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07.06.1985

Der kluge IBM-Chairman baut vor und rundet ab

Der kluge Mann baut vor. Die von Präsident John F. Akers britischen Wirtschaftsjournalisten so bereitwillig gewährte Auskunft, der Jahresumsatz von Big Blue werde heuer bestenfalls die 50-Milliarden-Dollar-Grenze erreichen (1984: 45,9 Milliarden Dollar), wurde von Öffentlichkeitsarbeitern in Armonk freilich schleunigst korrigiert: Der (Chair-)Mann habe da etwas abgerundet.

Wie dem auch sei: Nachdem bereits das erste Quartal nicht berauschend war, dürfte es auch im zweiten Viertel des laufenden Geschäftsjahres ein mageres Ergebnis für den Mainframe-Marktführer geben. Alles deute aber, so der zweckoptimistische Tenor, auf ein "starkes Finale 1985" hin (Seite 1). Die Anwender, davon ist man in Armonk überzeugt, werden in der zweiten Jahreshälfte wieder mehr für IBM(-Maschinen) ausgeben.

Schönheitsfehler: IBM beruft sich dabei auf Prognosen amerikanischer DV-Markforscher, wonach die Computerindustrie in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts, ja über 1990 hinaus, jährlich um 15 Prozent wachsen werde. Dieses Tempo wolle man mitgehen. Wo ist da der Haken? Nun, früher hätte man diese Aussage eher noch für eine Untertreibung gehalten. Doch eine gewisse Unsicherheit hat sich der DV-interessierten Öffentlichkeit bemächtigt, die Schönwetter-Prognosen der Analysten könnten getürkt sein.

Jetzt haben es die DV-Gurus schriftlich bekommen: Die Anbieter würden lügen, daß sich die Balken bögen, wenn es um Absatzzahlen gehe, sagt sinngemäß ein Insider (siehe Seite 4: "Slowdown macht auch vor Gurus nicht halt"). Wer, wie die Marktforscher, Trends vor dem Hintergrund dieser Pi-mal-Daumen-Angaben aufzeigt, der spielt falsch, der betreibt Wischerei - wobei es freilich nicht um die eigenen, sondern um die Augen anderer geht. Doppelte Ironie: Es ist die DV-Industrie, die sich selbst belügt, indem sie erfundene Zahlen liefert, um dann darauf aufbauende Studien zu bezahlen und awzuwerten.

Doch zurück zur IBM-Saga: Der blaue Riese hat daran zu knacken, daß die Anwender gerade eine Installationspause einlegen. Das betrifft insbesondere den Großzechnerbereich. Die Ankündigung der Sierra-Modelle 3090/200 und 3090/400 als 308X-Nachfolger hat im Markt bekanntlich nicht die Resonanz gefunden, die IBM erhofft hatte. Anders als etwa bei der 308X-Einführung, wo es um saubere Upgrades ging, muß der Leistungsgewinn bei den Sierra-Maschinen erst im Feld nachgewiesen werden. Dies ist schon deshalb nicht machbar, weil die Möglichkeiten der Sierra, mangels Liefermasse, vom Anwender vorerst nur auf dem Papier ausgelotet werden können.

So kommt es zu dem für IBM unangenehmen Durchhänger. Dazu muß man wissen, daß die IBM Corp. weltweit mit ihren 2000 größten Mainframe-Kunden 80 Prozent des Umsatzes macht. Akers setzt auf die Großkundenkarte, die allemal ein Trumpf-As war. Woher dann die Beunruhigung? Die Sache ist verzinkt: Mit der Mips-Migration wird es nur dann klappen, wenn die Kunden auch ihren Online-Apparat kräftig ausbauen, also zusätzliche Terminals an den Zentralrechner anschließen.

Danach sieht es momentan nicht aus. Das Konzept dezentraler Datenverarbeitung wird neu überdacht. Womöglich braucht man keine Zusatzkapazitäten im Host. Dann ginge die IBM-Rechnung nicht auf. Daher die Beunruhigung. Doch ein kluger Mann baut vor.