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28.03.1986 - 

Kommunikation mit Unternehmenslenkern wie auch Mitarbeitern erfolgreich gestalten:

Der Info-Manager muß in sieben Zungen reden

Mit Fred Portmann* sprach CW-Redakteur Wolf-Dietrich Lorenz

- In der jüngsten Vergangenheit ändert sich gerade in gesättigten Industriegesellschaften, auch hierzulande, die Einstellung zu Sinn und Inhalt von Arbeit dramatisch. Motivationsforscher prägten deshalb den Begriff "Wertewandel", in den besonders die Übereinstimmung von Tätigkeit, Kompetenz, Verantwortung und Freiheit im Beruf hineinspielt. So müssen Führungskräfte mehr als bisher beispielsweise ihre Mitarbeiter durch flexible Organisation der Arbeitsplätze und Delegation von Entscheidungsbefugnis motivieren können. Das ausschlaggebende Instrument dafür ist die Informationsvermittlung.

Wertewandel - was bedeutet dieser Prozeß also für ein Unternehmen und seine Mitarbeiter?

Wertewandel impliziert, daß Wertvorstellungen bestehen. Wertvorstellungen sind mehrdimensional: Es gibt geistige, moralische, ideelle Wertvorstellungen. Wir kennen Werte der Gefühlsweit, materielle Werte. Es ist also zuerst einmal der Mensch, das Einzelwesen, das einer Sache, einer Idee, einem Gedanken, einem Wort oder einer Tat Werthaftigkeit zuerkennt - und dann danach trachtet, seine Wertvorstellungen mit anderen zu teilen.

Werte setzen, beinhaltet die Vorstellung von etwas Subjektivem, etwas Einmaligem, einer Kreation im eigenen Universum des Menschen oder, wenn man so will, in seiner Vorstellungswelt.

Einige Deutungen der Sinnfrage stellten den Menschen sozusagen in den Mittelpunkt. Wohlverstanden, den Menschen und nicht die Menschen! Eine davon formulierte der Amerikaner Maslow. Er bewies, daß immer dann neue, persönliche Bedürfnisse auftauchen, wenn die Bedürfnisse der unteren Stufe befriedigt sind.

Auf die existentiellen Grundbedurfnisse baut das Bedürfnis nach Sicherheit für sich und die Angehörigen auf. Auf einer dritten Stufe folgt die Qualität der zwischenmenschlichen Kontakte; danach hat Anerkennung - oder auch Prestige - eine hohe Priorität. Am Ende steht schließlich die Selbstverwirklichung des Menschen im Beruf wie auch im Leben.

Maslow gibt zwar wichtige Hinweise auf die Rangordnung der Bedürfnisse. Wir bleiben aber hier im individuellen, im persönlichen Bereich stehen. Jeder will für sich und für sich allein, also als einzelner, diese Bedürfnisse in aufsteigender Reihenordnung befriedigt haben. Jeder will es für sich, mindestens zuerst für sich, und damit treten wir - auch Einzelwesen - als Konkurrenten auf. Der Sinn des Lebens zeigt sich aber erst "im Miteinander", nicht im "Gegeneinander"; wir leben ja nicht isoliert.

Bei allen diesen Überlegungen stoßen wir auf eine wesentliche Komponente des Wertewandels. Die Natur - was wir darunter auch immer verstehen - ist unser Partner. Unsere eigene Zukunft und die unserer Kinder ist schicksalshaft verwoben mit der Mineral-, der Pflanzen- und der Tierwelt; kurz mit der Natur, hier auf Erden und im Kosmos.

