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10.01.1997 - 

Speichersysteme und -Management/Noch herrscht leichter Nebel bei den optischen digitalen Disks:

Der Kampf um Standards und Formate dauert an

Für den Markt der DVD-ROM sieht das Marktforschungsunternehmen IDC beeindruckende Volumina am Horizont. Bis zum Jahr 2000 soll dieses System nach Aussage des Reports "DVD: Impact, Analyses and Forecast" nach Stückzahlen den CD-ROM-Markt übertreffen und das Marktvolumen weltweit auf mehr als 117 Millionen Dollar anwachsen lassen. Diese positive Vorausschau führt zu der IDC-Aussage, daß bereits 1998 13 Prozent aller Software im DVD-Format vorliegen wird.

Anwender akzeptieren höhere Preise

Auch die Anwender scheinen in ihrem Bedürfnis nach mehr und schnellerem Speicher zu Zugeständnissen bereit. Wie die Auswertung von 1000 Interviews ergab, sind die User bereit, für DVD bis zu 250 Dollar mehr auszugeben als für ein herkömmliches CD-ROM. Die ersten Verkäufe im näheren Zeitraum würden hauptsächlich zum Upgrade installierter Pentium und Pentium-Pro-PCs getätigt, so IDC weiter. Der Wunsch der Anwender gehe in Zukunft eindeutig hin zu wiederverwendbaren DVD-ROMs als Speichermedium für Backup und Archivierung.

Im Prinzip und nach offizieller Lesart, so die Interactive Multimedia Association (IMA), steht die Abkürzung DVD für eine Anzahl verschiedener optischer Disk-Formate. Spezifikationen für fünf Varianten sind in Arbeit, teils veröffentlicht und in fünf Büchern niedergelegt.

So befaßt sich das Buch "A" mit dem DVD-ROM, einem Hochleistungsspeicher ähnlich der CD-ROM. DVD-Video ist in Buch "B" spezifiziert und beinhaltet hauptsächlich die Wiedergabe linearer Bewegtbilder. Der Audiobereich findet sich in Buch "C", die Aufnahmeverfahren (R: Recordable) in Buch "D", und das wiederbeschreibbare DVD-ROM ist schließlich in Buch "E" spezifiziert.

Innerhalb dieser Untergruppen, die alle unter den Sammelbegriff DVD fallen, sind in der Vergangenheit verschiedene Bezeichnungen für unterschiedliche Verfahren aufgetaucht. So steht "Multimedia Compact Disc" (MMCD) für den Vorschlag von Sony und Philips zur Thematik. "Super Density" (SD) stammt hauptsächlich von den Kontrahenten To- shiba/Time Warner sowie einigen anderen Herstellern. Die "High Density Compact Disc" (HDCD) wurde nach Aussage der IMA ursprünglich auch für dieses Speichermedium im Sprachgebrauch eingesetzt, ist aber tatsächlich eine Trademark von Pacific Microsonics für High Definition Compatible Digital - einer Technologie zur digitalen Verschlüsselung und Wiedergabe von Audiosignalen.

Die DVD-Spezifikationen sind dazu angetan, die unterschiedlichen Verfahren MMCD und SD zu vereinen. Die Liste der Unternehmen, die sich laut IMA aktiv mit der Entwicklung des DVD-"Standards" befassen, ist ein kleines Who's who der Speichertechnologie: Hitachi, Matsushita, Mitsubishi, Philips, Pioneer, Sony, Thomson Multimedia, Time Warner, Toshiba und Victor Company of Japan sind die Hauptakteure.

Wie sich auch aus der Anlage der fünf Bücher zur Spezifikation von DVD vermuten läßt, wird es für den Markt zwei Systeme geben - den Movie Player und das DVD-ROM für den PC-Einsatz.

Der Movie Player läßt sich an den Fernseher anschließen und spielt neben Audio-CDs spezielle DVD-Scheiben mit Filmen im MPEG-2-Format ab. Die ersten DVD-Movie-Player werden aller Voraussicht nach keine Interfaces wie SCSI oder RS-232 zu Computern besitzen und dementsprechend für das Abspielen von CD-ROMs ungeeignet sein.

Für den DV-Einsatz gibt es die DVD-ROMs, die als Peripheriegeräte herkömmliche CD-ROMs lesen können. Hier aber gilt es zu beachten, für welche Anwendungen (Photo-CD, CD-i etc.) die Technik vorher eingesetzt wurde. Beschreibbare CDs wie Photo-CDs dürften, so die IMA, nicht in DVD-Video oder -ROMs lesbar sein, da sie eine andere Laserfarbe verwenden und die aufgezeichneten Daten für das neue System unsichtbar sind.

Die DVDs nutzen ein neues File-Format namens Universal Disk Format (UDF), das die Optical Storage Technology Association (OSTA) entwickelt hat. Hewlett-Packard bietet bereits seit Mitte letzten Jahres ein entsprechendes Toolkit an.

