Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.02.1998 - 

Interview

"Der ISO-Standard für Java ändert in der Praxis nichts"

CW: Sie brachten erst kürzlich die Version 1.0 Ihrer Web-Entwicklungsumgebung auf den Markt, die auch einen Anwendungs-Server umfaßt. Wie sehen Ihre weiteren Produktpläne aus?

Litwack: Die ursprüngliche Ausführung lief nur unter Windows NT, es ist aber kein Geheimnis, daß wir "Silverstream" nun auf verschiedene Unix-Varianten portieren. Außerdem planen wir Erweiterungen bei der Datenbankanbindung. Dies betrifft sowohl die Zahl der unterstützten relationalen Systeme als auch die Berücksichtigung von objektorientierten Datenbanken. Einen weiteren Schwerpunkt werden wir auf die Verbesserung der dynamisch generierten HTML-Seiten setzen.

CW: Es ist gar nicht so klar, was ein Applikations-Server genau ist, es gibt eine Reihe unterschiedlicher Definitionen. Welche Merkmale sind denn da nach Ihrer Meinung charakteristisch?

Litwack: Ich glaube, daß im großen und ganzen Einigkeit über die notwendigen Funktionen herrscht. Wenn ein Produkt Status- und Session-Management nicht leistet, dann ist es kein Anwendungs-Server. Ebenfalls dazu gehören Caching für die Datenbankverbindung und Thread-Management. Auch Sicherheitsfunktionen werden zukünftig zu den Anforderungen an diese Produktkategorie zählen.

CW: Sun Microsystems will sich verstärkt im Markt für Java-Anwendungen betätigen, die Javasoft-Abteilung bietet bereits einen Web-Server an und arbeitet an einem leichtgewichtigen Transaktionsmonitor. Sie tritt damit in Konkurrenz zu Drittanbietern wie Ihnen. Wie beurteilen Sie dieses Vorgehen?

Litwack: Ich glaube, Javasoft muß sich genau überlegen, in welche Bereiche des Java-Marktes es expandieren will. Andernfalls wird sie das Verhältnis zu einigen Partnern gefährden. Ich habe den Eindruck, Suns Strategie gleicht teilweise jener von Microsoft. Microsoft entwickelte zuerst die Plattform und dominierte anschließend dort auch den Office-Markt. Mein Rat an Javasoft lautet: ganz oder gar nicht. Wenn sie schon in bestimmte Märkte gehen wollen, dann sollen sie das so tun, daß sie dort auch dominieren. Sonst verärgern sie Partnerunternehmen.

CW: Wie weit werden Sie von Javasoft mit einbezogen, wenn es um die Weiterentwicklung der Java-API geht?

Litwack: Wir orientieren uns dabei in alle Richtungen und sind sowohl in der Advisory Group für die "Microsoft Application Foundation Classes" (AFC) als auch in der für Javasofts "Java Foundation Classes" (JFC) vertreten. Allerdings läßt sich kaum behaupten, daß die Industrie von dieser Auseinandersetzung zwischen Sun und Microsoft profitiert. Andererseits wird durch die zunehmende Verbreitung von Java der Druck auf die Hersteller wachsen, für ihre Spezifikationen zusammenzuarbeiten.

CW: Wie reagieren Ihre Kunden auf Javasofts Bemühungen, Java durch die International Organisation for Standardization (ISO) standardisieren zu lassen?

Litwack: Der wichtigste Punkt für die Standardisierung von Java ist, daß jeder Hersteller eines Betriebssystems vertraglich zu Kompatibilität verpflichtet ist. Auch Microsoft. Andererseits hört man überraschend wenig davon, daß Microsoft eine der kompatibelsten Java Virtual Machines (JVM) anbietet, auch wenn sie die vollständige Implementierung aller Funktionen verweigern. Ein überwiegender Teil des Java-Standards ist bereits einheitlich umgesetzt. ISO verstärkt da nur diesen Eindruck einer konsistenten Plattform und wird in der Praxis nicht viel ändern.