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25.05.2001 - 

Zertifizierung von Projektleitern

Der hohe Aufwand macht sich bezahlt

Zertifizierungen verbessern die eigenen Karrierechancen und erhöhen das Vertrauen der Kunden in das Unternehmen, das zertifiziertes Personal beschäftigt. Besonders für Projektleiter, die als Schlüsselfiguren für das Gelingen oder Scheitern fungieren, sind regelmäßige Weiterbildungskurse wichtig. Von Oliver Lehmann*

Die Zertifizierung von Profis gilt in der IT-Branche heute als Standardverfahren, um deren fachliche Kompetenz zu belegen. Vor allem in den Bereichen IT-Systemverwaltung und Softwareentwicklung ist die Zahl der zertifizierten Fachkräfte in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Derzeit werden auch Zertifizierungen für Projektleiter angeboten.

Vorteilhaft für die zertifizierte Person ist die Steigerung des Marktwertes, die sich in einem höheren Einkommen und in besseren Karrierechancen widerspiegelt. Auch das Unternehmen, das zertifizierte Mitarbeiter in Kundenprojekten einsetzt, profitiert davon: So kann es seinen Kunden einen Beleg technisch-fachlicher Kompetenz anbieten und die Chancen bei Ausschreibungen verbessern. Außerdem versprechen sich Firmen höhere Preise im Projektgeschäft sowie bessere Vertragsbedingungen.

Aber auch für interne Aktivitäten sind zertifizierte Mitarbeiter begehrt. Diese Form von Kompetenznachweis gilt als praxisbezogen und entspricht den aktuell gestellten Anforderungen, da die Abschlüsse oft zeitlich befristet sind. Im Rahmen des Versionswechsels von Produkten sind meist auch die Prüfungen durch ein Update auf dem neuesten Stand. So ist sichergestellt, dass das Personal sein erlerntes Wissen im Arbeitsalltag sofort umsetzen kann.

Kritisch bewerten sollte der Interessent Zertifizierungsangebote von Herstellern, denn hier ergeben sich oft Nachteile aus der Abhängigkeit von einem Unternehmen. Die Erfahrung zeigt, dass viele kommerzielle Anbieter ihre Geschäftsziele im Zweifelsfall über die Interessen der Professionals stellen. Im Bereich Projekt-Management werden jedoch diverse Zertifizierungen angeboten, die von Herstellern unabhängig sind. Als Anbieter fungieren statt dessen Verbände, die sich aus Fachkräften selbst konstituieren.

Hierzulande existieren die Deutsche Gesellschaft für Projekt-Management e.V.(GPM) und das Project Management Institute (PMI). In beiden Fällen handelt es sich um international ausgerichtete Verbände, die von Personen geleitet werden, die direkt mit dem Projektgeschäft zu tun haben: Projektleiter aus verschiedenen Industrien, Hochschulmitarbeiter sowie Trainer und Berater.

Internationaler BezugDie Voraussetzungen für die Prüfung sowie die eingesetzten Verfahren der beiden Institute sind allerdings sehr unterschiedlich: Die GPM ist ein rein deutscher Verband; die internationale Anbindung sichert sie sich über ihre Mitgliedschaft in der International Project Management Association, in der sich Einzelpersonen, Organisationen sowie Projekt-Management-Verbände aus 29 Ländern zusammengefunden haben. Mit dieser Struktur will der Verband die internationale Akzeptanz der landesspezifischen Tests sicherstellen.

Das Zertifizierungsangebot von GPM/Ipma nennt sich PM-Zert und setzt den Nachweis umfangreicher Erfahrung im Projekt-Management voraus. Weitere Teilnahmevoraussetzung ist der erfolgreiche Abschluss eines Lehrgangs zum Projekt-Management-Fachmann/-Fachfrau (PMF). Darauf baut die Projektleiterzertifizierung über vier Stufen. Wer das anspruchvollste Level A erfolgreich abschließt, darf sich künftig "Zertifizierter Projekt-Direktor (GPM)" nennen.

Die Prüfungen verlaufen nach einer unter den Mitgliedsländern abgestimmten "Ipma Competence Baseline", die allerdings die einzelnen Institute länderspezifisch umsetzen. In Deutschland orientiert sich die Prüfungsmethode am PM-Kanon sowie am PMF-Wissensspeicher. Ab Level B muss sich der Kandidat vor einem Komitee behaupten, das aus vier Assessoren besteht.

Einer der Trainingsanbieter für GPM-Lehrgänge ist die Firma Cotrain in Lauf bei Nürnberg. Deren Trainer Joachim Büttner sieht bei seinen Kunden derzeit ein steigendes Bewusstsein für den Kompetenznachweis. "Für viele Kunden ist die Zertifizierung sowohl ein Marketing-Instrument, also ein Mittel, um sich von der nicht zertifizierten Konkurrenz abzuheben, als auch ein wichtiges Werkzeug zur Qualitätssteigerung", beschreibt Büttner.