Gerangel zwischen zwei konkurrierenden GruppenIm Markt herrscht, wie fast immer, wenn es darum geht, eine neue umsatzträchtige Technologie zu plazieren, Gerangel. Speziell bei DVD machen sich die Gruppen um Sony/Philips und Toshiba/Time Warner gegenseitig das Leben schwer, insbesondere was die Patente und deren Verwertung betrifft.

So warnte im August IMA-Präsident Philip Dodds in einer Veröffentlichung, daß die Verwertung vorzeitig freigegebener Patente, wie es Philips und Sony im August 1996 angestrebt hatten, rechtliche Konsequenzen haben werde. Die betreffenden Patente bezögen sich, so Dodds, auf die Datenverschlüsselung, die Fehlerkorrektur und optische Speichertechnologien. Zur kompletten Entwicklung und zum Vertrieb von DVD-Systemen aber seien auch andere Patente heranzuziehen, so daß letztlich alle Patente der IMA-Allianz gleichermaßen Berücksichtigung finden müßten.

Es war seitens der DVD-Allianz IMA vorgesehen, daß alle Hauptentwickler ihre Patente in einen Pool einbringen sollten, um sie dem Markt dann gebündelt zur Verfügung zu stellen. Die zwei ausscherenden Unternehmen, so wurde damals vermutet, hätten ihren Schritt getan, um drohenden Anti-Trust-Verfahren zuvorzukommen. Dennoch bewirkte dieses Vorpreschen auch, daß die Ankündigungen und Vorbereitungen der anderen Partner beschleunigt würden, hieß es.

Es tut sich also einiges im Markt. Die Zeitschrift "E-Town" überschrieb zur Jahresmitte 1996 sogar einen Beitrag mit den Worten "The DVD Soap Opera Continues". Mittlerweile scheinen die Standards jedoch festzustehen, die DVD-ROM und Video beschreiben, aber in einigen Teilbereichen, vor allem zum Kopierschutz, fehlen noch Zustimmungen aus der Filmindustrie. Das Format für reine Audio-CDs des neuen Typs steht, so ist zu hören, noch in der Diskussion.

Ein wichtiges Ereignis für das weitere Fortschreiten der Bemühungen um DVD wird die International Winter Consumer Electronics Show in Las Vegas vom 9. bis 12. Januar 1997 sein. Erwartungsgemäß aber steht hier wohl die Entertainment-Version der Digital Versatile Disks im Vordergrund.

Die Ankündigungen für den DV-Bereich beziehen sich auf Markteinführungen zum Jahresbeginn 1997. Toshiba gehört zu jenen Firmen, die im Vorfeld der Comdex entsprechende Verlautbarungen machten. Wie von To- shiba in den USA zu hören ist, sollen PCs mit dem DVD-Speichersystem rund 400 bis 500 Dollar mehr kosten als mit CD-ROM.

Während noch nicht einmal die ersten DVD-ROMs in Quantitäten auf dem Markt sind, geht bereits das Rennen um die schnellsten DVD-ROMs los. LG Electronics aus Südkorea kündigte schon an, daß für Ende 1997 ein Zweifach-DVD-ROM-Laufwerk geplant sei, und Toshiba steht in den Startlöchern. Auch im Hause Acer Peripherals glaubt man, daß die Geschwindigkeit ein entscheidendes Kriterium im Kampf um die Marktanteile sein dürfte. Komponentenhersteller experimentieren bereits mit Dreifach-DVDs.

Großer Verkaufserfolg ab 1999 zu erwarten

Gleichwohl scheint selbst die Herstellerseite den optimistischen Marktprognosen kaum zu trauen - nur eines dürfte sicher sein: Mit Ende des ersten Quartals 1997 kommt der Zug in Fahrt.

Dataquest jedenfalls geht davon aus, daß nach dem "Hopp" im nächsten Jahr der entscheidende Durchbruch 1999 kommen wird, um das Verfahren zu einem der Hauptdatenspeicher des beginnenden nächsten Jahrtausends werden zu lassen. Das - so zumindest hat es den Anschein - wird sich wohl nur unter aktiver Mithilfe Hollywoods realisieren lassen. Die Aktivitäten der Filmbranche dürften die Nachfrage in die Höhe schießen lassen.

Angeklickt

Ein neues Speichermedium scheint kurz vor dem Boom zu stehen: DVD oder Digital Versatile Disc, oft auch Digital Video Disc genannt. Die technischen Werte, die diesem neuen Speichersystem zugeordnet werden, sind beachtlich: bis zu 13mal mehr Informationen als auf einer CD herkömmlicher Größe soll sie speichern können, die Zugriffsrate bewegt sich bei 4,5 MB/s, und gut 92 Prozent aller Filmproduktionen liegen innerhalb der Spieldauer einer 5-Zoll-DVD von 133 Minuten. Solche Größen beeindrucken nicht nur den Heimcineasten, sondern auch den PC-Anwender, für den das DVD-System ebenfalls rosige Speicherzeiten anbrechen lassen soll.

*Horst-Joachim Hoffmann ist freier Journalist in München.