Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

22.11.1996 - 

Schlüsselthemen: Wintel, Objekte, Bandbreite und Internet

Der IT-Manager der Zukunft muß ein Herkules sein

Daß eine Reihe von IT-Chefs in den nächsten Jahren arg in Bedrängnis kommen wird, steht für Peter Sondergaard außer Frage. Enge Budgetrahmen, die dramatisch ansteigende technologische Komplexität und hartnäckige Geschäftsführungen, die sich von ihren IT-Verantwortlichen den Return on Investment für Investitionen im Detail vorrechnen lassen, dürften nach Meinung des Gartner-Group-Analysten manchen DV-Chef ins Schwitzen bringen.

Anläßlich des diesjährigen IT-Symposiums seines Unternehmens in Cannes führte der Marktforscher aus, daß der Druck zunehmend auch von seiten der Anwender ausgeübt werde, die teilweise in separat geführten Unternehmenseinheiten tätig seien und sich an eine konzernweite Strategie nur bedingt halten wollen. Die Gartner Group geht davon aus, daß die weltweiten Ausgaben für das Einrichten und Pflegen verteilter Arbeitsplätze im Jahr 2001 rund 30 Prozent des IT-Budgets schlucken werden. Derzeit liege dieser Wert bei unter fünf Prozent.

PC-Anwender zu betreuen, werde auch aufgrund der immer mächtigeren und ausgefeilteren Desktop-Software schwieriger. Mit den neuen Office-Paketen erhält beispielsweise jeder Anwender einen Web-Server, einen Browser und Tools für die Gestaltung von Seiten in Hypertext Markup Language (HTML). "Jeder User kann seine eigene Web-Seite einrichten", erklärt Sondergaard, der auf die weitreichenden Folgen dieser Entwicklung aufmerksam machen möchte.

Der größte Teil der Organisationen sei zudem belastet mit zahllosen Legacy-Anwendungen und einer Infrastruktur, die der dynamischen Entwicklung der meisten Märkte und Geschäfte kaum gewachsen sei. Zu allem Überfluß ticke auch noch die Zeitbombe "DV-Wechsel in das Jahr 2000". Unter diesen schwierigen Voraussetzungen muß die unternehmensweite IT in den kommenden fünf Jahren gravierende Veränderungen durchmachen.

Altanwendungen binden derzeit jedoch noch so viele Kapazitäten, daß viele IT-Abteilungen weder die Zeit noch die Fähigkeit haben, den organisatorischen Wandel ihres Unternehmens DV-technisch vorzubereiten und zu begleiten. "Eine geplante Veraltung der IT ist besser als eine ungeplante", rät Sondergaard in diesem Zusammenhang.

Dem Change-Management komme eine besondere Bedeutung zu - das bleibe auch so, wenn neueste Technologien eingesetzt würden.

Die wenigsten Unternehmen haben nach Ansicht des Gartner-Analysten bereits begriffen, welch hohe zusätzliche IT-Investitionen in den nächsten fünf Jahren nötig sein werden. Um Anwendungsportfolios zu restrukturieren, geografisch verteilte Arbeitsplätze zu unterstützen und Kunden einzubinden, werde über eine Periode von drei bis vier Jahren durchschnittlich das 1,5- bis 2,5fache des heutigen IT-Jahresbudgets aufzubringen sein.

Schreckensszenarien zum Wechsel in das Jahr 2000 hält die Gartner Group schon seit längerem bereit. Zusätzliche Ausgaben von sage und schreibe 300 bis 600 Milliarden Dollar kommen nach Schätzungen der Marktbeobachter bis zur Jahrhundertwende auf die Anwender zu. Diese horrende Summe erklärt sich daraus, daß viele Unternehmen das Problem nicht rechtzeitig oder zu oberflächlich angehen. Folge seien Geschäftseinbußen, der Verlust von Marktpositionen und extreme Kundenunzufriedenheit, die in manchen Rechtsstreit münden werde. Firmen, die jetzt oder in naher Zukunft nicht anfingen, könnten in eine Paniksituation geraten, wenn sie das Ausmaß des Problems erkennten.

IT-Zuständigkeiten werden neu definiert

In diesem wie in anderen Vorträgen der Gartner-Analysten wurde die Frage diskutiert, wie die IT-Personalstruktur aussehen muß, um die beschriebenen Herausforderungen zu meistern. Da die Unternehmen immer weiter in Business Units zerlegt werden, sieht die Gartner Group im Jahr 2001 in gut zwei Drittel aller Fälle die IT-Organisationsstrukturen in einem losen Verbund organisiert. Die formale Kontrolle übe ein "Office of Enterprise IT" aus, dem der Chief Information Officer vorsteht.