Wir müssen also bei unseren Vorstellungen, Wünschen und Forderungen über unser unmittelbares Ich, über unsere Person hinausdenken, sozusagen transpersonal. Wir müssen also eine Aufgabe lösen, die über unsere "Person" hinausgeht. Wir haben Verantwortung zu übernehmen - jetzt, sofort, im Hier und Heute! Wir wissen ja, daß wir in einer Zeit der immer rascheren Beschleunigung leben, daß heutige Erkenntnisse morgen überholt sein können Wir wissen, daß von allen Erfindungen, die bis zum Jahre 2000 gemacht sein werden, mehr als die Hälfte noch der Entdeckung harren. Wir wissen, daß die so einfache lineare Kausalität - gültig in "Zeit und Ewigkeit" - nicht mehr greift, daß der rasche Wechsel klare Köpfe, Einsicht in die Zusammenhänge und Sinn für Verantwortung verlangt. Nur so können wir den Herausforderungen begegnen, innovativ sein.

Wertewandel bedeutet also für ein Unternehmen und seine Mitarbeiter: In Zusammenhängen zu denken; die Beschleunigung zu erkennen und daraus innovative Schlußfolgerungen zu ziehen; zu erkennen, daß wir mit allem verbunden sind und damit von allem beeinflußt werden können und auch alles beeinflussen; die Verantwortung für eigene Gedanken, Worte und Taten zu übernehmen; unser Verhalten - und das gilt auch für Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer - von diesen Erkenntnissen leiten zu lassen.

- Welche Voraussetzungen muß der Informations-Manager nun erfüllen, um seiner Aufgabe gerecht zu werden?

Die Frage des Wertewandels richtete sich an das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Der Informations-Manager ist ein solcher Mitarbeiter.

Den dritten Aufgabenbereich - das analytische Vorgehen - prägt ein Leitsatz: Es gibt keine technischen Lösungen für Managementprobleme, aber es gibt Managementlösungen für technische Probleme.

Das heißt: Auch im Informatikbereich müssen die grundsätzlichen Prinzipien des Management angewandt werden. Ihre Tätigkeiten sind deshalb Planen, Ziele setzen und Definieren; weiterhin Integrieren, Führen, Realisieren sowie Kontrollieren.

- Sie sprachen eben über "strategische Unternehmensplanung". Wie würden Sie diese beschreiben?

Vorab einmal: Ich spreche über strategische Unternehmensplanung nur dann, wenn das Unternehmen zukünftiges Erfolgspotential aufbauen will. Die Optimierung des gegenwärtigen Erfolgspotentials ist eine ständige Aufgabe der Geschäftsleitung und gehört die Langfristplanung. Die Bereitstellung zukünftigen Erfolgspotentials, das Gegenstand der strategischen Unternehmensplanung ist, berührt deshalb vor allem neue Produkte, neue Dienstleistungen und neue Märkte, aber auch neuen Nutzen und neue Wettbewerbsvorteile.

Auf allen diesen Gebieten kann natürlich die Informationsverarbeitung innovativ und rentabilitätssteigernd eingesetzt werden. Beachten wir einmal das Schema - stark vereinfacht - eines Planungs- und Kontrollsystems in einem Unternehrmen.

Die Anforderung an eine Gesamtschau verlangt, daß wir uns konkrete Gedanken machen, wo unser Unternehmen in zirka 10 bis 15 Jahren sein soll. Ich nenne das den Orientierungsrahmen eines Unternehmens. Dann stellt sich die Frage der Systemkomponenten deren Verknüpfungen beziehungsweise Abhängigkeiten. Konkreter: Wir drücken das "Können " und "Wollen" am Markt - also Strategien der Produktions- und Dienstleistungszentren - aus durch das "Notwendige", das dies "Wollen" ermöglicht. Wir brauchen Finanzen, Forschung und Entwicklung, Führung und Organisation, Informationsverarbeitung.

Wesentlich scheint mir, daß der sinnvolle und zweckgerichtete Einsatz einer Unternehmensfunktion, hier der "Informationsverarbeitung", voraussetzt, daß der betreffende Stelleninhabar gemeinsam mit der Geschäftsleitung alle wesentlichen Überlegungen im Rahmen des Planungs- und Kontrollsystems mitvollzieht. So sieht er das Gesamte, das Ganze, die Rollen der anderen Mitglieder der Geschäftsleitung und seine eigene.

- Was wünschen Sie Ihren Kollegen im Bereich der Informationferarbeitung?

