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03.12.1982 - 

Digitale Nebenstellenanlagen, lokale Netze und K-Anlagen konkurrieren:

Der Käufer hat es sehr schwer zu entscheiden

Die Bedeutung der lokalen Netzwerke nimmt nicht nur ständig zu, weil Netzwerke eine neue Einrichtung sind, welche zu einem wesentlichen Teil die Büroautomation erleichtern, sondern weil für die verschiedensten Anwendungen die gleiche Einrichtung herangezogen werden kann. Von ihnen sind es besonders zwei, die sich in ihren technischen Anforderungen aber so deutlich unterscheiden, daß man es sich genau überlegen muß, ob man für alle Anwendungen die gleiche technische Einrichtung verwenden soll, oder ob es nicht kostengünstiger ist, zwei getrennte Einrichtungen zu wählen: Zu unterscheiden sind hier das "lokale Rechnernetz" und das "lokale Kommunikationsnetz".

Die ständige Weiterentwicklung der Mikroelektronik und die damit verbundene Verbilligung der Rechnerhardware führten zur Konzeption von kleineren Rechnern, in denen gewisse Aufgaben deutlich kostengünstiger gelöst werden können, als in den eigentlichen Großrechnern. Dies führte dazu, den Terminals immer mehr einen Rechnercharakter zu verleihen, sie also intelligent zu machen. Daneben bietet es sich auch an, die sogenannten Mikro- oder Tischrechner als Terminals zu verwenden. Dadurch ergibt sich eine deutliche Verbilligung der Rechnervorgänge, aber man muß solche Terminals dann mit den größeren Rechnern oder untereinander verbinden, allerdings nur zu solchen Kosten, daß die Verbilligung der Rechnervorgänge durch die Verbindungs- und Übertragungskosten nicht mehr als wettgemacht werden.

Lokales Kommunikationsnetz

Das ist die erste Anwendung der lokalen Netze, die hier bewußt als lokale Rechnernetze bezeichnet werden. Hier ergeben sich Forderungen, die, wie wir sehen werden, bei der anderen Anwendung nicht in gleichem Maße vorhanden sind, nämlich große Bandbreiten, je nach Anwendung bis zu mehrere 100 MBit pro Sekunde. Im allgemeinen sind die geographischen Entfernungen nicht allzu groß, bis zu etwa zehn Kilometern, das soll schon durch das Beiwort "lokales" Rechnernetz gesagt werden. Auch nur für diese Anwendung hat die Struktur Stern, Ring oder Bus die große Bedeutung, die ihr in den Firmenunterlagen im allgemeinen zugesprochen wird.

Kommunikation ist das wesentliche Element, die Büroarbeit zu rationalisieren, um die Effektivität der Büros zu erhöhen und damit die Büroarbeit zu verbessern. Je nach Art des Büros wird die Kommunikation auf verschiedene Arten durchgeführt, von denen die wichtigsten Sprache, Text, Bilder und Daten sind.

Bild 1 soll in übersichtlicher Weise das Nebeneinander der verschiedenen Informationsträger und ihre mögliche Integrierung zeigen.

Der Bereich 1 entspricht den lokalen Rechnernetzen, daneben aber auch im Bereich der codierten Information zur interaktiven Kommunikation. Akustische Koppler und Modems sind die Zwischenglieder für diesen Bereich.

Der Bereich 2 umfaßt die Information in variabler Form, bekannt sind hier die Nebenstellenanlagen, als Geräte zu ihrer Vermittlung. Da es auch datenfähige Nebenstellenanlagen gibt, kann man gleichzeitig verbale und codierte Informationen übertragen und vermitteln (Bereich C). Wenn die Anforderungen nach Breitbandigkeit begrenzt sind, kann eine solche Anlage auch als lokales Rechnernetz eingesetzt werden.

Deutliche Unterschiede

Der Bereich 3 umfaßt Text- und Bildvermittlung, hierfür werden in verschiedenen Firmen auch Spezialanlagen angeboten und auch solche, die eine Integrierung mit Daten und Sprache ermöglichen. Wann aber welche Anlage in einem Betrieb eingesetzt werden soll, ist nicht leicht zu entscheiden. In einer Versicherung mit vorwiegend nicht verbaler Information wird es anders aussehen als in einer Bank mit vorwiegend codierter Information, und in beiden wiederum ist es anders als in der Redaktion einer Zeitung, bei der die verbale Information die wichtigste ist.

Natürlich kann man alles digitalisieren und letzten Endes die Kommunikation nur digital ausführen. Dies ist der Bereich A von Bild 1, der Bereich, den die Hersteller lokaler Netze größtenteils bestreiten, mit dem sie glauben, alles zu können; daß sich, abgesehen vom hohen Preis, aber auch hier Schwierigkeiten ergeben, vor allem durch ihre lokale Inselbedeutung, soll im Augenblick nicht weiter erörtert werden. Unter der Annahme der Digitalisierung erscheint alles genauso wie beim lokalen Rechnernetz, aber trotzdem ergeben sich deutliche Unterschiede.

