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04.07.1986

Der Informations-Manager - ein Manager wie jeder andere?

Hartmut Skubch, Berater im Bereich strategische Informationsplanung, Software-Engineering und Datenmanagement, Hallgarten, Rheingau

Für die meisten Unternehmen im deutschsprachigen Raum, so scheint es mir, ist der Begriff Information Resources Management (IRM) noch immer ein mehr oder weniger attraktives Modekürzel der DV-Kongreßbühne. Das strategische Potential, das es hier zu erschließen gibt, wird in den seltensten Fällen erkannt, geschweige denn genutzt. In den Vorstandsetagen paßt das Thema Information nicht in die klassische Ressortaufteilung, und das DV/Org.-Management verkümmert zu einer stets auf Verteidigung bedachten Hard- und Software-Verwaltungsstelle. Selbst die nachrückenden Jung-Informatiker verstehen sich eher als akademisch ausgebildete Softwareentwickler und Datenadministratoren denn als potentielle zukünftige Manager einer Ressource, deren effiziente Bewirtschaftung für das Unternehmen lebenswichtige vermutlich sogar überlebenswichtig ist.

Welches sind die Ursachen dieser doch sehr bedenklichen Ignoranz? In Diskussionen stellte ich immer wieder fest, daß diese Ursachen selten inhaltlicher und sachlicher Natur sind. Es geht nicht um das intellektuelle Begreifen und Erkennen der Problematik, sondern um die Schwierigkeiten, Unsicherheiten und Ängste bei der praktischen Umsetzung.

Es müßten gewachsene Organisationsstrukturen in Frage gestellt werden und Wissen über neue Methoden und Verfahren würden gefordert werden. Dabei lautet eine der Kernfragen: "Wie sieht die zukünftige Rolle des Informations-Managers aus?" Die Frage könnte man zunächst so beantworten: Der Informations-Manager zeichnet sich durch ein hervorragendes fachliches Wissen im methodischen und technologischen Bereich aus, gepaart mit den klassischen Managerqualitäten, die es ermöglichen, das Erfolgspotential der Ressource Information systematisch zu erschließen,

Also ein Manager wie jeder andere? Ich glaube, nein. Ihm kommt eine nicht zu unterschätzende Sonderrolle zu.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einer Übergangsphase, an der Schwelle zu einem durch den Begriff Information geprägten Zeitalter. Diese Übergangsphase ist eine Zeit der Unsicherheit, der Suche und der Neuorientierung. Werte und Vorstellungen, die bisher Gültigkeit hatten, werden in Frage gestellt, verlieren ihre Leitfähigkeit. Der Informations-Manager befindet sich, ob er will oder nicht, mitten im Brennpunkt dieser gesellschaftlichen Veränderungen. Welche Rolle er dabei einnehmen könnte, möchte ich anhand dreier Szenarien skizzieren:

Szenario 1 - Abwehrhaltung:

-Er erkennt die Bedeutung der Ressource Information nicht.

-Er kann neue Technologien (Bürokommunikation, Personalcomputer etc.) nicht integrieren.

-Der Anwendungsstau wächst weiter.

-Die Konflikte zwischen Fachabteilungen und DV sowie Info-Center nehmen zu.

-Der Konkurrenzdruck durch Unternehmen mit positiver IRM-Entwicklung wächst und wird existenzbedrohend.

Szenario II - Offensiver Technokrat:

-Er begreift das Problem als eine technologische Herausforderung.

-Er fördert den Aufbau von Spezialisten.

-"Minderqualifizierte" Mitarbeiter der DV werden entlassen.

-Substitutionssuche: Wie kann die Maschine den Menschen ersetzen?

-Die Leitlinie lautet: Das Machbare tun!

-Der Zentralismus im Unternehmen wird gefördert.

-Die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit des Unternehmens ist gesichert.

Szenario III - Integrierende Persönlichkeit:

-Er begreift das Problem als eine interdisziplinäre Aufgabe.

-Er fördert bewußt die Wertediskussion im Unternehmen.

-Er unterstützt Selbstorganisation durch Querinformationen und stärkere Dezentralisierung.

-Prinzip des komparativen Vorteils: Mensch und Maschine ergänzen sich.

-Das Leitlinie lautet: Das Verantwortbare tun!

-Das Unternehmen ruht auf einem Netz kleiner, miteinander kommunizierender Organisationseinheiten, in denen selbstbestimmen(...) Menschen wirken.

Wenngleich diese drei Szenarien überzeichnen, so zeigen sie doch, in welch bedeutsamer Rolle sich der Informations-Manager befindet. Auf jeden Fall muß er Stellung beziehen - Passivität ist gefragt.

Wer den Menschen als letzten Störfaktor betrieblicher Informationssysteme ausschalten will, ist sicherlich als Technokrat gefordert. Wer aber die Informationstechnologie als eine Chance zur Verbesserung der Lebensqualität des Menschen begreift und somit eine Symbiose zwischen Mensch und Maschine anstrebt, muß die Fähigkeit des Menschen, seine Intuition, Kreativität, Emotionalität und Kommunikationsfähigkeit erkenn(...) können. Er muß selbst ein g(...)zer Mensch sein und nicht ein zweibeiniger Computer.