. "In diesen Zeiten lenken solche Ideen nur ab," erläuterte CEO Craig Barrett in der vergangenen Woche. Stattdessen kündigte das Unternehmen gleich eine ganze Pallette neuer Halbleiterprodukte an. Mit leistungsfähigeren Prozessoren für PCs, Notebooks, Handhelds, Server und Netze will Intel das Geschäft ankurbeln und seinen Marktanteil weiter ausbauen. Langfristig sollen wieder Wachtumsraten zwischen zehn und 15 Prozent erzielt werden. Barrett beruft sich bei diesem Ausblick auf den steigenden Datenverkehr im Internet, der erst am Anfang einer langen Entwicklung stehe.

Szenenwechsel: Infineon verhandelt derzeit angeblich mit mehreren Herstellern, unter anderem Toshiba, über die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zur Herstellung von Speicherchips. So könnte zumindest der anhaltende Preiskampf an Schärfe verlieren. Toshiba, weltweit die Nummer zwei im Prozessormarkt, dürfte zwar großes Interesse an einem solchen Deal haben. Doch die auf 500 Millionen Dollar geschätzten Aufwendungen, die mit dieser Maßnahme verbunden wären, kann sich der japanische Konzern derzeit nicht leisten. Für die vergangenen sechs Monate wies das Unternehmen einen Nettoverlust von umgerechnet einer Milliarde Dollar aus. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte Toshiba noch ein Plus von 440 Millionen Dollar erwirtschaftet. Der Umsatz ging im Jahresvergleich um elf Prozent auf 20,4 Milliarden Dollar zurück. Wie viele aus der Branche muss sich der Konzern den Vorwurf gefallen lassen, zu spät auf die Situation reagiert zu haben. Erst im August dieses Jahres wurde ein so genannter "Aktionsplan" aufgelegt. Dass dieser nicht schnell genug greifen kann, lässt sich an den jüngsten Prognosen des Konzerns ablesen. Für das gesamte Geschäftsjahr, das im März 2002 endet, rechnet Toshiba mit einem Verlust von 1,6 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 44,8 Milliarden Dollar. Sollten die Gespräche mit Infineon scheitern, halten Branchenbeobachter sogar einen Ausstieg der Japaner aus der Herstellung von Speicherchips für möglich. Ähnlich ist die Situation bei NEC. Die Umorientierung auf andere Sektoren wie Mobilterminals, Investitionen in die Infrastruktur für die dritte Mobilfunkgeneration sowie der Abbau von knapp 36000 Arbeitsplätzen konnte bislang den verheerenden Einbruch im Halbleitergeschäft nicht kompensieren. Das Nettoergebnis des Unternehmens sank im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr von 170 Millionen Dollar auf minus 240 Millionen Dollar. Dagegen schrumpften die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr von 20,23 Milliarden Dollar nur leicht auf 20,14 Milliarden Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr 2001/02 geht NEC nun von einem Verlust von 1,22 Milliarden Dollar aus.

Ungeachtet dessen deutet sich, wenn überhaupt, derzeit nur im asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum eine leichte Erholung an. Repräsentativ für die Region dürfte Taiwan Semiconductor Manufacturer (TSM) sein. Das Unternehmen meldet einen Umsatzanstieg um zwei Prozent gegenüber den vorhergehenden drei Monaten auf umgerechnet 1,68 Milliarden Mark. Um rund 15 Prozent, so die Einschätzung von TSM-Chairman Morris Chang, dürften die Umsätze im letzten Jahresviertel ansteigen. Der Gewinn solle sich gar verdoppeln. Anstatt Kosten zu sparen, wird kräftig investiert: Innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre fließen bis zu 20,3 Milliarden Dollar in den Bau sechs neuer Fabriken. (rs)

Abb: Umsatzprognosen

Anhaltende Unsicherheiten veranlassten Gartner, gleich drei Szenarien für das Wachstum der Chipbranche zu zeichnen. Verläuft die Entwicklung normal, sei 2002 mit einem Volumen von 152 Milliarden Dollar zu rechnen. Quelle: Gartner Dataquest