Hier werden keine Rechnervorgänge aus Kosten- und anderen Gründen an die Peripherie verlagert, sondern hier wird Nachrichtenübermittlung, sprich interaktive Kommunikation, zur Verbesserung der Effektivität des Büros beschrieben, die zu übertragenden Bit-Raten sind wesentlich geringer. Eine in den USA durchgeführte Untersuchung sagt, bei 30 Arbeitsplätzen benötigt man zirka 19 KB pro Sekunde, bei 300 284 KB pro Sekunde. Wozu dann

10 000 KB pro Sekunde (beziehungsweise zehn MB pro Sekunde)?

Für die Hersteller lokaler Rechnernetze scheint es klar, daß man das wenige, was die interaktive Bürokommunikation fordert, noch ohne weiteres über ihr Netz leiten kann. So scheint sich hier eine deutliche Verbilligung zu ergeben. Wenn allerdings der Fall gegeben ist, daß nur ein lokales Kommunikationsnetz gefordert wird, sieht es anders aus.

Gordon Bell von Digital Equipment sagte einmal, während bei einer konventionellen Übertragung über Telefondraht eine Seite aus "Krieg und Frieden" 4,4 Sekunden benötige transportiert man mit Ethernet in dieser Zeit alle 1000 Seiten dieses Romans.

Die Angabe soll nicht bezweifelt werden, aber welches Büro braucht eine derartige Quantität von Informationen, um dies auszunutzen? Diese Informationsmenge wird eben nur benötigt, wenn man zum Beispiel periphere Rechner an eine Zentralrechner mit anbinden will.

Tricks mit Worten

Die verschiedenen Hersteller von Kommunikationsanlagen, seien es lokale Rechnernetze oder seien es lokale Kommunikationsnetze, versuchen nun, die Verbindung durch verschiedene Wortschöpfungen, um nicht zu sagen Tricks, herzustellen. Siemens versucht diese Schwierigkeit dadurch zu umgehen, daß sie ihr lokales Rechnernetz EMS 5800 Dokument benennt und kleingeschrieben sagt, EMS 5800 läßt sich nicht nur in Verbindung mit den übrigen EMS-Kommunikationssystemen verwenden, sondern es läßt sich auch alleine betreiben. Der Zusatz Dokument soll darauf hinweisen, daß es sich bei diesem Netz um ein breitbandiges lokales Rechnernetz handelt, welches man natürlich im Büro einsetzen kann, welches aber einen ganz anderen Zweck hat, nämlich die dezentralen Rechnereinheiten, welche ihre Arbeit dezentral kostengünstiger erledigen, als wenn man sie zentral ausfahren ließe, miteinander zu einer zusammenarbeitenden größeren Rechnereinheit zu verbinden.

Philips verwirrt den Anwender noch mehr, indem sie im Bereich der privaten Datenkommunikation noch weitere Begriffe für Netze einführen wie Netzknotensysteme, statistischer Multiplexer, Netzmanagementsysteme und andere, wobei ein Lexikon dazugehört, um zu verstehen, was eigentlich gemeint ist.

Für die Hersteller von Kommunikationsnetzen ergeben sich außerdem andere Probleme: Sie sehen ihr lokales Kommunikationsnetz als Teil von nationalen und übernationalen Kommunikationsnetzen, die nur dann wirkungsvoll miteinander zusammenarbeiten können, wenn sie weltweit standardisiert sind. Sie sehen nicht nur die zehn Kilometer des lokalen Rechnernetzbereiches und nicht nur die Herstellergesichtspunkte, sondern auch Anwendergesichtspunkte, und das mit der stillschweigenden Voraussetzung, daß das vorhandene Weltkommunikationsnetz und nicht nur das Telefonnetz, selbst wenn man heute eine bessere Lösung haben würde, nicht auf den Abfall geworfen werden kann, auch dann nicht, wenn eine besonders gute Lösung des lokalen Netzwerkes dies technisch erfordern würde.

Die K-Anlage der Post

So gesehen haben die Nebenstellenanlagen den großen Vorteil, standardisiert zu sein. Man bekommt bei verschiedenen Herstellern Anlagen, die man leicht miteinander vergleichen kann. Bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 100 KB pro Sekunde, bei digitalen Anlagen noch mehr, reicht sie im allgemeinen aus. Und das bei einem Richtpreis von etwa 1000 Mark pro Arbeitsplatz. Wenn man die Standardisierung von Nebenstellen aus anderen Ländern nimmt, die allerdings nicht unsere deutsche Fernmeldeordnung erfüllen würden, kommt man zu noch günstigeren Preisen pro Arbeitsplatz. Das lokale Rechnernetz dagegen kostet in den USA pro Arbeitsplatz zwischen 1500 Dollar pro Knoten, das heißt pro Arbeitsplatz, und das gilt für eine Basisbandanlage, die einen normalen Telefondraht als Übertragungsmittel verwendet, bis zu etwa 15000 Dollar pro Knoten für eine Breitbandanlage über einem Koaxialkabel. Diese Preisangaben sind nur ungefähre Richtangaben. Bei Glasfaserkabel würde es noch viel mehr werden.

