Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.09.1990 - 

Anforderungen an den DV-Leiter der Zukunft

Der Informationsmanager muß die Wünsche des Anwenders kennen

MÜNCHEN (hk) - Harte Zeiten kommen auf den DV/Org-Leiter alten Stils zu, wenn er die Wandlung vom reinen Technokraten zum strategisch denkenden Informationsmanager nicht schafft. Die Kernfrage lautet: Wird der DV/ Org.-Leiter die Aufgabe des Informationsmanagers übernehmen können?

"Die Wachablösung, solcher alten EDV-Leiter, die stolz darauf sind, im weißen Kittel im Rechenzentrum eigenhändig Assembler-Programme schreiben zu können, steht an", so drastisch formuliert es Professor August-Wilhelm Scheer, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität Saarbrücken, wenn er nach der Zukunft der DV/Org.-Leiter gefragt wird.

Aus der Sicht von Dieter Schacher, Geschäftsführer der Gesellschaft für technische Datenverarbeitung VW-Gedas, wird also nur jener DV/Org.-Leiter die Aufgabe des Informationsmanagers wahrnehmen können, "der sich nicht an der Technik der Informationsverarbeitung festgehalten hat, sondern das Informationsmanagement als strategische Funktionseinheit organisatorisch in die Unternehmensstruktur sinnvoll einbinden kann". Hier bestehe allerdings noch viel Nachholbedarf.

Selbstverständlich könne ein DV/Org.-Leiter heutigen Zuschnitts die Aufgaben des Informationsmanagers übernehmen, ist Lutz Martiny, Geschäftsführer der Gesellschaft für Automation und Organisation GAO mbH, München, überzeugt; nur müsse es ihm gelingen, sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie zu konzentrieren, um Entwicklungsprozesse zu beschleunigen, Wettbewerbsvorteile zu erzielen und die Schlagkräftigkeit des Unternehmens am Markt zu erhöhen, "anstatt sich an Informationstechnik zu ergötzen!"

Auch für Bernd Prasuhn, Office Manager bei Heidrick and Struggles International Inc., Düsseldorf, ist der DV/Org.-Leiter, der sich auch mit strategischen und mit eher allgemeinen -betriebswirtschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzt, "sicherlich derjenige, der in die Aufgabe des Informationsmanagers nahtlos hineinwachsen kann".

Zu den wesentlichen Qualifikationen eines Informationsmanagers gehört aus seiner Sicht, "die Verbindung zwischen den Bedürfnissen der Anwender herzustellen, ebenso wie jene strategisch bedeutsamen Informationen zu ,isolieren', die wichtig sind, um die Unternehmensziele zu erreichen".

Tatsache sei, so Prasuhn, daß der heutige Informationsmanager seine Karriere eher im Bereich Anwendungs- sowie Organisationsprogrammierung starte, um dann über die Projektleitung in die Führungsposition des Informationsmanagements zu gelangen. Für Horst Gräber, Geschäftsführer EDS Electronic Data Systems (Deutschland) GmbH, Rüsselsheim, gehen die Anforderungen heute in Richtung Beratung. Unternehmen, die den Schritt in die neue Richtung getan hätten, verzeichneten aus seiner Erfahrung meist weniger Probleme mit der Datenverarbeitung als solche, die noch "traditionell" organisiert seien.

DV-Leiter in der Sackgasse

Steht der traditionsbehaftete DV-Leiter kurz vor seiner Frühpensionierung?

Die zahlreichen Beiträge zum Thema Informations-Management lassen diesen Schluß zweifellos zu. Denn unzweifelhaft ist, daß sich die Datenverarbeitung gewandelt hat.

Auch wenn laut Umfragen neun von zehn DV-Leitern angeben, Datenverarbeitung einzusetzen, nur um Kosten zu sparen, so ist doch die Entwicklung in Richtung Umgestaltung des Unternehmens mittels EDV auf dem Vormarsch.

Aus dieser Umgestaltung erwachsen an die Datenverarbeiter fachübergreifende Anforderungen. Der DV-Chef kann sich also nicht mehr mit der Rolle des "verwaltenden Datenlieferanten", wie es einmal Professor Frank Peschanell definierte, zufriedengeben.

Im Mittelpunkt seines Könnens wird stehen: soziale Kompetenz, unternehmensweites wirtschaftliches Denken und interdisziplinäres Verständnis, wobei erstklassige DV-Fachkenntnisse selbstverständlich vorausgesetzt werden.

Nimmt er diese Herausforderungen nicht ernst, wird er - so wie es bereits jetzt in den USA vorkommt - vom Vorstand als Gesprächspartner gar nicht zur Kenntnis genommen. hk