Beinahe hätte ich gesagt "viel Menschlichkeit" Aber für die Praxis fällt mir ein Dichterwort ein: "Wer strebend sich bemüht, den werden wir erlösen". Trotz sogenannten Sachzwängen, äußeren Ereignissen und Widerwärtigkeiten ist der Mensch - also auch der Informatikmensch - aufgerufen, aus seinem Leben etwas Sinnvolles zu machen, seinem Leben "Wert zu geben". An Gelegenheiten mangelt es nicht. Alles was über Wertewandel gesagt wurde, trifft auch auf ihn zu.

Dazu tritt indessen noch etwas Wesentliches. Carl Friedrich von Weizsäcker hat es in seinem Aufsatz "Der Mensch im naturwissenschaftlichtechnischen Zeitalter" so ausgedrückt: "Verstand ist das Vermögen (..)iskursiver Erkenntnis durch Begriffe. Vernunft ist die Wahrnehmung eines Ganzen. Die moderne Kultur ist eine Willens- und Verstandeskultur. Der so verstandene Wille kann wollen, was der Verstand denken kann; der Verstand kann denken, was ein Wille wollen kann. Verstand und Wille sind auf endliche, angebbare Ziele eingeschränkt. Eben darum sind sie grenzenlos: Ziel kann an Ziel gereiht werden, Begriff an Begriff, Vernunft, als Wahrnehmung eines Ganzen, könnte diesem grenzenlosen Fortschreiten Grenzen setzen, Verstand und Wille allein können es nicht. Eben darum werden sie unweigerlich Sklaven der Macht, nicht ihre Herren. Eben darum können sie nicht lieben."

Was können sie nicht lieben oder: zutiefst verstehen - sich selbst? Den anderen? Andere Meinungen, Vorstellungen, Ideen? Das Gefühl anderer? Die Natur? Den Kosmos? Carl Friedrich von Weizsäcker spricht von der Vernunft als dem Instrument zur Wahrnehmung eines Ganzen.

Der Informationsmanager muß also in der Lage sein, einen Problemkreis zu erfassen, systematisch zu denken und analytisch vorzugehen. Das heißt, er muß den Problemkreis in der Gesamtschau - oder holistischen Schau - erkennen, die wesentlichen Systeme, deren Abhängigkeiten und Verknüpfungen erfassen und dann schrittweise und methodisch vorgehen.

Dazu hat er nicht nur der Knotenpunkt der Informationsstränge, sondern auch der Kommunikation zu sein: Der Informationsmanager muß lernen, mit der oberen Ebene wie auch den Mitarbeitern erfolgreich verbal umgehen zu können. Er muß dazu quasi in sieben Zungen reden können.

- Und welche Schritte sind dazu in der Praxis notwendig?

Wir können seine konkreten Aufgaben in etwa wie folgt definieren Zunächst die holistische Schau - hierbei nimmt er die relevante Umgebung seines Unternehmens wahr kennt die Produkte und Dienstleistungen seines Unternehmens und arbeitet mit der Geschäftsleitung zusammen, um rechtzeitig neue Erfolgspotentiale zur Zukunftssicherung des Unternehmens zu schaffen.

Er verfolgt weiterhin die technologischen Entwicklungstendenzen im Informatikbereich und zeigt mögliche Auswirkungen auf die Wettbe werbsvorteile des Unternehmens auf. Er stellt, im Rahmen der Unternehmensanalyse, das Stärken- und Schwächenprofil des Bereiches "Informationsbearbeitung" auf.

Als nächsten Punkt möchte ich die systematische Sicht anführen. Der Informations-Manager erhält Vorgaben zur strategischen Informatikplanung. Danach erstellt er die strategische Planung der Informatik, unter Berücksichtigung der Systemkomponenten der strategischen Unternehmensplanung. Die strategische Informatikplanung wird in die Unternehmensplanung integriert und bildet nach Annahme durch die Geschäftsleitung, die Grundlage zu allen weiteren Arbeiten des Informatikmanagers.