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24.09.1976

DER IKD aus der Sicht des EDV-Anwenders

Diplomkaufmann Einar Scholz

In der Zeit vom 7. 9. 76 - 10. 9. 76 fand in Berlin der internationale Kongreß für Datenverarbeitung in Berlin statt. Es wurde in der Presse darüber vielfach berichtet. In diesem Scholz-Report wird ein Fazit aus zwei Kongreßbesuchen (1974 und 1976) gezogen.

Laut Prospekt soll der IKD ein Forum für wichtige und aktuelle Fragen der EDV sein. Der Erfahrungsaustausch steht nach dem Willen der Veranstalter eindeutig im Vordergrund. Fragt man sich, ob dieses Ziel erreicht werden konnte, so muß man sagen, daß dies nur zum Teil gelang. Dies soll anhand der Erwartungen der Anwender analysiert werden.

Was erwartet der Anwender?

1. Wer vom IKD das Aufzeigen bestimmter Entwicklungstrends erwartet (etwa das Problem der Zentralisierung/Dezentralisierung der EDV), wird nicht enttäuscht sein. Gerade in einem Kongreß kommt es darauf an, Trends aufzuzeigen und diese aus möglichst vielen Richtungen zu beleuchten. Ich meine, daß dies auf dem diesjährigen IKD gelungen ist. Die Themenauswahl sowie die Auswahl der Hauptreferenten war gelungen, wenn auch nicht alle Anwender restlos zufrieden waren.

2. Der Erfahrungsaustausch sollte ganz groß behandelt werden. Hierzu dienten die einzelnen Workshops, die sich immerhin auf knapp 70 beliefen. Gerade diese Vielfalt erschwerte das Auswahlproblem erheblich und hinterließ bei manchem Anwender das Gefühl, daß er etwas verpasse, weil mitunter zwei oder mehr interessante Workshops parallel liefen. Ein Erfahrungsaustausch ist in diesen Workshops aber nur bedingt möglich, da erstens die Anzahl der Teilnehmer pro Workshop viel zu groß ist, so daß eine Diskussion aufgrund der Hemmungen einzelner Teilnehmer nicht effizient genug ist. Zweitens ist die Zeit für die einzelnen Workshops viel zu kurz, die Vorträge in den einzelnen Workshops sind aus diesem Grund zu flach aus inhaltlicher Sicht und geben daher nur einen Überblick. Somit kommt keine genügende Tiefe des Themas zustande, so daß ein Erfahrungsaustausch kaum stattfinden kann. Ein Thema kann nur angerissen werden, der Erfahrungsaustausch ist nur oberflächlich.

3. Ein Anwender erwartet in einem Workshop zumindest konkrete praktische Hinweise, wenigstens aber neue Ideen oder Hinweise für die eigene Arbeit. Zumindest in einigen Workshops, die ich selbst besuchte, konnte man nichts in dieser Hinsicht feststellen. Hier sollte der Veranstalter eingreifen und besser Praktiker zu Wort kommen lassen, als auf klingende Namen Wert zu legen. Rezepte, fertige Lösungen und detaillierte Analyseergebnisse kann man als Anwender nicht innerhalb der Workshops erwarten, weil in der Kürze der Zeit die Themen nicht vollständig ausdiskutiert werden können. 4. Die überreichten Unterlagen wurden ganz erheblich verbessert gegenüber dem ersten Kongreß. Man kann sie als gut und umfangreich bezeichnen. Eine inhaltliche Verbesserung seitens einiger Workshop-Referenten wäre anzustreben.

Was sollte verbessert werden?

1. Die einzelnen Workshops sollten zeitlich länger ausgedehnt werden auf ca. 2-3 Stunden, damit eine bessere Tiefe der Themenbehandlung erreicht wird. Dies sollte mit einer gründlicheren Themendarstellung seitens der Referenten verbunden sein.

2. Die Themendefinition der Workshops sollte in den Ankündigungen durch eine Kurzbeschreibung ergänzt werden, damit man sich als Anwender eine bessere Vorstellung von den einzelnen Workshops machen kann. Damit wird das Entscheidungsproblem für den einen oder anderen Workshop erleichtert.

3. Theoretisches Gefasel sollte in Workshops unterbleiben. Praktische Ergebnisse und Erfahrungsaustausch stehen eindeutig im Vordergrund.

Fazit für den Anwender

Wer als Anwender Rezepte zu bestimmten Themen erwartet, sollte den IKD nicht besuchen. Er wird zwangsläufig enttäuscht sein. Der Kongreß zeigt Trends zu bestimmten Themen auf und reißt diese grob in einzelnen Workshops an. Ein wirkungsvoller Erfahrungsaustausch findet nur dann statt, wenn man Kollegen trifft, mit denen man sich zum Gespräch verabredet oder ad hoc zusammensetzt. Der Kongreß ersetzt keinen Seminarbesuch zu bestimmten Themen, da eine genügende Tiefe in der Darstellung nicht erreicht wird und auch nicht erreicht werden soll. Aufgrund des Kongreßbesuches kann man seine eigene Strategie zu den behandelten Themen kritisch überprüfen, weil man sowohl aus Forschung und Lehre sowie aus der Praxis Anregungen erhält. Wer dies vom Kongreß erwartet, wird zufriedengestellt.