Die IT-Spitze hat kontrollierende und koordinierende Funktionen, achtet aber auch darauf, daß die Arbeitsergebnisse der verschiedenen IT-Units im Konzern ausgetauscht werden und integrationsfähig bleiben. Allerdings planen die Business Units weitgehend selbständig und übernehmen teilweise auch die Budgetkontrolle. IT-Funktionen wie die Anwendungsentwicklung werden dezentralisiert und auf die Bedürfnisse einzelner Geschäftseinheiten ausgerichtet.

Aufgabe der IT-Verantwortlichen wird es sein, neben der strategischen Weichenstellung auch die richtige Technologie auszuwählen. Welche Entwicklungen werden aber die IT-Infrastrukturen am stärksten beeinflussen? Sondergaard prägte den Begriff "WOBI" : Die Buchstaben stehen für Wintel, Objekte, Bandbreite und Internet.

Für neue Applikationen gleich welcher Größenordnung würden bis zum Jahr 2001 Intel-Server mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows NT zur ersten Wahl. Im Jahr 1999, so prophezeit die Gartner Group, werden weltweit eine Million Wintel-Server ausgeliefert sein. Dadurch entsteht massiver Druck auf alle anderen Rechnerarchitekturen im Markt. In fünf Jahren soll es auch Wintel-Mainframes geben, deren Performance, Verfügbarkeit und Verwaltbarkeit den dann verfügbaren Großrechnern nahekommen. Die Mainframe- und AS/400-Basis wird ab 1998 stark angegriffen. Unix-RISC-Varianten, die heute noch weit verbreitet sind, düften auch im Jahre 2001 nicht verschwunden sein - allerdings drängt die Wintel-Phalanx diese Techniken in Nischenmärkte zurück.

Im Bereich der Anwendungsentwicklung setzen sich die seit Jahren diskutierten Objekttechniken nun definitiv durch. Mehr als 60 Prozent aller Programme werden laut Gartner im Jahr 2001 nicht mehr nach traditionellen Methoden codiert, sondern aus bestehenden Komponenten assembliert, die aus Objektbibliotheken entnommen oder von Spezialanbietern offeriert werden. Für Unternehmen und Softwareschmieden bedeutet das, ungefähr 90 Prozent der heutigen Entwicklungsmannschaft umschulen oder austauschen zu müssen. Künftig wird die Fähigkeit gefragt sein, auf dezentraler Ebene Anwendungsarchitekturen zu verwalten, Schnittstellen zu programmieren und komplexe Projekte zu managen.

Bewegung kommt nach Einschätzung der Gartner Group auch in den Markt für betriebswirtschaftliche Standardanwendungen. Client-Server-Programme, wie sie heute verbreitet sind, gehören demnach bereits 1999 zum alten Eisen. Statt dessen werden Anwender flexible Applikationsrahmen nutzen und diese nach individuellem Bedarf mit Komponenten auffüllen.

Gemischte Anwendungen mit zugekauften Fertigbausteinen und eigenentwickelten Komponenten werden in Zukunft integriert. Dort, wo Komplettanwendungen mit der Vision einer tiefen "Integration" verkauft werden, laufen Anwender Gefahr, in eine proprietäre logische und physikalische Architektur und Tool-Umgebung eingebunden zu sein. Auch bieten die meisten Softwarhäuser limitierte und starre Geschäftsprozeß-Modelle, die Anwender dazu zwingen, Kompromisse bei der Ausrichtung ihrer Aktivitäten zu machen.

In puncto Bandbreite sagen die Analysten aufgrund der Globalisierung der Märkte ein dramatisches Wachstum an unternehmensweiten Wide-Area-Network-(WAN-)Umgebungen vorher. Die Zusammenarbeit von Arbeitsgruppen, die an unterschiedlichen Orten untergebracht sind, und die Notwendigkeit, externe Consultants und Systemintegratoren in Projekte einzubeziehen, sorge für eine rasant ansteigende Nachfrage. Die unternehmensweite Nutzung von WANs werde um das Dreifache ansteigen, die Ausgaben sich verdoppeln. Um die Arbeitsproduktivität in "virtuellen" Unternehmen zu erhöhen, müßten multimediale Daten, also Stimmen, Videos, Bilder und Texte, übertragen werden - dazu sei höhere Übertragungsleistung unabdingbare Voraussetzung.

Die vierte Schlüsseltechnik, das Internet, wird laut Gartner Group die Datenverarbeitung und -kommunikation im Kern verändern. Ein Oligopol, bestehend aus den drei Anbietern Microsoft, Netscape und Lotus/IBM, werde sich bis zur Jahrhundertwende durchsetzen und bis zu 80 Prozent des Marktes für Internet- und Intranet-Workgroup-Plattformen für sich vereinnahmen. Den "Thin Client" in Form eines Network Computers (NC) sieht die Gartner Group trotz des anhaltenden Vernetzungstrends auch in fünf Jahren nur auf 20 Prozent aller Schreibtische in den Unternehmen stehen.