Auch die Bundespost versucht eine lokale Kommunikationsanlage zu normalisieren. Sie nennt sie sogar richtigerweise Kommunikations- oder K-Anlage.

Sie war von der Bundespost erdacht worden, um den Nachrichtenaustausch zwischen unterschiedlichen Endgeräten sowie zwischen einem Endgerät und dem Hauptanschluß eines öffentlichen Netzes zu ermöglichen. Diese fast universelle Kommunikationsanlage wurde als K-Anlage bezeichnet. Jedoch kein Hersteller in der Bundesrepublik hat bisher eine solche Anlage vorgestellt. Deshalb schlägt die Bundespost nun neue Wege ein, um technischen Fortschritt weiter anzufeuern. Diese neuen Wege lassen den Herstellern und Anwendern die Freiheit, das vorzuschlagen, was sie für richtig empfinden. In keiner Weise wird diese Anlage aber als lokales Rechnernetz bezeichnet.

Dafür wäre sie auch nicht geeignet, mit der Einschränkung, daß bei einer digitalen K-Anlage doch die Bandbreite so groß ist, daß Datenkommunikation auf jeden Fall, periphere Intelligenz unter Umständen, über die Anlage angebunden werden kann.

Eine echte Konkurrenz

Praktisch bedeutet dies, daß die Entscheidung, was für eine Anlage sich ein Unternehmen beschaffen soll, bestimmt nicht nur von einem Verkäufer eines lokalen Rechnernetzes gefällt werden kann, er sucht seine Anlage zu vertreiben, aber was sie alles mehr bietet, unabhängig davon, ob der Käufer es braucht, ist mit hohen Kosten verbunden.

Aus diesen erwähnten Gründen ist die Konkurrenz zwischen lokalen Rechnernetzen und lokalen Kommunikationsnetzen nur in Ausnahmefällen eine echte Konkurrenz; meist kann eine Organisationsuntersuchung, eine Untersuchung der Aufgaben - und die sind immer mit den Zielen des Unternehmens verknüpft und nicht nur mit der Effizienz der Übertragung von codierten Informationen - das optimale Resultat erbringen. Bei einer Kommunikationsanlage ist die Struktur, ob Ring, Stern oder Bus, von nebensächlicher Bedeutung, dafür aber der Anschluß an die öffentlichen Dienste, und damit ist eine strenge Standardisierung, vor allem der Schnittstellen, unbedingt notwendig.

Der Käufer hat es im augenblicklichen Moment sehr schwer, zu entscheiden, was für ihn das beste ist, es gibt Nebenstellenanlagen, auch solche, die einen Datentransport ermöglichen. Es gibt Telex- und Teletextvermittlungsanlagen, die das gleiche für die Schrift erfüllen, auch Anschluß von Telefax, also der Bildübertragung, ist möglich, daneben gibt es lokale Rechnernetze, die alles übertragen, aber trotzdem nicht für alle Anwendungen die optimale Lösung darstellen. Wofür sich der Käufer letzten Endes entscheiden soll, ist keine leichte Aufgabe. Neben einer Untersuchung des Unternehmens mit seiner bestehenden Organisation und seinen Zielen gehört eine einschlägige Beratung, eine Schulung der Angestellten des Unternehmens und Untersuchung der Risiken dazu, denn das, was heute unter Umständen beschafft wird, kann morgen veraltet sein, kann sich als Fehlkauf erweisen, weil die Kompatibilität zwischen den verschiedenen Geräten nicht gegeben ist und kann, nicht zuletzt, von den Angestellten abgelehnt werden. Die, die sich wahrscheinlich am besten in dem Unternehmen auskennen, werden oft nicht einmal befragt, wie und wodurch man die Effektivität verbessern kann. Wenn ihnen dann Lösungen aufoktroyiert werden, die vorwiegend dem Verkäufer der Anlagen dienen und nur bedingt dem Anwender, sind sie oft unzufrieden. Gerade im Bereich der lokalen Netze, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab, sind umfassende Kenntnisse heute noch sehr selten. Nicht zuletzt deshalb stellte Quantum Science fest, daß in Europa von über 700 eingesetzten lokalen Netzwerken bei über 50 Prozent billigere Lösungen ausgereicht hätten.

*Carl Friedrich Schuh, Unternehmensberater, Nürnberg.