Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.06.1980

Der kleine Bluff

Warum kommen kleinere und mittlere Unternehmen mit dem Computer nicht klar? Versprechen die Hersteller zuviel? Sind die Berater überfordert? Oder ist der Mittelstand einfach noch nicht reif für die Datenverarbeitung?

Dies vorweg: Die erste Frage impliziert, daß die Möglichkeiten der Datenverarbeitung von Klein- und Mittelbetrieben bei weitem nicht ausgeschöpft werden. Dem werden insbesondere die Anbieter von Kleincomputern entgegenhalten: "Und sie funktioniert doch."

Da mag man mit Beispielen für exzellente DV-Organisationen in Fünfzigmannbetrieben kommen - die Kritik an der Mittelstands-DV besteht zu Recht. Gerade weil DV-Lösungen bei kleinen Anwendern so unterschiedlich ausfallen, ist zu fragen, welche Ansätze nachahmenswert sind. In erfolgreichen Einzelprojekten erzielte Kosteneinsparungen und Informationsgewinne decken auf, welche Vorteile erreichbar wären sie zeigen aber auch, wie viel Geld mit "Computer-Spielereien" gerade im Bereich Basisdatenverarbeitung von den Anwendern immer noch verschwendet wird.

Man vergißt allzu leicht, daß auch Anlagen der Mittleren Datentechnik- sprich "MDT" - überdimensioniert sein können, dann nämlich, wenn sie lediglich als aufgemotzte Buchungsmaschinen eingesetzt werden und die "High-Speed-Technology" brachliegt. Das wachsweiche Argument von der Entscheidungshilfe, die der Computer liefern soll, aber in der Mittelstandspraxis nicht liefert, verdeckt den Unsinn, der von den Herstellern über das Preis-/Leistungsverhältnis ihrer Micky-Maus-Maschinen gesagt wird.

Welche Software- und Personalkosten auf den Anwender zukommen, darüber erfährt er so gut wie nichts. Fixpreise für vorgefertigte Einzelprogramme werden genannt, auch schon mal Summen für Gesamtpakete - was die erforderlichen Änderungen kosten, bleibt mehr oder weniger Verhandlungssache. Was die meisten DV-Anfänger nicht bedenken: Wenn eine DV-Anwendung gut läuft, dann meistens nicht lange. Denn erfolgreiche Systeme haben die Tendenz, zu expandieren, was Programmänderungen nach sich zieht. Grund für nachträgliche Software-Änderungen ist ferner, daß der Computereinsatz in kleineren und mittleren Betrieben in der Regel schlecht geplant und falsch vorbereitet wird. Kein Vorwurf an die Benutzer: Sie sind zwar die eigentlichen Sachkenner, das heißt, sie kennen das Feld, das es organisatorisch zu beackern gilt- den Umgang mit dem Werkzeug "Computer" haben sie nicht gelernt, und können es deshalb nicht für ihre Probleme einsetzen.

Was herstellerseits an Einarbeitungshilfen geboten wird, kann nur als dürftig bezeichnet werden, wobei es durchaus wahrscheinlich ist, daß die Erstanwender bewußt im Unklaren gelassen werden sollen. Schließlich geht's den Herstellern- und daraus wird kein Hehl gemacht- in erster Linie ums Verkaufen, und nicht um "Mittelstandsförderung".

Es ist einfach nicht wahr, daß sich die Leiter kleinerer Unternehmen partout mit dem Computer ruinieren wollen. Daß die Erstanwender mit Fleiß ein Haar in der Software-Suppe finden wollen; daß sie es meist auch finden- und wenn sie es selbst hineinpraktizieren müssen-, das ist zwar ein Einwand, den man häufig hört,- aber er wird in der Form nur von MDT-Herstellern und DV-Beratern vorgebracht.

Nein, den Interessenten eine Kamikaze-Mentalität zu unterstellen, geht an den Tatsachen vorbei. Der Einwand, daß sich der EDV-Ansatz nicht gegen den Willen der Betroffenen durchsetzen läßt, zieht nicht: Nur wenige Mittelstandsunternehmer sind sich der Tragweite ihrer Entscheidung "pro Computer" bewußt.

Fazit: Bei der Schulung auf diesem Gebiet ("Wie wähle ich den richtigen Computer?) kann man nicht zuviel sondern nur zuwenig tun.