PMI prüft in Methodik und OrganisationDas internationale Project Management Institute (PMI) hat seinen Stammsitz in Philadelphia, USA. Die deutschen Vertretungen befinden sich in Frankfurt am Main und in München. Im Gegensatz zur Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Projekt-Management stehen bei der Zertifizierung des PMI eher Fragen der Methodik und Organisation im Vordergrund. Das geprüfte Wissen entstammt größtenteils dem "PMBoK Guide" (A Guide to the Project Management Body of Knowledge). Dieser Guide ist über den Buchhandel erhältlich, neuen Mitglieder sendet das Institut das Lehrwerk als CD-ROM automatisch zu.

Außerdem kann bis Ende Juni 2001 die Ausgabe von 1996 kostenlos über das Internet als Acrobat-Datei heruntergeladen werden. Die Inhalte sind Basis für die Prüfungen bis Ende dieses Jahres. Ab 2002 orientieren sich die Prüfungen an einer neuen 2000er-Version des Guide, die in Umfang und Komplexität deutlich gewachsen ist. Seit kurzem gibt es für die aktuelle Version auch eine deutsche Fassung.

Wie die GPM fordert auch das Project Management Institute als Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung den Nachweis umfangreicher Projekterfahrung. Bisher gibt es als einzige Zertifizierungsstufe den Project Management Professional (PMP). Branchenspezifische Erweiterungen unter der Bezeichnung "Certificate of Added Qualification" sind angekündigt; neue Schulungen liegen jedoch bisher nur für den Bereich Entwicklung in der Automobilindustrie vor.

Die Prüfung zum PMP findet computerbasiert in einem Prometric-Testzentrum statt, von denen es in Deutschland über 100 gibt. Der Test dauert vier Stunden, in denen der Kandidat 200 Multiple-Choice-Fragen beantworten muss. Wie viele der Aufgaben richtig zu lösen sind, ist nicht bekannt, inoffiziell wird aber von 72 bis 75 Prozent gesprochen.

Wer den Test bestanden hat, erhält nicht nur ein Zertifikat als Beleg seiner Kompetenz, sondern unterwirft sich auch einem "Code of Professional Conduct": Dabei handelt es sich um ein Regelwerk, das einen bestimmten Umgang mit Projekten von Auftraggebern und mit den darin erhaltenen Informationen fordert. Nachgewiesenes Fehlverhalten des Professionals gegenüber einem Auftraggeber kann zum Entzug der Zertifizierung führen.

PMPs verdienen besserZu den zertifizierten PMPs gehört auch Bruce Bayles, Project Manager Consultant beim Flugbucher Amadeus in Erding bei München. Er ist zuständig für die Entwicklung einer einheitlichen Methode für das Projekt-Management im Unternehmen. Bayles schätzt vor allem die größere Selbstsicherheit in Diskussionen und die verbesserte Gewandtheit im Gespräch mit anderen Experten. Er ist sich sicher, dass seine Kompetenzen vom Unternehmen geschätzt und honoriert werden. Tatsächlich ergab eine internationale Befragung des PMI im vergangenen Jahr, dass PMPs gegenüber ihren nicht zertifizierten Kollegen ein um zehn bis 31 Prozent höheres Einkommen haben.

Auch der Microchip-Hersteller Texas Instruments setzt auf zertifizierte Projekt-Manager. Einer davon ist Thomas Huschenbeck, Manager New Products Development Process im Werk Freising: "Bei Texas Instruments wird die PMP-Zertifizierung der Projektleiter gefördert und ist Bestandteil der Karriereplanung. Wir sind bestrebt, alle Projektleiter umfassend aus- und fortzubilden. Dazu dienen Grundlagentrainings zur Handhabung der eingesetzten Werkzeuge (zum Beispiel Software, Risk-Management), Assessment Center für Projekt-Manager sowie die PMP-Zertifizierung."

Unter den international tätigen Unternehmen verlangen auch die IBM und NCR eine Projekt-Management-Zertifizierung oft als Einstiegsqualifikation für Projektleiter. Dazu Jessy Magerl, Executive Program Manager der Teradata Division Central and Eastern Europe des Datenbankherstellers NCR in Augsburg: "Die Zertifizierung von Projekt-Managern stellt für das Unternehmen sicher, dass die Schlüsselfiguren über gute Wissensgrundlagen für die effiziente Bewältigung der Aufgaben verfügt. Die Zertifizierung untermauert, dass hier eine professionelle Projektbetreuung erwartet werden kann." Magerl bezeichnet die Zertifizierung weiterhin als ein Aushängeschild, von dem der Kunde ableitet, seine Investition einem gut vorbereiteten Projekt-Manager anvertraut zu haben. Schließlich sei qualifiziertes Personal die beste Versicherung gegen die bekannt hohe Misserfolgsquote von IT-Projekten.

*Oliver Lehmann ist freiberuflicher Projekt-Management-Trainer und als Project Management Professional (PMP) zertifiziert.