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13.10.2000 - 

DIS AG - Forum in Berlin

Der IT-Arbeitskräftemangel ist nur die Spitze des Eisbergs

"Gehen der Arbeitsgesellschaft die Arbeitskräfte aus?" Diese Frage diskutierten Experten auf dem 2. Forum Arbeit der DIS AG kürzlich in Berlin. Meinhard Miegel, Arbeitsmarkt- und Rentenfachmann vom Institut für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn, und der Autor und Trainer für Personalentwicklung, Reinhard Sprenger, skizzierten in ihren Vorträgen mögliche Zukunftsszenarien und Lösungsalternativen. Von Ingrid Weidner*

Der momentane Fachkräftemangel in der IT-Branche ist nur der Vorgeschmack auf die Situation in den kommenden Jahren, so die These der Experten. In einigen Jahren wird die Ressource Arbeitskraft in allen Bereichen knapp. "Selbst bei einer Zuwanderung von 100000 Menschen pro Jahr haben wir in vierzig Jahren etwa zwölf Millionen Erwerbslose weniger. Diese demografische Zeitbombe ist nicht nur für die sozialen Sicherungssysteme, sondern für die gesamte Volkswirtschaft in Deutschland, aber auch in anderen westlichen Ländern eine große Herausforderung", so Miegel zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung.

Allerdings gestalten sich Vorhersagen über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung und den Bedarf an Arbeitskräften immer äußerst schwierig. Wer hätte vor 15 Jahren damit gerechnet, dass irgendwann Absolventen der Kunstakademie gesuchte Experten beim Web-Design sind?

"Nicht selten war, was als Megatrend galt, der ökonomiehistorische Nierentisch des nächsten Jahrzehnts", so Sprenger. Einig waren sich die Experten dagegen, dass die alten Rahmenbedingungen der Arbeitswelt ungeeignet für die Zukunft sind. Sicher hörte der Personaldienstleister und Veranstalter des Forums gerne die Forderung nach mehr Zeitarbeit und flexibleren Bedingungen für Zeitarbeitsmodelle. Ob es wirklich der beschworene Königsweg aus Fachkräftemangel ist, wird sich zeigen.

Unattraktiv für die Ohren vieler Arbeitnehmer dürfte Miegels Wunsch klingen, jede weitere Verkürzung der Lebens- und Wochenarbeitszeit zu stoppen. Feste Arbeitgeber oder Arbeitsplätze sind nach seinen Vorstellungen ein Relikt der Vergangenheit, "eine volkswirtschaftliche Verschwendung dieser kostbaren Ressource", so Miegel. Man müsse effektiver mit der knappen Ressource Arbeitskraft haushalten. Bei aller technokratischen Rhetorik geht es trotzdem immer noch um Menschen, was bei solchen Formulierungen leicht aus dem Blickfeld verschwindet.

Gerade wenn gut qualifizierte und intelligente Menschen die Wahl haben, für wen sie arbeiten möchten, kommt der Personalentwicklung ein ganz neuer Stellenwert zu. Unternehmen bewerben sich um die Mitarbeiter, nicht mehr umgekehrt. Sie sollten ihnen attraktive Rahmenbedingungen bieten, damit es kein kurzes Gastspiel bleibt.

"Das Wissen weniger wird Produktivität erzeugen", so Sprenger. "Für den Einzelnen bedeutet das: Das wichtigste Kapital der Zukunft ist der eigene Kopf." Bildung und Weiterbildung rücken noch stärker in den Mittelpunkt. Sprenger skizzierte in seinem Vortrag vor allem das veränderte Bild von "Arbeit". Dazu gehöre beispielsweise, dass sich feste Chef-Mitarbeiter-Konstellationen auflösen, Mitarbeiter für bestimmte Projekte engagiert werden und sich Karriere nicht mehr hierarchisch definieren lässt.

Gerade die Informationstechnologien schaffen Flexibilität. Arbeitskräfte konkurrieren weltweit mit anderen Bewerbern. Um in diesem Wettlauf nicht zu verlieren, fordert Sprenger vor allem in Mitteleuropa ein hohes Ausbildungsniveau, mehr Eigeninitiative und unternehmerisches Denken bei den Arbeitnehmern.

Gleichzeitig bietet die Zukunft weniger Sicherheit für die Arbeitnehmer. Diese Kröte schlucken vor allem die sicherheitsverliebten Deutschen ungern. Den Referenten war durchaus klar, dass sie hier die Grenze zu wichtigen Grundsätzen und Tabus überschritten hatten. Besonders wenn sie eine Lockerung des Arbeitsrechts fordern, müssen sie von Seiten der Gewerkschaften und vieler Arbeitnehmer mit Widerstand rechnen.

*Ingrid Weidner ist freie Journalistin in München.