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25.07.1986

Der Informationsmanager - ein Manager wie jeder andere!

Hartmut Skubeh schrieb diese Überschrift in der COMPUTERWOCHE Nr. 27 vom 4. Juli 1986 mit Fragezeichen und beantwortete die selbst gestellte Frage mit einem klaren "Nein": Der Informationsmanager habe eine nicht zu unterschätzende Sonderrolle "an der Schwelle zu einem durch den Begriff Information geprägten Zeitalter".

Wer ist denn dieser Herr "Informationsmanager" eigentlich? Abgesehen davon, daß "eben, wo Begriffe fehlen, stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein" (Goethe, Faust, I. Schülerszene, Vers 1995), der "Informationsmanager " eine Wortschöpfung darstellt, die nicht unumstritten ist (vergleiche zum Beispiel Ulrich Busch, 1986, 41 ff.) - was ist denn dran an den inhaltlichen Anforderungen an einen solchen Stelleninhaber?

"Hervorragendes fachliches Wissen im methodischen und technologischen Bereich", so Skubch, wird zunächst gefordert. Für welche Führungsposition wird das nicht verlangt? Sind technische Geräte zur Produktion von Information etwas grundsätzlich anderes als Geräte und Maschinen zur Produktion eines x-beliebigen Wirtschaftsgutes, daß dafür eine Sonderrolle verlangt werden kann?

Technologie ist nach Brockhaus (Band II, 1957, Seite 436) die Verfahrenskunde. Die "Information" ist zweckgebundenes Wissen und wird inzwischen den klassischen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital als weiterer Produktionsfaktor gleichgestellt (so auch Arno Eisenhofer 1984, Seite 433). Welcher Manager aber muß nicht die für seinen Verantwortungsbereich geltenden Methoden und Verfahren kennen, nach optimaler Faktorkombination suchen, also die Organisation im Sinne jener Tätigkeit, Organisationsentwicklung zu betreiben, beherrschen? In dieser Aufgabenstellung unterscheidet sich der Informationsmanager nicht vom Chef der Produktion oder des Verkaufs.

Der Informationsmanager soll "das Erfolgspotential der Ressource Information systematisch erschließen", so Skubch weiter. Bei dieser Forderung scheint es sich um eine Nebelkerze zu handeln, in etwa vergleichbar mit dem Satz, daß sich das immense Volumen der Solana tuberosa reziprok proportional zum geistigen Volumen seiner Kultivatoren verhält (= die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln!) Auf deutsch will Skubch wohl sagen, daß der Informationsmanager seine Arbeit richtig machen soll. Unterscheidet ihn diese Aufgabe von einem anderen Manager derart, daß das einer Sonderrolle bedarf? Wohl kaum!

Was muß er denn nun wirklich sein?

- Er muß die in seinem Verantwortungsbereich sich abzeichnende Technik für zukünftige Anwendungen beurteilen können (Futurist).

- Er muß die sich ergebenden Möglichkeiten in die Unternehmensstrategie einbringen und einordnen können (Stratege).

- Er darf seine Nutzer nicht fragen: "Was kann ich für Euch tun?", sondern er muß sagen: "Das kann ich für Euch tun!" (aktiver Veränderer).

- Er muß sich als Unternehmerpersönlichkeit qualifizieren (Unternehmer, nicht Bit-Fummler).

- Er muß seinen Verantwortungsbereich im Griff haben (Manager).

Alle diese Funktionen erfordern typische Managementqualitäten, wie etwa Risikobereitschaft und Koordinations- und Integrationsvermögen, Entscheidungsfreude und unternehmerisch geprägtes Denken und Handeln, weiterhin Kooperationsvermögen, Teamgeist sowie Motivationsfähigkeit.

Schließlich gehört für den Informationsmanager halt, wie für jeden anderen Manager auch, ein solides Fachwissen in seinem Verantwortungsbereich dazu.

Was also unterscheidet ihn? Eigentlich nichts - oder doch? Ihn unterscheidet zur Zeit der durch die Jahre kultivierte Hauch des "Alchimisten", durch den die elektronische Datenverarbeitung eben als etwas Unverständliches, Sonderbares, Teures, erscheint. Aber mit dem PC kann das ja heute schon jeder, also: Informationstechnologie als etwas . . . siehe oben; man wird doch seine über Jahre erkämpfte Sonderrolle nicht kampflos aufgeben, man wird sie doch noch durch Worthülsen verteidigen dürfen - oder? Zur Not helfen auch dabei die Berater.

Wie aber wäre es, über folgenden Weg nachzudenken? Der Informationsmanager von morgen ist nicht deshalb erfolgreich, weil seine Nutzer die Computertechnologie verstehen, sondern weil er das Geschäft seiner Nutzer versteht.

Lutz Martini, leiter der KDV-Systemwicklung Schering ag Berlin und

Bergkamen